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Unsere Tribüne · 1925-05-15 · 7 (15.05.1925) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
7 (15.05.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 7 selbst? Von ihrem Kapitale, von den Zinsen, die es abwirft. Was ist Kapital? Vorrätige, aufgehäufte Arbeit. Haben die Besitzer der Kapitalien ihre Arbeit selbst produziert? Nein, sie haben sie für ihre Rechnung von Ben Arbeitern selbst produzieren lassen. — (Nun denn! So gut wie die Arbeiter für Rechnung der Herren Bourgeois produzieren können, werden sie es doch wohl auch für eigene Rechnung tun können? — Nein, um Kapitalien zu produzieren, muß man schon Kapitalien in Händen haben; man muß erstens soviel Vorrat an Existenzmitteln besitzen, um solange existieren zu können, bis man durch die Arbeit neue Existenzmittel geschaffen hat; zweitens muß man die Mittel zum Produzieren, die Produktionsinstrumente, die Werkzeuge der Arbeit in Händen haben. Die Arbeiter .besitzen aber bekanntlich keine Kapitalien, weder hinreichende Existenzmittel während der Arbeit, noch weniger alle die Werkzeuge der Industrie, am' wenigsten die Produktionsinstrumente der großen Industrie. Sämtliche oder doch fast sämtliche Kapitalien befinden sich in den Händen Weniger, in den Händen der Herren Bourgeois. Woher sollen also die Arbeiter die Kapitalien bekommen, welche erforderlich sind, um Kapitalien zu schaffen? — Ja, das ist eben der gordische Knoten, der nur mit dem Schwerte gelöst werden kann! — Gutwillig werden die Herren Bourgeois ihre Kapitalien nicht aus den Händen geben zum Besten der Arbeiter. Wie oft sie auch das Gemeinwohl, das Wohl der arbeitenden Klassen und andere ähnliche philanthropische Redens-' arten im Munde führen, so werden doch die philanthropischsten Bourgeois ihre Philanthropie bis zu diesem' bitteren Ernste treiben! Eine Revolution, das ist stillschweigende Bedingung, die muß vorhergehen. Mit schlagenden Gründen muß den Herren bewiesen werden — denn wenn die Gründe nicht schlagend sind, beweisen sie nichts — es1 muß, ihnen also mit schlagenden Gründen bewiesen werden, daß sie sich den revolutionären Maßregeln zu unterwerfen haben, welche eine von den Arbeitern eingesetzte Zentralverwaltung ergreifen werde. V «Diese Maßregeln können entweder derart sein, daß sie direkt zum Ziele führen — indem sie sämtliche Produktionsinstrumente der kleinen sowohl wie der ''großen Industrie den Arbeitern zur gemeinschaftlichen Produktion für ihre eigene Rechnung überliefern — oder derart, daß sie allmählich zu diesem; Ziele hinführen. — Es ist nicht wahrscheinlich, daß ■man nach einer Revolution sogleich zu direkten Maßregeln scherite, da, um sie durchsetzen zu können, wenigstens die Mehrzahl' des gesamten Volkes darüber einig sein müßte, für gemeinschaftliche Rechnung zu produzieren. Diese Einsicht kann aber höchstens bei den Arbeitern der großen Industrie, also nur bei einem Teile der Gesamtbevölkerung vorausgesetzt werden. Dagegen unterliegt eä keinem1 Zweifel, daß man nach einer Revolution des Proletariats wenigstens diejenigen Maßregeln ergreifen wird, welche schon jetzt von den Demokraten in Vorschlag gebracht werden. Diese Maßregeln sind: Progressivbesteuerung der Kapitalien, teilweise oder gänzliche Aufhebung des' Erbrechts, Einziehung aller brachliegenden Produktionsinstrumente, aller fürstlichen, geistlichen, adligen und sonstigen durch die Revolution herrenlos gewordenen Güter zugunsten des' Volkes, d. h. 1. zur Gründung einer gemeinsamen, großartigen Industrie und Agrikultur, an welcher alle, die arbeiten wollen, sich beteiligen können, 2. zur Errichtung nationaler Erzie^ hungsinstitute, in welche die gesamte Jugend au# Staatskosten erzogen, unterrichtet und in praktischer Hinsicht ausgebildet wird, 3. zur Unterstützung aller Kranken und Arbeitsunfähigen. — Solche Maßregeln sind aber ihrer Natur nach nur transitorische; sie bereiten eine neue, gesellschaftliche Ordnung von und treten in den Hintergrund, sowie» die neue gesellschaftliche Organisation zum' Vorschein kommt. Sie wirken in doppelter Weise, negativ und positiv, dahin, die heutige Organisation der Gesellschaft umzugestalten; negativ, indem sie die Privatindustrie untergraben; positiv, indem sie den Grund zu einer gemeinsamen Industrie legen, welche ganz andere Lebens^ und Produktionsverhältnisse als die der heutigen Gesellschaft mit sich führt. Wenn auch nur diejenigen sich an der igemeinsamen Indus't Je beteiligen, die durch die Konkurrenz ruiniert worden sind, und wenn es auch in der ersten Zeit nach der Revolution noch eine nich't unbedeutende Zahl von Leuten gibt, welche von den Zinsen oder vom Profit ihrer Kapitalien leben können, so kann doch auf die Dauer keine Privatindustrie mehr bestehen, sobald jene Maßregeln in Wirksamkeit treten, und es bedarf zum Siege der gemeinsamen Industrie über die Privatindustrie nichts weiter als der einfachen Ausführung jener von den radikalen, politischen Demokraten in Vorschlag gebrachten Maßregeln. — Man hat zwar gesagt, die Staatsindustrie könne mit der Privatindustrie nicht konkurrieren. Das ist wahr, aber nur solange, als die Privatindustrie und das Privateigentum vom Staate geschützt werden. Alsdann hat weder der Staat die Mittel, in so großem Umfange Industrie zu treiben, noch wird alsdann/1 die Privatindustrie an ihrer Lebenswurzel, am Kapitale, ' so sehr angegriffen, um davon die galoppierende Schwindsucht zu bekommen. Alsdann ist vielmehr der Staat, weicher Industrie treibt, mit sich selbst im Widerspruche, indem er die Privatindustrie schützen und ihr dennoch Konkurrenz machen möchte; er ist ferner im Widerspruche mit der öffentlichen Meinung, welche die Privatindustrie aufrecht erhalten will; er ist endlich im Widerspruche mit den Interessen aller, die nicht selbst zur Staatsregierung gehören oder Staatsbeamte sind, denn solange der Staat die Privatindustrie schützt und sie im Gegensatze zur bürgerlichen Gesellschaft als Staat erhält, sind seine Interessen keineswegs mit den Interessen des Volkes oder der Gesellschaft verschmolzen, und die Regierung, wäre sie auch noch' so demokratisch in ihrer Entstehung, in ihren Prinzipien, in ihrer Gesinnung: ihre Interessen würden immer im Gegensatz zu; den Volksinteressen, ihre Maßregeln zur Vermehrung der Staatseinkünfte durch Steuern, Güterkonfiskationen oder durch irgendwelche Handels- und Finanzoperation, würden immer nur fiskalische sein und in ökonomischer Beziehung keine andere Bedeutung haben als) in Preußen oder Rußland, wenn sie dabei die Privatindustrie schützen, die heutige Organisation der Ge^ Seilschaft aufrechterhalten wollen. In diesem Falle wären die von den Demokraten vorgeschlagenen; Maßregeln weit entfernt, im Interesse des Volkes oder Fortschritte zu sein, vielmehr Rückschritte in ökonomischer Beziehung sowohl wie in politischer Hinsicht. Statt die länge von allen Demokraten ersehnte und erstrebte, aber niemals errungene wirkliche Selbstregierung, Selbstherrschaft und Selbstverwaltung des Volkes, würden sie nur eine russisch-türkische Regierung vorbereiten, oder vielmehr sie würden, sobald sich dieser .Widerspruch ihrer .Maßregeln mit ihren Prinzipien, mit den Interessen des Volkes herausstellte, 'ganz einfach sie wieder zurücknehmen und die alte Herrschaft der Bourgeoisie, die alte Organisation der Gesellschaft mit ihrer „Teilung der Gewalt", mit ihrer freien Konkurrenz, mit ihrem Proletariate und ihrem Elende, allerdings gegen ihre Absicht wieder aufkommen lassen. Volteherrschaft und Privatindustrie, das sin'd eben ganz unversöhnliche Widersprüche, und nichts ist natürlicher als daß, wenn man eine Staatsindustrie schaffen und daneben doch noch die Privatindus'trie erhalten will, diese letztere den Sieg davonträgt und der Staatsindustrie sehr enge Schranken zieht, innerhalb welcher diese ihr kränkliches Dasein nur durch Ausnahmegesetze und Monopole kümmerlich erhalten kann. Sobald aber eine vom1 Volke :eingesetzte Regierung im Interesse des Volkes; der Privatindustrie offen den Krieg erklärt, indem'sie eine großartige Nationalindustrie gründet für gemeinschaftliche Rechnung aller, die sich an derselben durch Arbeit beteiligen — sobald sie sich die Mittel zur Gründung eienr solchen großen, gemeinsamen Volksindustrie durch Progressivbesteuerung des Privateigentums, Beschränkung oder Aufhebung des1 Erbrechts oder, andere ähnliche Maßregeln verschafft welche sämtlich die Privatindustrie an ihrer Wurzel,, am' Kapitale angreifen, sobald sie endlich diese Mittel noch dazu, verwendet, um alle Fähigkeiten der heranwachsenden Genenation in öffentlichen und unentgeltlichen Erziehungsinstituten auszubilden, damit die gesamte Jugend imstande sei, ihre verschiedenen Anlagen und Talente in der gemeinschaftlichen Industrie betätigen 2u können — welche Zukunft hat alsdann noch xlfe Privatindustrie? Es fehlt ihr alsdann bald alles, um. noch fortbestehen zu können, sowohl ciie Kapitalien wie die Menschen, sowohl die Unternehmen wie die Arbeiter, sowohl die Mittel wie die Lust. — Das Privateigentum darf weder durch Progressivsteuern noch durch Aufhebung des Erbrechts angegriffen werden, wenn es nicht in letzter Instanz aufgehoben werden soll; die Privatindustrie muß in ihrem Erwerbe gesichert sein und ihres Erwerbes froh werden können,, wenn sie gedeihen soll. Kann aber1 die Privatindustrie, wenn auch nur eine einzige von jenen Maßregeln derpolitischen Demokraten in Wirksamkeit tritt, ihres- Erwerbes froh werden? Wir sehen also, daß es nach Vollzug jener Maßnicht einmal der Bajonette der Proletarier bedarf, um die gemeinsame Industrie gegen die Konkurrenz der (Privatindustrie zu beschützen. Entweder jene Maßrregeln der Demokraten werden gar nicht durchgesetzt, oder alle Privatindustrie, aller Privathandel, alle Privatspekulationen, mit einem Worte, alles Privateigentum wird in demselben Grade aufgehoben, wie die Institutionen in Wirksamkeit treten, welche durch jene demokratischen Maßregeln geschaffen werden. Diese Maßregeln sind also, wie gesagt, nur transitorische, vorübergehende und revolutionäre. — Ihr positiver Teil, die gemeinsame Industrie und Erziehung, versteht sich späterhin von selbst; er braucht durch keine Gesetze und Dekrete mehr aufrechterhalten zu werden, sobald'sein Gegenteil, die Privatindustrie und Vorbildung' der Jugend, unmöglich geworden; dieser Teil der revolutionären Maßregeln wird, vielmehr ein Teil der ganzen Organisation der Gesellschaft. — Ihr negativer Teil dagegen, die Progressivsteuer, Beschränkung des Erbrechts usw., fällt ganz: weg, sobald es kein Privateigentum und keine Erbschaften mehr gibt. Warschauer Jüdisches Kunsttheater „W. I. K. t." Leitung: Siegmimb Turkow und Ida Kaminska.. Regie: Siegmunt Turkow. Das urfber Leitung des bekaninten Regisseurs Siegmunt Turkow und. der Frau Ida Kaminska stellende jüdische- Künstlertheater „WIKT", das gegen Ende dieses Monates in der Rolandbühne sein Gastspiel ansetzt, verdient die- Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkerung Wiens. Die Wahl des Repertoires — man wird neben der neuesten Schaffung; der spezifisch jüdischen Liteiutur, auch lieber Setzungen von Malier, Viktor Hugo, Andrej ew, Jewrednow und anderen, zu sehen bekommen — entspricht ganz der modernen Richtung. Diese Künstlertrappe hat in den letzten Jahren sowohl in Polen als auch in Rußland derartige Erfolge erzielt,, daß sie nicht allein seitens der jüdischen Kritiker, sondern durch die gesamte nichtt-jüdische Kritik, besondere Anerkennung fand. Auch die große Esther Rachel Kaminska., die Mutter der jüdischen Bühne, deren Name nicht allein in Europa, sondern auch in Amerika Widerhall erregt, wird dem jüdisehen Publikum Gelegenheit bieten, sie in einigen Rollen zu bewundern. Unter anderen Stücken, die zur Aufführung kommen. werden, führen wir einstweilen folgende an: „Sabbatai Zwi", Von Zula,wski, der „Ger Zedek" von Kataizno, „Serkele"- von Ettinger, „Jiskor" von Sekler, „Der Geizige" von Möllere", „Der Gedanke" von Andrejow, „Der Glöckner von. Notre Dam" von Victor Hugo und andere. .Zum Ensemble gehören unter anderen: Sorna, Altbaum,. Diana Blumenfeld, Adam Domb, Ida Kaminska, Natan Klinger, Meir Melman, Moses Pastor, Ch. Sandler Siegmunt und Jonas Turkow. Ras unserer Organisation. Ortsgruppe Brigittenau. Unser Organisationskomitee hat, unter Mitwirkung unserer Genossen des XX. Bezirkes, ©in© Sektion XX ins; Leben gerufen. Die Sektion entfaltet eine sehr rege Tätigkeit und bemüht sich, sowohl die arbeitenden Schichtender bürgerlichen Zionisteio, als auch die sozialdemokratisch organisierten Juden für unsere Idee zu gewinnen. Sie hat zahlreiche gut besuchte Versammlungen abgehalten, daxunter eine öffentliche Aussprache mit den bürgerlichen Zionismen, über das Thema: Sind Zionismus und Sozialismus Gegensätze? Unsere Genossen beabsichtigen in deir nächsten Zeiteine große Aktion für den roten Scheitel einzuleiten und eine Jugendgruppe zu gründen. Wir hoffen, daß die von der Sektion XX aufgenommene Arbeit beträchtliche Erfolge bald aufweisen wird können. NÄHMASCHINEN FAHRRADER 1925 Kostenloser Unterricht im Sticken und Stopfen! — Lager von Knopfpressen und Zugehör! — Reparatur-Annahme! IX., Liechtensteinstraße 27, VI., Gumpendorferstraße 67, IV., Wiedner Hauptstraße 8 — Telephon Nr. 16-5-65 PICK Eigentümer, Verleger, Herausgelier und veraatworUicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, XVIII., Weimarerstraße 19/10. — Druck: „Adria" Wien, IL, Taborstraße 52 B.

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