Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 15 (22.12.1926)
- Date
- 1926-12-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.»-v — «ieder jüdischen Arbeiterschaft in Tel-Aviv. ■ \ s ' Bei den Wahlen, die am 6. Dezember in Tel-Aviv \\ . #t&ttfanden, haben die Arbeiter einen großen Erfolg errungen. Trotz de3 Boykotts der Hausbesitzer war die Beteiligung eine rege. 66;5 Prozent aller Wähler haben an der Wahl teilgenommen. Von den abgegebenen Stimmen erhielt dio Listu der Histadruth 2659 Stimmen (15 Mandate), die linke Poale- Kion 482 Stimmen (3 Mandate). Da noch zwei der Mietervertreter der Arbeiterfraktion beitreten; verfügt die Arbeiterschaft insgesamt über 20 Mandate. Dio Stadtverwaltung setzt sich aus .41 Mitgliedern zusammen. Also, trotz der Beschränkung das Wahlrechtes, trotz •der Hetze der Hausbesitzer ist die Zahl der auf der Liste fler Histadruth -gewählten Vertreter von 14 auf 15 gelingen. Führer des internationalen Sozialismus nach Palästina. Kaum hat Wedgewood Palästina verlassen und schon ist Kenworthy, das ins englische Parlament neugewählte Mitglied der Labor Party, in Palästina.. Auch Leon Blum, der Führer der französischen »Sozialisten soll demnächst Palästina besuchen. Es ist sehr erfreulich, daß führende Genossen aller Länder den Aufbau Palästinas an Ort und Stelle studieren wollen. Nur müßte man sich bemühen, daß diese Einzel- besuche zu einem kollektiven. Besuch der sozialistischen Führer der wichtigsten Länder ausgestaltet werde. Unser Verbandsbureau müßte hier eingreifen. Beratungen der Abeiterorganisation mit der Zionistischen Exekutive» Laut dem „Dawar" fand; am 20. "November in Jeru- «alem eine gemeinsame Sitzung der Zionistischen Paläi (^inarExekutive; und dem Exekutiv-Komitee der Histadruth; statt, auf der dieses einen genauen Plan für Vornahme ne,uer Arbeiten zwecks Behebung der Arbeitslosigkeit im 'Lande für die Dauer von 6 bis 10 Monaten vorlegte. Die vorgeschlagenen Arbeiten sind in der Hauptsache folgende: 1. Durchführung der Bewässerungs- und Bauarbeiten in! den "landwirtschaftlichen Siedlungen, Beteiligung an den Bewässerungsarbeiten in Judäa, Hilfe an die verschiedenen tAnsiedler für Vorbereitung des Bodens, Fortsetzung der IV^örb'efeitungsäxbeiteh usw. Zur Durchführung flieser Arbeiten ist die Gewährung von Anleihen in Höhe von 95.000 Pfund Sterling nötig, die aus den Einkünften der nächsten drei Jahre bezahlt werden sollen. Dies^ Arbeiten können etwa 2000 Arbeiter für die Dauer von 10 Monaten beschäftigen. 2. Erhöhung der Hilfe an die Arbeiter in den Kolonien durch Einordnung von Hilfswirtschaften usw. im Beträge von 10.000 Pfund Sterling, um den bereits in den Kolonien befindlichen Arbeitern Beschäftigung zu geben und die Ueberführung neuer Arbeiter in die Kolonien zu ermöglichen. 3* Trockenlegungs- und Bewässerungsarbeiben, im Ernek Jesreel, die durch den K. K. L. durchgeführt werden sollen. Dies erfordert eine Anleihe an den K. K. L. von 30.000 Pfund Sterling, die aus den Einkünften der nächsten drei Jahre zurückgezahlt werden, sollen. Dies wird 400 Arbeitern für 10 Monate Beschäftigung geben. i. Hilfe in Form von Darlehen zur Durchführung von Straßenbau- und verschiedenen öffentlichen Arbeiten in Tel Awiw, Jerusalem und Haifa, die 3000 Arbeiter während 8 Monaten beschäftigen können. Dazu sind Darlehen in Höhe von 57.000 Pfund Sterling, eingeschlossen die Anleihe an Tel Awiw in Höhe von 15.000 Pfund Sterling, nötig. Das Exekutiv-Komitee der Histadruth schlägt vor, 35.000 Pfund Sterling durch ein Nachtrags- Budget für das Arbeits-Departement zu erlangen, die dem Keren Hajessod auf Konto seiner Einnahmen während der. nächsten Jahre geliehen werden sollen, während der Rest durch den Ozar Hajischuw aufgebracht werden soll. 5. Förderung des Häuserbaues in Haifa, Jerusalem und dem Hazafon-Viertel in -Tel Awiw. Für diesen Zweck müssen die Hypothekenbanken herangezogen werden, die amerikanische, die allgemeine und die südafrikanische Gesellschaft. Durch Gewährung von Hypothekarkrediten in Höhe von 60.000 Pfund Sterling, die während 6 bis 8 Monaten "an „die Bauführer ausgezahlt werden, ist es möglich, für 1500 Bauarbeiter Beschäftigung zu schaifen. Die Arbeitspläne umfassen insgesamt Beschäftigungsmöglichkeiten für über 7000 Arbeitslose, mit welcher Zahl man Ende Jänner, nach Aufhören der verschiedenen noch laufenden Arbeiten, rechnen muß. Das Exekutiv-Komitee der Histadruth schlägt der Zionistischen Exekutive vor, die vorgelegten Pläne möglichst rasch zu prüfen und demnächst einen Sonderdelegierten nach Amerika zu entsenden, der dort mit dem Präsidenten der Organisation und der Keren Hajessod-Delegation , über die notwendigen Vorschüsse verhandeln soll, damit es möglich werde, in den nächsten Monaten mit der Durchführung "der Pläne, zu be- ..„: ginnen. ..-Dia*-- Zionistisc^ß--Jbcß3cu-tive—will—der Histadruth binnen kurzem Antwort auf die unterbreiteten Vorschläge zugehen lassen. W, N o t i z e n Wedgewood in Wien. Col. Wedgewood hat in' Wien vor den Vertreter« der Presse und ein zweites*Mal in einer öffentliche» Versammlung über seine Palästinaeindrücke gesprochen. Er sprach voll Liebe Und Begeisterung über das arbeitende Palästina. Für die Wiener Zionisten ist es bezeichnend/ daß sie auch den Besuch Wedgewoods dazu benützt haben, um über die österreichische Sozialdemokratie herzufallen. Einer ihrer Journalisten richtete beim Presseempfang an Gen. Wedgewood Fragen, die bestimmt waren, den Gast zu provozieren, daß er sich' über die österreichischen Genossen abfällig äußern!' soll. Gen. Wedgewood war im ersten Moment üben diese Taktlosigkeit verblüfft, am Ende fertigte er? den Herrn mit einigen allgemeinen Worten ab. Daß die „Wiener Morgenzeitung" dieselbe Taktik verfolgt hat, ist ja selbstverständlich. Vor Arbeiter-., feindlichkeit wird ja diese Zeitung nicht nur taktlos^ sondern geradezu blöd. Die Schandtaten der Union. Sie bringt den Gemeindebund zu Fall nui. lehnt das Gemeindeblattab. Für den 9. Dezember war wieder eine jener über> drüssigen, geheimen Sitzungen einberufen, die diesmal ein«' unerhörte Zumutung in sich schloß. Es sollte über di* Frage, ob die Wiener jüdische Gemeinde sich einem z.« schaffenden österreichischen Bund der Judengemeinden an-* * ° schließen soll, geheim verhandelt werden! Wo doch 3 Tag* später in Wien die erste Tagung dieses Bundes stattfindet, soll und Vertreter der jüdischen Provinzgemeinden zu. diesem Ereignis nach Wien kommen! Und ebenso das G©* meindeblatt! Es erschien auf der Tagesordnung dieser Geheimsitzung, die entscheiden sollte über das wichtigste:. Instrument der Gemeindeöffentlichkeit. Genosse Dr. Bader gab gleich zu Beginn die "Er-*-- klärung ab, daß unsere Mandatare in diesen zwei Punkten^ keinerlei Schweigepflicht für sich anerkennen, sondern diet breiteste Oeffentlichkeit" von dem Verlauf der , Beratungen;: ia Kenntnisi'"setzen werden." .....- ■ - ~ —----— Nach den Rednern der Zionisten, die uneingesclrränkt für die Schaffung des Gemeindebundes eintraten, widerbatten bereits in ihren früheren Wohnländern ein Fach ausgeübt, unter ihnen 19, die in der Landwirtschaft tätig waren. Die Hälfte dieser Mitglieder war schon früher ge-; werkschaftlich organisiert. Dem Heohaluz entstammen 68 Prozent, dem Haschomer Hazair 8 Prozent. 67 Mitglieder i haben früher den Poale-Zion und Z. S. angehört, 3 den yünken Poale-Ziön, 4 der „Hitachduth" und 2 den allgemeinen Zionisten. * Der Solei Bönen hat im Oktober neue Arbeiten im -ßetrage von 10.690 Pfund Sterling übernommen, davon für ' 9400 Pfund Sterling in Haifa. Auftraggeber sind der Keren Hajessod mit 6900 Pfund Sterling, Arbeiterinstitutionon : mit 1500 Pfund Sterling, private Kolonisationsgesellschaften " mit 1000 und Einzelpersonen mit 1290 Pfund Sterling. Die meisten Arbeiten (8400 Pfund Sterling) sind in ländticheir»Siedlungen durchzuführen. Laut Verträgen'aus noch früherer Zeit hat der Solei Boneh nooh Aufträge für , 69.235 Pfund Sterling, davon in Jerusalem für 10.955 Pfund Sterling, Tel Awiw 19.010 Pfund Sterling, Haifa 55.770 Pfund Sterling- und Tiberias 5.500 „Pfund Sterling. Davon Bind Hochbauarbeiten für 56.805 Pfund Sterling und Tiefbäüarbeiten für 32.430 Pfund Sterling. Am 1. November waren im Solei Bönen 2834 Arbeiter be'i^h'ättigti ' davon in Tel Awiw 824, Haifa 1606 und 3e4walem 345. -♦" ■ * Auf der letzten Konferenz der Aohduth Haawodah A»t Lewtowilfc %u o\ne$ der führenden Mitglieder von Ej<j,. ChirekL - sphaB; den Gedanken des „Kibbuz arzi", das heißj; deg, überlokalen Zusammenschlusses verschiedener Kwuzoth in verschiedenen Teilen des Landes zu einem «en^rajen Ki^buLz, angegriffen. Die Frage erregte große;, Aufmerksamkeit, auf der. Konferenz, und wurde sehr lebhaft erörtert. In dem nachfolgender; Artikel verteidigt Mos che Sqhapiro den Gedanken des, „Kibbuz arzi". Der Verfasser eruiert einleitend, aa den vor. einigen Jahren erfolgten Bruch innerhalb dest .Qdo^. p^^pda^i, ^Q^PA cten •ich die Wirtschaft von En Oharod vom Gdud loslöste &nd, wobei, c^ie Gegnerschaft von. En Oharod' gegen: den <Jedanije^. de$v „Kibbuz arzi" eiqe KoUe spielte. Schon 6am&h} ae^. das Problem erörtert: worden, diesmal, aber •*if. d^Dia^kus^pft viel,gefährlicher*, weft, si«. sich gaws tjui$rj^i defl. Rehmens, de* Achduth Haawodah. abgespielt feabe, und weil die Diskussion sich nioht nur gegen den fluaammenechluß von. Kwuzorth richte, sondern einen aljgemeinen kwWz*feüulüchen OhArakiec txago. Diese kwuzafeindliche Tendenz stehe im Zusammenhang mit Oppen- Ii eimers Aeußerungen und habe deshalb auch in der Galuth Widerhall gefunden, und, wenn in einem solchen Augenblick allgemeiner Gegnerschaft gegen die Kwuzah ein bewährter Chawer die Wirtschaft der Kwuzah kritisierte, so sei zwar nicht zu. verkennen, daß diese Kritik einer anderen Einstellung entstamme, aber sie sei trotzdem geeignet, den Kwuzagegnern den Rücken zu stärken. Zwei Formen der Kolonisation unterscheidet der Verfasser, die der Kwuzah und die individualistische des Moschaw Owdim. Es sei durchaus falsch, daneben die große Kwuzah als eine besondere Form hinzustellen.' Diese Auffassung stamme von Gegnern der Kwuzah, die die kleine Kwuzah für ein Uebergangsstadium zum Moschaw hielten, in der großen Kwuzah aber eine dauernde Ansiedlungsform erblickten. Innerhalb der Arbeiterschaft gäbe es einen anderen Grund der Gegnerschaft gegen die große Kwuzah, nämlich der Mangel angeeigneten Leibern einer großen Wirtschaft. Aber die Vertreter dieser Ansicht könnten nicht als Gegner des Kwuzansystems angesehen werden. Im Moschaw Owdim gäbe es überall eine Tendenz zur Kooperation, in manchen Mosjshawim versuche man, auf möglichst vielen Gebieten genossenschaftliche Formen der Arbeit zu finden, jedenfalls aber gäbe es keinen Moschaw ohne Ansätze in dieser Riohtung. Es sei auoh keineswegs ausgeschlossen,, daß einmal ein Verband der Moschawim entstehe, um bestimmte, nur gemeinsam zu lösende Aufgaben zu übernehmen. Gegenüber dem Moschaw stelle die Kwuzah von vornherein eine größere Wirtschaftseinheit dar. Dagegen fehle bisher eine gemeinsame Arbeit der gleichartigen Wirtschaftakörper, also die Kooperation der Kwuzah untereinander. Die Tätsaohe allein,, daß die Kwuzah in völlig anderen Lebensformen lebte;, als ihre Umgebung, erforderte den Zusammenschluß zwecks Stärkung de:- Prinzipien der Kwuzah sowohl auf.. wirtschaftlicher, wie auf gesellschaftlicher Grundlage. Ein solcher Zusammenschluß sei auoh erforderlich, damit in dem Augenblick, wo Aufbau und Konsolidierung der Wirtschaften beendet seien, gegenseitige; Hilfe unter ihnen einsetzen könne und so schwache Wirtschaften gestützt , werden könnten. Es gäbe also gar keine Argumente gegen den Zusammenschluß von Kwuzoth, In der Tat habe es sich seinerzeit beim Ausscheiden von En Oharod aus dem Gdud nicht um Gegnerschaft gegen den „Kibbuz arzi''' am eich, sondern nur um Gegnerschaft gegen die finanzielle ZentxrJUdru.3 geV.'mdelt. Dor t Gedanke. d?« „Ki.';bu* aa-zi""'dageg kib« sich in En Oharod durch. .-e.iout. Die . Exekutive der jüdischen Einwanderungs-Gesellschaft „Hias" in New-York beschloß, die Veranstaltung; eines Drives zur Aufbringung eines Fonds von 500.000' Dollar zwecks Unterstützung. der jüdischen Einwanderung! nach Palästina und Südamerika während der nächsten zwei Jahre.;> * . ■•'. . Im „Dawar" vom 11. November 1926 beschäftigt sicS. II. Halporin mit der Absicht der Regierung die Reg»-' lung der Einwanderungsangelegenheiten, die bisher der Paßabteilung übertragen war, gleichzeitig mit der Auf--., lösung dieser Abteilung dem Chef der palästinensische» Polizei, Mr. Mawrogordati zu unterstellen. Er schreibt u. a.: „In den meisten großen Eiuwanderangsläüderh bestehen besondere, für ihre Aufgaben geschulte Verwaltungsbehörden, die für zweckentsprechende Aufnahme und Beratung der Einwanderer Sorge tragen. Die palästdneij--. sisohe Regierung kennt nicht desgleichen, sie hat sich Viet* mehr in der administrativen Behandlung der Einwanderet an die Seite jener Länder gestellt, die jeder Einwanderung' ablehnend gegonüber stehen, die die Kontrolle über die'. Emigranten nioht besonderen, dafür geschaffenen Stellen^ sondern dem Innenministerium und damit der Polizi&'i überantworten, Sie hat sich bisher jeder * Verpflichtung* entzogen, das Los. des Emigranten zu erleichtern!,' halt ihm keine der in anderen Ländern üblichen Erleichte^ rangen und Vergünstigungen für seine Ansiedlun'g us'ir.u gewährt, im Gegenteil, die Regierung betrachtet den-Ei ja-' Wanderer als eine Art „melkende Kuh", die' sie ohne BaV schränkung finanziell ausbeuten kann. Vor einigen Jahren hat die Regierung das Einwaji* dorungs-Departement aufgelöst und aus ihm eine Paßalbteilung gemaoht. Nun scheint eaf daß auch dieser Täusclk nur einen Uebergang zum Pdizeisyatem darstellensollte;. . Wir müssen diese folgenschwere Verfügung zu annullieren trachten. Wehn die palästinensische Regierung sieft von jeder wirklichen Verpflichtung für die Einwandere*' frei fühlt, dann möge sie uns wenigstens nicht störea, - Das Judentum hat die Sorge für die jüdische Einwanderung nach Palästina auf sich genommen und ist für ihr Schicksal verantwortlich. Kein Mensch redet von einer anäroÜIsehen Einwanderung, niemand bestreitet die Notwendig-- keit ihrer Regulierung, aber wir sind sicher, daß Wir sie' ohne Unterstützung des Herrn Mawfogordati durc»« führen-können.«1 Nach der Meinung des .Yerfassere müßte auf diese«, Gebiete die Jewiuh Ageaoy volle Autonomie besitzen. Wen»/