Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 1 (18.01.1926)
- Date
- 1926-01-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mr\ Unsere Tribüne Seite 3 Noch ü rterhörkr isf der Terror der. jüdischen Kommunisten (Jidsektie): "gegen unsere Genossen. Die Zionisten-Sozialisten, werden mit den grausamsten Mitteln verfolgt, bloß weil sie aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machen und weil sie das Recht der jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen auf Selbstverwaltung gegen die unfähige und demoralisierte ßureaukratie der „Jidsektie" verteidigen. Hiebei darf nicht vergessen werden, daß unsere Genossen die kommunistischen Siedlungen geschaffen und als Mitglieder auf ihr Mitbestimmungsrecht nicht verzichten wollen, während die „Jidsektie" zumeist Emissäre von auswärts schickt, die beauftragt werden, jefJes Gefühl der Selbständigkeit im Keime zu ersticken. Die Sowjetbureaukratie wird immer mehr und mehr zum Verhängnis für die ruhige Entwicklung Rußlands, ihre Kollegen aus der „Jidsektie" übertrumpfen sie noch bei weitem. Unseren tapfer kämpfenden Genossen versichern wir die volle Solidarität. Der Freiheitskampk, den sie dort aus'zufechten' haben, führen sie nicht nur im Einklänge mit der gesamten sozialistisch denkenden lind handelnden jüdischen Arbeiterschaft, sondern . auch mit der Zustimmung und Solidarität des sozialistischen Weltproletariats. Im Geiste ist die ganze sozial istische Internationale mit euch, tapfere Genossen. Möget ihr aus diesem Bewußtsein Mut und Ausdauer in eurem schweren Kampfe schöpfen! Das Inlandarbeiterschutzgesetz. Die Arbeitslosigkeit hat bei uns eine so gewaltige Entwicklung genommen, daß jeder vierte Arbeiter von ihr schon erfaßt ist; daß die gesamte Arbeiterschaft buchstäblich in ihrer. Existenz bedroht ist. Sie, wenn auch nicht einzudämmen, so, doch vor weiterem Anschwellen durch Einströmen fremder Arbeiter ,zu tiewahren, wurde ein spezielles Gesetz geschaffen. Die .Schöpfer des Gesetzes, die Führer der österreichischen Arbeiterschaft bezeichnen selbst es als ein trauriges Gebot der traurigen Lage und' kein fühlender Mensch wird dem widersprechen können. Aber jeder internationale' Sozialist wird zumindest die Tragik vermerken müssen, die hier entsteht, wenn der eigene, der heimische Arbeiter, vor dem fremden, dem ausländischen, geschützt werden soll. Natürlich geht es nicht gut an, daß alle Industrieländer die Einwanderung ganz oder zum großen. Teile verbieten, Oesterreich aber sie .zulassen soll. Aber, darin liegt eben die Tragik, daß die Freizügigkeit angestrebt, eine neue Schranke aber errichtet wird. Von einer „Äbwehrrüstung" gegen die Arbeitslosigkeit wird gesprochen, so daß die Assoziation geweckt wird an jene anderen Rüstungen, die jedes Land nur deshalb vornimmt, vornehmen will oder muß, weil die anderen Länder das gleiche tun. Diese bitteren Gedanken entringen sich uns, obwohl oder gerade weil wir die nun zum Gesetz erhobenen Schutzmaßnahmen der um ihre Selbsterhaltung kämpfenden österreichischen Arbeiterschaft begreifen. lieber das Gesetz selbst sei bemerkt: Vom 1. Jänner 1926 dürfen ausländische Arbeiter und Angestellte ohne behördliche Erlaubnis keine Arbeitsstelle erhalten. Die. sozialdemokratischen Abgeordneten dürfen für sich das unleugbar große Verdienst in Anspruch nehmen, daß den österreichischen, d. h. hier die Bundesbürgerschaft besitzenden alle ausländischen Arbeiter gleichgestellt, die vor dem 1. Jänner 1923 in Oesterreich sind. Sie sind den Bundesbürgern völlig gleichgestellt und benötigen also keine behördliche Erlaubnis bei Annahme einer Arbeitsstelle. Wer also schon mehr als 3 Jahre in Oesterreich sich aufhält, ist nach diesem Gesetz den Bundesbürgern gleichgestellt. Im Gegensatz zu dieser internationalen und wahrhaft sozialen Bestimmung besagt das Gesetz, daß jene Ausländer, die in den letzten 3 Jahren nach Oesterreich gekommen und in Arbeit sind, zur Behauptung derselben wohf' keinerlei Bewilligung bedürfen, daß sie aber zum Antritt eines neuen Dienstpostens, diese Erlaubnis brauchen. Diese Bestimmung kann Menschen verhängnisvoll werden. Diese „Neuausländer" werden auch in ungewöhnlichem Maße der Laune ihrer Arbeitgeber unterworfen sein, denn sie werden fürchten müssen, mit dem Aufgeben oder dem Verluste der gegenwärtigen Arbeitsstelle, die Erlaubnis zur Erlangung einer anderen überhaupt nicht mehr zu erlangen. Was die Erteilung der Bewilligung überhaupt anbelangt, so soll1 dieselbe sich nach den volkswirtschaftlichen Verhältnissen richten, dann sollen aber auch Gründe der Menschlichkeit, maßgebend sein. Hier aber wird es darauf ankommen, wie das Gesetz gehandhäbt werden wird. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß für die Landwirtschaft besondere Bestimmungen gelten. ' Alv^Dr. S. Sokal. Die P. P, S. und laie nationalen Minderhfeiten. Lange Zeit hindurch war Polen keine physische Macht, aber es empfand immer die Macht der Gerechtigkeit in dieser Welt! Wenn zum Beispiel George Brandes', oder Karl Alarx ans Weltgewissen appelierten, waren es die Polen, deren Gewissen sich regte. Das sozialistische Lager widmete seine besondere Aufmerksamkeit diesem durch die Verhältnisse zurrütteltem Volke. Aber dasselbe Volk und dieselbe Generation, welche fast" ein ganzes Jahrhundert die Schule einer Minderheit mitmachen mußte, hat leider schon seine eigenen Leiden scheinbar vergessen. Heutzutage wenden die Polen in den ihnen zugefallenen Gebieten das; berühmte preußische System an, nach dem Muster ihrer Feinde von dazumal. Dem ukrainischen und weißriissischen Bauer werden Iii Chaifa fand eine Konferenz der Krankenkasse (KupatlHCholim) statt, die sich mit verschiedenen Fragen von Gesundheitsschutz für Arbeiter befaßt hat. * Hie Arbeiterver&icherungskasse, die von der „Histadtüth" vor kurzer Zeit gegründet wurde, zälüt bereits 300 Mitglieder. Es werden zur/.eiit mit größeren Gruppen Verhandlungen wegen ihms Beitrittes zur Arbeitorvorsicherungskasse geführt, ■• * Das Zentralkomitee der Eisenbalmarbeiter in Palästina erMelt eine Verständigung von 'der Internationale, daß der internationale Verband der Transportarbeiter die Aktion für die Anerkennung der EisenlxLimerorganisation Palästinas begonnen hat. Die Verhandlungen mit dem Internationalen Arbeitsamt; in Genf und mit der palästinensischen Ilegierung winden bereits eingeleitet. Der international.3 Verband der Transportarbeiter entsendet eine spezielle Kommission nach. Palästina, um an-Ort und Stellt? die«» Angelegenheit va, untersuchen. ■ Gleich/zeitig hat das Zentralkomitee der Eisenbahnarbeiter von der englischen Eisenbahn-, Post- und Telegraphen-Gewerkschaft Schreibon erhalten, in denen sie ihm Unterstützung zusichern und die Einbringung einer Interpellation ' über diese Präge im englischen Parlament versprechen. So wird von der palästinensischen Arbeiterschaft die Verbindung mit dem Weitproletariat — der bedeutendstepolitische Machtfaktior der nächsten Zukunft — hergestellt. * Erregte Aus eiiunder.se tzm igen hat die Demission des Bürgermeisters von Tel-Aviv, Herr Disingoff, bervorgerufen, Herr Disingoff galt bis jetzt als 'objektiver Verwaltei;, er hat sich auch große Verdienste um die Entwicklung von Tel-Aviv erwürben. Nun scheinen die Elemente der j,vieiten Alijah", die sich zumeist in# Tel-Aviv konzentriert haben, auch &eine Orientierung beeit'Vlußt zu haben. Der Anlaß der Demission war, daß die Arl^itervertrefcorin der Stadtverwaltung den uoscrluü durchgesetzt habia, daß das Schulgeld aufgehoben und stattdem eine progressive hat Herr Disingoff in der bürgerlichen Presse* mitgeteilt, daß er gegen die Politik der Arbeiterschaft ist, die Tel-Aviv durch das Erworbein benachbarter Bodenf lachen erweitern will. Die Arbeiterfraktion hat in einem offenen Brief Herrn Disingoff nachgewiesen, daß alle Bodenkäufe mit seiner Zustimmung zustandegekommen sind und daß er erst jetzt gegen die Schaffimg der Siedlungen um Tel- Aviv auftritt. Dieser Konflikt offenbart zum wiederholten Male, daß nur die Arbeit erschuft die volle Verantwortung für die möglichst rasche und glatte Entwicklung dos Aufbaues trägt, während das jüdische Bürgertum engherzig und konservativ ist. Die Arbeitervertreber wollen die wirtschaftliche Position, die Tel-Aviv heutzutage, darstellt, benützen, urn neue kolonisatorische Worte zu scliaffen, das Bürgertum aber will sich mit der Verwaltungsarboit allein zufriedenr geben. Herr Disingoff und seine Anhänger haben wohl geglaubt, daß auch diesmal, wie bei einer früheren Gelegenheit, seine Demission die Arboitervertreter einschüchtern wird, aber sie werden sich getäuscht haben: die ArbeitersehJiaft setzt die Tätigkeit in der Stadtverwaltung ohne den Horm Bürgermeister fort. Die Arbeiterschaft ist stark genug, um die Diktatur einer Minderheit, auch wenn au ihrer Spitze ein so verdienstvoller Mann wie Herr Disingoff steht, abzuschütteln. Daß die jüdische Arbeiterschaft in Palästina eine geschlossene Kampfgruppe darstellt, beweist auch das Endresultat der Wahlen für die Asscfatü-'Haiüwcharitn (Jüdischer Nationalrat), Von den 33.815 abgegebenen Stimmen haben dio Arbeiterparteien 15.74D erhalten, das sind nahezu 50 l'rozent. Unter den 2i)l Mitgliedern der Assefath-Haniwcharim wird es 92 Vertreter der Arbeiterschaft gebsn, u, zw. Achduth Haawödah, unsere Palästina-Arbeiterpartei 8834 Stimmen und 54 Vertreter, Hapoel Hazair 5337 Stimmen, 30 Vertreter, Kommunisten 1028 Stimmen, 6 Vertreter; Unparteiische Kwuzoth 550 Stimmen, 2 Vertreter, Die Zahlen beweisen einwandfrei dio Schlagkraft der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. keine Kredite gewährt, da Warschau kein Interesse daran hat, daß diese Volksstämme eine gewisse Selbstständigkeit erlangen. Dagegen propagiert die polnische Regierung in den genannten Gebieten eine ausgedehnte Kolonisation durch polnisch sprechende Untertanen. Das nichtpolnische Schulwesen wird stiefmütterlich behandelt. Zur Steuerzahlung dagegen' werden die Minderheiten in weit stärkerem Maße herangezogen, als die polnischen Elemente. Die einzige offizielle Sprache im ganzen Lande ist polm'scity obwohl mehr als 40 Prozentder Einwohner sich anderer Sprachen bedienen. Und diese Umstände drängen die Minderheiten >in die Arme der Sowjet^ Welche drüben auf der anderen Grenzseite .mit „Volks-Republiken" sei es ukrainische oder weiße russische — je nach Bedarf — demonstrieren und die Situation gegen Polen geschickt ausnützen. Aber noch mehr muß man sich über das Verhalten " der polnischen Sozialdemokraten wundern/ Diese mutigen 'Kämpfer gegen den seinerzeitigen Zarismus haben sich im Kampfe gegen die eigene Reaktion als sehr schwach erwiesen, denn sie geraten zu oft in die Maschen des „Pilsudskischen" Systems 'und sind nicht imstande, sich von dem' durch dieses vertretenen militärischen Geist zu befreien. Ein besonders dunkles Kapitel bildet bei der P. P. S. die Lösung der Judenfrage. Mehr als .drei Millionen Bürger der polnischen Republik bekennen sich zum Judentum und stellen unzweideutige Forderungen an die Regierung. Von Zeit zu Zeit kann man bei den P. P. S. das stolze Wort vom „unwürdigem Jargon" lesen. Man hat es nicht einmal der Mühe wert erachtet, auf die gewiß bescheidenen Forde-. rungen des „Bund" irgendwelche Erklärung abzügeben. Knapp eine Woche vor dem internationalen Kongreß in Hamburg wurde im Parteiorgan die nicht mehr neue Theorie des 18. Jahrhunderts vertreten, laut welcher die Juden nicht als Volk anzusehen sind. Das Verhalten der P. P. S. bei der Annahme der berühmten „Sprachengesetze" hat noch jeder-* mann in-Erinnerung. Mit ihrer Zustimmung sind die für die nationalen Minderheiten feindlichen Bestimmungen angenommen worden, während man dasL „Jüdische" unter wörtlich kindischen Ausreden peinlich ausgemieden hat. Das große jüdische Schulnetz und dessen Organ die „Zentrale jüdische Schulorganisation", das sich In sozialdemokratischen Händen befindet, wird seitens der P. P. S. ignoriert. Der XX. Kongreß der P. P. S., der vor kurzem satttfand, lenkte auf sich besondere Aufmerksamkeit. Zum ersten Male kamen zahlreiche ausländische Besucher ins Land. Polen befindet sich gegenwärtig in. einer schweren Situation. Die P. P. S. macht jetzt eine schwere Krisis durch, da sie in der Regierungskoalition ist. Vielleicht soll man der Welt für die neue Resolution betreffs der Minderheiten dankbar sein. Möglicherweise ist es ein Tribut für den-.Internationalismus. ' ..i; Die Resolution des XX. Kongresses zur Frage der nationalen Minderheiten beauftragt die Parteileitung und die parlamentarische Vertretung, sofort an die Lösung der Fra^e der nationalen Minderheiten in den Grenzgebieten Polens auf Grundlage der territorialen Selbstverwaltung heranzutreten, sich für die Förderung der Schulen in nichtpolnischen Sprachen und für die Errichtung einer ukrainischen Hochschule in Lemberg einzusetzen und weitgehende nationale Selbstverwaltung für die Minderheitsvölker zu erkämpfen. In den Resolutionen ist von den ukrainischen und weißrussischen, d. i. slawischen territorialen Minderheiten die Rede, Juden werden nicht erwähnt, obwohl die Vertreter der P. P. S. in Marseille erklärt haben, (iaß sie bestrebt sind, auch den jüdischen Forderungen zum Siege zu verhelfen,, aber Schweigen ist Gold ... Ob hier eine Wandlung der Ueberzeugung vorgekommen ist, ob es ein ernster aufrichtiger Wille ist, wird die nahe Zukunft beweisen. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt, daß man nicht zu optimistisch sein darf, wenn es sich um, Resolutionen der P. P. S. handelt. ,j S. Orchow. Die Leitung der Organisation' drückt"' dem' Genüssen'' Goldstaub anläßlich des Ablebens seines Vater* das tiefste Beileid aus.