Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 11 (07.10.1926)
- Date
- 1926-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. __ mm Unsere Tnbune Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 11. Wien, 7. Oktober 1926. 3. Jahrgang. Franz Oppenheimer und der Palästinaaufbau. , Vor einiger Zeit sprach Franz Oppenheimer in Wien über seine Eindrücke von der letzten Palästinareise. Die Wiener Presse — darunter auch die „Arbeiter-Zeitung" — besprachen ziemlich eingehend die Ausführungen des Vortragenden. Merkwürdigerweise griffen alle mit besonderer Betonung seine warnenden Rufe ob der angeblich heranbrechenden Krise im Zionismus tauf. Wir haben den Eindruck, daß die Herren Berichterstafter diesen Teil der Ausführungen viel ernster als der Vortragende selbst, genommen! haben. , Wir wollen hier nur auf die wesentlichen Behauptungen Franz Oppenheimers eingehen. Er meinte: I. Palästina wird nie ein Staatswesen mit einer jüdischen Mehrheit werden. Man sollte sich deshalb bereits 'jetzt ■ mit einem binationalen Palästina abfinden. II. Die gewerkschaftlichen und sozialistischen Kampforganisationen seien in Palästina verfrüht. III. Die Methode der Verteilung! der Funktionen und der Leitung bei der Aufbautätigkeit in Palästina sei unzweckmäßig-. IV. 'Die Kleinbauernsiedlungen (Moschawim) seien durch die Ausschaltung jeder Lohnarbeit an ihrer Entwicklung behindert. V. Die kollektivistischen Siedlungen müssen versagen, weil das Prinzip an sich falsch ist.;; I. iWir erachten: jede Auseinandersetzung über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer jüdischen Mehrheit in Palästina als pilpulistik. Wir haben keine Möglichkeit, die wichtigsten Komponenten dieser Entscheidung auch nur annähernd einzuschätzen. - Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, lv Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie Als vor etwa 3 Jahren sich eine Stagnation in Palästina fühlbar machte und die Einwanderungsziffer niedrig war, wurden alle kleinlaut und man war bereit, sich mit einer Einwanderung von 6000 Seelen jährlich abzufinden. Als dann die „vierte Alijah" eingesetzt hat, waren viele maßgebende Politiker überzeugt, daß man eine Einwanderungsziffer von 100.000 Seelen jährlich in absehbarer Zeit wird erreichen können. Seit etwa einem Jahre 'herrscht wieder einei Stagnation im Lande und man ist wieder bescheiden geworden, man beginnt an der größeren Einwanderungsjmöglichkeit nach Palästina und an der Aufnahmefähigkeit 'des Landes zu zweifeln. Nun sind aber diese Erscheinungen der Ebbe und Flut in der Entwicklung des Landes eine natürliche Begleiterscheinung'des Aufbaues. Naive Menschen und weltfremde Theoretiker können sich wohl einer Einbildung hingeben, daß ein so gewaltiges Werk wie der ■Aufbau eines Landes durch Einwanderer, die zum großen Teile erst nach der Einwanderung umschichten und'produktive Berufe ergreifen, nach einem bestimmten Plane klaglos durchgeführt werden kann. Die Einwanderung wird zumeist von Faktoren, die außerhalb Palästinas liegen, beeinflußt. Und auch diese Faktoren «kann man nicht einmal mit annähernder, Sicherheit einschätzen.. So sehen wir, daß wir in diesem Punkte nichts wissen können. Auch bei der Erstellung der Ziffer des natürlichen Zuwachses bei 'den Juden; haben wir nur geringq Anhaltspunkte. Die Einwanderung größeren Umfanges ist ja jungen' Datums. Den Eingewanderten gelang es nur in einem ganz geringen Maße, sich eine feste! wirtschaftliche (Position1 im Lande zu sichern. Und es ist ja nicht neu, daß die geringe £ahl der Geburten hauptsächlich auf die nicht konsolidierten wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen ist. Man muß aber ein eingefleischter Pessimist sein, um nur mit einer ungünstigen wirtschaftlichen Lage zu rechnen. A'uch idie Zuwanderung! von Arabern aus den Nachbarländern »und aus der Umgebung nach Palästina ist gewiß eine zeitlich' beschränkte Erscheinung. Im jetzigen Zeitpunkte steht Palästina allein im Zeichen eines lebhaften Aufbaues, während die anderen Länder mit arabischer Bevölkerung relativ stationärsind. Daher die besondere Anziehung Palästinas auf Beduinen und arabische Stämme aus anderen Gegenden. Aber dieser Zustand kann und wird nicht lange anhalten. Auch die anderen imperialistischen Mächte werden schließlich mit der Aufbautätigkett in ihren Mandatsgebieten beginnen und dann wird die Anziehungskraft Palästinas auf die auswärtigen Araber abnehmen. Sie werden entweder in ihren jetzigein Wohnstätten bleiben, oder sie werden auch in die anderen Mandatsgebiete einwandern.-- Das Problem des binationalen Staates, mit welchem man sich in manchen zionistischen Kreisen so eingehend beschäftigte, erachten wir nicht für aktuell. Für uns hat es niemals ein „Hinausdrängen" der Araber, oder ein Herrsqhen über sie gegeben. ^Wir waren uns stets darüber klar, daß wir die größten Anstrengungen machen müssen, um mit der arabischen Bevölkerung und insbesondere mit dem arbeitenden Teile derselben irr Frieden zu leben. Nun scheint es* daß dieses Einvernehmen erst dann zur Tatsache wirdi werden 'können, wenn wir eine faktische, auch zahlenmäßig sichtbare, Macht im Lande sein werden. Es ist also deshalb für uns jetzt nicht die Frage desnationalen oder binationalen Staates, sondern das Problem, wie wir im Lande zu einer Macht werden, mit der der andere Teil — die Araber — überhaupt in Verhandlungen eingehen soll, aktuell. Wir glauben durch die kurzen Andeutungen den Beweis erbracht zu haben, daß es, mindestens zu früh ist, ,um zu folgern, daß Palästina nie eine jüdisqhe Mehrheit haben wird und daß es noch' nicht zeitgemäß ist, sich mit dem nationalen odgr binationalen Palästina zu beschäftigen. M. Singer. \i{itniii::«iiiiiiiu;'«iuitiu«::<iiiiiiiit; «iiiinu»:'.«tiiiiiiiw:tiinniit::tiiiiuu,:_ Die Eröffnung der Abendkurse. Am 15. Oktober werden die Abendkurse für jüdische Arbeiter und Angestellte eröffnet. Unterrichtsgegenstände: Sprachen: Jiddisch (für Vorgeschrittene, auch Literatur), Hebräisch (für Anfänger und Vorgeschrittene), Deutsch (für Anfänger und Vorgeschrittene), Englisch (für Anfänger und Vorgeschrittene). Allgemeines Wissen: Sozialistisches Seminar. Rechnen und Buchhaltung. Palästinakunde. Jüdische Geschichte und Literatur. bebensversifbepungssGesellsfhaff Phönix Kien, l„ Riemergasse 2 Telephon 79:5:65 Serie Telephon 79:5«6 5 Serie Aktien-Kapital S 4,000.000. — Versicherungsstand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. Sämtliche Arten uon Gebens: unö Rentenversicherungen, Unfall:, flutos und Haftpflichtoersicherungen, Heimprämien - Versicherung ohne ärztliche Untersuchung TagesprämBe; 20 6rosthen bei 20jä"hriger Versicherungsdauer, 30 Grosdien bei 15jähriger Versicherungsdauer. Leistungen der Gesellschaft: Im Hblebenslalle sofort nach dem Tode: 1000 S oder 5 Viertel (125 Prozent) öer insgesamt entrichteten Prämien, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Im Erlebensfälle: 1750 S bei 20j8hriger Dauer, 1850 S bei 15jahrigej» Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkasse! 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