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Unsere Tribüne · 1926-06-25 · 8 (25.06.1926) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
8 (25.06.1926)
Date
1926-06-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nf. 8 Unsere Tribüne Seite 3 Aus der jüdischen Gemeinde Veröffentlichungen der Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit Plenarsitzung. Für den 16. Jumi hatte das Präsidium eine vertrauliche Sitzung! des .Kultusvorstandes einberufen, die außer den üblichen Sommervollmachten noch eine Reihe kleinerer Angelegenheiten erledigen sollte. Da aber einen Tag! vorher noch die Finanzlkomm'ission zu wichtigen Beschlüssen und Anträgen an das Plenum 'gelangte, die statutengemäß der Genehmigung des! Pljenums in öffentlicher Sitzung bedurften, wurde noch am letzten Tag eine öffentliche Sitzung ausgeschrieben, .von der die meisten Mitglieder des Vorstandes erst kurz vor der vertrauichen Sitzung erfuhnen. Die „Öffentlichkeit" bestand auch nur aus einigen Pressevertretern gerade der Regierungsparteien, die noch im letzten Moment verständigt werden konnten. Wenn auch die Notwendigkeit für das Präsidium schon aus dem Grunde DeStand, weil Sommersitzungen des Gesamtvorstandes nur schwer möglich sind, so hätten die Klubobmänner doch noch vor der Sitzung verständigt werden müssen, um ihren Parteimitgliedern den Besuch der Sitzung zu ermöglichen. Der Präsidialbericht hob insbesondere die Arbeiten des neugeschaffenen Jugendreferates hervor, das in letzter Zeit für zahlreiche auswärtige Besucher Führungen veranstaltet hat, in denen die jüdischen Denkmäler unserer Stadt gezeigt wurden. Die Erweiterungsarbeiten in der Bibliothek sollen noch im Sommer zu Ende 'geführt werden, so daß der Bibliothek im Herbst bereits die neuen Räume zur Verfügung stehen werden. Genosse Dr. Glanz verlangte vom Präsidium die Zusicherung, daß öffentliche Sitzungen in Hinkunft rechtzeitig angekündigt werden sollen. Der Präsident gab die entsprechende Erklärung sogleich ab. Sodann wurde der Bericht der Finanzkqmmission verlesen. Derselbe konstatierte fast in allen wichtigen Ausgabeposten eine Ueberschreitung der prälim'inierten Ziffern, wenn auch einige« Einnahmen gleichfalls sich als höher erwiesen. Die Finanzkommission beantragt daher nochmalige Ueberprüfung aller bewilligten Ausgabeposten und bringt zwei wichtige Vorschläge an das Plenum, die geeignet sind, die Einnahmen der Gemeinde dauernd zu heben. Der erste dieser Vorschläge ist wieder einmal nichts anderes als der von unseren Genossen schon Längst eingebrachte Antrag nach Abschaffung des derzeitigen Steuermaximums urid Steuererhöhung in den höheren Einkommensstufen. Wie gegen die meisten unserer Anträge hatten sich die Regierungsparteien eine Zeitlang gewehrt, ohne sich aber für die Dauer der vernünftigen Wirkung unseres' Antrages entziehen 'zfu können. Sie taten daher, was' sie in allen anderen Fällen tun mußten. Sie verschafften unserem Antrag ein etwas1 anderes Aussehen und brachten ihn dann durch. Damit vermehrt sich die Anzahl der inkognito verwirklichten Anträge der Mandatare der „Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit" wieder um einen bedeutsamen. Es wurde diesmal die Form gewählt, daß das Steuermaximum von 3000 auf 6000 Schilinige erhöht wird und gleichzeitig alle Einkommen von 2O.Q00 Schillingen aufwärts bis zu den dem Maximum nachstehenden Steuerträgern eine progressive Erhöhung erfahren. Der1 Antrag unserer Gruppe hatte freilich auch die Einkommen über 10.000 Schillinge bis zu 20.000 Schillinge einer mäßigen Erhöhung^ unterziehen wollen. Sodann berichtete Finanzreferent Dr. Oppenheim über die beantragte Aenderung des Tax- und Gebührentarifs. Während die Valorisierung des Steuermaximums nur ein Zehntel des Friedenswertes umfaßte, war die der Taxen und Gebühren doch schon bis zu einem Viertel1 oder Drittel durchgeführt. Die Finanzkom'mission beantragt nun Abänderungen der einzelnen Tarifposten, die bis1 zu 50 Prozent Erhöhungen führen sollen. Außerdem bleibt ein 50prozentiger Gebühren'zusChl'ag für Nichtmitglieder der Gemeinde aufrecht. Noch bevor die vertrauliche Sitzung begann, wurden, da der Finanzreferent noch nicht erschienen war, ruhig einige harmlbse Angelegenheiten aus1 der Tagesordnung der vertraulichen Sitzung unter allgemeiner Zustimmung öffentlich/ verhandelt.;Wir würden dem Präsidium der Gemeinde nahelegen, auch weiterhin den Kreis der vertraulichen Beratungsgegenstände immer streng zu sichten und sind überzeugt, daß, wie diesesmal', sich immer eine Reihe von Punkten finden, die ganz überflüssigerweise der öffentlichen Sitzung entzogen, ohne daß hiefür ein wichtiger Gesichtspunkt maßgebend wäre. r Jüdische sozialistische Arbeiterjugend. Gewidmet den Fragen der arbeitenden judischen Jugend. Zur Einführung. Die arbeitende jüdische Jugend in "Wien befindet sich in; einer ganz eigenartigen Veirfassüng. Sie ist nicht mehr gewillt, dem jüdischlen Bürgertum iuhd ihiren Parteien Folgerdienste zu leisten. Sie ist sieb delsisen bewußt, daß ihre Interessen denen dek Bürgertums1 ea^egengesetzt sind. Sie bekennen sich sogar zum Sozialismus1, nur weiß sie nicht, wie; sie ihre nationalen Bestrebungen mit ihrer sozialistischen Ueberzeugung, wie sie »ihr Handeln mit ihrem Denken in Einklang bringen soll. Manche suchen einen Weg, die meisten irren mit einem sozialistischen Lippenbekeiagntnis' und mit Palästinastimmungen herum und sie werden von einem Zufall bald hierher, bald dorthin getragen. < Ein völliges Durcheinander. Eine Gruppe junger jüdischer Arbeiter, die sich sowohl zum Sozialismus, als zürn Auflebunjgsgedainken des jüdischen Volkes, wie auch für den' Aufbau des1 arbeitenden. Palästina böken|nt, hat sich nun zusammengetan, um Klarheit in diese verworrene Situation zu "bringein. Wer, wie wir, vom Gedanken beseelt ist, daß die Wiederbelebung unseres1 Volkes in erster Reihe ejin Sieg des Gedankens' 'der Arbeit im jüdischen Leben bedeutet, wer, wie wir, der Ueberxeugung ist, daß unsere Auflebung nur im Anschlüsse an die Arbeitenden aller Ländejr und Völker möglich, und wer entschlossen ist, seine Uebeflweugungeai ernst zu nehmen und. darnach im täglichen Leben zu handeln, ist in unseren Reihen willkommen. Unsere Jugend auf dem II Kongress der Soz. Jugend-Internationale. Auf dem zweitem: Kongreß der Siozialis tischen Jugend- Internationale (S. J. I.), welcher vtom 26, bis 29. Mai in,' Amsterdam getagt hat, war die Jugendorganisation der Poale-Zion (Polen) durch Gen. B. Locker vertreten«. In der Aussprache über den Bericht des internationalen Sekretariats hat Gen. Locker dem Kongreß die Mitteilung von der Gründung einer jüdischen slozialisti&chen Jugendorganisation in Palästina und von ihrem Beschlüsse/ der S. J. I. beizutreten), überbracht, Er wies auf die Notwendigkeit hin, die arbeitende Jugend der außereuropäischen Völker, 'die jetzt zu neuem politischem Leben erwachen, zur internationalen siozialistischen Jugendbewegung heranzuziehen. Gen. Locker ergänzte auch den Bericht der rassischen Delegation dahin, indem er Einzelheiten über die Verfolgungen unserer jugendlichen Genosteeta: (Z. S. ZioiXisten-Sozialisten) mitteilte. Er betonte insbesondere unsere volle Solidarität mit den leidenden Geniosßea anderer sozialistischer Parteien in Rußland, unseren Protest gegen die Okkupation Georgiens und das Verwerfliche der Spaltungstätigkeit der Kommunisten, er warnte aber vor einer Gleichstellung des russischen Bolschewismus und des allweltlichen Kommunismus mit dem Faschismus. Hier haben 'wir es mit einem Teil der Arbeiterbewegung zu tun, der sich zwar einer falschen, oft siogar einer verbrecherischen Taktik bedient, der Faschismus aber ist ein giftiges Produkt der allweltlichen bürgerlichen Reaktion. Diese Ausführungen haben eine erregte Aussprache über die Beziehungen des internationalen Sozialismus zu Kommunismus und Faschismus' hervorgerufen. ' Gen,. Locker hat auch an der Aussprache über die Kulturtätigkeit der Jugendbewegung teilgenommen und wies u. a. darauf hin, daß die gegenwärtige Epoche einen Uebergangscharakter hat. Das Proletariat kämpft jetzt nicht bloß um politische Gleichberechtigung und sic«ialpqlitische Fm'derungen, sondern es schickt siph an, die Leitung" der Produktion und die Verantwortung für die ganze " Gesellschaft zu übernehmen. In einem solche)a Zeitabschnitte gewinnt besondere Aktualität das Problem des Verhältnisses des Sozialismus zum Bauerntum und zu den deklassierten, Kleinbürgern. Für die Jugendbewegung ist von besonderem Interesse die Umschichtung der jüngeren Generation des deklassierten Kleinbürgertums', ihre Ueberführung in die Reihen der produktiven und kämpfenden Arbeiterklasse. In diesem Zusammenhange wies Gen. Locker auf die Umsohicbtungstätigkeit der jüdischen Sozialisten in den Ländern des Galuth und in Palästina und auf die Clialazbewegung hin. Die Ausführungen wurden von allen Gfenlossen mit großem Interesse verfolgt. Beim Punkte: „Internationale Zusammenarbeit der Jugend als Mittel sozialistischer Friedenspolitik" hat unser Vertreter auf die Uii{terdräckung der nationalen Minderheiten als wichtige Ursache nationaler;Kionflikte hingewiesen. Es ist kein Zufall, meinte er, daß das1 Hauptnest der polnischen Reaktion sich in Posen 'befindet, wo die preußische Regierung das polnische Violk Jahrzehnte hindurch rücksichtslos miterdrückt hat. Auch nafch dem Kriege ha.t die Politik der Unterdrückung der nationalen Minderheiten1 nicht aufgehört. Die Juden in den Ländern Osteuropas liaben unter dieser Politik am meistein zu leiden. Gen, Locker wies auch' nach, daß die Wanderungsfraga eine Ursache internationaler Konflikte ist. Das Absperren von Amerika gegen die Einwanderung aus Japan z. B. bedeutet eine ständige Kriegsgefalir zwischen diesen beiden Weltmächten, weil Japan einen Arbeitsplatz für seine Ueberbevölkerung suchen muß. Im Allgemeinen kann das Abriegeln große Massen in Osteunopa, Asien und in anderen Teilen der Welt, die in ihren Wohnländern nicht bleiben können, früher oder später explusive welthistorische Ereignisse, die wir, heute nicht übersehen können, hervorrufen. Leider stehen große Teile der Arbeiterklasse an der Spitze dieser einwanderungsfeindlichen Politik. Ungeachtet der großen Schwierigkeiten muß der Sozialismus' jetzt, wie vor dem Kriege, dieser egoistischen Politik des' Monopolisierend von Arbeitsmöglichkeiten in einem Lande für jene, die bereitB im Lande sind, entgegentreten, Inabesoddere müssen wir die Jugend im Creiste internationaler Solidarität, im Geiste eines Weltbürgertums, welches das! Recht eines jeden arbeitenden Menschen auf Leben und Arbeit in allen Teilen der Welt anerkennt, eraehien. In der Kommission für organisatorische Fragen sind Statutenänderungen, die die Jugendbewegung in den verschiedenen Ländern vereinheitlichen eolLeni, beraten worden. Unser Vertreter hat den Aen^erungeta grundsätzlich zugestimmt, er hat bloß Ergänzungen; vorgescihlagen, die auch angenommen, verdien. Laut diesen Besehlüsisen. wird der Jugendinternationale jede sfozialisitiseh'e Jugendorganisation — auch mehr als1 einje in einem Lande, oder innerhalb eines Volkes —, deren politische Partei der älterem der Siozialistischen Arbeiter-Intetrnaitionale angeschlossen ist, beitreten; können. Unser Vertreter hat abermals den. Anschluß unserer Jugendorganisationen aus Palästina, Rußland, Litauen und Lettland angemeldet. Im Einvernehmen mit Genossen Locker hat sich die Kommission' dafür abgesprochen, daß alle Jugendorganisationen, die im Kontakte mit dem Weltverbande Poale-Zilon (vereinigt mit dem |Z.-S.-Verband) stehen, ineine Arbeitsgemeinschaft zusammengefaßt werden, damit sie eine einheitliche Vertretung in der Jugendinternationale erhalten sollen. In diesem Sinne hat auch der Sekretär CSen. Olenhauer dem Kongreß berichtet. Mit den Vertretern der polnischen Jugend und der deutschen Jugend in Polen ist ein steter Kontakt hergestellt worden. Die polnische Delegation hat im Einvernehmen mit uns eine Ergänzung zur Resolution über die Tätigkeit für den Frieden vorgeschlagen, die die Jugendorganisationen in Nationalitätenstaaten auffordert, für die niationale Verständigung zu wirken und noch Möglichkeiten gegenseitiger Annäherung und Zusammenarbeit zu suchen. An die jüdische Arbeiterjugend! Von einem Genossen, der in, der s'oz. Jugendbewegung Oesterreichs! tätig war, erhalten wir folgende Zeilen: Das Gespenst des Faschismus1 geht in Europa um; in Italien, Griechein4aind, Spanien offeine Diktatur der blutigsten Unterdrückung jeder Regung des Proletariats. In Ungarn und Bulgarien herrschen die frechsten Konterrevolutionen der Geschichte. Ueberall ist die Tendenz bemerkbar, das Proletariat mit mehr öder weniger „demokratischen" Mitteln niederzuhalten. Das österreichische Proletariat hat es nicht nur verstanden, seine in der Revolution errungene Position zu halten, vielmehr wendete es seine Kraft auf, um die schon errungenen Positionen auszubauen und m befestigen, um von hier aus neue Kräfte für die proletarische Sache tax gewinnen, neue Menschen für den Sozialismus zu erobern. Wie eine Fe stung des Sozialismus, steht das österreichische Proletariat, umtost von den Sturm wogen der Reaktion Mittel- und Südeuropas, Was1 ist es, dasi dem österreichischen Proletariat die Kraft gibt, allen Gewittern der Reaktion zu trotzen? Es ist die Einheit, es iajt daß Bewußtsein und die Erkenntnis, daß ein zersplittertes Proletariat hie seine geschichtliche Aufgabe erfüllen kann, ja nicht einmal daran1 denken kann, dien Götzen Kapitalismus1 zu stürzen und an seiner Stelle eine andere, gerechtere, die sozialistische Gesellschaftsordnung zu setzen. Nur ein einheitliches, geschlosöfclttes', dem Kapitalismus als eine K las's© gegenübeTÄtehenides1 Proletariat darf hoffen, seinem Ziele näher zu kommen. Nur seiner Einheit, seiner revolutionären Disziplin und Geschlosisenheit verdankt das Proletariat, daß eö noch heute einen Acht-

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