Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 3 (15.02.1924)
- Date
- 1925-02-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr/3 Aus dem arbeitenden Palästina. Große Chaluzeinwanderungen im Dezember. 'Kennzeichnend für die Immigration im Dezember war die große Anzahl von Chaluzim, während in den früheren Monaten das mit Geldmitteln ausreichend versehene Einwander erel emen t vorherrs oh t e. Nach der offiziellen Verlautbarung waren von den insgesamt 166Ö Immigranten 43G Personen (346 MänneV und 72 Frauen) auf Grund fester Anstellungen zugelassen; dabei handelt es sich in der Hauptsache um solche landwirtschaftliche oder industrielle Unternehmungen, die direkt oder indirekt — mit Keren Hajessod-Mitteln — von der Zionistischen Exekutive finanziert wurden. Die Gesamtzahl der unter Kategorie ,.B", d. Ii. mit genügenden Mitteln ankommenden Immigranten war 705, und zwar 275 Männer mit 203 Frauen und 227 Kindern. Ferner immigrierten 367 Personen (71 Männer, 177 Frauen und 119 Kinder), deren Erhaltung vollständig Einwohnern des Landes obliegt. An Frauen, Kindern und anderen Personen in Begleitung von Immigranten mit Aussicht auf feste Anstellung gab es 143 und an Personen religiöser Berufe mit •eigenen Mitteln 14. In der Einwanderungssumme sind 169 Personen inbegriffen, die als Touristen kamen und sodann Erlaubnis zu dauerndem -Aufenthalt erhielten. 24 Per- ■ffonen, die den Immigrationsvoi-schriften nicht entsprachen, wurde der Zutritt versagt. Von den Einwanderern waren 1618 Juden, 38 Christen und 9 Moslems, von den 83 rückkehrenden Immigranten 46 Juden. Von den Auswanderern waren 88 Juden, 70 Christen und 53 Mohammedaner. Die Rechte der arabischen Pächter von den jüdischen Bodenkäufern voll gewahrt. Der kürzlich bei Afule erfolgte Zusammenstoß zwischen jüdischen und arabischen Bauern war Gegenstand einer amtlichen Untersuchung, worüber der Bericht nunmehr vorliegt. Danach hoben die von Juden neuerworbenein Böden von Afule weder den jetzigen Dorfbewohnern, noch auch ihren Vätern gehört. Ferner wurde festgestellt, daß bei der Ueberführung des Bodens in jüdischen Besitz alle zur Wahrung der Kechte der bisherigen Pächter vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt und sohin die Zustimmung der Regierung erlangt wurde. Nicht weniger als 58 von 71 Pächtern nahmen von den Käufern statt der angebotenen Böden Geldabfindungen an, wobei die vorschriftsmäßigen Formalitäten vor einem offiziellen Notar vollzogen wurden. Von den übrigen. 13 Pächtern, die zuerst jedes Angebot eines Ausgleiches abgelehnt und nberbriebeno Forderungen gestellt hatten, sind schließlich. dsodh{ 9 zu einem. Vergleich mit den Käufern gelangt. Es lag sonach, laut ausdrücklicher Erklärung, des Eegiei'ung-sbeaichtes, kein Grund vor, die offizielle Uebergabe der Böden in den Besitz, der Käufer länger hinauszuziehen. Die Regiermigszustimmung war erteilt, und zwar bezüglich der restlichen 4 Pächter unter der Bedingung, daß diesen Ersatzböden in der Nachbarsoliaft oder sonstwo zugewiesen werden sollte. ilTeber diesen bedauerlichen Vorfall ^wurden unzutreffende Darstellungen verbreitet, die berichtigt werden müssen. So ist es nicht richtig, daß die jüdischen Bauern bei der Abwehr des Angriffes Waffen benutzt haben, die von der Regierung; bereitgestellt waren. Die 'einzige vorgefundene Waffe war ein Revolver, und! solche gehören nicht zu der reglementierten Koloniebewaffnung. Auch war das von jüdi- Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Feuer- und Einbruchversicherungf ürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 40,000,000 K oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Tel. 67-2-72.67-401,69-0-63 sehen Bauern an dem kritischen Tage gepflügte Land kein »Streitobjekt" mehr, vielmehr waren alle Forderungen der betreffenden Pächter in freundschaftlicher Weise geregelt worden. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Malana. Kürzlich tagte in Jerusalem die 10. Versammlung der Kommission zur Bekämpfung der Malaria. In der Eröffnungsrede machte der Gesundheitsdirektor die befriedigende Mitteiulng, daß während des letzten halben Jahres keine ernsthaften Ausbrüche der Malaria im Lande vorgekommen smd. Diese Tatsache ist den Maßnahmen zu verdanken, die in Stadt und Land durchgefülirt wurden. Große Arbeiten auf dem Gebiete der Drainierung und Urbarmachung von Boden sind in der Gegend von Jericho, Tantura und Kabbara in Angriff genommen. Die j.Gesundheilswoche" hatte auf die Pflege der öffentlichen Gesundheit den wohltuendsten Einfluß. Spezialberichte wurden erstattet über die Malariabekämpfung in den Hulc-Sümpfen und über die Drainierungs- und Irrigationsarbeiten nächst Beisan, die, dank der lebhaften Beteiligung der örtlichen Grundeigentümer, bereits zur Trockenlegung von 900 Acres Sumpfland geführt haben. Der jüdische Nationalfonds hat durch die Entsunrpfung von Nuris und Nahalal auf die arabischen Nachbarn beispielgebend gewii'kt. Beisan ist heute eine der gesündesten Städte Palästinas. Von den Kranken, welche die Kliniken der Eegierung, besuchten, waren nur mehr 12 Prozent malariakrank gegen. 50 Prozent vor 2 Jahren. Auch die Milzkrankheiten in den Schulen sind von 50 auf 25 Prozent gesunken. Der National^ nds vernachiäßigt den Emek. Die Arbeitersiedlungen im Emek bilden den Stolz der jüdischen Kolonisation der letzten Jahre. Die jüdischen Arbeiter, die dieses schwere Terrain urbar gemacht haben, fordern mit Recht, daß die ganze Ebene des Emek für die Arbeitersiedlung gesichert werde. Die Leitung des Nationalfonds scheint aber nicht das richtige Verständnis hierfür zu haben. Private Spekulanten machen sich an den. Boden heran, während der Nationalfonds keinen Finger riihrt. Der jüdischen Arbeiterschaft bemächtigt sich deshalb eine große Erbeitterung. Der Nationalfonds darf sich dieser großen Möglichkeit auf keinen Fall begeben. Statt landwirtschaftl. Schulen Gymnasien. Der Aufbau Palästinas hat sehr viel unter dem Mangel an landwirtschaftlichen Schulen zu leiden, während es mit höheren Mittelschulen» reichlich versehen ist. Es ist deshalb eine berechtigte Forderung der palästinensischen Arbeiterschaft, zumindest einen Teil des für Kultuszwecke bestimmten Budgets der landwirtschaftlichen Ausbildung, zuzuwenden. . Letztens sollte die. englische Verwaltung gemeinsam mit den Vertretern, der zionistischen Leitung über die Verwendung einer bedeutenden Stiftung, für Palästina entscheiden. Die Vertreter der Arbeiterschaft erhoben die Forderung nach einer .landwirtschaftlichen Schule, während die zionistischen und englischen Vertreter für ein zweites Gymnasium in Jerusalem entschieden haben. Als der Beschluß bekannt wurde, erhob sich eine kräftige Protestbewegung, unter den Arbeitern, da. wollten die zionistischen Vertreter den Beschluß rückgängig machen. Aber es war zu spät. Die Vertreter Englands, die ja vorgeben, auf das Wohl der' jüdischen Bevölkerung bedacht zu sein, haben auf dem gefaßten Beschluß beharrt. Dia Herren um Herbert Samuel wissen wohl besser, was zur Entfaltung der jüdischen Ansiedlung, vorteilhaft sei. Aktionen für den Palästina-Arbeiterfonds und für den „Solei Bone*. Die Zentrale des „Komitees für das arbeitende Palästina" in Berlin hat beschlossen in den nächsten Wochen in allen Ländern eine Propaganda-. und Sammelaktion für den Palästina-Arbeiter-Fonds einzuleiten und hierauf für den „Solel-Bone" (Arbeiter-Bau-Kooperative) zu sammeln. Die Aktion für den P. A. F. ist in erster Reihe als Besteuerung aller Mitglieder mit einem monatlichen. Beitrage gedacht. Für den „Solei Bone" kommt nur der Verkauf von Aktien im Betrage von einem Pfunde und zwei Schillinge in Betracht. Uebersenöen Sie uns gleich den filiigen Betrag. Sie ersparen uns damit uiel Seid und Zeit und fragen zur Ausgestaltung unseres Organes bei. Die Wahlen in den preußischen Landes* verband der jüdischen Gemeinden. Die Wahlen in den Preußischen Landesverband der jüdischen Gemeinden, haben großes Interesse im Lande hervorgerufen. Unsere Genossen,, die sich mit einer sozialistischen Liste am Wahlkampfe beteiligt li(a!b£n, haben einen ansehnlichen Erfolg zu verzeichnen. Obwohl sie aus Geldmangel in bloß vier von den 13 Wahlkreisen den Wahlkampf führen konnten, haben sie auf ihren Listen rund 2500 Stimmen vereinigt. Gewählt wurden die Genossen. Oskar Kohn und Alfred Berger, für das dritte Mandat haben uns 'bloß 28 Stimmen gefehlt. Unsere Genossen waren die einzigen, die einen prinzipiellen Kampf geführt haben, während alle bürgerlichen Parteien — die Zionisten inbegriffen — durch Wahlkompromisse, sich der programmatischen Aufklärungsarbeit entledigt haben. Es war auch kein geringer Erfolg unserer Genossen, 'daß es ihnen gelungen ist, den Nestor der deutschen S. D. Eduard Bernstein zu bewegen, daß er für sie in den Wahlkampf eingreife. Jüdischer Sammeltag. An unsere Mitglieder und Freunde! Die provisorische Exekutive der „Vereinigung' für soziale jüdische Tätigkeit" hat nach reiflicher Uebcdegung und nach eingehenden Verhandlungen mit' der „Zentralstelle für jüdisch-soziale Fürsorge" den Beschluß gefaßt, sich an dem Füraorge-Sammeltag am 22. und 23. Februar aktiv zu beteiligen. Soziale Betätigung ist einer der wichtigsten Punkte unseres Progi-ammes. Nun gilt es, alle Kräfte anzuspannen, um Mittel für die Ausgestaltung der Fürsorgeinstitutienen herbeizuschaffen. Wir fordern alle Mitglieder und Freunde auf, sich unseren Vertrauensmännern in den Bezirken zur Verfügung zu stellen. Jeder spende am 22. und 23. Februar so viel er kann nnd sammle in seinem Bekanntenkreise. Sammelbögen und sonstiges Sammelmaterial sind bei unseren Vertrauensmännern in den BezirksgammelsteHen erhältlich. Vereinigungi für soziale jüdische Tätigkeit. Bezirks-Sammelstellen: I. Bezirk: Büro des Sammeltages, I., Seitenstettengasse 4, IT. Stock. IL Bezirk (links der■ Taborstraße): Elisabethheim, IL Malzgasse 7. IL Bezirk (rechts der Taborstraße): Genossenschaft der Pferdehändler, IL, Heinestraße. Nr. 42. III. und XI. Bezirk: Cafe Ilion, Löwengasse. IV., V. und X. Bezirk: Tempel, V.. Siebenbrunnengasse 1. V-h7 VII. Bezirk: Tempel, Schmalzhefgasse. VIII. Bezirk: Jüdisches Vereinsheim, VIIL. Benmoplatz. ..IX. Bezirk: Tempel Müllnergasse. XII. bis XV. Bezirk: Tempel Tburnergasse. XVI. und XVII. Bezirk: Tempei Hubergasse. XVIII. Bezirk: Tempel Schiopenhauerstraße. XIX. Bezirk: Terapelgebäude. XX. Bezirk: Tempel Kluckygasse. XXI. Bezirk: Tempel Holzmeistergasse. — L>ie Mitglieder und Freunde der ^Vereinigung, für soziale jüdische Tätigkeit" werden ersucht, sich bei den Vertretern der „Vereinigung" in den Sammelstellen zu melden. Bus unserer Organisation. Organisationssteuer und Presse. Geil. Andermann, der die beiden Referate übernommenhat, versendet ein Rundschreiben an alle Chawerim, in welchem er zur Anmeldung für die Besteuerung, für den P.A.F. und die Organisation auffördert. Wir-.machen auch hier die Genossen aufmerksam, daß, wer die minimale Summe von 5000 K monatlich nicht abführen, als Mitglied nicht betrachtet werden, und aus der Mitgliedsliste gestrichen werden wird. Bis jetzt haben sich nur wenige Genossen zur Werbearbeit für „Unsere Tribüne" gemeldet. Wir rufen unseren Genossen abermals' in Erinnerung, daß -nur ein gesichertes Organ unsere Organisation stärken und dem P-oale-Zionismus in Wien zum Siege verhelfen kann. Wei-bet Abonnenten, zahlet den Abonnentsbeitrag zumindest für ein Iialbes Jahr ein. Konzert neuer jüdischer Musik. Wie im Vorjahre wird unsere Organisation auch heuer im Konzerthaussaale ein Konzert neuer jüdischer Musik unter Leitung des Herrn Prof. Diinitewsky venin stalten. Das Programm wird in Wien noch nicht aufgeführte Kompositionen enthalten. Im Interesse des Gelingens dieser Verpositionen enthalten. Im Interesse des Gelingens dieser Veranstaltung bitten wir Genossen und "Freunde zur Mitarbeit sich ehestens zu melden. NAHMASCHIN Kostenloser Unterricht im Sticken und Stopfen! — Lager von Knopfpressen und Zugehör! — Reparatur-Annahme! IX., Liechtensteinstraße 27, VI., Gumpendorferstraße 67, IV., Wiedner Hauptstraße 8 — Telephon Nr. 16-5-65 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur; Dr. Uudolf Glanz, XVIII., Weimarerstraße 19/10. -* Druck: „Adria" Wien, II., Taborstraße 52 Ii.