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Unsere Tribüne · 1926-04-30 · 6 (30.04.1926) · page 1

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
6 (30.04.1926)
Date
1926-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. on iV° sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1 /II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 6. Wien, 30. April 1926. 3. Jahrgang. Zum ersten Mai 1926. Jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen! Gemeinsam mit den klassenbewußten Arbeitern aller jLänder und "Völker ziehen wir auf die Straße, um imseire Solidarität mit dem Weltproletariat zu bekunden. Schulter ao Schulter mit dem internationalen Proletariat Wollen wir den Kampf für den, Aufstieg der Arbeiterschaft bis zur Uebenvindung der kapitalistischen Weltordaung führen, um an Stelle dieser ungerechten, liä-ßlichen und unvernünftigen Welt, die Welt der arbeitenden Menschen, die Welt d-es vö lkerbof r e'.i e nd e n Sozialismus zu errichten. Die jüdische Arbeiterschaft hat unter dem kapitalistischen Regime noch mehr als ihre Klassengeniossen anderer Völker zu leiden. Von der Urproduktion und delr Großindustrie ausgeschaltet, ist ihre wirtschaftliche Lage unsicher, wird sie stets von völligen* Entwurzelung bedroht. Als Arbeiterschaft eines Volkes, welches überall in der Minderheit lebt, muß sie einen schweren Kampf iun}i( bre politische Freiheit, um ihr© kulturelle 3Sntwicklungsmöglichkeit führen. Wir fordern deshalb am ersten Mai: Nationales S el bs t ver wa 11 u ng s re c lit für das jüdisch© Volk in den Ländern jüdischer Mas s e n s ied lun g. , Förderung der beruflichen Umschichfiungsbes trebungen der jüdischen Volksmassen. In Palästina gehen die jüdischem; Massen zur Landarbeit und zu anderen produktiven1 Berufen über. Es entsteht dort eine jüdische Arbeiterschaft, die brachliegendes Land urbar macht, die Städte erbaut, welche sozialistische Siedlungen und Geniosisenscliaften errichtet, die auch für das Weltproletariat von Bedeutung sind. Palästina entwickelt sich zu einer geschlossenen jüdischen Siedlung, in welcher die Idee der Arbeit die herrschende sein wird. Unsere Genossen haben dort einen äußerst schwierigen Kampf bei der Eroberung neuer Arbeite'rzweige, bei der Schaffung sozialistischer Siedlungsformen zu führen. Das jüdische Bürgertum im Lande fordert unsere Genossen au erbitterten Kämpfen heraus. ' Wir betrachten uns als Teil dieser wunderbaren Arbeiterschaft, die mit seltenem Mut und unvergleichlichem Idealismus für die nationale und soziale Befreiung unseres Volkes kämpft. Unser brüderlicher Gruß, unsere Kampf es Solidarität für die jüdische Arbeiterschaft in Palästina. Es war seit jeher eine der schönsten Traditionen der •sozialistischen Internationale, daß sie jedes Volk, auch das kleinste, in seinem Kampfe um Befreiung von der Fremdherrschaft unterstützt hat, wir verlangen deshalb von allen Teilen des sozialistischen Weltproleitariats, daß .sie auch uns in unserem B-efreiung&kampfe unterstützen. In der österreichischen Republik hat die sozialistische Arbeiterschaft einen , 'hartnäckigen Kampf gegen Bürgertum und Reaktion zu führen. In diesem Kampfe steht die jüdische Arbeiterschaft der Republik geschlossen in den Reihen der Sozialdemofratie. Die; jüdischen Arbeiter sind sich dessen voll bewußt, was dieser Kampf für sie und für das gesamte Proletariat bedeutet. Wir werden unsere sozialistische Kampfestreue bewahren. Es lebe die Sozialistische Arbeiter-Internationale! Es lebe das Selbstverwaltungsrecht des. jüdischen Volkes I Es lebe das arbeitende Palästina I Es lebe der Weltverband Poale Zion! Es lebe die österreichisch© Sozialdemokratie I Jüdisch-sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien. Jüdische sozialdem. Arbeiter-Organisation POALE ZION Wien, II., ßlumaöergassc 1/2 Samstag, den 1. Mai, um halb 8 Uhr abends, im Saale der »Jüdischen Bühne«, IL, Taborstraße 12 ERSTE-MAI¬ FEIER unter Mitwirkung des gesamten Ensembles der »Jüdischen Bühne«. PROG RAM M: 1. ) Die Internationale, Klaviervortrag: Herr Timary 2. ) Die Bedeutung des 1. Mai, M. Singer 3. ) Arbeiter* und Revolutionslieder, Frau Graf-Weintraub, Herr Jungwirth PAUSE 4. ) Fülie baal agule <Monolog>, Herr Reißmann 5. ) Zwei Schwieger, Sketch von M. Richter, Mitwirkende: Frauen: L. Glücksmann, S. Weinberg, Ch. Wallberg. Herren: Bell, Jungwirth, Schorr, Weißmann, Kl. Bell Karten zum Preise von S. 1.—, 1.50, 2.—, 3.—, zu haben im Sekretariate IL, Blumauergasse 1 und bei unseren Vertrauensmännern Gegründet 1882 Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft „Phönix" Wien, I„ Riemergasse 2, Telephon 79-5-65 Serie Aktienkapital 4 Millionen Schilling Versicherungsbestand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling Lebens-, Renten-, Aussteuer-, Unfall-, Haftpflicht- und Autoversicherungen Unsere Genossen treffen sich eine Viertelstunde vor dem Abmarsch vor unserem Lokale Blumauergasse 1 Keiner darf fehlen! Die Welt ist aus den Fugen. Die Erschütterung des Gebäudes der kapitalistischen Weltordnung, die der Krieg in den meisten Ländern hervorgerufen hat, hält fast unvermindert an. Wohin immer wir unsere Blicke wenden, stoßen wir auf Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Stagnation, politische Gärungen, moralischen und geistigen Verfall, Desorganisation und Planlosigkeit. Es ist wohl gelungen, den wütenden Haß zwischen einigen großen Völkern abzubauen, aber es häufen sich nach und nach neue Konfliktsmomente. Die Staaten sperren sich gegeneinander ab. .Oeffentlich und geheim wird in den meisten Ländern gerüstet. Und wir haben ja bereits erfahren, wie die überfüllten Waffenmagazine eine's Tages beinahe von selbst aufgehen und es beginnt die „politische Auseinandersetzung! mit anderen Mitteln." Die erschütterte Welt des Kapitalismus kann nicht zur Ruhe kommen. Die Gegensätze'" innerhalb' der kapitalistischen Wirtschaftsordnung rücken immer mehr und .mehr in den Vordergrund der politischen Ereignisse. Krieg iund Zerstörung "bedrohen die Existenz und .den Fortschritt der Menschheit. ■ Die kapitalistische Welt ist aus den Fugen. Aus eigener Kraft kann sie sich nicht zu neuem Leben, zu großefi Schaffen aufraffe n. Ist sich das Weliproletariat der großen historischen Aufgabe, die seiner jetzt harrt, bewußt? In vielen Ländern hat die klassenbewußte Ar-" beiterschaft bedeutende Machtpositionen erobert. Sie greift in das wirtschaftliche und politische Leben fast überall ein. Hie und da eroberte sie sich' sogar die Möglichkeit selbständiger Verwaltung nach soziaiisti-- scher Methode. Diese Zeilen sozialistischer Wirtschaftspolitik dürfen gewiß nicht unterschätzt werden. Sie sind eine verheißungsvolle Ankündigung der gerechten, vernünftigen und schönen Welt, die wir ersehnen, um die wir kämpfen. Aber die wichtigste Voraussetzung für die Sammlung des Proletariats zum kraftvollen Eingreifen in das Schicksal der Welt ist und bleibt seine internationale Einigkeit. So lange das heldenhafte russische Proletariat von der Mehrheit ider Arbeiterklasse isoliert und die Arbeiterschaft in vielen Ländern in zwei Lagern getrennt bleiben» kann das Weltproletariat die notwendige Macht nicht erlangen. Wir wissen wohl, welche Schwierigkeiten diese Einigung stören, aber wir müssen uns darüber klar sein, daß es nur einen Weg geben kann, um dieser Schwierigkeiten Herr zu werden: die Arbeiterschaft hüben und drüben mit der unbedingten Notwendigkeit der Einigung des Weltproletariats zu durchdringen. Der erste Mai soll1 das Signal zu dieser Tätigkeit innerhalb beider Lager des Proletariats geben. Die Solidarität des klassenbewußten Proletariats soll nun wieder seine belebende, revoltierende und schaffende Kraft wiedererlangen. * Kapitalistische Wirtschaftspolitik und Kriegsrüstungen, gepaart mit nationalem Chauvinismus und Sensationelle Fröhjahrsangcbotc Brüder Sdliffmann ll.,Taborstraf»48 Telephon-Nr. 47,171 En gros - En detail

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