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Unsere Tribüne · 1926-02-11 · 2 (11.02.1926) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
2 (11.02.1926)
Date
1926-02-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 2 Notizen. Das Debacle der Jüdischnationalen in Polen. Mit einer zumindest progressiven Parole trat das jüdische „Kolo", der Klub der jüdischen Abgeordneten im polnischen Sejm, auf die politische Arena:- Kampf für die jüdischen Minderheitsrechte gemeinsam mit den anderen nationalen Minderheiten der polnischen Republik. Das „Kolo" weiß nichts von Klassengegensätzen, weil seine Mitglieder ausschließlich, den jüdischen Kaufmannsstand und die bürgerliche Intelligenz vertreten, aber es war zu erwarten, daß ihre bürgerliche Politik den progressiven Charakter beibehalten wird. Aber auch das war zu viel. Es dauerte nicht lange und im „Kolo" gelangte ans Ruder Herr Dr. Leon Reisen, der Verständigungsmeister genannt, der seine politische Methoden bei den üausjuden des Polenklubs Löwenstein et consortes entlehnt hat. Man Sägte sich von der Gemeinsamkeit mit den nationalen Minderheiten los und man begann „Politik" auf eigene Faust zu machen. Der damalige 'Minister des Aeußern und jetzige Premier Skrzynski schickte sich an, nach Amerika zu gehen, um' von "einem dortigen Bankenkonsortium eine Anleihe für Polen zu erwirken. Da an der Spitze dieses Konsortiums der bekannte jüdische Philanthrop Felix Wartung steht, wollte Skrzynski in seiner, Mappe einen Beweis der Judenfreundschaft Polens mitbringen. Der Hausjude Reich parierte sofort und es kam die rühmlich bekannte „Verständigung" zwischen Juden und Polen zustande. Herr Skrzynski konnte die Reise nach Amerika antreten. Was dann folgte, muß an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Die Anklage Schalom Asch', die wir vor einiger Zeit veröffentlicht haben, hat ein deutliches Billd der Schikanen und Drangsalierungen der Juden in Polen entrollt. Inzwischen hat die jüdische Bevölkerung den Schwindel' dieser Verständigung durch die harten Schläge,' die ihnen die polnische Regierung versetzt hat, erkannt und die Unzufriedenheit der jüdischen Masse übertrug sich lauf manche Mitglieder des „Kolo". Es geht dort Stürmisch zu, Reich' demissioniert, Schipper tritt aus;und ein. Aber daS ist alles für die Katze. Der Karren ist verfahren. Die jüdischen Politiker sind kompromitiert, die jüdische Bevölkerung enttäuscht. Das jüdisch-nationale Mauseheltum hat sich selbst das ■Grab geschaufelt. Leider sind die Opfer die notleidenden Schichten' der jüdischen Bevölkerung in Polen. S. O. Eine Büberei des Wiener jiddischen Käseblättchens. Wir haben uns bereits einmal der Mühe unterzogen; Idas' schäbige 'Käseblättchen „Jüdische Margenpost", das ein in Strüm|pfen machender, sich aber Chefredakteur nenmiender Herr Bäcker herausgibt, zu fcemiaeichhen. Wenn es nicht ao ekelerregend wäre, sich mit diesem Blatte zu beschäftigten, würden wir unseren Lesern einen Auslstchnitt djar Ausbeutungflimethicxdien, die dJart lierrschen, servieren und sie würden staunen, daß so etwas Woch heutzutage möglich ist. Aber wir wollen heute nur eine Bübenei, die. der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zugedacht wurde, zurückweisen. Herr Delphiner, ein .Seidemindustriellea" aus Wien, der in Tel-Aviv ein© Seidenfabrik etabliert hat, mußte vor einiger Zeit 3eiime dortige Fabrik sperren. In der „Wiener Moirgenzeitung" und im Warschauer „Hajnfc" hat Herr Delphiner als dein einzigein Grund seines Entschlusses die Schikanen seitens der englischein Verwaltung angegeben. Das jiddische Käseblättchen aber, wagt es, den jüdischen Arbeitern Palästinas die Schuld zuzuschreiben und fügt noch u. a. folgende perfide Bemerkung hinzu: „Bei sich, im kommunistischen „Gdud Haawoda", arbeiten die Arbeiter zwölf Stunden und hoch mehr bei schlechteren Bedingungen, 'ohne jedem Widerhpruch. Bei ihm! ((Delphiner) wollten sie das ganze Maximalprogramm ■vierwirklichen. Hat denjü. schon wirklich die Gefahr bestanden, daß Delphiner den Mehrwert nach Monta Carlo ausführen soll? Schlechte Marxisten sitzen in der Histadruth . . (J. M. Nr. 4.) Wir leimen es ab, uns gegen diese dummen Bübereieja und Lügen zu polemisieren, wir wollen sie bloß festnageln. Eines darf aber nicht unerwähnt bleiben, daß sich Herr Packer zur Verübung dieser Bübereien einen Parasiten gedungen hat, der sich jahrelang an der kommunistischen Krippe fettgefressen; und als ihn Moskau davongejagt hat, hat ihn Herr Racker mit offenen Armen empfangen, um die jüdischen Arbeiter in Palästina zu verleumden und sein Blättchen den Schundaufführuinge(n der „Jüdischen Bühne" zur Verfügimg zu stellen, daimit mindestens im Theatersaale einige Exemplare statt Programmzettel an den Ma,nn gebracht werden sollen. . . . Pfui Teufel I, Aus 9er Wiener jütischen Gemeinfle. Die Wohnungsschiebung des Herrn Fuchsgelb. Herr Amtsdirektor Guido Euchsgelb, der erste Sekretär der Wiener Kultusgelmbinde, hat in der vergangene^ Woche wieder von sich hören lassen. Eine gewisse Frau Geiringer, die jahrelang gehungert, hat ein beträchtliches Barvermögen und ein großes Haus für eine Stiftung der Kultusgefmeinde hinjtierlassen. Kaum war* diese Tatsache) durch Einsicht in das Testaimtent bekannt und schon war djer erste Sekretär der Kultusgdmleinde zur Stelle, um — die; Wohnung der Verstorbenen für sich zu sichern. Dies© Handlungsweise hat in der Leopoldstadt große Erbitterung hervorgerufen, utm&o mehr, als1 der für seine Privatzwecke so geschäftige Herr Fuchsgelb nichts! unternahm1, um1 dieser edlen Spenderin ein gebühreindes. B'ejgräbnis zu veranstalten. Der „Abend" teilte den Sachverhalt mit, und das Besetzen der Wohnung durch Herrn Fuchsgelb wurde verhindert. Es sei unerläßlich, sofort aufzuflärem: 1. Hat Herr Fuchsgelb im Auftrage des' Präsidiums gehandelt, öder auf eigene Taust? 2. Wenn das Präsidium ihn beauftragt hat, war es dazu berechtigt? 3. Hat aber Herr Fuchsgelb auf eigene Faust gehandelt, sei stofiorb gegen ihn eine Untersuchung einzuleiten. Der erste Beamte der Kultiisgemeiinde darf so etwas nicht ungesühnt tun. Was ist mit der Untersuchung gegen Rabbiner Meyersohn? Nun ist es ein offenes Geheimnis, daß gegen Eabb. Meyersohn eine Disziplinaruntersuchung geführt wird. Aber die Untersuchung dauert bereits nicht länger als — sieben Monate. Herr Meyersiohn und sein© Abihäai'gör1 sind' darüber empört. Es hat in der Spitenstettengassla bereits Demonstrationen und aufregende Szenen gegeben. Die Wortführer haben die Bekanjntgabe der Vergehen des Rabbiners, oder den sofortigen Abschluß der Untersuchung gefordert. Wir zahlen nicht zu den Freundetn des Herrin Meyersjohin, aber zugegeben muß werden, daß sieben Monate zweifellos alusreichen, um die schwierigste Untersuchung zu beendigen. Das ist sogar für die Wiener isr. Kultusgemleinde zu viel. . . . Bas unserer Organisation. Shytlowsky- Asch-Abend. Der Abend zu Eliren Dr. Shytlowskys und Schalom Asch, der am 30. Jänner im großen Saale des „ApolToneum" (stattfand, nahm einen ausgezeichneten Verlauf. Die Würdigungen der Jubilare (Sokal über Shytlowsky und Sternberg ülwr Asch) gaben ein erschöpfendes Bild der Leistungen dieser beiden großen Männer und riefen ungeteiltes Interesse bei den zahlreichen Anwesenden hervor. Die Vorlesung einiger Szenen aus „Amnon yn Turner" durch Frau Weißborg, Herr Dr. Brind und Herr Ehrenkranz waren vorzüglich. Die drei Künstler haben es1 verstanden, die feinste Harmonie herzustellen und alles glaubhaft zu machen. Die Vorlesimg Ehrenkranz' aus Aschs1 Werken war eine wahrhaft künstlerische Leistung. Unsere Gruppe ist die einzige in Wien, die solche echte jüdische Abende veranstaltet. Monatsprogramm für Februar 1926. I. Wir müssen mit Bedauern feststellen, daß die Genossen in der letzten Zeit unsere Versammhungen und Veranstaltungen in geringerer Zahl als früher besuchen. Die* Genossen fügen dadurch sich seihst — sie verlieren den Kontakt mit der Organisation und mit der Weltbewegung — und der Tätigkeit unserer Organisation einen beträchtlichen Schaden zu. Der stete Besuch unserer Versammlungen und Veranstaltungen sollte selbstverständliche Pflicht aller Genossen sein. II. Die Vorträge finden stete an 'Donnerstagen1, in der Regel zweimal monatlich statt. Auch an Donnerstagen, in denen kein Vortrag angesetzt ist, treffein sich die Genossen im Arbeiterheim. Donnerstag, den 11. Februar: Vortrag Dr. Rudolf Glanz: Der Kampf um die Wiener jüdische Gemeinde. Donnerstag, den 25. Februar: Vortrag Dr. Eduard Bloch: Inhalt und Methode des' Kampfes der Zionisten- Revisionisten. — Boginn der Vorträge 8 Uhr abends. III. Montag, den 8. März, imi Kabarett „Astoria", II., Praterstraße 60. Anläßlich des 10. Sterbetages Schülern' Alechems ein Abend. Motto: Lachen is geeind, Doktojrim1 heißen lachen! Der ganze Reinertrag ist für den Hilfsfonds unserer verfolgten Genossen itn Rußland bestimmt. IV. „Die vier Pfeiler der jiddischen Li teratur." Unter diesem Titel hält Gen. Singer folgende 4 Vorträge: Samstag, den 13. Februar: Mendele Mochor Sforim; Dienstag, den 16. Februar: Schülern Alechem; Samstag, den 20. Februar:.J. L. Peretz; Dienstag, den 23. Februar: Schülern! Asch. — Jeder Vortrag ist mit einer Vorlesung ' und einer Aussprache verbunden. — Regiebeitrag für alle vier Vorträge: 1 Schilling. Teilnahme nur gegen vorherige Anmeldung. V. Das Inkasso wurde von einigen Vertrauensmännern übernommen; wir bitten die Genossen, den Vertrauensmännern das Inkasso zu erleichtern. Das Sekretariat. Schweigen ist ein Geständnis. In Nr. 1 „Unsere Tribüne" ist in zwei Zuschriften 'die Beschuldigung vorgebracht worden, daß die „Wiener Morgenzeitung" von Geldern des Kjeren Hajesöod erhalten und daß in Oesterreich Geld1 des K-, H. für Rarteizweeke verwendet wird. Wir 'haben nur unfern diese Zuschriften veröffentlicht imd waren überzeugt, daß die Leitung des K. H. diese Angelegenheiten aufklären wird. Leider sind die Aufklärungen nicht erfolgt und;wir erachten dieses) Schweigen als' ein Geständnis. : .Unsere Organisation wird daraus die nötigen Schlüsse ziehen müssen. Erklärung. In der Nummer 19 der „JüdiscJuen Gemeinde" wird im Leitartikel „Der Auflösungsprozeß der Wiener Kultusgeimeinde" und insbesondere im Schlußsätze dieses' Artikels einer destruktiven Kultusgelmeinde-Politik das Wort geredet, welche ein Angestellter der Kultusgemeinde, er mag sogar in gewerkschaftlichen Fragen! radikaler Anschauung sein, niemals billigen kann. Dies veranlaßt den Gefertigten, um! jedem Mißverständnisse vorzubeugen, zu erklären, daß er seit vielen Monaten weder dem Eedaktiionskomitee der genannten Zeitung angehört, noch irgendwelchen Einfluß auf Publikationen in dieser Zeitung nimmt. Dr. G. Preudmlann, BeaCnlter der isr. Kultusgemeinde Wien. (Kultusaimt.) Bus Oer Weltbewegung. Polen. Bei den Wahlen in die Stadtverwaltung in Racionsch und Czenistochau trug wieder unsere Partei einen Sieg ,davon. In Eacionsch erhielt unsere Partei 157 von den 500 jüdischen Stimmen und erhielt einen Vertreter. In iCzlenstochau, einje der größten Städte Polens, war der Wahlkampf besonders scharf. Der „Bun/d", die linken Poale- Zioa und die Gruppe der einstigen „Vereinigten" haben ihre bedeutendsten Agitatoren herangezogen und obwohl wir zum erstenmale an den Wahlen in die Stadtverwaltung teilnahmen, erhielten wir 842 Stimmen und errangen ein Mandat. Die linken Poale-Zion erlitten auch hier eine Niederlage, sie einhielten kein einziges Mandat. Es sei festgestellt, daß in den fünf Städten — Kolo, Bendzin, Piotrkow, Racionsch und Czenstochau — in denen in der letzten Zeit Wahlen in die Stadtverwaltungen stattfanden, unsere Partei überall großen Erfolg hatte und 1—2 Mandate erhielt. Im Kreise Wilna rüsten unsere Genossen zu den bevorstehenden Wahlen in die jüdischen Gemeinden. Unsere Genossen beteiligen sich sehr rege an der Aktion für den Hechaluz-Fonds und an der Gründung der Liga für das arbeitende Palästina. Die Ligen erregen überall warme Sympathie und sind bereits gegen 70 in Polen gebildet worden. Den Kongreß der P. P. S. begrüßte Genosse Halpem mit einer polnischen Ansprache im Auftrage des Verbandsbüros und unserer polnischen Landespartei. NAHMASCHINEN FAHRRÄDER 1926 Knopfppessen und Zugeiiop SPORT: und TOORISTENBRTIKEQ IX., Liechtensteinstraße 27 VI., Gumpendorferstraße 67 IV., Wiedner Hauptstraße 8 mit kostenlosem Stickunterricht! Tel. 16s5<64 und 1685*65 Reparatupannahme Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Silislc Versidngsgnslilt Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Tel. 67-2-72,67401,69-0-63 Eigentümer, Verleger, Herausgeber iindi verantwortlicher Redakteur: Dr. Rud. Glanz, R.-A.-Anwäxter, Wien, XVIII., Weimarerstr, 19/10. — Druck: „Adxia.", Wien, II., Taborstr. 52 b.

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