Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 10 (09.09.1926)
- Date
- 1926-09-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nf. 10 Unsere Tribfltie Seite 3 Jüdische sozialistische Arbeiter-Jugend. Die Gründung unseres Verbandes. Am Donnerstag, den 22. Juli, wurde nach einem Referat des Genossen Singer die Gründung des Verbandes! der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend Oesterreichs beschlossen. Ziele und Zwecke des Verbandes wurden in nach-» stehender Resolution, die einstimmig angenommen wurde, festgelegt. , Resolution: Pu n kt 1. Der Verband der jüdist'h-sozialistischen Arbeiterjugend anerkennt die Notwendigkeit des Klassenkampfes als Mittel zur Erzielung sozialer Errungenschaften in der Gegenwart und der Erringung des endgültigen Sieges des Sozialismus in der Zukunft. In diesem Sinne betont er seine Pflicht, das proletarische Klassenbewußtsein innerhalb der jüdischen Arbeiterjugend zu wec'ken und zu aktivieren. Punkt 2. Der Verband d. j. si A. J. bejaht das jüdische Volk als geschichtliche, gesellschaftliche und kulturelle Gemeinschaft und macht sich daher die Pflege jüdischer Kultur zu seiner Aufgabe. Punkt 3. Der Verband d. j. st A. J. erstrebt die Errichtung einer Jüdischen nationalen Heimstätte auf Sozialistischer, Grundlage in Palästina und wird mit dem Einsatz aller seiner Kräfte daran mitarbeiten. Punkt 4. Der Verband beschließt daher: a) den Beitritt zur sozialistischen Jugend-Internationale im Rahmen der Arbeitsgemeins'c'haft der jüdisch-steialistischen Jugendorganisationen; b) die enge Verbindung mit der sozialistischen Arbeiterjugend Oesterreichs' als Bruderorganisation und das Zusammengehen mit ihr, in allen politischen und wirtschaftlichen Fragen des Landes; c) die intensivste Zusammenarbeit mit dem Hechaluz und allen anderen im Sinne der Histadruth (Allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina) wirkenden Organisationen. Es wurde hierauf folgende Exekutive gewählt: Josef Schuler, Vorsitzender; Richard Löwi und Samu Halpern, Sekretäre; Rudolf Lindenfeld, Schriftführer; S. Rost, ßiMungSrefe'rent; Heinrich Groß, Spartreferent; Melli Kaufer, KasSierin und Robert Winter. Der Faszismus im Lager der jüdischen Jugend. Mehr denn je und als irgendwo anders, ist es heute in Wien den Drahtziehern des jüdischen. Faschismus, den Revisionisten, gelungen, einen Teil der jüdischen Jugend für Sich zu gewinnen. Gewiß, es, handelt sich um junge Menschen, die geraefe den ersten Schritt ins zionistische Leben überhaupt machen; aber daß sie hiebei in ansehnlicher Zahl ins Lager der reaktionären-militanten, Gruppe übergegangen sind, ganzen äußeren Pomp und den Heldennymbus', mit dem man ihr die revisionistischen Phrasen würzt, soll uns als .Warnung dienen. Hier tut Aufklärung not! Und es ist nicht zum mindesten die Schuld der linksgerichteten jzipnistischen Jugend, die zwar in ihren Bünden und Zirkeln besteht und arbeitet, bisher aber nach außen hin keine einheitliche politische Formation bildete und keine Aufklärung in die Reihen jener zahlreichen indifferenten jüdischen Jugend trug. Klarerweise hatte die Gegenseite da leichtes Spiel. Um so mehr, als diese indifferente Jugend auf den viel leichter inkliniert. Uniform und militärisches Gehaben sind Köder für diese Leute. (Wie seh'rmuß ihnen die berittene Demonstration beim Herzl-Grabgang imponiert haben; so sehr, daß sie den guten Geschmack verloren und auf die wahrhaft schönen Gäule, für die sich der Jockeiklub' gewiß genug zahlen ließ, in lächerlichem Kontraste milchgesichtige, bebrillte „Helden" setzten. Ob diese. Art Demonstration des großen Toten, der sich bei Lebzeiten schon jeden Pomp verbat, würdig war, das war ihnen ja nebensächlich.) Noch krasser zeigt sich aber diese völlige Kenntnislosigkeit bei denjenigen Jugendlichen im revisionistischen Lager, die wirklich Proletarier sind (vielfach Chaluzim), ja sich nebstbei sogar mit ruhigem Gewissen „Sozialisten" nennen. Wie groß ist hier der Mangel an Selbstbewußtsein und an Klassenbewußtsein! Und nur der gewiß nicht zu leugnende Umstand, daß Jugend im allgemeinen und jüdische Jugend insbesondere radikalen Einflüssen'leicht zugänglich ist, erklärt die Zugfkraft des1 Revisionismus bei ihr. Wir brauchen als Beispiel nur die deutsche Jugendbewegung zu nehmen, von der wertvolle Teile im rechtsradikalen Lager landeten. w Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem revisionistischen Programm ist hier nicht beabsichtigt (wir behalten sie uns1 für später vor), dodti wollen} wir feststellen, daß das revisionistische Programm, wenn wir auch einzelne Forderungen nicht negieren, in seinem Wesen faschistisch und reaktionär ist. Sowohl vom Gesichtspunkt des Weltsofriaiismus, als auöhi von dem des palästinensischen Soziaiismus. Zu einem Programmpunkt, der vom sozialistischen Gesichtspunkt unbedingt, verwerflich ist, sei, hier kurz Stellung genommen. Das* ist die revisionistische Auffassung der Arab'erfrage. Zunächst wollen wir noch feststellen: Für uns war wohl Herd der große Führer und Erwecker (im WeStj'udentum) des! Zionismus, aber Führer einer immerhin vergangenen Epoche, für die Sein Programm galt; nie darf uns aber dieses zum Dogma werden. Wir haben es im Boden und in den Gegebenheiten Erez Israels ziu realisieren. Darum muß uns heute schon bewußt 'sein, daß unser Judenstaat ein binationales Gebilde sein wird,- das heißt also efin jüdisch-arabischer Staat und für den jüdischen Sozialisten erwächst da die Aufgabe, Träger dds demokratischen und sozialen Verständigungsigedankelns zwischen den beiden Völkern zu sein, wie! es die jüdische Arbeiterschaft Pa-* lästinas mit dem meisteb Erfolg auch getan hat. (Zusammenschluß jüdischer und arabischer Arbeiter in der Histadruth-Haowdim). Was bezwecken aber die Revisionisten mit ihtfcr lAraberpolitik in Palästina? Jabotinlskys Artikel und Reden werden von arabischen Zeitungen wiedergegeben und bringen Haß und Zündstoff ins Lager der Araber. Und mit Recht. Denn es ist nichts anderes als Imperialismus, wenn man von einer Eroberung Palästinas' mit Legionen und Waffengewalt spricht. Abgesehen davon, daß es für uns törichter Selbstmord wäre. Bis jetzt gelang es den Revisionisten in den, Galuthländern, einen geringen Teil der jüdischen Jugend, die Chaluzim, für sich zu gewinnen. In Erez- Israel selbst rekrutiert sich ihr Nachwuchs lediglich aus den für revisionistische Ideen besonders empfängt liehen wohlsituierten städtischen Bürger Jugend. Nichtsdestoweniger heißt es für die sozialistische jüdische Jugend, dieser Verhetzung die Sjpitze zu brechen un'd speziell in Wien aus' ihrer Passivität und Dezentralisation herauszutreten, und von nun an planmäßig, organisatorisch zusammengefaßt vorzugehen. Das) halte ich für eine der wesentlichsten Aufgaben; unseres Verbandes. 1 R o b e r t W inte r. Die organisierte Arbeiterjugend in Tel-Awiw. Bei der letzten Beratung der Kulturabt'oilungi der Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation ist ein genauer Bericht über die Lage der Ai-beiterjug'en|d erstattet' worden. Vor zwei Jahren gründete die Allgemeine' Arbeiter-Organisation die Organisation der Arbeiterjugend „Hanoei^ Haowed", welche zurzeit 1200 Mitglieder im Alter bis 18 Jahre zählt. Ungefähr 1000 jugendliche Arbeiter befinden sich noch im Lande außerhalb der Organisation. Die Organisation bemüht sich, sie zu gewinnen. Die Organisation in Tel-Awiw zählt 580 Mitglieder, von denen zirka 300 aus Polen, 75 inländische und die übrigen aus Litauen, Deutschland, England, Balkanlähdermi usw. stammen. Ueber 100 Jugendliche arbeiten in der Metallindustrie, 75 in der _ Holzindustrie, 70 im Handel, 20 in Druckereien und 50 im Schneidergewerbe. Was die Arbeitszeit bfetrifft, so arbeiteten nur 265 8 Stunden, die übrigen 9 bis 10 Stunden im1 Tage und mehr. Nur 93 sind fix angestellt, die übrigen sind Taglöhner oder Akkordarbeiter. Zurzeit sind ungefähr1 120 Jugendliche in Arbeit. Segen des Kapitalismus überall. Mitteilungen des Sekretariats. Sekretariatsverkehr. Die Exekutive beschloß in einer ihrer letzten Sitzungen folgende Sekretariatsordnung und die Genossen, werden ersucht, sie strengstens einzuhalten: Montag: Geschlossen. Dienstag: 7—9 Uhr abends: Halpern (Verkehr mit anderen Organisationen und Presseangelegenheiteh). beitslose des misrachisitschen Bureaus und auch die Neueiugewanderten enthalten. Im allgemeinen, befinden sich jetzt in Chaifa ungefähr 5000 Arbeiter. Der „Solel-Böneh" beschäftigt beim Bau der Straße Chaifa—Nwehschanan 80 Arbeiter. In Jaffa führt die Regierung Reparaturen im Hafen aus, dort werden 25 jüdische Arbeiter zum Tageslohn von 1,50 Dollar beschäftigt. In Petach-Tikwah gab es am 12. August 2150 Arbeiter (Ende Juli 203<1), 1600 (Ende Juli 1534) waren in der „Histadruth" organisiert; 150 waren misracliistische Arbeiter, 40 bis 50 haben der „Aguda" angehört und 350 waren nicht organisiert. Arbeitslose gab es an diesem Tag ungefähr 410 (gegen 190 am 5. August). Das ist auf die Beendigung der Arbeiten des Traubenulnd Mändelpflückens zurückzuführen. _ Bedauerlich sei es, daß trotz der schwierigen Lage viele jüdische Unternehmungen keine jüdischen Arbeiter beschäftigen. * Der Konflikt zwischen den beiden Siedlungen des „Gdud": Tel-Chaj und Kfar Giladi und der Histadruth hat dazu geführt, daß ihre Mitglieder aus der Histadruth ausgeschlossen wurden. Es ist sehr zu bedauern, daß die Histadruth zu diesem Mittel greifen mußte. * Im Prozesse, den' die Hausherren von Tel-Äviv gegen die Stadtverwaltung augestrengt haben, haben die Haus, herren einen teilweisen Erfolg erzielt. Es wurde zwar nicht ihrem Wunsche entsprochen, den Untermietern selbst das Wahlrecht abzusprechen, dagegen aber ihren Familienangehörigen. Ende Oktober sollen Neuwahlen vorkommen. Hoffentlich wird die Bevölkerung von Tel-Aviv den bürgerlichen Verrätern heimzahlen. * Bei der Debatte über die Palästin'aanleihe im englischen Parlament haben auch Vertreter der Arbeiterpartei das Wort ergriffen. Einer von ihnen — Genosse Sigel — sagte unter anderem: „Von der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina erfahren wir, daß die Ilegierungsarbeiten an jene Unternehmer, die das billigste Angebot machen, übergeben werden. Aber diese Billigkeit ist auf billige Frauen- und Kinderarbeit zurückzuführen. Wir hoffen, das Parlament wird nicht erlauben, daß das Geld auf so unanständige Weise ausgegeben werde. Das beweist auch, daß in Palästina sehr wenig, vielleicht überhaupt gar nichts auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung gemacht wird. Wir fordern deshalb, daß in alle Arbeitsverträge ein Punkt bezüglich eines Minünallohnes aufgenommen werde. Wir glauben auch, daß diese Abschlüsse nicht dazu benützt werden dürfen, um billige Arbeitskräfte aus dem Sudan und aus anderen Ortschaften ins Land zu bringen. Aber darauf werden wir noch nächstens zurückkommen," * Seit kurzem gibt es ein zweites1 bebraischefli Theater in Palästina, Moscheh Hallewi vtam Moskauer Theater kam im März 1925 nach Tel Awiw und. grüaidete mit Hilfe der Arbeiterorganisation ein Theater-Studio. Er führ im ganze Lande herum umd suchte Kräfte. Entscheidend1 war für ihn weniger die theati^ische .Begabujog al$ ihre Initelligenz, wie überhaupt der ganze ge,i8tige Habitus1, Heute nnn arbeite» in dem Studio 30 minäatfiehe und 15 weibliche! Arbeiter. Die Organisation verschaffte de» Schülern Arbeitsgelegenheit in der Stadt, so daß ihre; l$üntstle,r>sch& Arbeit einen ökonomischen Rückhalt hat. Neben' dep." künstlerischen Arbeit ging aber, zumindest im Anfang, auch eine rein manuelle Arbeit am Theatea" einher, . diente, die Schüler bantein das „Ohel", ein'e schöne, luftige, am Meier gelegene, eternitgedeckte Baracke, in der e;s eine klein© Uobungsbühhe mit Klavier gibt. (Im Herbst Hofft man', mit dem Bau einesf ' Theaters beginnen zu können.) Die künstlerische Arbeit im Studio beginnt täglich' um 6 Uhr utaJd endigt nach Mitternacht. Zwei Umstände j&eiclünein diese Truppe vor jeder andereln aus: die unlclhidliche Liebe, mit der die Schüler sich ihrer Aufgabe hingeben, und dejr geradei in Tel Awiw nicht sehr häufig l>emerkbare Gemeinschaftsgeist'. Die ersten sieben Monate beschäftigte1 man sich ausschließlieh mit Kleinarbeit, die, wie die gesamte1 theatralische Leitung, Hailewis Sache ist. Prof. Engel unterrichtet . öhorgesang, Pitof, Schor musikalische Analyse, Grete Oralstem rhytmis'che Gymnastik^ und Beweguiigskuinst und Miriam Schnabel-Hoeflich Atem und Lauttechaik (Phonetik). Wie man sieht, sind die Arbeiter vollkbmmetai ihrer Verantwortlichkeit bewußt und bauen ihr Theater mit Systeta und Ernst auf. Das Ziel dieser Truppe ist vor allem, Kunst ins Volk zu tragen, und zweitens', Schauspieler, wirkliche) Künstler zu bilden, die neben der Kunst auch ihrer Arbeit für das Land treu bleiben. (Nicht so wie in Moskau1; wo die Genossen der Arbeitsstudie schließlich die Arbeit aufgaben und nur Schauspieler wurdetn). Vor kurzem fand die erste Verstellung statt, Einakt'ejr von Perez. Der Erfolg vvar ein durchschlagender. Regie (Hallewi), Inszenierung (Saposhiktow) uinid Musik (JSSngel) ergaben Meisterleistungejn, die wunderbar harmonisch' vereinigt, Bilder von höchster Kraft der Darstellung ergaben, „Obel" ist eine, oder besser die künstlerische Zukuft-Eta-. hoffnung des Landes1,