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Unsere Tribüne · 1925-04-06 · 5 (06.04.1925) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
5 (06.04.1925)
Date
1925-04-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 5 fn-I-'der^'toüber- «entstehenden Debatte ließ fetch die Verwirrung der Herren in ganz; absurden Erklärungen aus. So behauptete Dr. Ornstein, es gehe nicht an, durch die „Neugier" eines Vorsiehers' den Dienstbetrieb der Gemeinde stören zu lassen, andere Herren stellten sich auf den Standpunkt, nur die Richtigkeit der Ziffernrechnung sei zu prüfen. In scharfen Worten wies Dr. Bader die Zumutung Dr. Omsteins zurück, es sei vor jeder Einsichtnahme in ein-Rrofcokoll erst der Nachweis zu erbringen/ <|M;^ ernster Zweck flies 'erheische. ' ' ' Dr. Glanz widerlegt $en Unsinn einer rein ziffernmäßigen Rechnungsprüfung*. Der Rechnungsabschluß müsse ,auch materiell überprüft werden. Die Anwei* stingen zu'allen Rechenposten liegen in den Beschlüssen des Vorstandes und .Vertreterkollegiums, die?n deren Protokollen aufscheinen. Ohne die Einsichtnahme in die Protokolle sei daher die materielle Kontrolle des Reehtmgsabechlsses unmöglich und,. die ganze Rechnungslegung ,kontrollos. Sodann wurde von der .Majorität der Rechnungs»- abschiuß zur Kenntnis genommen. , In ,der Budgetdebatte,; sprach zunächst Dr. Friedmann. Er; brachte ,die , .Zweifel1 seiner Gruppe zum Ausdrucke, daß die/Ejnnahrneziffer des VoranschÜages sich ate, richtig erweisen werden und bemängelt die zu geringe.Budgetresierye. Namens der Zionismen gab er die Erklärung.,ab, 'daß diese sich fpr iij.e strengste rituelle Führung des Kaschruthwesens einsetzen werden, doch müsse die, Einheit der Gemeinde auch von den orthodoxen respektiert werden; Zum Schlüsse plädierte er für die weitestgehende Förderung des hebräischen - Sehulwerkses. . ' . Dr. Bader,,,dessen ,Rede, wir,.an anderer Stelle wiedergeben,, kennzeichnete die.igänzlich planlose Vorbereitung .der Budgettenatung, zu der dem Vorstand außer einem-Haufen, nichtkontrollierbarer . Ziffern keinerlei Behelfe., zur Verfügung gestellt worden seien, insbesondere rügte er die. Tatsache, daß die meisten Kommissionen derzeit noch nicht einmal' einberufen .worden seien und bei der Aufstellung des Budgets gar nicht rzu Rate gezogen vworden seien. Er .schilderte das Schicksal der An träge,, der .Vereinigung für soziale Tätigkeit, <iie von der Majorität absichtlich verschleppt werden un'd kündigte den schärfsten Kampf für den Kall an, daß; die Majorität ihre reaktionäre Haltung! in der Wahlrechtsfrage nicht aufgeben wolle.. Hierauf suchte der Unionist Kauders durch einen Antrag den Schluß der Debatte herbeizuführen. Der kuriose Einfall, die Budgetdebatte gänzlich zu (beseitigen, ka;m Stojgar 'den Parteigenossen des JHerrn Kauders so besehämenti vor, :daß sie nicht dafür zu s'tim'men wagten, nachdem die Zionisten sich j^egen jede Drosselung der Debatte ausgesprochen hatten. Die Sitzung wurde hierauf unterbrochen. Am Dtensitag, 'den 17. März, fand sieühre erste Fortsetzung. Den 'ersten Teil des1 Abends' füllte die Rede unseres Genossen Dr. 'Glanz aus', der in zwei Stunden die gesamte .Verwaltung <<ier Gemeinde,einer umfassenden' Kritik unterzog, die wir nächstens bringen.« Es.sprachen sodann noch der Unionist Reif,'Nach der Pause leistete sich Herr Buchwald in r einer wüsten i Hetze die ((gemeinsten Beschimpfungen der. Sozialdemokratie, reichlich _ mit dem Beifall, seiner , .Klubgenossen Ibelohnjt. Als "Buchwald die Behauptung aufstellte, daß, der. sozialdemokratische Antisemitismus ärger sei als der der ChrisÜichSozialen -und -Hakenkreuzler, riet D oktor Plaschkes: „So ist esl^'. Auch £>r. Friedmann konnte es nicht unterlassen, dem Herrn Buchwald jzu «sekundieren,,. :... .„*«,.«,.^ <:I: . •. i- ,: ,ä , Bemerkenswert ist, daß 'der Vorsitzende, der jdae Wülsten Schimpfereien' des Buchwald duldete, unseren Genossen Dr. Glanz daran verhinderte, unsere Stellung zu den anderen ^Rarjeien zu präzisieren. Das gehöre nicht.in eine Budgetdebatte! Her Buchwald-aber darf in der jüdischen Qe.meinde auf die Sozialdemokratie schimpfen, so vielier will, weil es der Mehrheit des Kultusyorstandes. recht-ist;i Es sprachen,«sodann.noch Moritz,, Pappenheim und Dr. Plaschkes, worauf die Sitzung abermals unterbrochen wurde und . erst am Mittwoch ihre Beendigung fand. ,, « In Scharfen (Worten wies Dr. Bader die jüdische Bevölkerung Wiens erniedrigende Rede des bekannten Scharfmachers'Buchwald-zurück. Als Dr.'Glanz:'die Einheitsfront Pläsehkes-Buchwald hervorhob und daran ging, den Parteien den schweren politischen Fehler auseinanderzusetzen, den sie mit der Duldung solcher Hetzreden begehen, benützten die Zionisten eine ganz harmlose Redewendung unseres Genossen, um eine regelrechte Theaterkomödie aufzuführen, als deren Einpeitscher Herr Dr. 'Plaschkes die Lorbeeren ffür sich beanspruchen kann. Wie alle politischen Sünder, heuchelten sie die verletzte Ehre dort, wo ihre unsinnige Parteitaktik sie bloßzustellen drohte. Der Schande der .Buchwald-Plaschke Kooperation zur Beschimpfung der Sozialdemokratie kann aber durch nichts mehr abgeholfen werkten. Im Gedächtnis der jüdischen Bevölkerung Wiens wird diese Schande sich überliefern. Dr. Glanz polemisierte noch gegen die politischen Beamtenverfolgungen in der jüdischen Gemeinde. Schließlich wurde, nachdem noch Stricker, Reif und Moritz gesprochen hatten, der Voranschlag für 1925 unverändert angenommen. Herr Dr. Plaschkes in der Budgetdebatte. Die Rede des! HetK). Dr. Plaschkes jmr Budgetdebatte im Kultusvorstaad ist ein Unikum, das man heute wohl kaum in. einer vertretenden Körperschaft' hören könnte und die nur in der dumpfsten Atmosphäre der Kultusgemeinde noch möglich ist. Die Art, wie er den Angestellten bald gute Worte gibt, bald droht, um sie nur dazu zu veranlassen, ihren „unverantwortlichen Führern" nicht mehr zu folgen, ist höchst amüsant. Wie er ihnen Zensurn'oten erteilt und ihnen'verspricht, daß man ihnen, wenn sie nur recht brav wären und nur ihre bösen Vertreter laufen ließen, alle ihre Forderungen erfüllen würde. Wörtlich: „Einer tadell osen Beamtenschaft würde man . ,j." Man kennt dieses Lied von den artigen frommen Kindern den Angestellten und den bösen Verführern in der Leitung nur allzu gut. Wann ist es nicht gesungen worden, wenn Unternehmer eine Gewerkschaft zerstören wollten und unter Umständen im Augenblick greifbare Vorteile versprachen, um nur die Organisation zu zertrümmern. Aber wie abgeschmackt ist diese Melodie auch schon geworden und würde Dr. Plaschke etwas mehr für seine Bildung tum, ala es der Fall ist, so würde er wissen, daß man heute diese Tonart nicht mehr pfeift, da man damit keinen Hund mehr hinterm Ofen hervortocken kann. Es ist im übrigen schwer zu. entscheiden, was größer ist, die Banalität des Herrn Dr. Plaschkes und seiner Argumente, die er doch nur im krauten, leider jetzt nicht mehr ganz ungestörten Kreis j&es Kultusvorstandes vorträgt, oder die treuherzig offene Dreistheit, mit der die' „Morgenzeitung" die Orakelsprüche ihres Heroen der aufhorchenden 'Oeffenitlichkeit verkündet. Bus unserer Organisation. Oeff entliche Aussprache über das Thema „Zionismus und Klassenkampf" mit den Führern der zionistischen Organisation, Samstag, den 21. März, fand in unserem Arbeiterheim eine öffentliche Aussprache über das Thema „Zionismus und Klassenkampf" , statt.,.Der Saal war .schon lange vor Beginn dicht gefüllt. Neben vielen Genossen waren auch mehrere Anhänger der zionistischen Organisation anwesend! Das einleitende Beferat hielt Gen. Dr. Bloch. In dem rein objektiven und wissenschaftlichen Ausführungen wies Gen. Dr. Bloch die geschichtliche Entwicklung und Notwendigkeit des Klassenkampfes nach und kam dann, auf die wirtschaftlichen Verhältnisse im .jetzigen Palästina zu sprechen. Er stellte fest, daß auch Palästtina -keine Ausnahme in der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung bilden kann, daß die reichen Juden,, die in Palästina Unternehmungen gründen, in derselben Absicht, wie die Kapitalisten aller anderen Länder, es machen, daß sie genau so daran profitieren wollen, wie es in Polen oder in anderen Jjänldern der Fall ist. Daher der Gegensatz zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, daher der wirtschaftliche Kampf auch in Palästina, daher auch dort die Notwendigkeit des Klassenkampfes zwischen, jüdischen Arbeitern, die ihre wirtschaftliche Lage verbessern wollen, und den jüdischen Unternehmern, die auf Kosten der Arbeiter .profitieren wollen. Die ausgezeichnete Rede wurde "mit .großem Beifall aufgenommen. Nachher sprach der Führer der zionistischen Organisation, Herr Oberbaurat Log. Robert Stricker. In seiner Rede zeigte sich Herr Stricker als prinaipieller Gegner des Klassenkampfes und betonte die Schädlichkeit desselben für die Entwicklung Palästinas. Im Laufe seiner rein polemischen Ausführungen stellte sich aber heraus, daß Herr Stricker keine Kenntnis von der Theorie, Entwicklung und Notwendigkeit des Klassenkampfes besitzt, und gar kein Verständnis der nationalen Bedeutung der Leistungen der Arbeiterschaft in Palästina, der Bedeutung der Arbeiterschaft bai dar Verständigung zwischen Juden, und Arabern entgegenbringt. Ihn fertigte Gen. Mendel Singer glänzend ab. Wir verweisen übrigens auf die Artikel des Gen. Singer über „Zionismus und Klassenkampf* in ,.Unserer Tribüne". Alle Zuhörer, auch die Anhänger der bürgerlichen Zionisten, nahmen die Ausführungen unserer Redner mit voller Befriedigung auf, und allen hat die Ueberlegenheit der Argumentation unserer Redner eingeleuchtet. Bezirksgruppe Brigittenau. Laut Beschluß des Organisationsausschusses wurde als erster Schritt auf dem Wege zu einer Ausbreitung der poalazionistischen Tätigkeit in Wien die Bezirksgruppe Brigittenau neubegründet. Gerade der 20. Bezirk, wo jüdische Arbeiter auf einem Gebiet von geringer räumlicher Ausdehnung dicht nebeneinander wohnen, und wo schon einmal eine ansehnliche Bezirksgrüppe ein tüchtiges Stück poale-zionistisoher Arbeit geleistet hat, ist besonders dazu geeignet, der Ausgangspunkt für eine breitere Propagandaarbeit zu werden, deren Ziel das Hineintragen der poale^ionistischen Ideen, in die jüdischen Arbeitermassen ist. Die Bezirksgruppe, die vorläufig hauptsächlich ans älteren Parteigenossen besteht, bedarf vor allem eines Zuzugs von jungen und frischen Kräften, die ihre Begeisterung und Arbeitswilligkeit mit der Erfahrung der älteren Genossen vereinen, um in gemeinsamer Arbeit auf die Erreichung der poale-zionistischen Ziele hinzuarbeiten. In der Bezirksgruppe wurde bisher ein Referat des Genossen Grünberg über „Unsere Aufgaben und Ziele als jüdische sozialistische Organisation" abgehalten und am Samstag, den '28. März fand eine Massenversammlung für das arbeitende Erez Israel statt. Die Gründung einer Jugendorganisation im Anschluß an die Bezirksgruppe steht unmittelbar bevor. Genossen des 20. Bezirkes, oder solche Genossen aus anderen Bezirken, die ihre Kraft im Dienst der dankbaren Arbeit im 20. Bezirke zur Verfügung stellen wollen, werden gebeten, zu den Sitzungen des Bezirksgruppenkomitees, die am jeden Montag und Freitag um 8 Uhr abends im Oafe Halpern (Klubzimmer), Gaußplatz, stattfinden, zu kommen.. Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der GeuieinrlE Wien i" i Ii * isdie Venu Feuer- und Einbruch* versicherurigftirWohnungen — Unfall- und Haftpflictitversicberung - Glasbruchversicherung ^- Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 40,000.000'X oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 67-401,69-0-63 Gedenket an das Abonnement ^Unserer Tilfofinfe**! NAHMASCHINEN FAHRRADER 1925 Kostenloser Unterricht im Sticken und Stopfen! — Lager von Knopfpressen und Zugeh&r! — Reparatur-Annahme! IX., Liechtensteinstraße 27, VI., Gumpendorferstraße 67, IV., Wiedner Hauptstraße 8 — Telephon Nr. 16-5-65 SPORTHAÜTLÄZAR, IXaJCottoaasse 13 und im Dianabad. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, XVUI., VVeimarerstraße 19/10. — Druck; ^Adria" Wien, II., Taborstraße 52 B.

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