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Unsere Tribüne · 1924-09-28 · 9 (28.09.1924) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
9 (28.09.1924)
Date
1924-09-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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J_......Seife .4..........,.........._.......^ „ ___ Aus dem arbeitenden Palästina. Private Industrie und Arbeiterkämpfe in Palästina. Tm „Kuntrejs" veröffmtlioht Chäwer Walter Preuß -dös Ergebnis einer intenessaaiteii Enquette über die private Industrie in Palästina und die Lg&ge der dort beschäftigten Arbeiter. Die Enquete umfaßt die industriellen Unternehmungen, die Mascliinenbctrieb haben, oder mehr als «cht. Arbeiter beschäftigen in den drei Städten: Tel- Awijw, Jerusalem iin.d Chlaifa. Inbegriffen sind auch: <lie Salzproduktion in Atlit und die WeinJkellereien in Risohon l'Zion. In diesen Ortschaften sind insgesamt ungefähr 35 Unternehmungen erwähnten Charakter» (äußer den Druckereien, die nicht mitgezählt wurden), vorhanden, von denen 30 untersucht wurden. Dies« Unternehmungen zerfallen in folgende Produktionszweige: Metall, Tischlerei, Baumaterialien, Nahrungs- und Geaiußmittei, AVeberel, Schuhe, Kai-tonage, Mühlen, Gel, Salz- und. Weinproduktion. Außer der Metallfiabrik in Te3-Awijw (Wagner) sind alle Untenveh-' mungen Eigentum der Juden. Die Zahl der Arbeiier. In den 30 Unternehknungen sind 902 jüdische, 34 -ftmbiSsiche Arbeiter, 45 Lehrbiurschen und 28 Beamte beschäftigt. Wenn man die 4—5 Betriebe, die nicht miteinbezogen wurden (darunter tauch Rutenbergs Elektiifizierungsstelle in Tel-Awijw) mitrechinet, darf man Ännehmen, daß in der Privatindustrie gegen 1000 Arbeiter beschäftigt sind. In den industriellen Kooperativen sind gegen 275 Arbeiter, im Durchschnitt 32 Arbeiter pro Betrieb, bes<Üiäftigt. Auf je 7—8 Arbeiter fällt, ein Beamter. In 8 Betrieben übersteigt die Zahl der Arbeiter den Duröhöchnitt Arbeitsbedingungen und Lohnverhältnisse. In 15 Betrieben ist nur Tagesiarheit, in 10 nur Akkordarbeit eingeführt,, in weiteren 5 Betrieben ist, eine kombinierte Arbeitsmethode eingeführt. Der Lohn eines nichtqualifizierteini Arbeiters ist in 6 Betrieben (alle in Tel-Awijw) weniger als 15 Piaster (100 Piaster ist gleich1 1 ägypt. Pfund) täglich, in 8 Betrieben 15—20 Piasiber, in 8 Betrieben 25—30 Piaster, in weiteren 8 Betrieben mehr als; 30 Piaster. Qualifizierte Arbeiter werden last überall besser bezahlt Gegen 75 Prozent aller Arbeiter haben einen Lohn von 25—40 Piaster täglich.?v Die. Lehrbursohen erhalten durchschnittlich im' «rsten Lehrjahre überhaupt keinen Lohn, im! 2. Lehrjahre bis 5 Piiaster, im dritten 10—15 Piaster. Hocihmteiesyant ist der Vergleich zwischen den Löhnen der Arbeiter und den Gehältern der Beamten. So macht z. ß. der Monatsüohn beim Bau der Zementfabrik „Nescher*' in Chaifa aus: 220 Arbeiter 875 Pfund Sterling, 19 Beamte 683 Pfund Sterling; in der großen Mühle (Rotschild) in Chaifa: 43 Arbeiter 318 Pfund Sterling, 9 Beamte 292 Pfund Sterling. Aehnlich sind auch die Verhältnisse in den anderen Betrieben. | Organisation und Arbeiterkämpfe. Mehr als zwei Drittel aller Arbeiter sind in der „Allgemeinen Arbeiterorgaaiisiation44, die der Amssterdamer Gewerksdhlaftsinteiuationale angeschlossen ist, organisiert. In 10 Betrieben bestehen von den Unternehmern anerkannte Arbeiterkomitees. In den restlichen Betrieben führen noch die Arbeiter einen Kampf um dieses Recht. i In 8 von den 30 Betrieben sind nach dem Kriege Streike vorgekommen, in drei derselben sogar zu zwei und drei Mal, insgesamt waren 13 Streiks. (Das sind aber bei weitem noch nicht alle Streiks', die im Lande nach dem1 Kriege vorgekommen sind. So fehlen z. B. die Streiks1 in der Druckerei RosenMd in Chaifa, und „Solei" in Jerusialem, in der Fabrik Löwenstem-Schuk mann in Tel-Awijw, Streiks der Bäcker und Tischler in Tel-Awijw u. a. Manche dieser Streiks haben seinerzeit die palästinenlsisidhe Oeffentlichkeit beschäftigt und zu Zusammenstößen ünit der Polizei geführt). Neun ernste Konflikte sind ohne Streik erledigt worden. Die Streiks wurden hervorgerufen: in sechs Fällen durch Lohnreduktion, in einem Falle durch die ' Forderung einer Lohnerhöhung, zwei durch Nichtausf- Unsere Tribüne Zahlung des Lohnes; zwra durch Entlassung, einer durch die Forderung der Arbeiter nach Verlängerung der Arbeitszeit, zwei durch verschiedene Ursachen. Die KessuJtate der Streiks: sechs mit dem Siege der Arbeiter, zwei mit dem Siege der Unternehmer, fünf mit einem Ausgleiche. Von den Konflikten, die ohne Streik beigelegt, wurden, sind drei mit. Erfolg, zwei mit einem Ausgleich) drei noch überhaupt nicht beendigt. Insgesamt, sind von. den 21 Konflikten neun (43 Prozent), mit Erfolg für die Arbeiter, sieben (33 Prozent) mit einem Ausgleiche, zwei (10 Prozent) mit einem Erfolge der Unternehmer, drei (15 Prozent) überhaupt noch nicht beendigt.. Diese Ziffern beweisen, wie gering und. unentwickelt 'die Industrie in Palästina noch ist, aber sie beweisen auch, welche Stufe von Scharfmacherei die palästinensischen Unternehmer bereits erreicht haben- Der größte Teil der Konflikte zwischen Unternehmer und Arbeiter wird durch erstere hervorgerufen. Von 13 Streiks sind nicht weniger als 10 durch den Angriff der Unternehmer (Lobjireduktion, Niohtauszahzahlung, Verlängerung'der Arbeitszeit, Entlassung) ausgebrochen. Insbesondere ist die Neigimg der Unternehmer, die Rentabilität der Betriebe durch Ereparnisse am Lohne der Arbeiter, statt durch technische Verbesserungen . und durch Einschränkung des Beamtenapparates zu erhöhen, charakteristisch. Aus den. Daten über die Streiks ersieht man auch, daß die Arbeiters'cliiaft in Palästina nur eine Waffe zu ihrem Schlitze besitzt — die Organisation. In jenen Betrieben, wo die Arbeiter nicht organisiert sind, haben entweder die Arbeiter den. Unternehmern .nachgeben müssen, oder, wenn es zu einem Streike gekommen, ist er mit einer Niederlage beendigt worden. Sogar die elementarsten Forderungen der Arbeiter, können nicht ohne Kampf erreicht werden. Die Methode des Kapitals ist, überall gleich. ■<« '1 _1" Aus der Weltbewegung. Sitzung des Verbandsbüros in Wien. Am 13. und 14. Oktober findet ia Wim eine Sitzung der in Europa weilenden Mitglieder des Verbandsbüros stati. Die Teilnahme der Genossen Locker, Kaplanski und Reiß ist gesichert. Angesichts der wichtigen Fragen, die zur Kiskuasion gestellt werden, erregt die Sitzung allgemeine» Interesse. ' inmiM—«—■i . Ein Erfolg der poale-zionistischen Jugend in Rumänien. Die Konferenz der sozialistischen Jugendorganisationen, die am 7. September in Bukarest getagt hat, beschloß die Aufnahme der poale-zionietischen Jugendorganisationen ia den Verband. Das poale-zionistische Organ „Jugend" wurde als offizielle Publikation anerkannt. Zwei Poale-Zionistea sind in die Exekutive gewählt worden. Die heftige Gegenagitation der Bundisten ist erfolglos geblieben. Wir gratulieren unserem Genossen in Rumänien zu diesem bedeutenden Erfolge, Das Resultat der Arbeiterratswahlen in Palästina. Bei den letzten Wahlen in den Arbeiterrat, hat „Achdut Haawoda" in, Jaffa, Jerusalem und Chaifa eine absolute Mehrheit alter gültigen Stimmen erhalten. Die Resultate aus den andern Städten sind noch nicht bekannt. Auf das Wesen, und die Funktion der Arbeiterräte in Palästina werden wir noch zurückkommen. Bus unserer Organisation. Unsere Abendkurse für jüdische Arbeiter. In diesem Jahre eröffnen wir zum dritten Male unsere Abendkurse für jüdische Arbeiter. Ihr Grundgedanke ist, den jüdischen Arbeitern entsprechende Bildungsimittel im wirtschaftlichen Dasein an die Hand zu geben und ihnen den Zugang zu den geistigen Gütern des jüdischen Volkes zu eröffnen. Beide Ziele sind in den Kursfein auf eine Weise vereinigt, die der Eigenart des jüdischen Arbeitern, seiner beruflichen! Stellung, bisherigen (geistigen Entwicklung und Herkunft angepaßt ist. Unsere Kurse stellen sich so als bewußte Volksbildung des jüdischen Arbeiters dar. Sie haben nicht mit den mannigfachen Bildungsstätten zu konkurrieren, an denen Wien sio reich ist. Denn der jüdische Nr. 9' Arbeiier wird dort in seiner Eigenart überhaupt, nicht berucksicht. Die Volksgüter unserer Nation werden dort nicht gepflegt. Der jüdiscfie Arbeiter hingegen, der zu uns kommt, findet, den Unterricht auf iseine Lebensverhältnisse zugeschnitten, von Lehrern erteilt, die über seine Fassungskraft, Lernwilligkeit und Entwicklung über langjährige Erfahrung verfügen. Der Deutschunterricht für jüdische Arbeiter erfolgt unter spezieller Berücksichtigung ihrer jiddischen Muttersprache, was in den sonstigen Bildun^sslätten Wiens ausgeschlossen ist Unsere weiteren Sprachkurse berücksichtigen die (Bedürfnisse unserer Lernenden. Die hebräische Sprache ist für einen weiten Kreis von I^lästinjawanderem und anderen Bildungsbefhssenen nötig, trotz der Schwierigkeiten sind hier einige sehr schöne Resultate erzielt worden. Die jiddische Sprache gibt unserem Hörerkreis Zusammenhang mit der Volkskultur und Verstehen, Kenntnis dessen, was .bisher nur instinktiv, unsicher von der Sprach Umgebung übernommen .wurde. Die englische Sprache ist. für den jüdischen Arheiter als Auswanderungserteichterung in vielen Fällen dringend begehrt.. Wir unterrichten auch noch jüdische Geschichte,, um unsere Hörer mit den historischen Geschicken ihres Volkes vertraut zu machen und Anioiüpfiingöpunkte für die Probleme der Gegenwart zu finden. Unsere Kurse werden so zu einem, wenn auch, bescheidenen Teil der in. der ganzen Welt sich konsolidierenden, immer bewußtere Formen ajxnejhinenden Volksbildungsbewegumg der jüdischen Arbeiter. Sie zür Blüte zu bringen, ist die Aufgabe aller derer, di# mit den jüdiischen Massen, ihrer geistigen Entwicklung und rationaler Kultur lebendigen Zusammenhang, haben. fi. G. Einschreibungen für unsere Abendkurse (III. Jahrgang). Am 11. Oktober heginnen die Einschreibungen für unsere? Abendkurse. Es wird heuer außer den Sprachen: Deutsch, Jiddisch, Hebräisch, Englisch und Buchhaltung, Rechner^ Naturwissenschaft, Jüdische Geschichte und Literatur, auch noch ein Kurs über Palästina, Land und Bevölkerung ge* lei tet werden. Im Interesse der Hörer raten wir aux a*echtz»itig«u Anmeldung'. Vortrag des Genossen Singer. Samstag, den 21. September hat Genosse Singer über den neuen Kurs im Zionismus und die Aufgabe unserer Weltbewegung gesprochen. Das Referat hat allgemeines Interessfcerregt. Es war der allgemeine Eindruck, daß diese Frag© jetzt eingehend behandelt werden muß, Arbeiterschachklub Wien — Sektion „Borochow". Montag, den 22. September fand im Arbeiterheim „BdtochoV eine Mitgliederversammlung der Schachsektion „Borochow" statt. Die sehr gut besuchte Versammlung wählte einen neuen. Ausschuß, bestehend aus den Genossen: Andermann — Vorsitzender, Lichtenfeld — Sekretär, Sommerstein Wilhelm — Schachwart und Kassier, Kormann — Ersatzmann. Gen. Andermann erstattete Bericht über die letzte Spielleitersitzung, in welcher eine wichtige Neuerung beschlossen wurde, die sehr viel zur Hebung des Spieleifers der einzelnen Vereine beitragen wird. Die Spielleitersitzung der Scliachvereine Wiens beschloß nämlich die Einführung des Auf- und Abstieges der einzelnen Vereine in. höhere oder niedere Klassen unter folgenden Bedingungen. Der Meister jeder Klasse steigt in die nächsthöhere Klasse aiif, mit- Ausnahme der zweiter Klasse. Der letzte in der Meisterschaftstabelle jeder Klasse steigt in die nächstniedere Klasse ab, mit Ausnahme der ersten Klasse. Nur der schwächste der ersten und der stärkste der zweiten Klasse müssen ein Entscheidungsturnier austragen, welches für das Verbleiben oder Absteigen, bzw. Aufsteigen der in Beträcht kommenden Vereine ausschlaggebend sein soll. Nachher erstattete Gen. Fenichel Bericht, über die letzte- Sitzung des Vorstandes des Arbeiter-Schachklubs, in welcher unter anderem die einmalige Einhebung eines Kostenbeitrage» in der Höh© von 5000 K von jedem Mitglied beschlossen wurde. In Anbetracht dessen, daß eine genügende Anzahl van Spielern zur Verfügung steht, beschloß die Versammlung die; Anmeldung einer drittklassigen wie auch einer viertklassigen. Mannschaft für die Meisterschaft. Weiter beschloß die Versammlung die Spieltage auf dreimal in der Woche zu erhöhen. Als solche wurden außer Montag und Mittwoch auch Donnerstag zwischen 7 und; halb 10 Uhr abends bestimmt. Am Schlüsse beschloß' die Versammlung die Einteilung von Vereinsturnieren, die unter Leitung der Genossen Roller und Schapira ab Montag, den _ 29. 1. M. an allen Spieltagen abgehalten werden. Nach Erledigung der so umfangreichen Tagesordnung wurde die. Versammlung geschlossen. □□□ODDDDOIDDDiaoaiODDQ Zahlet Verbandssteuer ein! Gedenhef an das Abonnement „Unserer Tribüne"! EifleutüBWr. Verleger, Herausgaber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, XVIII., WeimarereiraBe 19/10. — Druck: „Adria" Wien. II.. TabaralraSe 52 B.

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