Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 11 (15.08.1925)
- Date
- 1925-08-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Unsere THböne Nr. 11 fcimgcn des Welthandels abhängig. Das amerikanische Alkohol verbot, entzog sc beispielsweise palästinensischen Produkten den Markt. Wären solche Ereignisse nicht cisu gefei-eten, .so hätte sich der-Charakterder PlnAtagenwirtschaft in Palästina, die sich auf billige, nicht-jüdische Arbeit stützt, noch verstärkt. Die Kolonisten würden sich zwar br,rcirhern. aber dts Land selbst hätte keinen Nutzen davon-: Die Kol'onistcnjiigeiid würde auswandern;: Die landwirtschaftliche Bevölkerung Palästinas würde .sich nicht vergi Ößern. Bei einer wirklich nationalen Kolonisation der in>" Palästina auficcwcnd ten philantropischen 0<c!der hätten wir heute schon dort einelandwirtschaftliche Bevölkerung von rund 100.000 Seelen, fro aber verschwor«!., das... Geld, xun auf dem Wege des Arbeitslohnes und Ankaufes der lebensnotwendigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse dem arabischen Dorfe zugute zu kommen. J>or Gipfel d'S Anti-Nationuien in der Kolonisation war der, Ausschluß der jüdischen Arbeit. Als vor zwei Jahren 1000—2000 jüdische Arbeiter arbeitslos warben, waren in cl..n jüdischen Koloniein noch immer eine drei- bis vierfache Zahl arabischer Fellachen beschäftigt. Der Paläebiiuigtd'inke hätte bankerottert, .wenn die erdhungrige, chaluzischo Masse dauernd vom Bodein ausgeschlossen werden wäre. Dabei besitzt der arabische Fellache /.umeist eine eigene Kleinwirtschaft im Dorf, so daß die Lohnarbaiten in der jüdischen Kolonie für ihn eine Hebung seiner Lebenshaltung bedeutet, ohne daß er darauf unbedingt angewiesen ist. Die neue Arbeiterwirtschaft produziert in, erster Linie lolxmsnobwondige Dinge. Damit hat sie die Möglichkeit, sich eine unabhängige und feste Position zu schaffen. Auf eigener und freier Arbeit aufgebaut, ist die jüdisch© Arbeitersiedlung neuen Einwanderern insoweit offeai, als das Erträgnis des Bodens steigt. So vergrößert sich die Bevölkerung der jüdischen Arbeitersiedlungen stäiadig. Damit verringert sich die Arbeitslast des einzelnen in der Siedlung. Kommunistisch ist die Arbeitsform, die Führung der Küche und die übrige Lebensweise, vor allem auch die Kindererzielumg. I-Iiedurch wii-d auch die Frau, frei Und befähigt, am Aufbau von Land und Volk mitzuarbeiten. Wir lassen jetzt Zahlen folgen. Vor 14 Jahren wurde auf dem Boden des* Jüdischen Nationalf'onds die erste landwirts-cliaftliche Genossenschaft Dgania gegründet. Das ganze Leben wurde genossenschaftlich 'organisiert und (in der Arbeitersiedlung erreichte die nationale Kultur einen Höhepunkt ihrer Entwicklung. Noch im Kriege wurden mit der Hilfe des Palästina- Arbeit er-Fonds vier neue Dörfer in Nordgaliläa gegründet. Im Jahr© 1920 hatten wir 19 Arbeitersiedlungen auf 'einer Fläche von 16.549 Duinam mit 405 Arbaitern. Um die Mitte des Jahres 1923 gab 03 schon 38 Arbeitersiedlungen, die eine Fläche von 82-. 145 Dunam umfassten, auf der 1710 Arbeiter wirtschafteten. Heute besitzen wir bereits 45 jüdische Arbeitersiedlungen. iSo verwirklicht die jüdische Arbeiterschaft die zwei Grundprinzipien des; Sozialismus: die Erde, als Eigentum des ganzen Volkes ist jedem zugänglich, der sie bearbeiten will, der jüdische Arbeitsmensch hat das Recht auf den Vollen Arbeitsertrag. Dieses [Resultat wächst in seiner Bedeutung^ wenn wir die Schwierigkeiten einer sozialistischen Landwirtschaft im allgemeinen ermessen. Die Agrarfrage war immer die Achillesfers© des Sozialismus. Die Lösung (kooperativer Bearbeitung und kollektive Lebensweise am Lande) war noch nicht gefunden. In Palästina ist dieses Wunder zur Wirklichkeit geworden. 80 Prozent der jüdischen Landarbeiter sind in der genossenschaftlichen Landwirtschaft konzentriert. Dies verdanken wir einerseits dem sozialistischen Charakter des jüdischen Nationalfonds, andererseits der tiefen Leidenschaft der palästinensischen Arbeuter für Freiheit und Selbständigkeit in dar" ..Arbeit. ,_ Die Zentrale Schule im Emek. Die Schulen der Bildungszentrale, die erst 2 bis 3 Jahre existieren, leiden bis heute unter der großen Verschiedenheit der einzelnen Kindergruppen. Die Kindergruppen sammeln sich langsam in den Moschawim: und. Kibuzim während mehrerer Jahre, die Kinder kommen aus verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Erziehungsanstalten aus Palästina oder aus fremden Pfändern. Unter ihnen befinden sich Kinder, die zwar atigemeine Kenntnisse besitzen, jedoch ohne jede hebräischen Kenntnisse sind oder auch umgekehrt:. Haupt- Sächlich leiden unter diesem Zustande die Kinder von [n—12 Jahren aufwärts, da die Lehrer keine Zeit halben; ihnen'die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen, Und soweit die Lehrer doch die Bedürfnisse der höheren jKljassen: berücksichtigen und sich bemühen, die fehlenden, Kenntnisse ihnen zu ergänzen, so geschieht dies jauf Kosten der unteren Klassen, die dadurch wiederum in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Auf diese Weise .wächst in 2—3 Jahren eine .Kinder-Generatidn heran, Ider die notwendige Erziehung und Bildung fehlt. Diese Erscheinung weckt nicht nur in den Herzen der Eltern (Besorgnis, sondern innerhalb der ganzen Arbeiter-Fatsalh des Landes. Nach 20 Jahren des Lebens und (der Arbeit im Lande gelang es dem jüdischen Arbeiter, teeine Familie als eine Arbeitsfamiliiie aufzübaueii, ein junges Geschlecht zu erziehen, das den Arbeifer in allen' Schicksalen begleitete unti mit ihm an der Last seines! JJebens trug, das heute schon herangewachsen ist und tan der Schwelle steht vor dein Eintritt in Arbeit und selbständiges Leben. Der jüdische Arbeiter will auch jn. idem kommenden Jahren seine junge Generation in seiner eigenen Umgebung in der Atmosphäre freier Ar- Jb!eit aufwachsen sehen, ohne dazu gezwungen zu sein, in ein anderes Milieu zu wandern oder gar sich wieder von dem, Arbeitslebeh auf dem Lande zu entwurzeln und in die Stadt zu ziehen, um dort die Erziehung Seiner Jugend1 fortführen. Vom 23. bis 25. Nissan ds. Js\ wurde nach' Ein Charod eine besonders dieser Frage gewidmete Kultur-Konferenz unter Beteiligung der Mitglieder der Bildungszcntraie, Vertretern aller Arbeiterwirtschaften im Emek, sowie den Lehrern unserer Erzichurigs-f nstitut'iönen im Emek einberufen. Nach gründlichen Darlegungen wurde die Schaffung einer zentralen Schule für die Arbeiterkinder im Emek folgender Beschluß gefaßt: „Der Zustand der Erziehung der Kinder von 12 Jahren aufwärts, von denen sich eine kleine Anzahl ui jeder Arbeiterwirtschaft befindet, und 'die Notwendigkeit der allgemeinen fachlichen Ausbildung und der landwirtschaftlichen insbesondere der Kinder lim After von 13—14 Jahren brachten die Konferenz zu der klaren und entschiedenen Erkenntnis der Notwendigkeit der Schaffung einer zentralen Schule für die Kinder der Arbeitenden im Emek von 12 Jahren aufwärts, in der die Kinder ihre Bildung ergänzen und eine fachliche Ausbildung erwerben können. Die Beratung bevollmächtigt die Kultur-Zentrale zu energischer Tätigkeit für die Eröffnung dieser Schule zu Anfang des Jahres 1925-26. Die Konferenz wiederholt den Beschluß der vorigen Kulturkonferenz vom Adar 5684 wegen der Schaffung einer Institution zur Ausbildung von Arbeiter- Kräften für die Kulturarbeit sowie zur Fortbildung der in den Kultur-Institutionen der Arbeiterschaft bereits tätigen Kräfte. Auch d!iese Institution soll im Emek unjd möglichst in Verbindung mit der zentralen Schule errichtet wenden. Die Konferenz bevollmächtigt die Bildungs-Zentrale, im Namen der Arbeiterschaft in Palästina, von der Zionistischen Organisation ihre Beteiligung; an der Errichtung dieser Institution zu fordern. Die Bildungszentrale hat für die Erlangung eines Teiles der notwendigen Mittel durch eine selbständige Aktion unter der Arbeiterschaft im Lande und im Auslande zu sorgen. Die Konferenz verpflichtet die Bildungs-Zentrale,- gemeinsam mit den Wirtschaften im Emek ■ den geeigneten Ort und" die notwendige Bodenfläche für diese ^Institutionen zu bestimmen." )Im' Laufe der letzten Monate hat die Bildungs-Zentrale 'die Vorbereitungen zur Bestimmung des Ortes -und für 'die Ausarbeitung eines genauen Planes getroffen, sowie 'die ersten Schritte zur Verpflichtung von Arbeitskräften für diese Institutionen, insbesondere für die zenftrajlfc) 'Schjule, getan. Es sind gegenwärtig im Emek und in Obergaliläi 80 Kinder über 12 Jahre zerstreut in verschiedenen Orten und Wirtschaften. Die zentrale Schule wird sie an einem Orte konzentrieren, zu einer größeren .'Gesellschaft, wird die Möglichkeit gewähren,- sie zu erziehen und ihre Ausbildung systematisch fortzusetzen. Wir denken dabei nicht an eine reine Fachschule, sondern an eine allgemeine Volksschule, in der unsere 'Kinder zunächst einmal die Möglichkeit allgemeiner Entwicklung erwerben, sowie die für den Menschen und den Arbeitenden notwendigen Grundkenntnisse sich aneignen können. Wir wollen nicht, daß unsere Kinder auf dem' Lande weniger Wissen sich aneignen,' als die Kinder der Stadt und daß ihre Entwicklungsstufe eine geringere ist, als' diejenige der Kinder in der Stadt. ^Diesen Begriff, der als notwendig betrachtet wird, daß ein Landbewohner ein „Bauer" im Sinne seiner Bildung sein muß, wollen wir nicht anerkennen. Und nicht nur wir anerkennen diesen Standpunkt nicht, sondern die gesamte Landberrölkerung will ihn nicht anerkennen, will unter 'keinen Umständen auf ihren starken Willen zur Erziehung ihrer Kinjder verzichten; und dies ist vielleicht eine der Ursachen, die unsere jüdischen Dorf- und Kolorue>Kinder in der vorigen Geheration und in gewissem Maße auch heute aus der Kolonie in die Stadt und später dann nach jenseits des Meeres trieb. Wir wollen unser kolonisatorisches und wirtschaftliches Siedlungswerk im Emek durch eine kulturelle Tat festigen. Wir wollen die junge Generation der Arbeitenden; die Söhne der Arbeitendem, an das Milieu der Arbeit fesseln. Wir können dies nicht durch Predigen erreichen und nicht durch Forderungen und Befehle, sondern durch die Schaffung von solchen Bedingungen und Werken, die durch ihr Wesen eine natürliche ethische, kulturelle und geseüschaf däche Anziehungskraft für die Jugend im Emek bilden. Wir wollen in der Zentralen Schule im Emek im Lehrkörper wisseaischaftliche Kräfte vereinigen, Menschen von ideellem Einfluß auf die Kinder, Menschen mit allgemeinen jüdischen und gründKchen fachlichen Kenntnissen. Die Kinder werden in dieser Zentralen Schule ihren ganzen Tag verbringen. Hier werden sie essen und arbeiten, hier werden sie lernen und schlafen, hier werden sie in ihrer freien Zeit spielen und spazieren und ein Buch lesen. Der Inhalt des allgemeinen Lebens ist Arbeit und hebräisches und allgemeines Lernen. Der Ausgangspunkt des Unterrichts ist das Land und seihe Natur. Zunächst'werden die Kinder ihre Kenntnisse in der hebräischen Sprache vervollständigen, in der Bibel, der jüdischen Geschichte und der hebräischen Literatur. Andererseits müssen hier die organischen und anorganischen Naturwissenschaften unterrichtet werden. Diesen letzteren wird besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden müssen, da sie den Grundstock zu der späteren fachlichen Ausbildung, der landwirtschaftlichen und der technischen bilden werden, denen sich unsere Kinder nach Absolvierung der Zentralen Schule widmen werden. Gleichzeitig muß auch allgemeinen humanistischen Fächern, wie Geschichte, Geographie und allgemeine Gescilschaftskunde ihr Platz angewiesen werden und ebenso den Kunstfächern, wie Singen, Zeichnen und anderen. Ein sachverständiger Arbeiter-Lehrer wird mit den Kin* dem landwirtschaftlich arbeiten. Sie werden ein geeignetes Stück Land rings um die Schule bearbeiten, sie werden selbständig die Hauswirtschaft, Hühnerzucht und lebende Wirtschaft besorgen. Mit Hilfe von arbeitenden Handwerkern werden die Kinder sich in den »verschiedenen Arbeitsfächern ausbilden, wie Tischlerei, Spenglerei, Sattlerei usw., jedes Kind in einem Arbeitsfach, je nach seihen Talenten, seinen Kräften und seiner freien Neigung. Die Zentralschule wird zwei Stufen enthalten, jede Stufe von z)wei Jahren. Die erste Stufe wird die direkte Fortsetzung der Schule in den Arbeiterwirtschaften im Moschaw oder in der Kwuzah sein. In sie werden Kinder vom 12. oder vielleicht vom 11. Lebensjahre eintreten und sie werden dort die ersten zwei Jahre mit Unterricht und Arbeit verbringen. Dann, wird ein Teil der Kinder zu ihren Eltern in den Moscha&v oder in die Kjwuzah zurückkehren und dort zusammen mit den Erwachsenen in der Wirtschaft mitarbeiten, während ein Teil dieser Kinder in der Zentralen Schule bleibt und in die zweite Stufe eintritt, die zwei Jahre (vielleicht auch nur ein Jahr) dauern soll. Diese zweite Stufe wird .soweit möglich ausschließlich bestimmten An beitsfächern gewidmet sein: landwirtschaftlichen oder handwerklichen wie Maschinen-Schlosserei, Schlosserei und Tischlerei. Wir beabsichtigen nicht, diese zweite Stufe der Schule schon zu einer Fachschule im wahren Sinne des Wortes zu machen, doch soll sie den Kindern die für jedes Fach erforderlichen Grundkenntnisse aneignen. Die Kinder, die in dieser Stufe lernen werden, werden im Alter von 14—16 Jahren sein und es wird möglich sein, zu wissen, für welches Fach die oder jene Gruppe von Schülern besonders geeignet ist. Die landwirtschaftliche Gruppe, die sich ganz besonders für die zukünftige landwirtschaftliche Arbeit ausbilden will, wird in ihrem Unterricht besonders Chemie, Botanik und Zoologie berücksichtigen, während die technische Gruppe mehr Zeichnen, Technik usw. bevorzugen wird. Doch hoffen wir, daß im Laufe der Zeit im Lande vervollkommnete Fachschulen für Landwirtschaft und Technik geschaffen werden. Wir möchten nur wiederholen und hervorheben, daß es unsere erste Absicht ist, soweit als möglich die allgemeine Ausbildung und die allgemeine Entwicklung unserer Jugend für Arbeit und Wissen zu. erweitern, soweit diese. Jugend, noch im' Schulalter von 14—15 Jahren ist. , . ... Im letzten Sommer besuchten. Mitglieder der BüV dungszentrale im Zusammenhang mit ihrer Arbeit die Arbeiterwirtschaften im Emek und in Galiläa. An allen Orten begegneten unsere Mitglieder der Forderung sich zu bemühen, um die Zentrale Schule zu Beginn des neuen Jahres zu eröffnen. Es ist traurig, unsere großen Kinder verstreut an allen Orten zu sehen, einsam: und selber darunter leidend, daß ihre Zeit nicht so vergeht, wie sie es wünschen und daß die Jahre ihrer Jugend vergehen ohne genügende Vorbereitung für ihr Leben und noch schwerer ist es, die Eltern zu sehen, die) unter diesem Zustand ihrer Kinder leiden. Die Errichtung dieser ersten zentralen Kultur-Institution im Emek ist eine unbedingte Notwendigkeit, die im Namen des jüdischen Arbeiters im Emek und im Namen seiner Jugend erfüllt werden muß; Die Zionistische Organisation muß diesmal unsere Forderung .erfüllen und uns durch die Bereitstellung der notwendigen Mittel dazu hejfen, schon jetzt den Grundstein zur Errichtung der Zentralen Schule im Emek zu legen. Diese kulturelle Tat wird das Netz unseres Siedlungswerkes krönen. t; g > v u! Eigentümer, Verleger, IJarauegeber und' teaÄworfcltohex Rediaücteur: Dr. Rudolf Glanz, Wien, XVIII., Weimarerstraßö 19/10» — Druck: „Adria-', Wien, II., Taborstraße 52b. s