Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 12 (06.10.1925)
- Date
- 1925-10-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Unsere TrlbÖne Nr; \ 2 Bodenkäufe gewinnt, verliert der Tteren Hajessod, der ^tiann weniger Siedler, vor allern jedoch weniger' HarStarbeiter seßhaft machen kann. Es ist nicht eine Illusion 2ti' glauben, daß wir in Palästina große Landstirecken kaufen und unbesiedelt lassen können. Unser Recht auf den Boden Ere2-Israels beruht nicht auf der bezahlten Kaufsumme, sondern auf dem Arm des Pflügers. S. Orchow: Der XIV. ZionJ§fj;en^p|igrejß und die palästinensische Arbeiterschaft. In einer Hinsicht war dieser Kongreß der erste. Zum ersten Male gewahrten wir auf einem. Kongresse nicht die Feiertagssiimmung zionistischer Ideen, sondern 'den Alltag der wirtschaftlichen Sorgen und des hartnäckigen Ringens der wirtschaftlichen Kräfte innerhalb des Judentums. Dahin ist die Zeit Herzig, als von der •Kongreß tribüne an das Gewissen der Juden appelliert, als die Sehnsucht und der Wille einer Nation (zum. Ausdruck gebracht wurde. Jetzt befinden wir uns in einem Zeitpunkte prosaischer Aufbauprobleme. Von der .Tribüne hörten wir' heuer neue Klänge, nicht der Harmonie, sondern ,von Zusammenstößen, von Klassenzusammenstößen.; ■ Zu jener Zeit war der Hauptträger des Zionismus die volkstreue Intelligenz. Sie haben inbrünstig den jüdischen Staat herbeigjeseihnt. Sie haben ihm gerne Getdopfer zugedacht. Ein zweiter Teil, der radikalere, (begnügte sich nicht damit allein, er setzte seiner jbisjetzigen Lebensart ein Ende, durch die Arbeit (fand er zur Mutter Erde heim und verknüpfte dauernid sein Schicksal mit ihr. Was der zionistischen. Intelligenz von damals so einfach und selbstverständlich war, können die bürgerlichen Zionisten von heute nicht recht begreifen. Im Zentrum und auf dem rechten Flügel der bürgerlichen Zionisten stoßen wir jetzt auf eine neue Schichte, die bis vor kurzer Zeit abseits gestanden ist, der Balebos., Seine Stimme klingt jetzt am lautesten von der Kongreßtribüne. Er denkt nicht, wie die einstige klassenlosen Intelligenz, an die abstrakte Idee eines jüdischen Staates, er hat zunächst „seine Wähler", die heutzutage ein Einwanderungsland und „nationalen" Kredit benötigen, im Sinne. Sie verherrlichen nicht mehr die jüdische Arbeit (und die jüdischen Arbeiter, im Gegenteil, diese sind ihnen ein Dorn im Auge. Eine selbständige jüdische Arbeiterm schaft ist ihnen zuwider. Sie haben von Osteuropa völlig andere Begriffe eines Arbeiters mitgebracht und sie sind überrascht, in Palästina einer gut organisierten schöpferischen Arbeiterschaft zu begegnen. Eine Arbeiterschaft, die nahezu hundert landwirtschaftliche Siedlungen, mehrere Produktion^eno^sensc^aiten, eine; größte Konsum:, genbssenschafrmif "vielen Filialen; Schulen,'Spitäler, eine iejgehe Bank: besitzt und in der jyHastajdrut" zu ednietoat einheitlichen, mädhtigen Faktor zusammengefaßt wird. Ali das würde vielleicht den Zionisten von anno •dazumal mit Stolz und Freude erfüllen, die „Balebätim" von .heute nehmen mit Schrecken wahr, daß die Arbeiter in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu dieser [Macht gelangen können. Mandhle sind sogar von engherziger Mißgunst erfüllt. r ' Lange vor dem XIV. ZionistenkJöngresse hat die bürgerliche und insbesondere die misrachistische Presse eine wüste Hetzkampagne gegen die jüdische Arbeiterschaft und ihre Institutionen eingeleitet. Auf dem Kongresse selbst wurde der heftige Angriff gegen die Arbeiterschaft, zum ersten Male in solch scharfer Form, von vielen Richtungen durchgeführt. Es gab Tage, die zur Gänze von dem Kampfe zwischen der Arbeiterschaft und. ihren Feinden ausgefüllt waren. Es ist zwar nicht anzunehmen, daß der „neue Kurs" im Zionismus von langer Dauer und von Erfolg begleitet sein wird. In dieser Beziehung liefert uns die Erfahrung der privatkapitalistischen Periode früherer Jahre einwandfreie Beweise. Aber, es ist unsere Pflicht, die Situation klar zu erkennen. Das Appellieren an das . Monistische Gewissen läßt die Herren des neuen Kurses kalt. Nur wenn wir ihnen, gestützt auf unsere Macht^ "entgegentreten werden,' können wir auf Erfolg rechnan. Wir müssen die jüdische Arbeiterschaft und die jüdische Jugend, die mit ihren Sympathien bei \ins sind, für uns' mobilisieren. Der Gedanke des arbeitenden Palästina soll sie alle zu einer Einheit zusammenschweißen. Der große Palästina-Arbeiterkongreß muss angeregt und einberufen werden. Nicht gegen den Zionistenkongreß, sondern parallel mit ihrn. Das ist das Gebot der Stunde. (bis flem arbeitenden Palästina. Vier jähre Ejn-Charod. Vor vier Jahren, als jüdische Arbeiter nach' Ejn- Charod kamen, um die große Kwuzah zugründen, waren die Gefühle, selbst unter den jüdischen Arbeitern, durch Zweifel getrübt. Die Eroberung des Emek war ein verlockendes Ziel, der Versuch einer großen kollektivisti-. sehen Siedlung ist der Mühe und Opfer der Besten und Edelsten gewiß wert, aber (dieses verhängnisvoÜe Wort der Skepsis I) wer vermag, die Schwierigkeiten und Opfer zu ermessen, wer weiß, ob unsere Brüder dieser Aufgabe gewachsen sind? Es war ein Wagnis. r Ist das Werk gelungen? Noch ringen die Genossen in Ejn-Charod mit mannigfachen Problemen, sie machen heroische Anstrengungen, um aller Schwierigkeiten Herr zu werden. Vier Jahre sind gewiß eine kurze Frist, um ein abschließendes Urteil fällen zu können. kUnd dennoch hat uns Ejn- Charod bereits den Glauben an seine Existenz beigebracht. .Ungeahnte Horizonte hat uns Ejn-Charod eröffnet. Mit den schönsten Hoffnungen erwarten' wir die jn diesem sonderbaren Milieu, heranwachsende Jugend. Was wäre aus dem schönen Emejc ohne Ejn-Charod geworden I Wir arm würden die neuen Siedlungspunkte aussehen, wenn wir nicht Ejn-Charod' besäßen! Ejn-Charod ist heutzutage der Mittelpunkt der Anziehung für die einwandernden Chalüzim. Ejn-Charod ist geradezu das Sinnbild der Chalüzjut jm Tohewabohu der vierten Alijah. Ejn-Charod ist nicht bloß ein lebendiger Teil des heuen Jischuw, es ist vielmehr seine Seele. Nicht unserer Segensprüche, der Anstrengung all unserer verfügbaren Kräfte bedarf es, auf daß es gedeihe, das kollektivistische ^Ejn-Charöd und nicht bloß den Emek, sondern das gänie Land .überwuchere. Geloben' wir dien Genössen und Genossinnen im Emek, geloben wir es unserer Idee des jüdischen Sozialismus, daß wir unsere Pflicht erfüllen werden. ■ - ... ...» ..... ... .... <• Gleichzeitig mit Ejn-Oiarod feiert der „Gdud Haawoda " den fünfjälirigen und iNahaJal den vierjährigen Bestand. In Ejn-pharod, Pel-Josef und' Nahalal fanden aus diesem Anlasse sinnvolle Veranstaltnmgen statt. Vertreter der Histadrut bei d$r: Regierung. Im Auftrag der „Histadrut" lealschien Gen, Ben-Zwi vor dem Stellvertreter des Oberkofimnistsär? Sy.mes und stellte an ihn in. a, folgende Fordörungek: ' 1. Eis» soll verfügt! worden, daß bei Konflikten zwischen Arbeitern und Unternehmet)- das Axi^nahrnsgesetz nicht angewendet werden soll. \ 2. Die Arbeitersehlutzgesetze Rollen ehestens fertiggestellt werden; Herr Symes versprach deto', Gen sofort einer Prüfung zu unterziehe! düng herbeizuführen. Statistische Uebersicht der Landesverbände des Welt-liechalutz. Ben-Zwi, die .Fragen und eine Entschei- Landesverband Chaworlm Rußland Polen Galizien Detxtsehland .Litauen' Rirmäinien Oesterreifch l^cheohoslowakei. 423 Bulgarien 23 Summe: 13.700 13.600. 3.100 1.003 818 760 703 nrt. 'Arleltereigene htndwerkl. "nnen grfopen, Letw- Lobtowertogruppen wZ%m) farjnen stattenm E00 26,. 34 478 219 50 W 26 25 57 3 34,120;. 1415, Bus Oer Wiener 1192 70 45 29 24 24 10 Vereinigung für soziale j&dische Tätigkeit. In alle» Bezirke» •Wi^'-ff&maii Ortsgi^ppetnversaanm'- hingen?.ur Wahl jeter Delegierten -für den Delegierten tag einberufen. Zur' "V-brbemtung der ' Tbgung wurde ein be* Blonderes Komitee eingesetzt, ^tpunkt. Ort und Tagesordnung des .Delegiertentages werden in den nächsten tfagtafc verluutbart werden. Notizen. ßMm Genie devoistande» / Plenarsitzung in der Kuli isgemeinde, Am 30. Septemlber fand nach dei pause die erste> Pleoan^itauaag des "Es! wurde über die Somlraeaiätigkeit des und die Beschlüsse des Vertreterkollegi Periode 7,ur Keamtnisgebracht. Sodaa ma tische Gehaltsaaagleichitng an (die der Angestellten der Stadt Wien duaic jüdische Gemeinde ein© Mehrbelastung lingen (lVs Millift'tvien)- jährlich bedewl ai. Ingeschlossener Sitzung wurde u. Personalaxigelegenlieifen erörtert uiqjd Einzelne Komanissionen liaben he gehalten. Die übrige Tätigkeit der Ki zeit noch vollsitatnidig. obligaten Sommei-. statt. rasidiums berichtet ä während dieser wurdie* die autostzixm Erhöhungen die für di© "on 150.000 Schilaach eine- Keine (l^ldossiein. ts Sitzungen' ablionen ruht der- Der Fluch der bösen Tat. Spaltung in der Partei österreichischer Zionisten. Lie Landespblitik der osteWeichisciim Zionisten) die hauptsächlich gegen die Sozdaldesnokratio gerichtet war, mußte böse Früchte zeitigen. Eine beträchtliche Gruppe: a-ngesiehener Zionistem hat sich in einer ,,Freien zioni.- steschen Vereinigung" Äiistijnni'enjreschloseeto. und' hat dorn, zionistisch*n Landeskomitee den .Fehdiehaai/dschuh hingeschmissen. Die Provinz steht übrigens a.uch hinter dien Eebellen. Der Koren-Ha.jessod und der Nationalfbnds sind Ixjroita seit langem nicht zentralisiert. Die „Frede Vereinigung" und die "rPovinz leiten die Sammeltätigkeit selbständig. Die Spaltung ist eigentlich vollkommen. Nun ist für den 18.^ Oktober ein Parteitag geplainfc, der einen Ausweg aus dieser Situation suchen soll. Wir woiien keinen Hehl daraus machen, daß die Herren um die „Freie Veraiinigung" in vielen Fragen uns genau so fernstehen, wie die Herren um Stricker und Plaschkeö;. Aber als Symptom (des Zerfalles, den die arbeiterfeindliche} und' Palästina schädigendei Politik der bisjet-zigen Wortführer der östen-eichischeh (Zionistcai soll diese neue Erscheinung gewertet werden. ' Auf die inhaltlichen Gegensätze beider Gruppen werden wir noch zurückkonirniem. o Privater RevotverjoumaH&mus. Wir haben seinerzeit' das Erschieinen dfes1. Blattes „Di©: ^Tüdissche Gemeinde" begrüßt .Und die Hoffnung ausge^ sfprochen, daß dieses Blatt, das damals offizielles Organ, der Kultiisangestellten xmx, seinen gewwkschaftlichen Aufgaiben gewaclisen sein möge. Seither liat sich die Situation wesentlich geändert, das Blatt ist nacht mehr offizielles! Organ des Verbandes der Kultusangestellten, sondern die: ftivatangelegenheit' einiger Helriren, die ihren Ehrgeiz, befj-iedigen wollen. Wir haben die Geschmacklosigkeit dieser Schreiber bislier ignoriea-f. Nun finden wir' in Nr. 10 folgenden Bericht über die Weltkonferenz Poale Ztoin; j^Statt dessen .aa-rangierten die Vertreter' der europäischem Ortsgruppen, beider Fraktionen ijQie widerlichsten Skandalszenen, um eine Fusion zu verhindern, die so und sto viele' Führer überflüssig und damit — brotlos macht. Die palästinensischen Pioniere der jiddiscluen Axifbauarbeit wurdeik:. sogar niedergeschrien!." Wir halten es füraussichtslos1, diesem journalistischem Privatschmock zu belehren, wollen ihn aberhier vor der Oeffentlichikeit annageln. El* versteht vohi allem und jedem mir das, was in seinen Brotkorb liineingelit. Die sozialistischen Juden Wiens1 werden von diesem. Privatblättchen die richtige Meinung gewihlnen. Abschieds^ruß an <|i^ abreisenden Kwuzoth. Montag, den 22. St^ember, likt das' Wiener Palästina- Amt über 100 Leute, unter ihnen. 86 Mäninear zur Abreise nach! Palästina bestätigt, TJngefähr 60 von dein 100; Bin- Avariderern sind in. vier Kwuzoth. orgatoisiert,. die in Oesterreich längere Zeit in der .Landwirtschaft sich vervollkommnet liaben. Unter den Kwuzioth befindet sich auch die Kwuzah „Borochiow", die von [unseren GenosiS'em in Ostgalizieik organisiert wurde. Die Kwuzah „Borochow" ist entschlossen, in die kollektivistische Siedlung „EjnvCharod" einzutreten.. Die vier r^wuzoth stellen, die besten Gnippen, die seit jeher aus Oesterreich: nach PaHistinjai g-egangen sind. dar. AVi'r wünschen aHen: l&bwb czmoi Iiis unserer Organisation. Am, 5. Söptteniher fand anläßlich des1 ersten Todestages ujoserer Führers Nacliman ISyrlrin ein Vortrag des! &&- nossen Bubaschow statt. Die.zahlreich anwesenden Genossen folgten der geistreichen Ausführung des Beferent«n; mit großem Interesse. Samstag, den 12, 'September, erstattet© Gen. Sokal den Bericht über den Internationalen Soxialistenktöngrößin Marseille. Nach dem Referat entstpann sich eine lebhafte Debatte ' Die letzten Wochen-haben wir den Vorbereat\\ngen zur; (Generalversaaiimhmg und für die Eröffnung der Abend-, kurse gewidmet. „Der Neue Weg." HpafMpJjrfft % jWI««hi?j? so^Äf^kratl^l^ii Arl)«UerQrflanitai!tn Roale Ziom in Deutschland. Jede Nurnrnq*. 2—3 Druckbogen stark. .Abonnement für sechs Monate, einschließlich Porto M 2%Q'r einzelne Nummer Pf. 40. Redaktion und Administration: „Pur Weg,", Berlin N 24, Aupstetrafje 17. "I