Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 11 (07.10.1926)
- Date
- 1926-10-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2822530-2822559-2822570--191-2822846- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Unsere Tribüne Nf. 11 ■■■■■■■■■■■■■■■ Wir sprechen dem Genossen Dr. Rudolf Glanz anläßlich des Ablebens .seines Vaters unser tiefes Beileid aus. (Möge er im Kampfe für unser Ideal Trost finden. Die Organisationsleitung. Redaktion u. Administration1 „Unsere Tribüne". Anläßlich des Ablebens meines Vaters sind mir schriftlich so viele Teilnahmsbezeugungen zugekommen, daß ich auf diesem Wege meinen Dank aussprechen muß. I>r. Rudolf Glanz. Vom jüdischen wissenschaftlichen Institut In Wien hat sich ein Arbeitskreis für das jüdische wissenschaftliche Institut gebildet. Eine Reihe von Arbeiten befinden sich in Ausführung, wichtiges volkskundliches, literaturgeschichtliches und historisches Material wurde an die Zentrale zur Veröffentlichung gesandt, außerdem haben einzelne unserer Mitglieder Publikationen beim Institut eingereicht. Ueber die Arbeiten des Instituts in der ganzen Welt orientiert die soeben erschienene Nr. 15 der Nachrichten des Instituts, die vom Gefertigten an wissenschaftliche Interessenten in beschränkter Anzahl versendet wird. (Kostenlos.) Die bisherigen Veröffentlichungen des Instituts, u. zw.: „Das Landaubuch" (Band I der philologischen Serie), und „Jiddische Philologie" (Jahrgang 1924) können durch den Wiener Arbeitskreis bezogen werden. Auskünfte an Interessenten, die mitarbeiten wollen, erteilt Dr. Rudolf Glanz, Wien, XVITI., Weimarerstr. 19. Wer ist Herr Fürsorgerat Metzger? Ueber Herrn Metzger, der es nicht vertragen kann (er wird sich damit schon abfinden müssen), daß die Kultiugemeinde für den Palästinaaufbau beiträgt, erhalten wir folgende Mitteilung aus Neubau: Der Fürsorgerat Metzger aus Neubau besitzt scheinbar den Ehrgeiz, daß man sich mit ihm beschäftigt. (Hat sich ja ein ähnlich Ehrgeiziger vom III. Stock hinuntergeachmissen, damit er in die Zeitung* kommt...) Als Ehrenmann hat er sich das Horthy-Blatt zu seinem Publi- Das Landaubuch. i (Schriften des jüdischen wissenschaftlichen Instituts. Band I der philologischen Serie.) Die philologische Sektion des Instituts hat die im Jahre 1924 als Zeitschrift herausgegebene „Jiddische Philologie" entsprechend dem schnellen Wachstum des Instituts und seiner Schar wissenschaftlicher Mitarbeiter iu fest erscheinende Serienbände umgewandelt- Als deren erster erscheint das vorliegende Buch, das Dr. Alfred Landau BUüi 70. Geburtstag gewidmet ist. , Damit ist die philologische Sektion, die nach dem Organisationsplan des Institutes auch die ethnographische und litera,turgeschichtliche 'Forschung in sich begreift, der historischen und ökonomischen Sektion vorangeeiit, die bei der Herausgabe ihrer ersten Bände erst jetzt halten, um •so mehr, als in kürzester Zeit schon der «weite Band der philologischen Serie erscheinen wird und der ungeheure Reichtum der vom Institut auf gesammelte xx Materialien das Erscheinen des amerikanischen Pinkas nötig gemacht hat, der hauptsächlich folkloristisches Material bringen wird xmd für Jänner 11)27 angekündigt ist. Die wissenschaftlichen Leistungen des Instituts zeichnen sich vor allen anderen wissenscliaftlichen Unternehmungen im jüdischen Volk durch ihren kollektiven Geist aus, der die gesamte• jüdische Intelligenz, soweit sief mit dem Volk lebt, in den Bereich seiner Arbeit zieht und die Ergebnisse seiner Forschungen sogleich dem jüdischen Volk zugänglich macht. Die Lehrer aus den weltlichen jüdischen Sohulen als Mitarbeiter, die Kinder dieser selben Schulen als Verbraucher des angesammelten Wissensstoffes; dieser Kreislauf versinnbildlicht die geistige Fruchtbarkeit dieser wissenscliaftlichen Leistungen. In der Tat, wenu dieses wissenschaftliche Kollektiv um sich nach einheitlichem Hau in Bewegung setzt, entstehen Leistungen, die für jüdische Hochschulen sonst unerreichbar sind. Ein wunderbares Bild gewähren diese folkloristischen Enqueten, in denen sich auf Kommando 2ö0 wissenschaftliche Korrespondenten iu Bewegung setzen, dem Volksleben seine Geheimnisse; ablauschen und sie zur Atlfzeichnung bringen. Purim, Lag Beomer, Sukkoth, Schwuoth, alle Ereignisse im Volksleben liefern den Stoff dieser Enqueten und ihre unschätzbaren Resultate erhalten den geistigen Volksbesitz der Juden für immerwährende Zeiten. Diese und alle anderen wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts vereinigen schou heute in allen Ländern jüdischer Siedlung die dem Volksleben nahestehenden Forscher und wissenschaftlichen Arbeiter. kationsorgän gewählt. Das sollte eigentlich zur Charakteristik dieses Herrn, der sich als Genosse bezeichnet, genügen. Aber es. gibt noch manches Interessante, das erwähnenswert ist. Der Hen* Fürsorgerat ist im Bezirke als schäbiger Ausbeuter bekannt. Er hat es für, richtig erachtet, bei verschiedenen Gelegenheiten über den „Steuersadismus" des Stadtrates Breitner sich auszulassen. Auch sonst ist er im Bezirke unter der Bevölkerung unbeliebt. Der sozialdemokratischen Bezirksorganisation ist das Treiben dieses Herrn nicht unbekannt geblieben und es wurde ihm nahegelegt, das Fürsorgemandat niederzulegen. Er weigerte sich aber. Sah man sich gezwungen, ihm die wichtigsten Funktionen zu entziehen. Es wird nicht schwer sein, sich vorzustellen, welcher Beliebtheit sich dieser Herr erfreut, wie groß das Vertrauen zu ihm und wie honorig er ist. Es wäre erwünscht, daß die Partei dieses politisch äußerst unverläßliche Personellen ausschließe. Er ist in jeder Beziehung ein Schädling der Partei und darf in unserer Mitte nicht länger geduldet werden. Aus Deutschland. ' /Leipzig. Im Arbeits jähr 1926/27 wollen wir eine Konsolidierung der Bewegung in Leipzig herbeiführen. Wir hoffen, daß uns dies insbesondere gelingen wird durch entsprechende Ausnutzung der Möglichkeiten, die uns das Heim bietet. Das Hauptaugenmerk werden wir dabei auf die* innere Stärkung der Organisation richten. Von unserer Geschlossenheit und Stoßkraft wird es abhängen, ob wir nach außen Inn als Machtfaktor auftreten können. Als ersten Schritt dazu ist es nötig, von Grund auf eine Neuorganisierung der Leipziger Gruppe durchzuführen. Diesem gesteckten Ziele soll eine Umregistrierung unserer Mitglieder dienen; diese geplante Umregistrierung findet vom 1.—9. Oktober statt. Wir weisen schon jetzt darauf hin, daß nur diejenigen Chawerim für die Umregistrierung in Betracht kommen, die dem Z. C. gegenüber ihre Pflicht voll erfüllt haben. Die Umregistrierung gewinnt erhöhte Bedeutung durch die baldige Konferenz, auf der nur die registrierten Chawerim aktives oder passives Wahlrecht haben. Unsere Arbeit im kommenden Halbjahr wird stark eingestellt sein auf eine geistige Erfassung unserer Mitglieder im Sinne einer Vertiefung1 des poale-zionistischon Bewußtseins. j Ueber die in Aussicht genommene Erledigung unserer übrigen Aufgaben, z. B. Erwerbslosenfrage, unsere Beziehung zur S. P. D., zu jüdisch-öffentlichen Institutionen, P. A. F.¬ Aktion usw. werden wir noch berichten. L. Schächter. So hat das Festbuch zu Ehren Landaus einen Kreis von Männern versammelt, wie ihn heute nicht leicht ein anderes wissenschaftliches Unternehmen zusammenbringt. Dazxi kommt eine räumliche Weite des bearbeiteten Wissensstoffes, die ihresgleichen sucht. Sind doch die erlesensten Seltenheiten der europäischen und amerikanischen Bibliotheken, Museen und Archive von Männern bearbeitet worden, deren ganze Leidenschaft der Erforschung dieser Schätze gewidmet war. 1 Das jüdische Volk hat ungleiche Ehren zu vergeben, andere als bei den anderen Völkern. Es vermag nicht die Anerkennung des Staates zu bringen, aber seine Ehren sind gerade deswegen die Ehren der wahren Wissenschaft. Es ehrt den Wegweiser der jüdischen Sprachwissenschaft, Dr. Alfred Landau, in dem Kreis seiner Schüler und Freunde dio Männer der tatsächlichen geistigen Arbeit im jüdischen Volk zu sehen, die junge Gelehrtengeneration der ganzen jüdischen Welt von heute, die Träger großer geistige^ Werke von morgen. Und welche Erdcoiräume jüdische Wissenschaft heute umspannt, ersehen .vir aus der Zusammenstellung der geistigen Arbeitsstätten dieser Männer, die sich fast über die ganze von Juden bewohnte Welt verteilen. 42 Arbeiten umschließt dieses Werk und es ist natürlich ausgeschlossen, hier auf einzelnes näher einzugchen. Doch wollen wir eine Gruppierung der einzelnen Gebiete audeuten, vorerst aber einige Arbeiten besprechen, die aus den übrigen auszuscheiden sind. Vor allem — eine sinnige Ueberraschung für den Jubilar und die Leser — eine eigens für diesen Zweck aufgesparte Arbeit Laudaus selber: „Bemerkungen 'zur 'jüdischen Folklore." Diese liebevollste aller wissenschaftlichen Kritiken, die Landau auf'ein Werk Bastomskys verfaßt hat, ist das Bild des Jubilars in allen seinen hervorragendsten Zügen. Seiner Gelehrsamkeit, unübertrefflichen Genauigkeit und Bescheidenheit. Sodann Wachsteins „Ausgestaltung des Ignatz Bernsteinschen' Lebenswerkes", einer Aussonderung des jüdischen Sprichwörtergutes, soweit es auf älteres, jüdisches Schrifttum zurückgeht, nebst den dazugehörigen Literaturbelegen. Sodann reihen sich die größeren Kreise: Philologie, Folklor und Literaturgeschichte. Im Mittelpunkt der ersteren Stie'fs große Studie: „Wenn — denn, Bindewörter in der jüdischen Sprache des XV. und XVI. Jahrhunderts," eine Zerlegung des ganzen damaligen jüdischen Schrifttums in Bindewörtei'regeln nach den historischen Bedingungen ihres Entstehens, ferner Weinreichs „Lantuch", die Verfolgung des NÄHMASCHINEN f) I f» ff mit kostenlosem Stickunterricht Wf I IC FAHRRÄDER 1926 * ■ W Auch gegen Teilzahlung!! ■■■■■■ Reparaturannahme aller Systeme! * IX., Liechtensteins^. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport» und Touristenartikel Fabriksniederlage in Herren- und Damen- Modestoffen S. Meister Wien, I., Salzgries Nr. 7. Telephon Nr. 69-402 WICHTIG FÜR JEDERMANN! Sorget vw für euch und eure Angehörigen, um beim Ableben eines eurer Teuren der Pflicht und Sorgen' enthoben zu sein, für ein würdiges und mioderoas Leichenbegängnis aufzukommen. Um sich alle dies© finanziellen Sorgen, zu erspareiki, müßt ihr sofort die Mitgliedschaft erwerben imi VOLKS¬ FEUER - BESTATTUNGS- VEREIN IN OESTERREICH WIEN, VII., MARI AHILFERSTR AHE 8SA Das Inkasso wird regelmäßig von unseren. Vereinsorganen besorgt. Kein Wirtshausbe&uch und längeres Warten notwendig. Die Gefahr des Verlustes der Mitgliedschaft durch Vergessen der Einzahlung der Monatsbeiträge fällt durch diese Maßnahme weg. KEINE KARENZZEIT! (WARTEZEIT) Schon nach Erlag des ersten Monatsbeitjagesi und bei jeder Todesart ist der Verein verpflichtet, die kostenlose Einäscherung durchzuführen. KEINE ZAHLUNG AUF LEBENSOAUER! KLEINE MONATSBEITRÄGE! Die Beitragsleistung des Mitgliedes) ist auf eine von ihm selbst zu bestimmende Zeitdauer beschränkt, dagegen besteht die Mitgliedschaft auf Lebensdauer. vom Meeresbeherrscher Poseidon zum machtlosen Quellgott der Römer herabgesunkenen Neptun durch Tossafoth, Raschi und andere Schriftttimcmellen, bis in die heutige jdüische Volksvorstellung und Volkssprache. Sodann Borochows wundervolles Programm einer „Geschichte des Jiddisch"," mitgeteilt von Niger. Eine Fülle reicher grammatischer, phonetischer, lexikologisc^ier Arbeiten, teilweise in Verbindung mit der Dialektforschung, runden diese Gruppe ab. In der Folkloregruppe zunächst eine allgemeine Arbeit: J. L. Kahan, ., Volksge'sang und Volkslied," ein Versuch, durch wissenschaftliche Kriterien das eigentliche Volkslied von den übrigen Gesängen im Volke zu! unterscheiden. Dann SpezialSammlungen: Spitznamen von Juden im Elisabethgrader Kreis, von Weißenberg, Winter, Karten-, spräche, Grünbaum, Wörter auf Schlager, Kubinstein, Sprichwörter und Redensarten, schließlich aus Schmuel Lehmanns unerschöpflichen Sammlungen eine Anzahl origineller Gaunerlieder mit den dazugehörigen Melodien. Aus der Literaturgeschichte: Fast alle Zweige der altjüdischen Literatur sind vertreten: Staerk über Münchner Handschriften, Riwkind über ein altes Lied auf den Handwerkerstand in der New-Yorker Seminarbibliothek, Doktor L. Landau über eine unbekannte jüdisch-deutsche Variante der Artuslegende. Von Arbeiten über neuere Dimje ist zunächst Pinckas Kohns reizvolle Arbeit „Das erste polnischjüdische Wörterbuch und sein Verfasser Lewin Liondor" zu erwähnen. Sodann"Nachmann Meiseis: Perez und Scholem Alochem in ihren persönlichen Beziehungen. Einige Arbeiten behandeln Dinge aus Oesterreich: So Taglicht: Die geographischen Namen der Tschechoslowakei und des benachbarten Burgenlandes, und Goldmann: Die Wachnacht hei Wiener Juden zu Beginn des XV. Jahrhunderts. Auf dem Wege der jüdischen Wissenschaft bedeutet! das Landaubuch eine Konzentration derselben auf die Grundlagen des unmittelbaren Volkslebens. Die befruchtende Wirkung einer solchen Prodiiktivität teilt sich dem geistigen Leben unseres Volkes unmittelbar mit. Die Wissenschaft erhält so Antrieb zu einer Menge von Einzelleisfcungen. Noch Borochows Pinkas 1913 bedeutete eine Einzelleistung in einer sonst wissenschaftlich produktionsloseu Epoche. Das Landaubuch von 1920 bietet einen Extrakt jüdischer Wissenschaft aus einer immer reicher werdenden Epoche, in der die "Wissenschaft zum Leben des jüdischen Volkes vordringt. Dr. Rudolf Glanz. Eigentümer, Verleger, Herausgebor und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rud. Glanz, R.-A.-Anwärter, Wien, XVIII., Weimarerstr. 19/10. —Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52b.