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Unsere Tribüne · 1926-02-27 · 3 (27.01.1926) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
3 (27.01.1926)
Date
1926-02-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 3 die ihr von Leuten geschenkt wurden, die damit nichts anderes beabsichtigten, als zur Heranbildung jüdischer Gelehrter in Wien beizutragen. Sie hätten die Handschriften auch ebenso der Genieinidebibli'othek geschenkt, wenn sie geahnt hätten, daß dort ihr "Verbleiben in Wien mehr sichergestellt ist.' Diese Handschriften nun sollen verkauft werden, um den Weiterbestand des Instituts für die nächsten Jahre zu sichern. Und mm beginnt das Eennen der Zionisten um die Vorschußlorbeeren. Die Gemeinde soll die Handschriften kaufen und damit die Lehranstalt retten. Damit sollte die Tatsache verdeckt werden, daß nur durch das Unverständnis der herrschenden Parteien! die Lehranstalt in die Gefahr der Schließung gebracht wurde und außerdem sollte diese empörende TJnterlassiingssünde noch mit der Geste einer großen Kulturleistung verdeckt werden. Und xvoa. möglichst kritiklos über die Situation hinwegzutäuschen, wurde einfach der Erhaltungsbeitrag der Lehranstalt für die nächsten vier Jahre pauschalier als Kaufpreis von den Herren Zionisten beantragt, ohne sich Rechenschaft dairtiber zu geben, daß eine öffentliche Körperschaft eine Erwerbung nur um ihren wirklichen Preis, in diesem Fall den Schätzwert, vornehmen kann. Dabei wurde die Sache von den Zionisten noch besonders plump eingefädelt. Anstatt zu veranlassen, daß der erste Kaufantrag an die Gemeinde gestellt werde und demselben eine sofortige Sachverstäindigenschätzung durch die Gemeinde folgen zu lassen, ließen sie es zu, daß die Nachricht von dtelm bevorstehenden Ausverkauf ins Ausland gesendet wurde, bevor noch der Getaeiin&e ein sachlich fundierter Kaufantrag gestellt wurde. Die hart bedrängte Lehranstalt hatte niaturgelmäß an der Benachrichtigung des1 Auslandsmarktes ein Interesse und veranlaßt© eine Sachverständigenschätzung ohne Hinzuziehung eines Gemeindesachvers tändigen, deren dunkle Seite schon daraus erhellt, daß sie einen 'Schätzwert von 15.000 Dollar ergab (nämlich genau den von den Zionisten1 beantragten 4jährigen Erhaltungsbeitrag der Anstalt), während die Schätzung des Gemeindesachverständigen nur 6789 Dollar ergab. Im richtigen Moment nun wurde ein amerikanischer Kaufwerber ausfindig gemacht, der die 15.000 Dollar bot und dann der Gemeinde von den Zionisten das Messer an die Kehle gesetzt, dasselbe zu zahlen, weil sie jahrelang die Frage der Lehranstalt vernachlässigt hatten und nun als die Erhalter der Wissenschaft brillieren wollten. Aber dieses Debüt wurde ihnen durch unsere Mandatargruppe gründlich versalzen. Sofort nach den bezeichnenderweise zuerst aus dem! Ausland zurücklangenden. Nachrichten verlangte unser Referent Dr. Glanz die sofortige Vornahme der Schätzung durch einen Gemeindesachverständigen. Zwar konnte die gleichzeitige Abschätzung durch die verschiedenen Sachverständigen nicht mehr erreicht werden. Der Gemeindesachverständige mußte aber herbeigeholt werden und ermittelte in vierwöchentlicher Arbeit dje einzig maßgebende Kaufziffer. Der Antrag unserer Gruppe ging njun dahin, die Handschriften um diesen Schätzwert zu kaufen und womöglich gleichzeitig die Lehranstalt für den Rest ihres Bedarfes durch, freiwillige Zu- WcIIuung (Subvention^) sicher zu stellen. Die „Union" änderte in derr entscheidenden Sitzung ihre Haltung nicht weniger als dreimall Während ihr erster Sprecher beantragte, die Handschriften nicht zu kaufen, wollte ihr Zweiter Antragsteller zwar rund 7000 Dollar zahlen, die Handschriften damit aber nicht erwerben, sondern lediglich die Lehranstalt als Gegenwert mit einem vierjährigen Veräußerungsverbot der Hanöschriften belegen. Erst dem abermaligen energischen Einschreiten unserer Gruppe ge*- lang es, unseren Antrag durchzusetzen und die Hanidschriften zum Schätzwert zu kaufen, wobei gleichzeitig die Subvention der Anstalt für die nächsten vier Jahre festgestellt -wurde. : So wurde eine beschämende Absicht — der Axisverkauf von jüdischen Kulturgütern — verhindert. Die Gefahr war groß genug. Durch das unsinnige, kritiklose Vorgehen der Zionisten wurde für die Gemeinde fast eine Unmöglichkeit geschaffen, die Handschriften zu erwerben und erlitt außerdem der Ruf der Wienjer jüdischen Gemeinde duroh die in flAle Welt hinausgesprengte Alarmnaehricht vom Ausverkauf einen schweren Sichaden. Die „Union" wiederum verhielt sich in sträflichem Leichtsinn und glattem Unverständnis der Bedeutung der Handschriftenerwerbung für die Gemeinde völlig apathisch, als der Antrag der Zionisten hervorkam, völlig ablehnend Und mußte durch die Stellungnahme unserer Gruppe erst zü einer, ihrer ursprünglichen Entscheidung entgegengesetzten Stellungnahme gezwungen werden. So hat in dieser für die jüdische Gemeinde nicht unwesentlichen Frage nur die Haltung unserer Gruppe den Enderfolg erzielt, - '! 1 1 ' i; ' i » Mazzothbezug für Arme. Die israelitische Kultusgemeinde Wien wird an Arme und nachweisbar rituell lebende Juden, die nicht In der ' Lage sind1 sich Mazzotli zuin! nJormaleh Verkaufspreise zu beschaffen,- solche zu ermäßigten Preisen abgeben. Ansuchen unter Vorlage von Dokumenten und Erlag von 10 Groschen für Porti und Manipulatiohsgebühren werden in der Zeit voirn 15. bis inklusive 21, Februar 1926 wie folgt II., Tempelga^se 3, von 8—12 Uhr vorm. und von 2—6 Uhr nachm. VI., Schmalzhofgasse 3, von 3—G Uhr nachm. IX. , Seegasse 9 (Israel. Versorgungshaus), von 3—6 Uhr nachm. X. , Humboldstgasse 27, von 3—6 Uhr nachm. XV. , Tumergasse 22, von 8 Uhr früh bis 3 Uhr nachm. XVI. , Hubergasse 8, von 9—12 Uhr vorm. XVIII., Schopenhauerstraße 39, von 3—6 nachm. XX. , Kluckygasse 11, von 3—6 Uhr nachm. XXI. , Holzmeistergasse 12, von 9—12 Uhr vorm. Bus dem arbeitenden Palistina. Vergebung von Arbeiten durch die Jerusalemer Stadtgemeinde an die jüdische Arbeiter-Kooperative Solei Boneh. TDbwohl die Juden die Majorität in der Bevölkerung Jerusalems bilden, hat bekanntlich die in dein Händlern der Araber liegende Stadtverwaltung es bisher unterlassen, kommunale Arbeiten an Juden zu vergeben. Nunmehr scheint eine Aenderung in dieser Beziehung eingetreten zu seih, indem der Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi, an die jüdische Arbeiter-Kooperative Solei Boneh Wegearbejiten im Betrage von 2000 Pfund vergeben hat. Das Anwachsen der Chaluzim-Bewegung. Im Organe unserer palästinensischen Bruderpartei „Kuntreß" wird festgestellt, daß die Chaluzim-Bewegung nach Palästina keineswegs abnimmt, sondern im Gegenteil andaueirnid wächst. In letzter Zeit kommen große Gruppen nach Palästina, wie z. B. die „Kowesch", „Trumpeldor", ein neuer Teil der Pinsker-Kwuzah „Meschullach", eine rumänische Kwuzah, eine neue Abteilung des „Hapoel Hazair" und verschiedene russische Kwuzoth. Wie aus den neuesten , Informationen hervorgeht, sollen aus Polen und Galizien nach Hunderten zählende Arbeitergruppen ins Land kommen. „Die Bedeutung des Ärbeiter-Jischuw in Palästina für die Verwirklichung des Zionismus und Sozialismus." Ueber dieses Themawird in der Wachsten öffentlichen Versammlung des Vereines^ der Freunde des arbeitenden Palästina gesprochen werden. Den verschiedenen Richtungen im Zionismus wird die Gelegenheit geboten werden, sich über diese Frage zu äußern. Zeit und Ort werden noch mitgeteilt werden. Bus der Weltbewegung. Litauen. In der zweiten Hälfte des Monats Dezember tagte in Kown'o die dritte Konferenz der zionistisch-sozialistischen Partei. Es waren mehrals 40 Delegierte aus 22 Organisationen erschienen. Die Konferenz stellte die überaus günstige Entwicklung der Partei, die tief in die Arbeitermassen des Landes eingedrungen und heutzutage die einzige jüdische sozialistische Partei im. Lande ist, fest. Um der schweren wirtschaftlichen Krisis der jüdischen Bevölkerung Litauens, die in der letzten Zeit katastrophale Formen anzunehmen droht, entgegenzuwirken, wies die Konferenz auf konkrete konstruktive Hilfsmittel hin und beauftragte die Partei, für die Realisierung dieses Planes den Kampf aufzunehmen. Eingehend wurde die politische Situation erörtert und die Taktik unserer Partei.bei den bevorstehenden Sejm-Wahlen und unsere Stellung zum reaktionären Gesetz betreffs der jüdischen Gemeinden, welches die tatsächliche Liquidierung des letzten Restchens der bationialen Selbstverwaltung bedeutet, festgelegt. Unsere Partei war die einzige, die auf den Beratungen der jüdischen Gemeinden den Standpunkt vertreten hat, daß es Pflicht der sozialistischen und demokratischen Teile der jüdischen Bevölkerung sei, durch die maximale Aktivität das jüdische Gemeindewesen solange aufrecht zu erhalten,- bis die jüdische und litauische Demokratie zur Macht gelangen und das reaktionäre Gesetz aufheben wird. Wir sind aber in der Minderheit geblieben, da die bürgerlichen Zionisten und die Hitachduth den Mut und das Vertrauen in die Volksmassen nicht aufbringen konnten, um den Kampf aufzunehmen. Die Konferenz hat die Stellung der Parteileitung gutgeheißen. Es ist auch beschlossen worden, die Schaffung einer Arbeiter-Kultur-Organisation zu unterstützen und den Beschluß bezüglich des Sprachen-Minimums in den Volksschulen (Jiddisch in den hebräischen Volksschulen und auch umgekehrt) zur Durchführung zü bringen. ' Gleichzeitig mit der Konferenz tagte auch eine Beratung der Jugend, die ebenfalls die günstige Entwicklung der Jugendorganisationen festgestellt und Richtlinien für die nächste Tätigkeit beschlossen hat. Ostgalizien. Im Sinne des neuen Gesetzes werden im Gebiets der einstigen österreichischen Provinzen die Wahlen in die jüdischen Gemeinden nur dann nach der neuen Verordnung ausgeschrieben werden, wenn die gegenwärtige Verwaltung um die Aenderung des Statut« ansuchen wird. Daaber die neue Verordnung demokratischer als die frühere ist, lassen sich die Gemeindemachthaber — Zionisten und Agudisten — Zeit. Unsere Partei in Ostgalizien hat ihre Vertreter beauftragt, überall auf die Beschleunigung der Durchführung der Statutenänderung hinzuarbeiten. Zu diesem Zwecke sind in mehreren Städten große Volksversammlungen unserer Organisationen einberufen worden. Amerika. Die Sammelaktion Von 250.000 Dollars für die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, wird nicht von unserer Partei allein, sondern von den vereinigtem jüdischen Gewerkschaften geleitet. An der Spitze steht wieder Max Pine*, Kassier ist Max Zuckermann, Generalsekretär: Gen. Hamlin. Am 3. Jänner tagte in New York eine allgemeine Konferenz aller jüdischen Arbeiterorganisationen Amerikas, die die Aktion feierlich proklamiert hat. Am 14. Jänner fand die Eröffnung der Aktion in New York statt. An diesem Tage war bereits die Delegation der Histadruth, die aus den Genossen Ben-Zwi, Remes und Baraz besteht, in Amerika eingetroffen. Das allgemeine große Interesse, das Palästina entgegengebracht wird, und die Sympathie der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas für die Tätigkeit der Histadruth, berechtigen die Hoffnung auf einen großen Erfolg. In zahlreichen Provinzen fanden bereits Konferenzent statt und die Komitees zur Durchführung der Aktion wurden gebildet. Kuba, Im Laufe der letzten Jahre haben sich viele jüdische. Einwanderer, denen die Einwanderung in die Vereinigten Staaten nicht gewährt wurde, in Kuba niedergelassen. Auf diese Weise entstand hier eine Bevölkerung von einigen tausend Juden. Nach und nach finden sie Beschäftigung in der neuen Stätte und fassen, in Kuba Wurzeln. Letztens wurde in der Hauptstadt von 'Kuba — Havanna — eine Poale-Zion-Gruppe geschaffen, welch© eine energische Tätigkeit entfaltet. Am 18. Dezember veranstaltete die Gruppai einen Borochow-Gedenkabend. Die Gruppe steht mit unserer amerikanischen Partei in Verbindung. mit kostenlosem Stickunterrfchtl NAHMASCHINEN FAHRRÄDER 1926 KnopEpressen und ZugehoF SPORT: und TOURISTENRRTIKEG IX., Liechtensteinstraße 27 T„ 14s5l64 nn016,5,65 ü!:; ÄÄ". *p»n™»*« Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen - Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. 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