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Unsere Tribüne · 1926-01-18 · 1 (18.01.1926) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
1 (18.01.1926)
Date
1926-01-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 *~ Unsere Tribüne Nr. 1 Aus ßem arbeitenden Palästina. Ernst Toller über die Arbeitersiedlung in Palästina. Der bekannte Dichter Ernst Toller besuchte vor einiger. Zeit gemeinsam mit Artur Holitscher Palästina. Auf einem Empfangsabend, der ihm zu Ehren von der Unabhängigen Arbeiterpartei in London veranstaltet wurde, sprach auch Toller über seine Eindrücke in Palästina. Er sagte u. a.: „Ich habe die jüdischen kommunistischen Siedlungen besucht. Jedes Mitglied dieser Kommunen macht die Arbeit, die ihm zugeteilt wird. Männer sind in den Küchen tätig, Frauen arbeiten beim Straßenbau. Wie gründlich die kommunistische Lebensweise in den Kindern eingepflanzt ist, kann man am folgenden Fall konstatieren: Ein kleines Mädchen, die in einer der Kommunen aufgewachsen ist, ist zu ihrem Großvater nach Europa auf Besuch gefahren. In der Wohnung war ein Dienstmädel namens Mar£ beschäftigt. Am ersten Tag, wie das Mädchen Mary die Hausarbeiten verrichten sah, fragte es: „Kommt heute Mary an die Reihe für die Hausarbeit!" Als sie aber am nächsten Tag abermals Mary bei der Hausarbeit traf, fragte sie ihre Großmutter verwundert: „Warum macht Mary heute wieder die Hausarbeit? Heute solltest ja du an die Reihe kommen, •Mary hat ja gestern diese Arbeit verrichtet!" Später, als das Kind wahrgenommen hat, daß die Familie gebratene Henne essen, während sich die Feldarbeiter mit einer viel bescheidenen Mahlzeit zufrieden geben müssen, meinte es: „Uns gebühren nicht solche feine Speisen, wir arbeiten nicht. Eher schon den Arbeitern am Felde!" Toller hat mit Begeisterung über die Arbeitersiedlung gesprochen, nur hegt er die Befürchtung, daß der englische Imperialismus die Entfaltung dieser kommunistischen Kolonien hemmen wird. Colonel Wedgwood für das arbeitende Palästina. Öol.- Wegdw^ooct, eines der füllenden Mitglieder' dar «ngliscben Arbeiterpartei, wird auf dem feierlichen Meeting, welches anläßlich der Eröffnung der Aktion von 250.000 Dollars für die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina in Newyork veranstaltet wird, unter den Referenten sein. Genosse Wegdwwd ist seit Jahren »in aufrichtiger Freund unserer Sache. Die konstituierende Generalversammlung des Vereines der Freunde des arbeitenden Palästina. Die konstituierende Generalversammlung des Vereines der Freunde des arb. Palästina am Montag, 4. Jänner, gestaltete sich zu einer grandiosen Kundgebung für das arbeitende Palästina. Lange vor Beginn der Versammlung war der große Festsaal des alten Rathauses voll besetzt. Es waren alle Kreise und politische Orientierungen vertreten, die Jugend am izahlreichsten. Es erschienen Vertreter der Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit, der freien zionistischen Vereinigung und des jüdischen Hochschulausschusses. Die Kultusgemeinde hat sich für die Abwesenheit ihres Vertreters in einem Briefe entschuldigt, das Zionistische Landeskomitee hat es nicht einmal für notwendig gehalten, sein Fernbleiben zu entschuldigen. Es verlautet, daß der zionistische Parteirat, der einen Tag vorher stattgefunden hat, die Parole ausgab, den Verein zu boykotieren. Wir werden ja schon aufpassen, wie sich die Herren künftighin dieser wichtigen Institution gegenüber verhalten werden. In seiner kurzen Eröffnungsrede skizzierte Genosse Singer die Aufgaben des Vereines: 1. Es sollen alle Freunde der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas erfaßt werden, um in der Lage zu sein, sie nötigenfalls für die Sache der Arbeitersiedlung in Aktion treten zu lassen. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina darf sich in ihrem schweren Kampfe niemals vereinsamt fühlen. 2. In Wien sollen Kreise geschaffen werden, in denen die Probleme und Sorgen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas erörtert werden. 3. Die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina sollen von ihren Freunden hierzulande finanziell gefördert werden. Der erste Referent Oberrabbiner Dr. Chajes erklärte den Unterschied zwischen Keren-Hajessod, Keren-Kajemeth und dem Fonds der palästinischen Arbeiterschaft. Der Referent schilderte eingehend die Bedeutung der Kulturtätigkeit der Arbeiterschaft in Palästina. Das zahlreiche Publikum nahm die Ausführungen des Oberrabbiners mit Beifall auf. Nach Erledigung der Formalitäten der Konstituierung sprach Genossin Buchmil aus Palästina über die Bedeutung der Arbeitersiedlung und der Arbeitergenossenschaften. Ihre von ehrlicher Begeisterung getragenen Ausführungen übten eine starke Wirkung auf die Hörer aus. Der letzte Referent, Gen. Bier er, vom Hechaluz, erzählte von seinen Wahrnehmungen und Erlebnissen als Arbeiter in Palästina. In seinem Schlußworte gedachte Genosse Singer des fünfjährigen Bestandes der Histadruth und forderte zu aktiver Mitarbeit auf, um zur Ausgestaltung des erhabenen Werkes der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina beizutragen. Ein großer Teil der Versammelten sind dem Vereine beigetreten. Der Arbeitsplan des Vereines der Freunde des arbeitenden Palästina. In der ersten Sitzung der Leitung des Vereines der Freunde des arbeitenden Palästina wurde zunächst die endgiltige. Konstituierung der Leitung durchgeführt. Das Sekretariat setzt sich wie folgt zusammen: Obmann Siegfried. Altmann, Obmanns teil Vertreter Dr. Israel Waldmann, Schriftführer Mendel Singer, Kassa Siegmund Schapira, ohne Funktion Dr. Michael Steinberg. Zu Ersatzmännern wurden gewählt: Siegmund Fenichl, Rudolf Lindenfeld, Sophie Schuller. Kontrolle: Norbert Weichselbaum. Für den ersten Monat wurde als Parole ausgegeben: die Werbung von 1000 Mitgliedern. In einigen Bezirken wird gleich an die Bildung von Ortsgruppen geschritten. Die Herausgabe eines eigenen Organes wurde in Erwägung gezogen. Da der Verein sich als - Vertreter der „Histadrut Haowdim" betrachtet, ist beschlossen worden; daß die Werbetätigkeit für die Institutionen der Histadrut im Vereine zentralisiert werde. Insbesondere soll bald eine Werbe- Aktion für den „Dawar" in Angriff genommen werden. Der Sitz des Sekretariates ist: II., Obere Donaustraße 111 (nächst der Schwedenbrücke), 4. Stock, Tür 66. Sprechstunden sind Montagjvon 7—9, Mittwoch von 4—7, Samstag von 7—8 Uhr abo^s». Wer finanziert die „Wiener Morgenzeitung". (Zuschrift an die Redaktion.) Gegen Ende des Jahres 1925 hat der „Abend", der über die Verhältnisse in der „Wiener Morgenzeitung" informiert sein dürfte, mitgeteilt, daß mit 1. Jänner 1926 die „Wiener Morgenzeitung" als Tageblatt ihr Erscheinen einstellen wird. Tags darauf erschien in der W. M. ein ultimativer Aufruf an die Leser: entweder es werden uns binnen einigen Tagen Schilling 50.000 zur Verfügung gestellt, oder wir machen Schluß. Einige Tage später übermittelte die W. M. ihren Lesern die freudige Botschaft; daß aus dem Kreise der Leser der größte Teil des Betrages bereits zur Verfügung gestellt wurde und das weitere Erscheinen der Zeitung gesichert erscheint. Meiner Meinung nach hat sich Ihre Zeitung ein großes Verdienst dadurch erworbein, % daß sie auf den wiksfeindlichen, den Kapitalisten dienenden Charakter der W. M. hingewiesen hat. Auch Ihr Hinweis, daß dieses nationaljüdische Blatt mit besonderer Sympathie Bolen behandelt und im wirt schaftlichen Teil die Lage in Polen in den schönsten Farben schildert, hat ihr© Wirkung nicht verfehlt. Das Schweigen der W. M. beweist alles eher als ihre Gleichgültigkeit. Sie sollten es sich zur Aufgabe machetn, auch in dieses Dunkel des „Kreises der Leser" der W. M. hineinzuleuchten. Ich will versuchen, Sie auf eine Geldquelle aufmerksam zu machen. Während des XIV. Zionistenkongresses habe ich in informierten Kreisen vernommen, daß die W. M. von der zioniistischem Organisation in London den gewiß nicht unbeträchtlichen Betrag von 3000 Pfund erhalten hat. Da dio Schekeleingänge nicht einmal zur Deckung der Organi&ationsspesen der Leitung genügen, durfte die W. M. obigen Betrag vom Keren-Hajessod erhalten haben. Wann das richtig wäre, müf3k> die Frage aufgeworfen werden, ob es den Intentionen der K.-II.-Zahler in Oesterreich entspricht, solch namhafte Beträge einer Zeitung zuzuwenden, deren politische Orientierung sich im krassesten Gegensatze zu den Interessen der werktätigen jüdischen-Bevölkerung der Republik befindet. Sie sollten versuchen, diese Angelegenheit restlos aufzuklären. Im Interesse der Fonds des Palästinaaufbaues, zur Wahrung der Interessen der werktätigen jüdischen Bevölkerung, dürfen Sie sich dieser Verpflichtung nicht entziehen. Ich erachte es für die vornehmste patriotische Pflicht, auf die Reinheit im jüdischen Leben bedacht zu sein, deshalb ersuche ich Sie, diese Zeilen in Ihrem Blatte zu veröffentlichen. Ich hoffe, daß Sie meinem Ersuchen entsprechen und auch die weiteren Schritte zur Aufklärung dieser Angelegenheit einleiten werden. (Name und Adresse.) Bemerkung der Redaktion. Solche und ähnliche Gerüchte über die Finanzierung der W. M. sind seit längerer Zeit im Umlaufe. Wir werden, versuchen, Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Bus unserer Organisation. Für die Ausgestaltung unserer Fresse. Im Laufe des letzten Jahres hat sich;„Unsere Tribüne'* zahlreiche Freunde erworben. Nun wollen wir ernst© Schritts unternehmen, um unser Organ auszugestalten!* Zunächst verlangen wir von unseren Lesern: 1. Alle Rückstände uns sofort zu überweisen; 2. das Abonnement für das nächste Vierteljahr un» - ehestena zukommen zu lassen; 3. in allen Kaffeehäusern und Restaurants, wo unsere Freunde verkehren, die Zeitung zu verlangen; 4. im Kreise seiner Umgebung soll jeder Genosse und Freund im nächsten Monate mindestens zwei neue Abonnenten werben. Helfet uns bei der Ausgestaltung uor serer wichtigsten Waffe, unserer Pressel" Genossen und Genossinnen! Laut Beschluß des Sekretariats finden unsere Vorträge und Versammlungen zweimal monatlich und! zwar an Donnerstagen statt. Einzeleinladungen erfolgen nicht mehr. Genauere Mitteilungen in „Unsere Tribüne" und in der „Arbeiter-Zeitung". Ab nächsten Monat werden wir den Mitgliedern Monatsprogramme zusenden. Es ist unbedingt notwendig, daß unsere Genossen und Freunde über alle Ereignisse und Probleme der Weltbewegung und der internationalen Arbeiterscliaft informiert sind, daher besuchet zahlreich unsere Veranstaltungen! Inerpolitische Fragen. Der Vortrag des Genossen Soka.1 über die inneren Probleme der österreichischen Politik hat sich sehr anregend gestaltet. Der Referent hat das Problem des Mieterschutzes, das Gesetz zum Schutze der inländischen Arbeit und den Gegensatz zwischen Dorf und Stadt sehr eingehend besprochen. Die "Zuhörer folgten mit Interesse den Aus- -führungen des Referenten. DANKSAGUNG. Wir danken Herrn Reiminger für seine Bemühungen und Opfer an Zeit, die er bei der Ueberführung (der Leiche des Genossen Chasanowitscb brachte. Poale-Zion, Prag, mit kostenlosem StickunterrlchtS NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1926 Knopfpressen und Zogebör SPORT« und TOURISTENHRTIKE& IX., Liechtensteinstraße 27 Ttl mm mi Vi., Gumpendorferstraße 67 IV., Wiedner Hauptstraße 8 Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Sitte Versidierunasanstalt Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl, Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Tel. 67-2-72,67-401,69-0-63 Eigentümer, Verleger, Herausgeber <und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rud. Glanz, R.-A.-Anwärter, Wien, XVIII., Weimarerstr. 19/10. — Druck: „Adria", Wien, II., Täborstr. 62b.

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