Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 6 (29.04.1925)
- Date
- 1925-04-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ vV> v tischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljähr.. 12.000 K halbjähr. . . 24.000 „ Einzelne Nummer 2000 Kronen Nr. 6. Wien, 29, April 1925. 2. Jahrgang. Zum 1 Mai 1925. Jüdische Artreiter und Arbeiterinnen! ■ Das vergangene Jahr hat uns in den meisten Ländern nur sehr wenige Veränderungen gebracht. Die internationale Reaktion konzentriert fortdauernd alle ihre Kräfte gegen die klassenbewußte Arbeiterschaft. Ueberall wird das Proletariat in eine scharfe Kampfstellung gedrängt. Von dem Sieg der Arbeiterklasse in der ganzen Welt ist der Sieg des Fortschritts und wahrer Demokratie, ist der Befrei ungskampfderunterdrücktenVölker abhängig. Im jüdischen Leben aber sind Veränderungen vorgekommen, nur größtenteils nicht zum Outen'. In Polen führt die reaktionäre Grabski-Regierung einen wirtschaftlichen Vernichtungskrieg gegen die Juden, die Opfer sind hauptsächlich die jüdischen Arbeitermassen. Die kulturelle Entwicklung der jüdischen Massen wird gestört, die jüdischen Schulen, die stolze Schöpfung der jüdischen Arbeiterschaft, werden verfolgt. In Litauen hat die verstärkte bürgerliche Reaktion die Anfänge der nationalen Autonomie zerstört, in Rumänjen wüten die Pogromhetzer, in Rußland ■ hat im jüdischen Leben noch nicht die Wunde heilen können, die die politische Umwälzung den jüdischen Arbeitermassen zugefügt hat.. Alle diese Momente wieder haben die wirtschaftliche Position der arbeitenden jüdischen Bevölkerung in den genannten Ländern von Grund auf zerstört, hunderttausende Juden haben ihre Existenzmöglichkeit in ihren bisherigen Wohngebieten verloren, aber die meisten Einwanderungsländer, vor allem Amerika, schließen ihre Tore für die jüdischen Massen, die gezwungen sind, Arbeit und Brot zu suchen. So' wächst ununterbrochen die Not und die Verzweiklung der jüdischen Massen in den Ländern' der großen jüdischen Siedlung. In dem Meer des Leidens und der Verzweiflung im jüdischen Leben gibt es einen lichten Tropfen: die Siedlung in Erez Israel wächst. Auch dort ist es den reaktionären Effendis mit Unterstützung der Mandatarmacht gelungen, die Möglichkeit der Einwanderung für Juden zu beschränken, die mit ihrer Arbeit das Land aufbauen wollen, aber das Verlangen nach einem Neuaufbau des judischen Lebens in Palästina ist so elementar, der Wille des großen Heeres' der Chäluzim so stark, daß er alle Hindernisse überwunden hat. Zu Tausenden kommen sie jeden Monat ins Land., Das Land blüht auf, die Arbeiterschaft wächst. Mit dem Wachstum des jüdischen Jischuw wird aber nicht nur die Arbeiterschaft mächtiger, auch das Kapital wird stärker und zwingt die jüdische Arbeiterschaft zu einem erbitterten Abwehrkampf, um sich ihre Existenzmöglichkeiten zu sichern. Auf dem kommenden Zionistenkongreß wird das1, zionistische Bürgertum einen großen Vorstoß gegen die Arbeiterkolonisation unternehmen, der proletarische Zionismus muß daher rechtzeitig zu diesem» Kampfe rüsten, durch eine große Zahl! Vertreter und durch einheitliche Kampftaktik auf dem Kongreß, selbst. Am Tage des in ternationalen Festes und aus der Verantwortung für das Schicksal der A r bei terk lasse, müssen die jüdischen Arbeiter des Kampfes für den proletarischen Zionismus gedenken. Das stärkste Instrument im Kampfe gegen die zionistische Bourgeoisie ist das arbeitende Palästina. Die Stärkung der. proletarischen Kooperativen, die auf sozialistischen Grundlagen errichtet sind, ist die beste Antwort,, die die arbeitenden Juden auf die Offensive der Bourgeoisie geben können. Gestärkt muß das arbeitende Palästin»werden durch die Festigung seiner Institutionen und seines einzigen Fondes. Das Komitee für das arbeitende Palästina hat bestimmt, daß am 1. 'Mai jeder Genosse das Verdienst eines Arbeitstages dem Pal'ästina-Arbeiterfonds geben soll. Jeder Genosse muß dies als Ehrenpflicht ansehen und als feierliche Solidaritätskundgebung für die kämpfende palästinensische Arbeiterschaft, für die Legionen Chäluzim, die das Land mit: heroischem Opfermut aufbauen. Die poalezionistische Weltbewegung ist seit Jahrzehnten der Fahnenträger des1 proletarischen Zionismus, des arbeitenden Palästina. Mit ihrem Wachstum ist die Entwicklung der Arbeiterkolönisation in Palästina eng verbunden. Deshalb gedenke die jüdische Arbeiterschaft am Tage des Arbeiterfestes des mächtigen Kampfinstrumentes der allweltlichen klassenbewußten jüdischen Arbeiterschaft. Es lebe der internationale, völkerbefreiende Sozialismus! Es lebe das Selbstverwaltungsrecht des jüdischen Volkes! Es lebe das arbeitende Palästina! Es lebe 'die Weltbewegung Poale- Zion! Allweltlicher jüdischer sozialistischer Arbeiterverband Poale-Zion. Für denPalästina-Arbeiter-Fonds. Am1 ersten Mai soll jeder Freun'd des arbeitenden Palästina den Ertrag eines Arbeitstages' für den Palästina-Arbeiterfonds spenden. Am schönsten Feiertage des Weltproletariates sollen wir hiedurch unsere Bereitschaft für das erstehende Arbeiter-Palästina bekunden. Es gilt, unseren Brüdern in Palästina zu beweisen., daß wir ihre opferwillige Arbeit zu schätzen verstehen. Keiner darf sich dieser Verpflichtung entziehen. Lassalle-Heß-Feier. Die Gedenkfeier für Ferdinand Lassalle und Moses Heß mußte für den 16. April verschoben werden. Die Festrede wird Nationalrat Gen. Dr. Wilhelm Ellenbogen halten. Ueber Heß wird Genosse Singer sprechen. Mitwirken wird auch der Sprechchor unter Leitung von Elise Karrau. Die Feier findet im Hotel „Post", I., Fleischmarkt 24, statt. Karten sind bereits im Sekretariate, II., Blumauergasse 1/2, zu haben. Rüstet zum Kampfe! Hindenburg ist zum Präsidenten des Deutschen Reiches gewählt worden. Das besagt nicht bloß, daß nahezu 15 Millionen wahlberechtigte Deutsche sich zu diesem widerlichen Repräsentanten der Hohen zollern bekennen, was ja schon an sich tief beschämend. für das deutsche Volk ist. Die Wahl Hindenburgs: bedeutet eine Absage an die Nachbarvölker, an die französische, englische und belgische Demokratie, die sich ernstlich bemüht (friedliche Verhältnisse mit Deutschland herzustellen. Der Herr Feldmarschall an der Spitze der Deutschen Republik, ist ein eindeutiges Bekenntnis eines großen Teiles der Deutschen für Kriegspolitik. Und wenn auch Deutschland in tu> sehbarer Zeit nicht in der Lage sein wird, zu(m! Schwerte zu greifen, beweist aber die Wahl Hindenbuirgs, daß der furchtbare Krieg in einem Großteile, der Deutschen den Militarismus nicht ausgemerzt hat. Der Sie|g der Reaktion in Deutschland wird die Reaktion in den Ländern der einstigen Entente stärken. Die nahezu 15 Millionen Deutschen haben jetzt der Politik des1 Poincare zu einem großen Siege ver- . holfen. Das überSchwänlgliche Polen kündigt durch' Säbelrasseln seine Kriegsentschlossenheit bereits an. Die Erfolge der Demokratie! in Frankreich und Belgien sind durch, diese Wahl1 fast zunichte gemacht worden. i Die Reaktion marschiert. Einer schweren Zeit geht nicht nur das deutsche, sondern das' Weltproletariat entgegen. Vielleicht wird die deutsche Sozialdemokratie angesichts dieser Niederlage in sich gehen und mit dem nötigen Ernst sich über ihre bisherige Politik, die ohne Zweifel an dem Erstarken der Reaktion mitschuldig ist, Rechenschaft geben. Sie würde dann; unschwer den Weg zur Ueberwindung der erstarkten' Reaktion finden. Der endgültige Sieg des Proletariats führt nicht nur über »Erfolge, oft auch über Niederlagen, nur muß man. aus den Niederlagen die richtigen Lehren zu ziehen verstehen. Das internationale.Proletariat muß zu einem harten Abwehrkampfe rüsten. Das deutsche Proletariat hat eine schwere Aufgabe zu erfüllen, ein Versagen würde jetzt die größte Katastrophe bedeuten. Dessen müssen wir uns am 1. Mai bewußt sein. * Und wenn die Reaktion erstarkt, nahen besonders für die Juden schwere Tage heran. Ueberall un'dj zu jeder Zeit hat die'Reaktion die Juden — und natürlich bloß die Besitzlosen unter ihnen — als erste Opfer auserkoren. Das gemahnt uns zur regsten Wachsamkeit. Wir müssen unsere Reihen stärken. Wir müssen zur Abwehr rüsten. Wir müssen unsere Positionen ausbauen. In den Ländern jüdischer Massensiedlung, sowohl, als auch in Palästina. m Als Teil des klassenbewußten Weltproletariates haben wir uns in Solidarität mit den Arbeitern aller Völker, für den Kampf gegen die Reaktion vorzubereiten. Gemeinsam mit der jüdischen Arbeiterschaft aller Länder müssen wir die Positionen des jüdischen Proletariaes ausbauen.t Gedenket an das Abonnement „Unserer Tribüne"! ■rüüjateNeubeiten in Damenunö Heppenstoffen zu sehr billigen Preisen bei Bruder Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47s M9 En gros En delall!