Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 9 (28.09.1924)
- Date
- 1924-09-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V* bb. U. ..» Tribüne Organ uer jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, IL, Blurrtfcüergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: Vierteljahr.. 6.000 K halbjahr. . . 12.000 , Einzelne Nummer 1000 Kronen Nr. 9. Wien, 28. September 1924. 1. Jahrgang. Unsere nächsten Aufgaben und unsere Presse. Kultuswahlen. — Für die österreichische Sozialdemokratie. - Unsere Weltbewegung und das arbeitend6 Palästina. Einige Worte an Genossen und Freunde „Unsere Tribüne" dringt von Woche zu Woche in weitere Kreise der arbeitenden. Juden ein. Es wird wohil nicht viel Zeit verstreichen müssen und „Unsere Tribüne" wird das Organ der jüdischen, Arbeiterschaft unseres Landes werden. A her diese bevorstehende Möglichkeit erlegt uns große Pflichten auf. Wir müssen unser Organ inhaltlich ausgestalten. „Unsere Tribüne" muß in ein Wochenblatt verwandelt werden, wenn, '«e ihren Aufgaben gerecht werden; sollte. In der nächsten Zeit harren unser wichtige Aufgaben: 1. Die Kultuswahlen in Wien, stehen vor der Türe, fca diesem WaHkarnpfe muß endlich die Stimme der arbeitenden Juden gehört werden. Der unbeschränkten, Herrschaft der jüdischen Pluto- und Bürokraten in der Seitenstettengasse muß ein Ende gesetzt werden. Nur mit Hilfe unseres Organes werden wir in der Lage «ein," den Kampf erfolgreich zu bestehen, 2. Die österreichische Sozialdemokratie schickt sieb an, bei den nächsten Nationairatswahlen die Mehr-, hedtsparted im Lande zu werden. Das wird ein gewaltiges Ringen der Arbeitersohäft um die Macht im Staate werden. In diesem Kampfe werden auch wir eine Teilaufgabe zu erfüllen haben. Noch gibt es viele arbeilende Juden, die sich im Lager der Bourgeoisie, der nationalen und der assämilafcorisclien, befinden. Die müssen wir für die österreichische Sozialdemokratie gewinnen. Nur mit Hilfe unseres Organes werden wirdieserwichtigen Auf gäbe gerecht werden können. 3. Die Leitung unserer Weltbewegung will in den flachsten Monaten eine große Werbeaktion für unsere Idee, für die Ziele des arbeitenden Palästina einleiten. Da werden auch wir mittun müssen. Es gilt, die durch die kommunistische Zerstörungsarbeit verlorenen Positionen wieder zu gewinnen und neue Kämpfer für unsere jüdisch-sozialistische Idee zu gewinnen. Aber nür mit Hilfe eines würdigen Organes, werden wir Erfolge erzielen können. Was fordern wir nun von unseren Genossen und Freunden? 1. Jeder Leser unseres Blattes möge imis sofort den Abonnementsbeitrag für ein ganzes Jahr (24.000 K) zukommen lassen. 2. Jeder I>eser und Freund unseres Blattes, soll es sich zur Ehrenpflicht machen, zwei neue Abonnenten für „Unsere Tribüne" zu werben. Wir sind überzeugt, daß . die Erfüllung dieser beiden Forderungen keine allzugroßen Anstrengungen erfordert und wenn unsere Genossen und Freunde der Erfüllung dieser Aufgabe nur eine Stunde zu widmen bereit wären, wäre der Erfolg gesichert. Und e|ine solche Anstrengung dürfen wir wohl von unseren Genossen und Freunden verlangen und erwarten. Von der Entwicklung unseres Organes hängt zum großen Teile unsere Tätigkeit für die Erstarkung des Sozialismüs unter den arbeitenden Juden in Oesterreich und unsere Mitwirkung beim Aufbaue desj arbeitenden Palästina ab. Unsere Genossen und Freunde mögen sich deshalb der Verantwortung, die auf ihnen lastet, bewußt sein. T Die Liebe und Opferfreude, die irnsere Genossen und Freunde unserer Presse stets entgegenzubringen pflegten, hat uns {immer zur Arbeit angeeifert und den Glauben an den endgü^gen. Sieg unserer Sache aufrecht erhalten. Mögen tansjere Genossen und .Freunde diesertraditionellen, schonen Tugend der Poale-Zion treu bleiben?*^ L Es gilt für unsere Idee, für unsere Bewegung. Genossen und Freunde, erfüllet euere Pflicht! Sanierungsdämmerung. Wie haben die Vertreter der Sozialdemokratie vor der Unterwerfung Oeslietrredchs unter die Kontrolle des Auslandes gewarnt! Aber das Bürgertum hat es vorgezogen, auf die Selbstündigkeit. zu verzichten, statt in die eigenen 'Haschen zu greifen und aus eigener Kraft die Sanierung der Staat&wiilschaft herbei zuführen. Die Mehrheit des1 Nationalstes: hat den Sanierungsplah der Soziahstem verworfen und hat Oesterreich dem Auslandskapital ausgeliefert. Daß das Bürgertum noch darüber gejubelt hat, war nur noch ein neuer Beweis, wie wenig Selbst würde es besitzt. Nun können sie die Gejster, die sie gerufen, nicht meür bannen: Die 'Herren-von Genf legen durch. Vermittlung des famosen Herrn Zimmermann der österreichischen Staatswirtecihaft Fesseln an. Fürsorglich, wie sie »sind, verweigern sie die Ausfolgung des Kreditrestes, der für Oesterreich bestimmt ist. Wer weiß, ob, die Unterworfenen das Geld gut anlegen werden? Zur Sicherheit wird der Kreditrest zu niederem Zinsfuß den ausländischen Banken anvertraut und wenn die österreichische Industrie Kapitalien bedarf, muß sie ja bloß denselben auslänjdisehen Banken einem hohen Zinsfuß zahlen, »and sie bekommen auf Umwegen das Geld des Kreditrestes. Nur daß die armen auisländischen Banken hiebei einige Milliarden einstecken. Und warum nicht? Ihre Rorjagajriida für die Genferei ist ja dieser geringen Entlohnung wert. Aber Herr Zimmermann begnügt sich nicht mit dieser Fürsorge allein. Er gestattet auch nicht, daß Oesterreich aus seinen eigenen Einnahmen für die Begriffe des Herrn Zmimerrnaixn zu hohe Ausgaben mache. Ist diese Fürsorge nicht rührend? Eine Kleinigkeit steckt nur dahinter. Herr Zimmermann will nämlich verhindern, daß die Einnahmen durch stärkere Besteuerung des Besitzes erhöht und die Ausgaben durch die Gehaltsregulierung der Bundesbeamten vergrößert werden. Der fürsorgliche Vertreter des ausländischen .Kapitals1 ist beauftragt, den österreichischen Geldsack zu schützen, auch wenn die Bundesbeamten, dabei verhungern müßten. Herr Zimmeimann ist wirklich ein treuer Diener seiner Herren. Aber den Seipelianern wird recht bange vor dieser Saruei'unigsdärruneriTri.g. „Das zionistische Ideal ist reaktionär und utopisch". So lautet das' Urteil des — Sportreferenten der Wiener „Arbeiter-Zeitung" /vom 21. September). Wir nehmen gerne an, daß der Genosse, der über Sport in der „Arbeiter-Zeitung" schreibt, seine Sache' gut verstellt. Wenn wir auch seine Entrüstung darüber, daß der Fußballer Eisenhofer sich hat beschneiden lasisen, nicht begreifen, wollen wir es ihm dennoch verzeihen, weil es gegen den korrumpierten bürgerlichen Fußballsport, von welchem, die „Hakoah" einen wesenttichen Teil bildet, geht. Aber, auch die Autorität dieses Genossen in Sportangelegenheiten vorausgesetzt, ist er noch immer nicht befugt, ein solches Urteil über eine große Idee zu fällen. Lieber Genosse; das gehört nicht in den Sportteil. Es diene dem Sportreferexiten zur Kenntnis, daß Anhänger des Zionismus — allerdings des prolctari* sehen — der (jewerkscJiafteinteirinatio und der soziat listischen Internatio:nale angehören, daß eine ansehnliche Anzahl derselben Mitglieder der österreichischen sozialdemoki'atisChen Partei sind. Er nehme weiter zur Kenntnis, daß keine Geringeren als Ramsay Macdonald und Ethel Snowden, die nicht von der Sportrubrik aus, sondern nach urimittelbarer Ueberzeugung von den Leistungen in Palästina, begeisterte und begeisternde Anhänger des Zionismus geworden sind. Man muß halt vorsichtig sein, bevor man eigene Ger nossen und Führer des Weltproletariats zu Anhängern eines „[reaktionären und utopischen. Ideals" stempelt Solche Exkursionen ins Politische möge der Genosse Sportreferent unterlassen, er soll bei seine« Goals bleiben. Zahlet den roten Schekel! Das Verbandsbüro hat beschlossen, im Monja>t Tischri (Oktober) eine verstärkte Tätigkeit zur Verbreitung der poale-zionistisCheJU; Söhekalim! zu entfalten. Jede örgahisätion..utnd jeder. Genosse hat daher did, - Pflicht zu diesem Zwecke alles zu unternehmen, damit die Schekelaktion den größten Erfolg bringa Der- Schekel ist der alljährliche Beitrag, der jedem Genossen und jeder Genossin das Recht einräum t zum Zionistischen Kongreß zu wählen und gewählt zu werden. Von der Zahl der Schekalim, die durch deri poalezionistisehen Weltverband umter seine Mitglieder und die mit ihm Sympathisierenden ausgegeben werden, hängt die Zahl unserer Delegierten ärn nächsten Zionistischen Kongresse ab, (Auf je 2000 Genossen, die ihren Schekelbeitrag in beiden, dem Kongresse vorangehenden Jahren entrichtet haben, entfällt ein Delegierter.) Die Vertretung des rx>ale-zionistischen WeitverbjanH des auf den letzten Kongressen war relativ schwach, viel schwächer als es den tatsächlichen Kräfteverhältnissen entsprechen hätte. Wenn es uns! auch gelun!- gen ist, unseren Einfluß mit Nachdruck geltend zu machen und eine bedeutende Rolle im Abwehrkampfief gegen arbeiterfeindliche Tendenzen und in der Beschlußfassung über Arbeitersiedlung und. -Einwanden rung zu spielen, so ist es lediglich der inneren Berechtigung unserer Forderungen, der politischen Macht der palästinensischen Arbeiterschlaft und dem Ansehen unseres Verbandes, das er sich durch seine langjährige Arbeit erworben hat, zu verdanken. Die verantwortlichen Genossen sind sich aber dessen seit langem bewußt, daß die zahlenmäßige Schwäche unserer Delegation auf die Dauer unhaltbar ist, wenn sie nicht zuletzt die Verminderung unseres Einflusses auf den Kongreß hervorrufen und schädigend auf die Arbeiterkolonisation und Immigration wirken sollte. Es ist klar, daß diejenigen Organisationen und Genossen, die ihre Pflicht, eine entsprechende Vertiefung des Weltverbandes auf dem Kongresse zu sichern, nicht erfüllten, ein großes Vergehen, sowohl der palästinensischen Arbeiterschaft als auch der Weltbewegung gegenüber, begangen haben. In unserer Bewegung bestehen noch Differenziejrt .bezüglich der Anteilnahme auf dem Kongresse. Dies ist jedoch nicht der Ort, diese Diskussion noch einmal aufzurollen. Aber für alle Genosisen1, auch] für die Gegner der Kongießbeteiligung, sollte es klar sein, daß die Kraft einer Bewegung in der inneren Geschlossenheit und dem einheitlichen Auftreten liegt. Auch jene