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Unsere Tribüne · 1926-05-20 · 7 (20.05.1926) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
7 (20.05.1926)
Date
1926-05-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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$$f fr. 7 Unsere Tribfine Seite 3 Aus der jüdischen Gemeinde eröffentlichungeit der Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit Das Palästina-Budget der jüdischen Gemeinde. Am 26. April fand eine öffentliche Vorstandszung statt, deren Gegenstand hauptsächlich der dgetnachtragsiposten der Palästinaleistungen bildete, e „Union" hatte mit den Agudisten abgemacht, ß der Keren Hajessod .25.000 S, der Keren Hajischuw t Parteifond der Agudah) 7500 S und der Palästinajeiterfonds nur 2500 S erhalten solle. Weitere .000 Schillinge waren für das Chaluzwesen bestimmt. Nach Erstattung dieses Vorschlages durch die Jnion", griff der Vertreter der Agudah, Wolf Papmheim, den Keren Hajessod an und erklärte, daß ine Partei nicht für eine Keren Hajessod-Zuwendung ttens der Gemeinde stimmen könne. Ihm antwortete *rr Stricker mit einer scharfen programmatischen klärung gegen die Agudah, für deren Fonds, gleich- >hl die Zionisten stimmen würden, angesichts der altung derselben gegen den Keren Hajessod, sich >er der Stimme enthalten,müßten. Gen. Dr. Bader ißelte die ungerechte. Verteilung der Beträge, die irin liegt, daß das windige Kolonisationswerk der gudah dreimal so viel erhalten soll, wie die gealtige Arbeiterorganisation des Landes. Er beanagte die Erhöhung des gesamten Budgetpostens, n ohne Streichung des Betrages für den Agudahnds, wenigstens die Erhöhung der Arbeiterfondswendung zu erwirken. Dieser Antrag wurde auch )n den Zionisten unterstützt, wohingegen die Aguisten die Dreistigkeit besaßen, mit der Union den >ntrag niederzustimmen, um sich so für ihr lächerlich inziges Kolonisationswerk den dreifachen Betrag essen anzueignen, was sie für die gasamte Arbeiter- Dlonisation auswarfen. In der gleichen Sitzung wurde noch der Bau er neuen. Zeremonien halle beschlossen. . * He Parteiwirtschaft der „Union"- Die Herren der „Union" lieben es, sich »als die mwalte., sachlicher Arbeit in der Gemeindestube aufuspielen. Sie behaupten, bei der Verwendung offen tcher Gelder,für gesellschaftliche Zwecke sich nur on den. objektiven Leistungen der einzelnen Instiutionen und Gruppen leiten zu lassen. „Politik" wären-sie am liebsten dort ausschalten, wo es um gesell- Chaftliehe, namentlich Fürsorgeangelegenheiten geht. Freilich, der Verstehende kennt eine solche iprache. Es ist die vorsichtige, den parteiischen Betrieb erschleiernde Sprache einer, bürgerlichen, herrschenen Mehrheit. Die Macht kann sich leicht hinter em Schein der Biedermännischheit verstecken, weil ie es sich überlegen kann, ob sie sich herausfordern jssen will oder nicht. Da* es aber Situationen gibt, in denen Parteien ait den Biedermännsallüren nicht auskommen, auch penn sie die Herrschenden sind, so läßt sich diesmal ie parteiische Willkürlichkeit in der Ausmessung! der ^lästinasubventionen auf die einfachste Weise beweisen. Die Herren von der „Union" haben keinen eigeen Palästinaaufbaufonds. Treten doch die ,ihr sinnesrerwandten Bevölkerungsgruppen in Palästina gar licht handelnd, überhaupt nicht organisatorisch nerton Die „Union" hätte daher, wenn es ihr mit einem sachlichen Gesichtspunkte Ernst gewesen wäre, die testehenden Aufbauorganisaiionen nach ihren Leistungen und ihrer Stärke im Lande bedenken müssen. Daß, wer überhaupt nur an die Paläsfinafrage ach heranwagt, die Leistungen der ohne Unterschied fer Partei vereinigten Gesamtorganisation der jüdischen Arbeiter (Histadruth) und ihrer Fonde kennen itid einer sachlichen Beurteilung zu Grunde legen nuß, würden die Herren von der „Union" verstehen, »enn sie bei der Verteilung der Aufbaugelder nicht :ben parteiische Absichten hätten. Auch sie müssen «rissen, daß die 18.000 Arbeiter im Lande in ihrem (ampfe um wirtschaftliche Positionen des Aufbauwerkes, die Träger sämtlicher bedeutender Fortschritte fm Lande sind. Auch die Parfceimänner der „Union" Hssen, daß die Gesamtgewerkschafb (Histadruth) unparteiisch ist, und daß ihr Initiativfonds, der Palästinairbeiterfonds, der über ein Jahrzehnt wichtige Leistungen entfaltet hat, der Fonds der gesamten jüdischen Arbeiterschaft ist. Dessen Aufgabe es vorzüglich ist, den älteren erfahrenen Arbeitern, die zur Familiengründung geschritten sind, einen Erwerb zu geben. Die Parteimänner der „Union" haben deshalb in ihrer Schandentschließung vom 26. April a. c. dem Gesamtinitiativfonds der Arbeiterschaft 2500 S, dem - ausgesprochenen Parteifonds ihrer Koalitionsgenossen, der Agudah, aber auf Kosten der jüdischen Arbeiterschaft, von einer im vorhinein ausgemessenen Höchstsumme, die sie nicht überschreiten wollten, den dreifachen Betrag von 7500 S zugeschanzt. Der Sinn dieser Provokation der Arbeiterschaft ist zunächst nicht so einfach zu begreifen. Denn kein Mensch wollte der Agudah für ihren Parteifonds eine Zuwendung streitig machen. Die Provokation liegt in der Reihung, nach der 18.000 geeinte jüdische Arbeiter ein Drittel von dem bekommen, was ein paar hundert Seelen empfangen, weil die Agudah zu ihnen Vertrauen hat. Trotzdem haben unsere Mandatare eine Summe, die die „Union" ihren Koalitionsgenossen geben wollte, nicht bekämpft, sondern nur Gerechtigkeit für die jüdischen Arbeiter und Erhöhung der Arbeiterfondszuwendung begehrt. Und 'dieses Verlangen haben die Parteimänner der „Union" aus parteiischen, willkürlichen Gründen verworfen. Die Hrren von der „Union" werden die Folgen zu spüren bekommen. Die Ueberwältigung durch die Zahl hat noch niemals die Gerechtigkeit des Standpunktes besiegen können. Die „Union" aber ist demaskiert, als die Partei, die das Unrecht ohne weiteres zufügt, wenn sie ihren .Koalitionsgenossen damit zu helfen glaubt. Unsere Genossen werden den Union- Leuten, wenn sie wieder einmal von „sachlicher" Arbeit, „Objektivität" und Ausscheidung der „Politik" in Gemeindeangelegenheiten reden sollten, nur ihre Schandabstimmung vom 26. April entgegenhalten und damit diese parteiische Getneindeherrschaft entlarven. Den Herren von der Agudah ins Stammbuch! Unsere Gruppe war bisher in der Lage, Auseinandersetzungen mit der Agudah zu vermeiden. Wo kein religiöser Zwang ausgeübt wird, hat das religiöse Leben vollen Anspruch auf Unabhängigkeit. Was bedeutet aber das Verhalten der Agudah gegenüber dem Arbeiterfonds? Denn die Agudisten haben nicht nur dafür gestimmt, daß sie das Dreifache des Arbeiterfondes, sondern auch dagiegen, daß der Arbeiterfonds mehr als ein Drittel ihrer Summe erhalten soll. Die Palästinaarbeit der Agudah ist jüngsten Datums. Die einzige Agudahkolonie des Landes umfaßt ein paar hundert Seelen, die bei einer gerechten Anwendung gesellschaftlicher Gelder nicht einmal ein Zehntel des Arbeiterfonds beanspruchen dürften. Die Agudisten mögen uns mit ihrer Bibelauslegung beweisen, daß ein paar Hundert das Brot der 18.000 verschlingen dürfen. Sie, die die Bibel immer im Munde führen, mögen den Raub gesellschaftlichen Gutes an 18.000 jüdischen Arbeitern im Lande Israels verteidigen! Noch etwas1: Die Arbeit der Agudah im Lande ist erst die Frücht der vorausgegangenen Arbeit aller anderen Organisationen. Die Agudah konnte sich den Erfolgen der anderen Gruppen im Lande nicht verschließen. „Die Luft Palästinas macht klug", sagt der Talmud. Die Agudahführer, die ins Land kamen, wurden erst an Ort und Stelle klug und entschlossen sich zur Arbeit. Aber die Herren Agudisten wissen auch, daß eingewurzelte Arbeit der anderen Gruppen ein früheres Anrecht, eine „Chasakah" schon deswegen haben, weil sie die erfahreneren Menschen, die schon mehr gelitten haben, als die Neueinwanderer, kolonisiert haben. Woher also diese Begehrlichkeit der Agudah? Woher der Wunsch, großen Massen das Brot zu n eh m en und es ihren neuen1 Schützlingen zuzuschanzen? Unwillkürlich wird man „an den großen Magen, der schon viel unrecht Gut vertragen," erinnert, an die weltliche Begehrlichkeit religiöser Sonderorganisationen. Auch die Agudah hat diesmal trefflich bewiesen, daß während sie predigt, das jüdische Volk benötige nur die Thora, sie vor allein die Hand nach dem1 fremden Brot der Volksmassen ausstreckt, um es unter ihre paar Günstlinge zu verteilen. Und damit gerät sie in diesem Falle in unerbittlichen Gegensatz zu. uns Sozialisten, die wir Anwälte des Brotesfür die breiten Massen sein wollen. Wir werden nicht dulden, daß im Namen der Torah das jüdische Volk von den Agudisten ausgeplündert wird und mit Volksmitteln, die der breiten Masse der jüdischen Arbeiter gehören, die Sonderaktionen der Agudah künstlich aufgepäppelt werden. Und wir werden es vor allem nicht dulden, daß durch die unverantwortliche Gier der Agudisten nach den Hilfsmitteln der Arbeiterschaft kleine gelbe Gewerkschaften im Land durch erraffte Arbeitergüter sich mästen können. Denn die Agudah versucht es auch mit der: gelben Gewerkschaft. Das Programm einer solchen ist in allen Ländern gleich. „Mit dem Herzen beim! Proletariat, mit dem Magen bei der Bourgeoisie." Die große Wahrheit ist und bleibt, daß die Histadruth; die als erste die Jemeniten organisiert hat, schon ' seit Jahren mehr orthodoxe Arbeiter in ihren Reihen hat, als die Agudah in Jahrzehnten ins Land bringen möchte. Die Agudisten tuen immer sehr gekränkt, wenn einmal in -der Abwehr ihrer Anmaßlichkeiten dast: Wort vom „jüdischen Klerikalismus" fällt. Und hier in Wien hat ihr Führer schon zweimal erklärt, wo es keine Hierarchie gebe, kann es keinen Klerikalismus geben! Also, auch keinen jüdischen Klerikalismus! Aber wo es keine Hierarchie gibt, wie bei den Juden, da wird der Klerikalismus nur gezwungen, sich anstatt der gewöhnlichen Methode der Priesterbeherrschung, sich eine ungewöhnlichere Methode der Ausnützung religiöser Gebundenheit zu weltlicher Be*- herrschung der Massen zurechtzulegen. Jeder religiöse Vorwand, der den Massen ihr Recht auf Brot nehmen will, ist Klerikalismus, ob mit öder ohne Hierarchie. Ehrliche religiöse Gruppierungen werden sich in wirtschaftliche Kämpfe nicht einmengen. Wo die Agudah dies tut, ist sie klerikal und muß hierinmit unserer ganzen Leidenschaft bekämpft werden. Noch dazu, wenn sie damit Arbeitermassen Existenzmittel entreißt und ihren Protektionskindern zuwendet; wie sie es hier in Wien getan hat. Eine große amerikanische Mazzothfabrik verkündet, daß sie für ihre 500 Arbeiter ständig 100 religiöse Aufseher hält. Auf, diesem seinem religiösen Gebiet hat der Jude gewiß, volles Recht auf religiöse Aufsicht. Aber das jüdische weltliche Leben unserer Volksgemeinschaft ist nirgends und auch nicht in Palästina, eine Mazzothfabrik. Und wir werden über das jüdische Arbeiterleben -in der ganzen Welt auch nicht einen einzigen religiösen Aufseher dulden, geschweige denn 100 über 500. Unddie Herren Agudisten, die in ihrem Fanatismus sogar so weit gegangen sind, hier in öffentlicher Gemeinde^ Sitzung das von ihnen völlig unverstandene Familienleben der jüdischen Arbeiter, dessen Sittlichkeit an jede andere jüdische Familieninstitution heranreicht, als t,Konkubinat" zu bezeichnen, müssen es sich gefallen lassen, aus einer Sphäre, in der sie nichts zu suchen haben, hinausgedrängt zu werden. Die wirtschaftlichen Kämpfe des jüdischen Volkes führen wir ohne jede Bevormundung durch religiöse Sondergruppen! Darum wird und muß der jüngste Anschlag der Wiener Agudisten gegen die Arbeiterkolonisation Palästinas in der gesamten jüdischen Bevölkerung Wiens als freche Provokation empfunden und geahndet werden. . ' Werbeversammlung in Breitensee. Am 26. April 1. J. veranstaltete die rührige Orfca<- gruppe XII bis XV eine Werbeive^äammlung in diesem entlegenen Bezirksteil, in dem die jüdische Bevölkerung" sonst nur äußerst selten . zusammengerufen wird. Der gut»' Besuch bewies, wie notwendig Zusammenkünfte gerade in. solchen Bezirksteilen sind. Es referierten die Vorsteher Dr. Bader und Gustav Moritz über die Lage in der .jüdischen Gemeinde, Fürsorgerätin Fleischmann und Obma<n&) Dr. Herzig über die Organisation und ihre Tätigkeit. Ein! großer Teil der Versammelten erat sofort der Organisation bei. A

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