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Unsere Tribüne · 1926-11-01 · 13-14 (November 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
13-14 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Y. b. b. B|| Unsere Tnbune Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, IL, Blumauergasse l/ll Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 13—14. Wien, November 1926. 3, Jahrgang. Gruß dem Genossen und Freund! Auf der Durchreise von Palästina nach England hält sich Genosse Colonel Jos iah C. Wedge- |wood einige Tage in Wien auf. Wir benützen diese Gelegenheit, um unserem Genossen und Freunde .unseren herzlichsten Gruß zu entbieten. Genosse WedgeivvQod zählt zu den mutigsten Kämpfern gegen die Unterdrückung der Koloniallyölker des britischen Imperiums, er ist oft den' Feinden der Arbeiterschaft im Parlament und als Mitglied der Arbeiterregierung entgegengetreten. Wir grüßen deshalb in Wedgewood den Kämpfer und Führer der mächtigen englischen Arbeiterschaft. Es ist für uns eine außerordentliche Genugtuung, 'daß dieser mutige sozialistische Kämpfer zu den aufrichtigsten und nächsten Freunden unserer Palästinabestrebungen zählt. Es gab kaum eine Beschwerde, oder eine Forderung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, die nicht Genosse Wedgewood im englischen Parlamente vorgebracht hat .und die er nicht mit Merzenswärme und Üeberzeugung vertreten hätte. Er war in den letzten Jahren - der treue Verteidiger der Interessen der wunderbaren, schwer ringenden Arbeiterschaft in Palästina. Nicht Dank wollen wir Wedgewood sagen, wir sind überzeugt, er tut es aus Pflichtbewußtsein. Aber möge der sehr liebe.Gast dessen sicher sein, daß wir jüdischen Sozialisten die Solidarität, die er uns gegenüber übt, zu würdigen wissen. Werden wir doch auch heute noch im sozialistischen Lager so oft mißverstanden und verletzt. Und . nur Erscheinungen wie Wedgewood. und andere sozialistische Genossen, die uns Verständnis und Anerkennung zollen, die .uns in unserem .schweren Kampfe unterstützen, stärken in uns die Hoffnung, daß uns in absehbarer Zeit alle wahrhaft . internationale Sozialisten unterstützen werden.. ' . , . ........ Wir sind stolz, diesen großen Arbeiterführer zu unseren Kampfgefährten beim Aufbaue Palästinas zählen zu dürfen. Herzliches Willkommen, freundlich e n s o z ial i s t i s c he n> Gruß dem großen, Heben Gaste, dem Genossen Wedgewood! ,G:o 1 one 1 J. Weedgewood, Parlamentsmitglied der britischen Arbeiterpartei: i <..,. vä8s -Soilallst für den Pafäsfinaaufbau»** ' . Im Laufe des, letzten Jahrzehnts habe ich in Arbeiteryersammiungen der ganzen Welt, von San Francisco bis Budapest, über euch und eure großen Leistungen gesprochen. Ihr könnt euch ungefähr vorstellen, was ich empfunden habe, als ich herkam Und euer Werk sehen konnte. Ich habe zunächst Jerusalem. gesehen, aber es hinterließ keinen beson- 'deren Eindruck. Als ich erst in Tel-Aviv war, fühlte ach mich zuhause. Hier fand ich, was ich erträumt und erhofft habe. Es war nicht die elektrische Beleuchtung, nicht das gute Straßenpflaster, ja nicht sogar der Arbeiter-Bürgermeister, die diesen mächtigen Eindruck auf mich machten, sondern ihr, die Menschen, die dieses neue Palästina erbauen, und die die ganze Welt überzeugen, wie Juden arbeiten können. Hier offenbaren erst die Juden ihre große schöpferische Kraft. Arbeiter und Führer der jüdischen Arbeiterbe- •■wegung, ich überbringe euch die Grüße und die Zükunftshoffnungen ' der britischen Arbeiterpartei. [Wenn die Arbeiterpartei über euer Aufbauwerk und über euern Kampf informiert ist, verdanken wir es Käplansky, der durch seine Aufklärungsarbeit in den Kqluaren des Parlaments diese Frage auf die Parlainents.tribüne gebracht hat. Ich würde mich freuen,, wenn ich meine Kollegen herbringen könnte, damit sie selbst sehen sollen, was Palästina ist und was die' Arbeiterschaft eines jeden Landes leisten könnte. ' Die Aufgabe der Arbeiterbewegung besteht nicht bloß darin, Gesetze, wenn auch zu Gunsten der Arbeiterschaft zu schaffen, sondern vielmehr den Menschen zu erneuern. Die persönliche Würde des einzelnen ist die einzige Grundlage, auf die man ein kooperatives Land aufbauen kann. Und euch hat Palästina in diesem Sinne völlig erneuert. Es hat aus tfem Juden aus den Kiewer und Wilnaer Ghettos einen freien Menschen in einem neuen Lande gemacht. Es gibt aber noch viel schöneres als Tel-Aviv, das ist: 'der Anblick der Chaluzim in ihrer bescheidenen Kleidung. *) Aus seiner Rede auf dein Parteitag unserer Bruderjartei in Palästina. Ich kann leider nicht viel über den Anteil des britischen Volkes und seiner Regierung an diesem großen Emanzipationswerk sagen. Es war eine schwere Enttäuschung für mich, als ich herkam und mich überzeugen mußte, daß die Gemeinsamkeit zwischen euch und'den englischen Beamten, die ich wahrzunehmen hoffte,, überhaupt nicht vorhanden ist. Und wenn ihr in Palästina Erfolge erzielen wollet, könnt ihr nur auf die eigene Kraft bauen. Unsere Unterstützung kann nur eine sehr geringe sein. Die Arbeiterfraktion bildet zurzeit eine Minderheit im Parlament und ich kann nur im Namen dieser Minorität des Landes hier sprechen. Aber glaubet mir, der Anblick dieser Versammlung wird meine Energie und meinen Willen steigern, diese Minorität in eine Majorität umzuwandeln, damit wir, nicht bloß hierzulande, sondern in der ganzen Welt vorwärts kommen. Heutzutage können wir bereits vieles von euch lernen, wie ihr auch so manches bei uns lernen könnt. Der Auflbau eures Landes hängt wohl in erster Reihe von euch a|b, aber wenn ihr den Boden bestellen wollt, berauben euch die schlechten Gesetze dieser Möglichkeit. Vom Erlangen freien Bodens hängt euere ganze Bewegung ab. In Jerusalem sagte man mir, daß es in Palästina keinen freien Boden gibt und daß man den Juden nur Bodenflächen zuweisen könnte, wenn man die Araber enteignen sollte. Man wird in der britischen Arbeiterpartei kaum noch einen finden, der gleich mir für das Recht der Einwohner der britischen Kolonien auf ihren Boden eingetreten ist. Wenn ich überzeugt wäre, daß die jüdische Kolonisation in Palästina das Verdrängen der Araber von ihrem Boden bedeutet, ich würde auf der Seite der Araber stehen. Aber ich weiß genau, wie ihr es wisset, daß euer Einwandern, euere Ansiedlung das Verdrängen der Araber nicht voraussetzt, im Gegenteil, es verbessert* ihre Lebensbedingungen. Es ist genügend Boden für alle vorhanden. Wenn die Araber ihren Boden rationell be-- stellen würden, wäre eine genügende Bodenreserve für die einwandernden Juden vorhanden. Es müßte nur ienes Eigentumsrecht auf Boden, welches die Ansiedlung arbeitender Menschen verhindert, aufgehoben werden. Ob Jude, Effendi, oder religiöse" Institution, niemand darf das Recht besitzen, Bodenflächen, die er #icht bestellen' kann, zu besitzen. Diese Gabe Gottes, die allen Menschen zugedacht ist, darf nicht ein Besitz einiger weniger sein. Wenn ich die Palästinaregierung inne hätte, würde ich die' nicht bebauten Bodenflächen mit den höchsten Steuern bemessen und ich würde beim Bürgermeister von1 Tel- Aviv lernen, wie man es den Bodenbesitzern beibringt, ihren Boden nicht unbebaut zu lassen. Ich werde dem Kolonialminister in London von' allem Unrecht, das an der jüdischen Bevölkerung begangen wird, Mitteilung machen. Ich werde ihm/ schildern, welche Gefahr seitens der Regierungs-. beamten für die Verwirklichung des großen Zieles, des Aufbaues einer jüdischen Heimstätte, besteht. ■• Wie in der österreichischen Sozialdemokratie der Antisemitismus bekämpft wird. Die Historie von Jesaias Aber bach. [ "Wiederholt ist in „Unsere Tribüne" die grund-, falsche. Methode bloßgestellt worden, in der, die öster^ reiehische Sozialdemokratie , den; Antisemiten an den) Leib zu ^rüekett^kukk:«nd^ darauf ausgeht, der österreichischen1 Bevölkerung zu be'W0ei? sen, daß die Antisemiten, eigentlich gar keine konsequenten Antisemiten sind, daß sie den .Antisemitismus als Idee korrumpieren. Wir haben bei jeder Gelegenheit unsere Genossen darüber aufgeklärt, daß der Kampf gegen den Antisemitismus zu führen ist, nicht gegen die Antisemiten. Gegen die reaktionäre Ideologie, nicht gegen Einzelmenschen. Um so mehr, als die Kampfrequisiten der sozialdemokratischen Parfeipresse .gegen die Antisemiten sehr bedenkliche sind und die Art, wie dieser Kampf geführt wird, klar beweist, wie wenig Verständnis für jüdische Dinge dort 'vorhanden ist. Wenn ich heute daran .gehe,L die gekennzeichnete Kampf weise hier kritisch zu zergliedern, so geschieht es nicht nur, um der einhelligen Empörung der jüdischen Bevölkerung Ausdruck zu verleihen, sondern auch um unseren Par-; teibehörden, unserer Parteipresse zur Kenntnis zu bringen, daß auch die Geduld der jüdischen Bevölkerung ein Ende nimmt. Und letzten Endes auch* um für die kommende Wahlarbeit einen Grund zu, legen. Wir können nicht dulden, daß durch die, Fortsetzung des Bisherigen die jüdische Bevölkerung den demagogischen, abgekrachten ■ Jüdischnatiönalent in die Arme geliefert werden, die als einziges Argument gegen die österreichische Sozialdemokratie deren Antisemitismus ins Treffen führen und für die* derartige fortgesetzte Entgleisungen das wertvollste' Propagandamaterial bedeutet. Nun zum angekündigten Einzelgegenstand. „Der Sozialdemokrat, Monatsschrift der Organisation Wien",., der seine Auflage, 221.000 Exemplare, mit Stolz am der Stirne trägt, bereichert die Geschichte der antk semitischen Karikatur mit der Gestalt jenes sein müssenden Jesaias Aberbach, der gerade im richtigere Moment noch seine Finger in die Bauernbank stecken.- konnte, um der sozialdemokratischen Parteipresse Gelegenheit zur Ueberführung der Antisemiten als Busenfreunde jüdischer Spekulanten zu geben. Wie sieht nun unser Jesais, belastet mit dem gewaltigsten Namen] unerschrockenster Gerechtigkeitsverkünder jüdischer Die heutige Nummer ist 6 Seiten stark, sie gilt als Doppelnummer.

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