Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 6 (30.04.1926)
- Date
- 1926-04-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 6 Der Weltwanderungskongreß und das österreichischelnlandarbeiterschutzgeseiz Vom 18. bis 21. Mai wird in London der Weltwunderungskongreß des Internationalen G-ewerkschaftsbundes und der Soz. Arbeiter-Internationale , tagen. Er wird insbesondere die Notwendigkeit der Schaffung eines internationalen Wanderuhgsbureaus verhandeln, als Anfang für ein© internationale Regelung des WandciTings'problems auf dem Gebiete der Sozialversicherung*, welche gegenwärtig in zwischenstaatlichen GegeiiseitigkeitsVerträgen nur unganügeud behandelt wird. Der Kongreß wird von der wohl theoretisch bestehenden, durch zwischenstaatlichhc Uebereinkommen geregelten Gleichbehandlung der Einwanderer auf dem Gebiete der Lohn- und anderer Arbeitsbedingungen ausgehen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse, die auch bei mw, wie schon früher in anderen Staaten?, zu einem Inlanclarbeiterschutzgesetze führten, können mangels einer internationalen einheitlichen Erfassung der Frage nicht so geortet sein, daß nicht doch Lücken, bezw. Härten' entstehen; ja, selbst solclie Härten, die nicht nur den Einzelnen, sondern die Gesamtheit der Arbeiterschaft treffen, indem sie in ungünstiger wirtschaftlicher Lage des Landes dein Kampf um Verbesserung, bezw. Erhaltung der erkämpftejn Arbeitsbedingungen erschweren. "Wir haben in „Unsere Tribüne" Nr. 1 das Bestrebaln ttoserer Genossen im Parlament, das Gesetz so human als möglich zu gestalten, anerkannt. Tatsächlich ist, soweit es auf den Wortlaut des Gesetzes1 ankommt, jede Härte gegenüber dem einzelnen vermieden. Doch scheint uns in einer Bestimmung des Gesetzes eine überflüssige Härte vorzuliegen, die auch geeignet ist, die Arbeiterschaft in ihrem gewerksclia-ftlichen Kampfe izu schädigen. Und zwar besagt Absatz 2 des § 2 des Gesetzes vom 19. Dezember 1925, Nr. 457, daß ein Ausländer, der nach dem' 1. Jä^'nar 1923 nach Oesterreich gekommen ist, auch wenn er in Arbedtsstellung war und nun arbeitslos wird, nur mit behördlicher Bewilligung aufgenommen werden darf. Wir haben bereits angedeutet, daß die österreichische Arbeiterschaft dem Ihlandarbeiterschutzgesetze nur als Maßnahme der Abwehr zugestimmt hat. Die Maßnahme der Abwehr darf aber nicht in ihr Gegenteil iunschlage|n, wie es hier der Fall ist. Wenn; ein in Arbetit stehender Ausländer stets zu befürchten hat, daß seine [Entlassung für ihn den Verlust jeder Arbeitslnöglichkeit nach sich ziehen kann (auf das Geltendmacben der Gründe der Menschlichkeit ist bei unseren Behördetal kein Vei'laß), so ist er seinem Arbeitgeber bedingunjgslosl ausgeliefert. Der Arbeitgeber kann den ausländischen Arbeiter kirre machen, er kann seinen Lohn willkürlich reduzieren und ihn zum Lohndrücker,' zu einem Sciiädling der Gewerkscliaft erniedrigen. Das bewirkt, dalß die ausländischen Arbeiter der Gewerkschaft entfremdet, der einheimischen Arbeiterschaft schädlich werden. Dadurch wird ein Keil zwischen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft und die ausländischen Arbeiter getrieben. Die\ jüdischen' Arbeiter, die einen erheblichen Teil der ausländischen Arbeiter ausmachen, sind daran interessiert, daß. sie in diese Zwangslage nicht gedrängt werden. Auf dem Weltwanderungskongreß in' London werden unsere österreichischen Genossen bemüht sein, die Arbeiterparteien für die Herstellung der Freizügigkeit und des Rechtes auf Arbeit in allen Ländern' zu gewinnen. Um einen Erfolg in dieser Präge zu sichern!, müßte zunächst eine Athmosphäre der Verständigung geschaffen werden. Verständigung verträgt sich aber nicht mit vermeidlichen, arbeiterschäaidliohen Ausnahmebas timmungen gegen ausländische Arbeiter,. Im Interesse der gesamten Arbeiiterscliaft und im Interesse dieser internationalen Tagung sollte die österreichische Arbeiterschaft die in Rode stehende Bestimmung des österreichischen Schutzgesetze-s einer Revision unterziehen,. Dr. S. Ii. Verfolgung unserer Genossen in Rußland. Das Verbandsbureau eg^delt vom1 Zentralkomitee der russischen Laudespartei folgende Mitteilung: Mehr als 25 Zionisten-Sazialisten, die vor einiger Zeit nach der Gegend von Narym, Kirgisien und in andere öde Landstriche vorschickt worden waren, wurden letztens in •%. das Gefängnis von Swerdlowsk gebracht. Man beschuldigt sie, sie hätten ein Verbinduhgisbureau zwecks Aufrechterhält ung von Beziehungen zwischen allen Verbannten ihrer Partei unterhalten; auch hätten sie —■ was ihnen als Verbrechen angerechnet wird — einen Unterstützuagsfonds zugunsten arbeitsloser Ver*bannter, die von ihren Verwandten keine Zuschüsse erhalten, ins Lebein gerufen. Der aus Kons tan tinOwka, Kreis Donetz, stammende iSchmuel Lewin wurde vor längerer Zeit unter dem Verdacht der Zugehörigkeit zur zionistisch-isozdalisitischeai Partei, in krankem Zustand ins Gefängnis gesetzt. Da trotz all seiner Bitten der Prozeß immer wieder hinausgeztogen wurde, begann er im Gefängnis zu Bachmat einen Hungerstreik. (£ucli im Gefängnisspital setzte er seinen Hungerstreik fort. Trotzdem traf die G. P. U. keinerlei Anstalten, ihm den Prozeß zu machen. Am 13. Tag des Hungerstreiks erklärten die Aerzte, daß der Zustand Lewins hoffnungslos sei. Erst jetzt entschloß man sich, den dem Tode geweihten Häftling seinen Verwandten" gegen Bürgschaft in Obhut zu geben. Es besteht jedoch keine Hoffnung mehr, sein Leben zu retten. Jüdische Theater. Ereie jüdische Volksbühne. Zu unserer Besprechung in Nr. 5 möchten wir nachtragen, daß sich Herr Herschkowicz als Schlomke Malech ausgezeichnet bewährt hat. Am 26. April wurde vom Vereine Ereie jüdische Volksbühne „Der Fremde" von J. Gordin aufgeführt. War schon die Auffrischung dieses alten Stückes an,' sich ein Fehlgriff, hatte die Aufführung durch die völlig mißlungene Baratow-Kopie des Herrn Herschkowicz besonders gelitten. Wenn Herr Herschkowicz als' Schauspieler ernst genommen werden will, muß er solche Versuche unterlassen. Die Frauen Dreiblatt und Weißberg, die Herren Streng und Sigall haben ihre Sache gut gemacht. Frau Zucker sehr unglaubhaft, Herr W i 111 e r noch etwas unsicher, Herr Weinberg sollte liebef hinter den Kulissen bleiben, dem 'Soufleur müßte ein Dämpfer aufgesetzt werden. Die Regie war etwas besser, aber tadellos war sie noch immer nicht. * Der „Verein Freie jüdische Volksbühne" ersucht uns mitzuteilen, daß zur Aufführung am 15. März die Presse nicht geladen war. Das soll als Erklärung dienen, weshalb die „Wiener Morgenzeitung" über diese Aufführung nicht berichtet hat. Erklärung. Wir werden um die Veröffentlichung folgender Zuschrift gebeten: In der ersten Nummer einer sich „Wiener Volksblatt" nennenden Wochenschrift wurde ein Aufsatz von mir in einer Aufmachung veröffentlicht, die den Anschein erwecken könnte,* als ob ich Mitarbeiter dieser Zeitschrift wäre. Um Mißverständnissen vorzubeugen, erkläre ich hiemity daß der Artikel lediglich ein Nachdruck ans dem Newyorker „Vorwärts" ist, daß" er gegen, meinen Willen im ,|,Wiener Volksblatte" erschienen ist und daß ich dieser Wochenschrift vollkommen fern stehe. Dr. Mejlech' C h m i e 1 n i t z k i. Leitsätze der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien. I. Die jüdische Sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion Wien gehört dem Weltverbainde jüdischer sozialistischer Arbeiter Poale Zion an, welcher: aus' Parteien verschiedener Länder zusaimmengesiejtzt und der sozialistischen Arbeiter-Internationale angaschlossien ist. II. In allgemeinen Fragen der Lanjdespolitik solidarisiert sich grundsätzlich die jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs1. Es wird als Pflicht aller Genossen erklärt, Mitglieder der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutechöstterreichs zu sein und alle Aktionen der Partei zu unterstützen. III. In den Fragen des innern jüdischen Lebens entfaltet die Jüdische sozkldein^okratische Arbeiterorganisation Poale Zion ihre Tätigkeit in Uebereinstimmun'g mit den Richtlinien und Beschlüssen des; Weitverbandeis jüdischer sozialdeim'okratischer Arbeiter Poale Zion. IV. Die Tätigkeit der jüdischen Sozialdemokrat!"sehen Arbeiterorganisation Poale Zion auf dem! Gebiete des jüdischen Lebens erstreckt sich insbesondere auf folgende Gebiete: , 1. Initiative und Förderung der Bemühungen zur Umschichtung von Juden in manuelle und produktive Berufe, insbesondere im Hinblick auf Palästina. 2. Pflege der jüdischen Kultur und des Zusammenhanges mit allen Teilen des jüdischen Proletariats und insbesondere mit der Weltbewegung Poale Zion. 3. Demokratisienmg und Venveltlichung der jüdischen Institutionen, .insbesondere der Kultaiagemieinde und ihre Ausgestaltung im sozialistischen Sinne. 4. Werbung für das Palästina-Aufbauwerk (Keren, Hajessod, Keren Kajemeth usw.), insbesondeire für das arbeitende Palästina und die Förderung der Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. NÄHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1926 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteinstr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16.5-64, 16-5-65. 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikel nprifUT jedes Arbeiters K Nil Will ist es, für die VerbreilnngtHrbeitersZeHnng zu sorgen. 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