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Unsere Tribüne · 1925-05-15 · 7 (15.05.1925) · page 1

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
7 (15.05.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. ||n»* 2 Tribüne Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich U»ttt^j^^00 Redaktion und Administration: Wien, IL, Blumauergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis; vierteljähr 12.000 K halbjähr. . . 24 000 „ Einzelne Nummer 2000 Kronen Nr- 7. Wien, 15, Mai 1925. 2. Jahrgang. Dem Andenken Hess* und Lassalles. Hess und Lassalle. Die Sehnsucht nach dem Frieden unter den Völkern führte Moses Heß zum Sozialismus. Heß hat vorausgeahnt — wie er so manches meist intuitiv erfaßt hat — daß nur die Herrschaft der Arbeitenden in jedem Volke den Frieden unter den Völkern zu sichern imstande sei. Er hat den Weg zur Arbeiterklasse gesucht und gefunden. Unter dem Einflüsse des gewaltigen Riesen im Beriche sozialistischen Denkens, Karl Marx, hat sich der „idealistische" Heß der historisch-materialistischen Geschichtsauffassung zugewendet. Marx und Engels haben ungestüm' auf der Bahn des modernen Sozialismus vorgestürmt. Heß, der Marx und Engels für den Sozialismus gewonnen, „Rabbi Mosejg" konnte den beiden Stürmern! nur langsam1 folgen. Da kam der Riß. Er war tragisch für Heß. Er bildet eine jener tragischen Erscheinungen in der Geschichte der sozialen Bewegungen. Die unterwegs bleibenden. Ferdinand Lassalle hat sich vorerst hauptsächlich aus Empörung über das den arbeitenden Menschen in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zugefügte Unrecht dem Sozialismus zugewendet. Das verletzte Rechtsgefühl dieses genialen Kämpfers1 war für seine ersten Schritte auf der Bahn des Sozialismus .bestimmend. Mit den Unterdrückten und Entrechteten im Kampfe verbrüdert, drang er immer weiter und tiefer in die Gedankenwelt des Sozialismus ein. Auch die Gedankengänge Lassalles fanden selten ■die Zustimmung Marx' und Engels', aber Lassalfe blieb nicht bloß sozialistischer Denker, er ist der .Schöpfer der mächtigen deutschen Sozialdemokratie geworden. Auf diesem' Gebiete ist die Tat Lassalles unbestritten, deshalb konnte ihm' die abfällige Kritik Marx' und Engels' nicht viel antun. Der Kämpfer, der hinter sich die deutsche Arbeiterschaft gesammelt hatte konnte der Kritik aus London leicht widerstehen. Heß und Lassalle haben beide aus' ihrem' Judentume ethische Motive für ihren Sozialismus geschöpft. : Heß und Lasalle haben wichtige Elemente ihres' Soziaiismus ihrem jüdischen Volksitume zu verdanken. Söhne eines unterdrückten geschmähten Volkes, Männer, die sich ihres und ihrer Brüder Anspruch auf Würde bewußt sind, Juden, die von den edelsten Gedanken der jüdischen Propheten beseelt sind, haben sie sich naturnotwendig dem entrechteten Teile der Menschheit angeschlossen. Die Unterdrücktesten haben die Mission, das Banner der Freiheit als erste emporzuheben. Heß und Lassalle sind dieser Aufgabe gerecht geworden. Von der Administration. Anläßlich der VII. Weltkonferenz unseres Verbandes Poale Zion, die in den ersten Tagen des August 1. J, in Wien stattfinden wird, werden wir am 1. August ein© in großem Umfange und großer Auflage erscheinend© Festmimmer herausgeben, mit Beitragen von bekanntesten poalezionistischen und sozialistischen Führern aller Länder. Wir ersuchen unsere Genossen und Freunde, schon jetzt für die Festnummer zu werben. iiiiii»i'!!'jiiiiiti'!l^ Samstag, am 16. Mai, halb] 8 Uhr abends, im Theatersaale des Hotel Post, L, Fleischmarkt Nr. 24 bassalles Hess sEeier PROGRAMM: I. Kl'aviervortrag : . Klaviervirtuose Hans Leitner ■ Einleitende Worte , , Dr. Saul! Sokal! ■ ■ ' Leben und Wirken Lassa 11 es ' iNa,tionalrat Dr. .Wilhelm1 Ellenbogen Aus Lassal'les Schriften, Vorlesung ■ Leo Ehrhardt (Renaissancebühne) , . : ,; II. , ./'.[": Kla viervor trag ■ , ' , 'Klaviervirtuose Hans Leitner;; Leben und Wirken Moses Heß' ,! Men'del1 Singer ' . Aus Heß' Schriften, Vorlesung Leo Ehrhardt (RenaissäncebÜhne) ' , ,:;i:t,iiii|,!;i!",,ll,,"ij;j,,|>,,,,:*i;!",|,|1,,!iii*,!|,,|,!ii!M Ein Zeitgenosse über Hess. An der ßajhre Heß' sprach Paul' Kersten, der Redakteur des' Leipziger „Volksstaat", folgende Worte: „Ich halte eS für meinejPflicht, der Trauer Austdruek zu geben,; die 100.000 jdeutsche Arbeiter mit itins empfinden werden, wenn die .Nachricht vom Tode cfyeses Mannes Deutschland durcheilt. So sehr, aber se>in Tod uns schmerzt, ter ist uns 'zugleich) auch ein Sieg-, weil''dieser iDenker starb, wie er lebte, 'treu der Sache des arbeitenden, .'leidenden Volkes^ der Menschheit — sein letzter •Gedanke drehte sich um' die Sonne der Arbbit. Er ist eingeschlossen in die Herzen des* deutschen' Proletariats, in die Herzen, die so warm für ihre [Verteidiger schlagen, und einst, wenn das Ziel1 seiner Wünsche erreicht, wird man auch den Helden der sozialen .Revolution eine Ruh'mL halle weihen, in welcher ehrend und anerkennend1 ihrer gedacht wird. , Obgleich in der Klasse der Unterdrücker geboren,, zog es Heß vor, seine bedeutende Geisteskraft den/ Armen und Elenden zu widmen; zog es vor, denen! die Rechte zu verschaffen, die <en zu seinem1 Vorteil' hätte ausbeuten können. Er wirkte für diasi Volk und wurde verfolgt ... Weil1 er der Schlange der .'Niedertracht, der Verdummnug, der Unterdrückung den Kopf [zu zertreten bemüht war, mußte er ruhelös flüchten von Land1 zu Land, und er ist gestorben |in fremder Erde. Wenn ich all des Unrechts, all;der Gehässigkeit gedenke, die an ihm begangen worden, dann verwandeln sich die Trauergedanken in Gedanken der Rache. Und nun lebe wohl, Freund! Was du gewollt, wir werden es verwirklichen. Deine; Schriften, dein Handeln sichern dir ein ewiges-]Gedächtnis. Du Sohn und Kommentator der Revolution, kein'Schwert legen wir dir auf den. Sarg; | nein! nur Blumen der Natur,, aus welcher du geschöpft und i^ins1 getränkt, an;welche du alleingeglaubt und der wir jetzt zurückgeben, was von diir sterblich ist. Du hast dich .unsterblich gemacht in Tausenden von Herzen; auferstehen' wirst du, so oft ein hilfesuchender Proletarier zu deiner Idee flüchtet, denen du durch Wort und Tat Leben verliehen hast."; > Konrad Haetiisch:*) Lassalle der Jude. „Ich habe in Lassalle den Typus' des1 bedeutenden Menschen. unserer Zukunft erblickt, welche ich die germanisch-jüdische nennen möchte." Dieses seltsame .Wort Richard Wagners1 — doppelt seltsam1 gerade in* diesem Munde — gibt nicht nur einen weiten iBlick in allgemeine Zusammenhänge, es ist auch ein Schlüssel ,der uns das Verständnis öffnet für die eigenartige Persnölichkeit, die auf diesen Blättern durch sich' selbst lebendig werden soll. Wagner schrieb j'ene Worte, ohne zu ahnen, daßi ein paar Jahrzehnte vorher der knapp zwanzigjährige Lassalle selbst einmal, in einem Briefe an die Schwester, von der Mischung jüdischen Blutes und germanischen! Geistes gesprochen hatte, die in ihm Gestalt gewonnen. In einer Wendung, die im Gewände leichter SelbstverS'pottung sehr ernst gemeint ist: „Es war am 11. Aprii, kurz nach der eingetretenen Frühlingswende, als1 wiederum'von jüdischen Eltern der neue Geist geboren wurde. Diq Wiege seines Anfangs' war wie von je der Osten, (Üesmali aber war es' der Osten im Lande des Geistes selbst, der Osten Germaniens, welcher der Ausgangspunkt und die Geiburtsstätte sein sollte des neuen in sich versöhntem Geistes." Lassäile ist der klassische Gegenbeweis gegen! die Oberflächlichkeit jener Theorie, die nur Rasse und nichte als Rasse kennt, die mit 'dem Rassebegriff alle Fragen zwischen Himmel und Erde lösen zu können glaubt. Lassallei ist zugleich aber auch der nich't minder klassische. Gegenbeweis gegen die kaum geringere Oberflächlichkeit derer, die den Begriff der Rasse und. ihre Bedeutung für den Geschichtsprozeß und die Bedeutung des! einzelnen Menschen Überhaupt leugnen. Es isjt nicht wahr, daß Rasse alles ist. Aber ebenso unwahr ist, daß Rasse nichts bedeutet. Vieles1 *) Auszug. aus der Einleitung zu dem vorzüglichen Buch: „Ferdinand Lassalle, der Mensch und Politiker in Selbstzeugnissen" (Verlag Alfred Kröner, Leipzig), das knapp vor dem plötzlichen Tode des einstigen s. d.. Unterrichtsministers erschien. EiüHjahr^Neuheilen aBtfBSB5 Brüder Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon «7*1-79 En gros in detail I

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