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Unsere Tribüne · 1926-02-27 · 3 (27.01.1926) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
3 (27.01.1926)
Date
1926-02-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Unsere Tribüne Seite 3 Weiß Herr Stricker, daß fast jeder beschäftigte jüdische Arbeiter in Palästinh. von seinem kärglichen Lohn bis 15 Prozent für seine arbeitslosen Genossen weggibt! Ist tes Herrn Stricker bekannt, daß die jüdischen Arbeiter Palästinas jede unproduktive Arbeitslosenunterstützung ablehnen und nur Arbeitsmöglichk?iten verlangen? Kann Herr Stricker von sich 'oder von seinesgleichen behaupten, daß sie zu solchen Opfern bereit sind? Man wird sogar unter Arbeitern kaum etwas gleichwertiges finden und Herr Stricker hat noch die Stini, mitzuschreien im Chor der Verleumder dieser bewundernswerten jüdischen Arbeiterschaft. Dieser Herr, der nie in Palästina war, und nicht das geringste Verständnis für die dort zu leistende Arbeit hat, sollte sich hüten, über diese Arbeiter, die den Stolz unseres Volkes "bilden, ein Urteil auszusprechen. Zur Kennzeichnung des politischen Denkens des Herrn Stricker, wollen wir noch mitteilen, daß er die Schuld an der Weigerung der Unionisten, den Keren Hajessod zu unterstützen, dem Prof. Weitzmann zuschreibt. Herr Stricker, der .Gegner Weitzmanns, geht einen Pakt mit der „Union" ein und blamiert sich, so macht er Weizmann zum Sündieinfbock. Natürlich,' ein Strifcker kann, ja keine Fehler begehen. ... Es sei noch zugefügt, daß als Ablagerunigsstätte für die Weisheiten und die Feindseligkeiten dos Herrn Stricker das jiddische Käseblättchen des Striirnpfevertreters, Mazeshändlers und Chefredaikteurs, Herrn N. M. Packer dient. Das Präsidium versprach, die Budgetsitzung sofort einzuberufen. Die von unseren Vertretern geforderte Vorberatung im Vertreterkollegium wird wohl unterbleiben, da das Vertreterkollegium in den nächsten Tagen noch nicht verhandlungsfällig sein wird. Bus Oer Wiener jüdischen Gemeinde. Die Lage der jüdischen Gemeinde. Am Montag,- dein 22. Februar erschienen die Mandatare der Vereinigung für soziale Tätigkeit unter Führung Dr. Baders heim Präsidium der Kultusgemeinde. Sie gaben ihren ernsten Bedenken gegen die Nichterledigung der Gemeindeangelegenheiten von seiten der herrschenden Koalition Ausidruck und stellten das Verlangen, daß ungeachtet des zwischen der „Union" und den Zionisten ausgebrochenen Konfliktes die GemeindegeSchäfte normal geführt werden imüßten. Sie verlangten insbesondere die sofortige Reaktivierung der Plenar- und Vertretersitzungen und ließen keinen Zweifel darüber, daß' sie den mit Ablauf des Budget- [plroivisoriumQ (28. Februar) eintretenden Ex lex-Zustand nicht' ruhig hinnehmen .würden. Das Budget müsse im Plenum! und Vertreterkollegium sofort in Beratung gezogen werden. Gleichzeitig machten sie dem Präsidium von der Empörung ihrer Wählerschaft gegen die Verschleppung unserer Anträge, insbesondere des Wahlrechtsantrages und des sogleich zu verwirklichenden Antrages auf Schaffung des Gemeindeblattes Mitteilung. Für die kommende Budgetdebatte forderten sie eine Teilung in General- und Spezialdebatte wie in anderen öffentlichen Haushalten. Bruderzwist. Die groteske Situation der Pegienmgskoalitian, die nur mehr aus Angst vor den Anträgein unserer Gruppe eine Einheit bildet, ist um1 eine geradezu possierliche Nuancar bereichert worden. Da klagt ein Vizepräsident den andern öffentlich an, die Eegierungspresse, in diesem Falle die saubere „Morgenzeitung" heißt ihn einen „Naderer" und dies alles nur aus dem krankhaftem Unbehageil, in einer Regierungskoalition zu sitzen, aus der man einmal nicht heraus kann. Der vorgeschützte Anlaß dieses Gezänkes der beiden herrschenden Parteien ist ebenso lächerlich, wie die daraus abgeleiteten Eechte, den Bundesgenossen einen gelegentlichen Fußtritt zu geben, der den eigenen Pa,rteia<nhang der Jüdischnationalen über die Ohnmacht ihrer Mandatare beschwichtigen soll. Die Jüdisehnatiionalen fürchtein sich, daß ihre Liebe in den Budgetziffern nicht genügend bewertet werden wird. Sie skandalieTen, indelm: sie behaupten, im Besitze von Liebesabmachungen zu sein, die es der „Union" verbieten, sich auch nur einen Augenblick lang zu sträuben, nicht einmal indirekt. Die Juden Wiens1 werden dies nicht verstehen. Denn entweder sind die Fortllerungen der Jüdischnationalen ein Lebeusinteresse der jüdischen Bevölkerung, dann ist ihre öffentliche Diskussion, Kritik und Ueberprüfung erwünscht, oder aber sie betreffen nur das Parteiinteresse derselben, dann ist eine öffentliche Ueberprüfung erst rechtkein Sacrileg.' „Gehjeimdiplomatie" vorzuwerfen haben aber vor allem die kein Recht, die ihre Unterstützung und Regierungseintritt in geheimen Pakten sich haben abdingen lassen. Die jüdische Bevölkerung Wiens hat bisher von den Geheimpakten zwischen der Union und den Jüdischjnationalen nichts gewußt und will daher auch von den Vertragsauslegu'ngen, die die Jüdischnationalen nun auftischein, nichts wissen. Sie wird alle Partei enforderungen prüfen und sich den richtigen Forderungen anschließen. Aller Voraussicht nach wird dieser Zwist nicht lange dauern. Die Angst vor ünseiwi. Anträgen, wird die kämpfenden Brüder rasch ernüchtern und wieder vereinigen. listen nicht. Sie beantragten die Budgetsifczung für den letzten Tag im Monat Februar, um die billige Ausrede zu Iiaben, daß sie noch vor Ablauf des Budgetprovisoriums die Beratung des neuen Budgets begonnen haben. Die Herren haben aber Pech. Die Budgetsitzling wurde erst für den 1. März einberufen und auf diese Weise die findige jüdisch-nationale Mitregierungspartei um den demokratischen Finderlohn ihres Scheinantrages gebracht. Eine Spiegelfechterei der Jüdischnationalen, Die Jüdischnationalen, die durch ihr Budgetmanöver den Konflikt mit der „'Union" hervorgerufen haben und damit die Mitschuldtragenden an der gegenwärtigen Verhandlung siuifähigkeit xdes Gemeindievorstandes sind, haben sich plötzlich auf ihren schon schwer ramponierten demokratischen Ruf besonnen und die Einberufung einer Budgetsitzung verlangt, tun nach außen hin vorzutäuscheu, daß sie kein Biidgetprovisiorium mehr wollen. Sie wissen sehr genau, daß dieses Budget noch niemand zu Gesicht bekommen hat, daß es im Vertreterkollegium noch nicht! vorberaten ist und daßseine einzelnen Ziffern noch gar nicht geklärt sind. Das hindert aber die Herren Nationa- Der Konflikt in der Stadtverwaltimg von Tel-Aviv ist noch nicht zu Ende. Die bürgerlichen Gruppen machen den Arbeitervertretern, die die Leitung übernommen haben, die größten Schwierigkeiten. Es ist einzig und allein das Verdienst der Arbeitervertreter, daß voriges1 Jahr das Gleichgewicht im Budget der Stadtverwaltung hergestellt wurde. Auch heuer bemühen sich' die Arbeiter chirc'h eine vergünstige Steuerpolitik, trotz der wirtschaftlichen Krise, die Bedeckung für das Budget zu beschaffen. Aber gerade Idas, insbesondere die Besteuerung der Bodenflächen, die zu Spekulationszwecken erworben wurden, hat große Unruhe unter den Bürgerlichen hervorgerufen und sie sind zum! Kadi gelaufen. Sie haben bei der englischen Verwaltung gegen die Stadtverwaltung von Tel-Aviv intrigiert. Dasselbe haben übrigens die Kolonisten von Rechowoth gegen die Arbeiterschaft unternommen. A\if diese Weise untea-gräbt das national-patriotische Bürgertum die jüdische Selbstverwaltung. Wie klein und selbstsüchtig erscheint das jüdische Bürgertum im Vergleich mit der opferwilligen jüdischen Arbeiterschaft! * Der Protest der arabischen Bevölkerung von Gazah gegen die Wahlen zum Obersten Rat der Mohammedaner in Palästina hat zur Annullierung der Wahlen geführt. Die nationalistischen arabischen Vereine haben als Protest gegen die Annullierung der Wahlen einen eintägigen Streik durch Sperrung der Geschäfte proklamiert, aber bloß eine verschwindende Zahl arabischer Geschäftsleute haben ihrer Parole Folge geleistet. Das arabische Organ „II Muktani" ist sehr um die Uneinigkeit unter den Arabern besorgt. * Der neugewählte „Waad Leumi" hat schon gute Arbeit geleistet. Er hat Versuche unternoanmsn, um in Jerusalem Neuwahlen zur jüdischen Gemeinde auszuschrsiben, an denen sich alle Kreise der jüdischen Bevölkerung beteiligen und um! in Jerusalem eine neue Stadtverwaltung zu wählen; in welcher auch die Juden vertreten sein Sollen. Beide Versuche haben Aussicht auf Erfolg. Auf die Forderungen, die der „Waad Leumi" im Auftrage der Juden an die Regierung gestellt hat, hat die Regierung bereits eine Antwort erteilt. Obwohl die Regierung nicht alle gestellten Forderungen zu erfüllen bereit ist, enthält aber die Antwort einige wichtige Zusagen für die nächste Zeit. So z. B, in der Frage der Zuweisung von brachliegendem Boden an Juden und bezüglich der Arbeiterschutzgesetze. * Unzufriedenheit hat dagegen hervorgerufen die Verordnung der englischen Verwaltung, wonach die obere Polizei des Landes nur von Arabern zusammengesetzt werden soll. Die Verordnung hat überrascihend gewirkt und es wird geplant, dagegen Einspruch zu erheben. * Im „Dawar" finden wir folgende Ziffern über die jüdische Bevölkerung in Palästina. Gegen Ende 1922 zählte mman in Palästina 85.312 jüdische Seelen; Ende 1923 — 93.290; Ende 1924 — 109.997; Ende 1925 138.066. Das wären 16.5 Prozent im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung des Landes. Wenn man bedenkt, daß in Polen, wo der Prozentsatz der Juden der größte ist, sie dort aber nur 12.9 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden, berechtigt diese Tatsache zu den besten Hoffnungen. * In Jaffa wurden die „Ganuwim" von Bimko in jiddischer Sprache aufgeführt. Eine Gruppe heißblütiger hebräischer Fanatiker versuchte die Vorstellung zu stören und die Veranstaltung mußte unter dem Schutze der Polizei abgehalten werden. Die kleine Gruppe Fanatiker macht weder der jüdischen Bevölkerung noch der hebräischen Sprach« eine Ehre. Das ist ein richtiger Bärendienst. Wie in anderen jüdischen Gemeinden unsere Anträge aufgefaßt werden. Dieser Tage lud die Wiener1 Getmeindei Herrn Dr. Ismar Freund, Mitglied der' Betlineir jüdischen Gemeinderepräsemtanz, zu eineim Vortrag über die Einrichtungen der Berliner jüdischen Gemeinde ein. Der Gast verwunderte sich höchlichst, daß die Wiener Gemeinde ohne Amtsblatt überhaupt existieren kann, schilderte das verbreiterte Wahlrecht der Berliner jüdischen Gemeinde Und erwähnte das Frauenwahlrecht dortselbst. Die Herren von der Union beklatschten die Ausführungen!, verschwiegen aber dem Redner, daß sie nur durch systematische Vers!chl*ppung; unserer auf alle diese Reformen abzielenden Anträge diesen Kulturfortschritt der Wiener Gefmeinjde bis jetzt verhindert haben. Mit einem Wort: Unsere Anträge gefielen ihnen vielleicht. Wenn sie nur nicht vön unserer Partei ausgehen würden. Und darin liegt die Inkonsequenz gegen sich selbst und die Heuchelei gegen die Außenwelt. Große Ortsgruppenversammlung der Bezirke 12, XV, der Vereinigung für soziale Tätigkeit. Am 22. Februar' fand im ^SohWeinderhof" eine Werbeversaimmlung dieser vortrefflich organisierten Ortsgruppa statt. Obmann Dr. Herzig referierte über die Aufgaben der Vereinigung und ihre Bedeutung für das Wiener Judentum:. Seine anfeuernden Worte wurden van der Versammlung als Ansporn für die weitere, Tätigkeit in diesen Bezirken hingenommen. Genosse Alois Goldstein erstattete den Ortsgruppenibericht, verwies auf das1 Anwachsen der Mitgliederzahil und das gesteigerte Interesse der Juden dieser Bezirke für unsere Sache. Sodann erstatteten die Gemeindevorsteher Dr. Bader, Dr. Glanz und Moritz ausführlichen Bericht über die Lage in der jüdischen Geimieinde, über unsere Forderungen und unsern Kampf für das allgemeine Wahlrecht. Ihre Ausführungen erweckten das größte Intereslse und ist bei allen unseren Versammlungen deutlich zu beobachten, wie clas Interesse für alle jüdischen Geimeindea.ngelegetaheite(n sich durch das Auftreten unserer Partei verstärkt. Genossin FleischmianU referierte über die Aufgaben der jüdischen Frau in unserer Vereinigung und forderte alle Fz-auen auf, im jüdischen Gemeindeleben, die Aufgaben zu übernehmen;, die der jüdischen Frau zukommen. Zahlreiche Mitgliedsanimeldun'gen waren der Erfolg dieses Abends. Die Handschriftenerwerbung der jüdischen Gemeinde. Die gläubigen Leser der 7,Wi«ner MoiJgenzeituhg" erfuhren eines Tages, daß es Handschriften zum! Verkauf, gebe und wenige Tage nachher, daß der Kultusvorstandj nach Anfhörung der Hernen Stricker und Plaschkes den Ankauf derselben beschlossen habe. Bezeichnender -raber auch perfider — Weise verschweigt die „Wiener Morgenzeitung" und nach ihr ihr Gegenantlitz, die unionistische „Wahrheit", daß in der Sitzung des Kultusvorstandes: nur der Antrag der Mandatare der Vereinigung für soziale* Tätigkeit, der von Gen. Dr. Glanz in einstünjdiger, sachlich unbestrittener Rede begriinjclet wurde, angenommen wurds'. Sie schweigt sogar die Tatsache dieser Reder tot und. bucht die Handsclniftenenverbung auf das Konto der iVKult\ir« tätigkeit" der Jüdischnationalen. Dies zwingt uns, obzwar. im! allgemeinen wisseksqhaftliche Angelegenheiten von der Gesaanitheit dei* 'jüdischeln Bevölkerung nicht mit Aufmerksamkeit verfolgt werdten dürfte, zu einer öffentlichen Erörterung dieser, ganzen Angelegenheit, die als Schulbeispiel für die gänzlich dilettantischen Verwaltungsversuche der Zionisteai die größte Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkjerung verdient. Für diesesmal ist lediglich durch das' entsohlosisfen© Eingreifen unserer Mandatargruppe eine Kulturschajide verhütet worden, die dank der famosen, Dilefctiesm der Zionisten fast unabwendbar erschien. Die Yloi-geschjiQht© der Sache ist nun folgende: Die isr. theiol. LehjiajmtajLfc befand sich seit Jahren in Not, weil unter dien ORegieru^spartaiieät der Kiütusgemeinde überhaupt kein Verständnis für <e-iine> judaistische Hochschule vorhanden warr Ja, es fand sich nicht einmal ein Mann, der sioh über die Lag© dieser Institution auch nur orientierte, trote'deto es ein (offene»' .Geheimnis war, daß die Hochschule nur mehr durch die schwersten) persönlichen, und materiellen Opfer eines einzige» Manne's, {des Oberrabbiners Dr. Chajes, erhaltein werden konnte. Diese sträfliche Gleichgültigkeit des Glemeindevorstandeis Heß nun in der existenzbedrohten, I^hralnstalti die Idee) eines sonderbaren Hettuugsplanes. entstehen. Di© Anstalt 'besitzt bei 350 Handschriften, darunter eine Anzahl erstklassiger.

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