Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 8 (11.09.1924)
- Date
- 1924-09-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 6× ep/1000834
- Minsk 2× ep/1000754
- Riga 2× ep/1000826
- Jeremiah 1× ep/1005299
- Niger 1× ep/1824046
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. Seite 4 >....... ....... Unsere Tribüne Nr. 8 Konferenz des Hechalutz In Brest- Litowsk. V.on 7. bis 10. August hat in Brest-Litowsk die Ko.n'cronz der Chnlutx-Organiisationen des Brester und Pin skr r Rayons getagt. Der Verlan; der Verhandlungen Iipwics. daß unser Kinfluß dort l>edmilfcnd ist. Hie Resultate dieser Konferenz sind aus .vielen Gründen interessant und svmptminlisch. Es hnl sich hauptsächlich darum gehandoll, oh der Hechahif/ eine geschlossene Gesellschaft .weniger Auserlesener Ideiben, oder die Bewegung der jüdischen Arbeiter-Pioniere für Palästina werden soll, leber die Sprachenfrage wurde auch eine ausführliche Diskussion abgeführt. Die „Hechten" machten dem Präsidium Vorwürfe, daß man jiddisch spricht und haben das Heferai des palästinensischen Chawer Schapira zum Anlaß ihrer Lärmszen'Mi gewählt. Nach einer langten Aussprache ist mit 19 (2 Mitglieder des Z. K.) gegen 17 Stimmen bei zwei Knihaltungen beschlossen worden, daß Hebräisch die offizielle Sprache .des Mcchatulz ist. Iis darf also im Präsidium kein Jiddischgesprochen werden. Vis Protest sind Chawer Pinski und Cha werte Kormaim aus dem Präsidium ausgetreten. Bs ist auch beschlossen worden, daß die Grundlage der Fachlichen Ausbildung im Hechalutz eine kollektivistische sein soll, daß der Hechalutz seine Mitglieder im Sinne der zionistisch-sozialistischen Klasseninteressen erziehen soll und daß jedes Mitglied gewerkschaftlich organisiert sein muß. Bezüglich' des Organes des Hechalulz in Pol«n ist beschlossen worden, daß es in jiddischer Sprache erscheinen soll, populäre Literatur soll in jiddischer und hebräischer Sprache herausgegeben werden. Für die freie Einwanderung nach Palästina. Die am Dienstag, den 12. Anglist, von der Arbeitsabteilimg des Wiener Palästinaamles einberufene, im Chakizheime abgehaltene Versammlung der Paläslinawanderer, hat, angesichts der verzweifelten Lage, der liier lauf Einreisebewilligung wartenden vielen hunderte!! Palästmawanderern und in Kenntnis der Tatsache, daß der Mangel an Arbeitskräften großen Schaden Erez Israel zugefügt hat, folgende Protestresolution beschlossen. 1. Wir protestieren gegen das Absperren der Tore von Ercz Israel vor den dorthinstrebenden jüdischen Massen, die das Land im Schweiße ihres Angesichtes wiederaufbauen wollen. Dies steht nicht bloß im. Wiederspreiche mit der Balfour Deklaration, sondern verstößt gegen die primitiven Grundprinzipien von Recht und Gerechtigkeit, 2. Die Behauptung, daß keine Arbeitsmöglichkeit im Lande vorhanden, ist nicht stichhaltig, da in letzter Zeit die Arbeitslosigkeit; dort gänzlich geschwunden ist und schon oft der Beweis erbracht wurde, daß freie Arbeitskräfte die Eröffnung neuer Arbeitsmöglichkeiten anregt. unter Ausnutzung alles dessen, was „Bund'" und Sozialdemokralen benützen, aber sie sieht die Lösung der jüschen Frage nur in einem eigenen Staat. Die Partei ihält ohne Zweifel jeder Kritik stand und wird in kurzer Zeit eine einzigartige Stellung in der' jüdischen Welt einnehmen." (Ks ist ein Auszug aus einem Privatbrief, der sieh in der ,,Djelo" befindet, geschrieben von „Dem .loset*-' nach Njeschin, an die Adressfe.der Sofjadevin für Adele. .1. B.) In organisatorischer Hinsicht ist einstweilen dia Gesellschaft Poale Zion noch ganz schwach, aber es sind' von ihrer Seite schon ganz energische Versuche erkennbar, ihr Programm herauszuarbeiten und fester zu begründen, um systematisch die Verbindung zwischen den gesonderten Gruppen dieser Geseillsehalll herzustlln und i/o gesellschaftlichem Verkehre mit anderen revolutionären Vereinigungen zu treten, die im Reich' arbeilen. Gerade diese Versuche schon bei ihrem Entstehen zu zerstören, erscheint aus den oben augeführten Grüinden dringend geboten. In Anbetracht der Tatsache, daß das Organisalionskomite der Poale Zion sich in Kiew heiindet, bittet das Polizeidepartenient Euer Wohl gebaren, alle Maßnahmen zu ergreifen, um Zeil und Ort der erwähnten •Konferenz festzustellen und im Falle sie in Kiew stattfindet, alle ihre Teilnehmer auf einer ihrer Versammlungen festzunehmen, damit für alle Zukunft sie nach den Resultaten der Untersuchung behandelt werden mögen. Leber alles Darauffolgende bittet das Polizeidepartenient, ihm Nachricht zukommen zu lassen, t'nlerschriel>en (wie 'last alle Briefe des PolizeideniarLenieuits) für den Vizedirektor Makarow." Wir kehren nun wieder zu* unserem eigentlichen Bericht zurück. Wir sind beider Meldung flehen geblieben, die das Polizeidepartenient am 20. Dezember darüber erstattet, daß die Konferenz der Poale .Zion am 2:5. Dezeinbor in Odessa vorkommen soll. Minen Tag früher, d. h. ■ ain 19. Dezember, erhält die Kiewer „Ochranke" folgendes Telegramm aus Odessa: .-Betroffend die Konferenz der-Organisationen Poale Zion, •die in Odessa für den 23. angesetzt ist, bitte ich um 3. Wir protestieren auch gegen das ganze Verhalten der englischen Administration in Palästina unserer Einwanderung gegenüber, und liegen ihr Unbeachten der Bedürfnisse und (iefühle unseres Volkes. Dieses Verhalten ist eine tiefe Beleidigung der jüdischen Volkswagen. 4. Wir apellieren deshalb an alle maßgclKMiden 'Faktoren, dem schändlichen Zustande ein Fnde zu setzen und die Öffnung der Tore Frez-Isra.els für die freie Einwanderunit der arbeitenden jüdischen Massen, deren einziges Streben es ist: ihre ganze Kraft dem Wiederaufbaue des jüdischen Heimlandes zu widmen. Die Tätigkeit der Poale-Zion in Deutschland. f Anläßlich der Rückkehr des Genossen Locker aus Ptaläislina hat die Organisation Berlin am 9. .luli einen großen öffentlichen Vortrag veranstaltet. Obwohl der Vortrag auf einen heißen Tag fiel utid laian in Berlin im Sommer überhaupt nicht in Versammlungen geht, waren diesmal Saal und Galerie so überfüllt, daß der Saal abgesperrt werden mußte und zahlreiche später Eintreffende konnten keinen Einlaß finden. In furchtbarem Gedränge ist die große Zuhörermasse den äußerst interessanten und lehrreichen Ausführungen des Gen. Locker 2V2 Stunden gefolgt. Die Versammlung hatte eine gute Wirkung. Viele neue Chawcjrim haben sich uns angeschlossen. Auch in Dresden fand am 10. Juli ein glänzend besuchter Vortrag des Gen. Locker statt. Demnächst sollen auch Vorträge des Gen. Locker in Frankfurt und W i e s b ci d e n stattfinden. Am Ii). Juli fand im Gewerkschaftshause in Jena eine Versammlung unserer dortigen Studenlengruppe statt. L'eher die Aufgaben der sozialistischen .Studenten haben die Genossen: Abgeordneter P. Kis, Vorsitzender der sozialdemokratischen Partei Thüringens, und Professor Dr. Schaksel, Vertreter für Volksbildung im einstigen sozialistischen Ministerium gesprochen. In der letzten Zeil bekundet die deutschsprechende jüdische Jugend sehr reges Interesse für die Probleme des Peale-Zionismus. Auf dem letzten Bundestage des Well Verbandes jüdischer Hochschüilcr waren viele üiaweriiri. anwesend. Viel Aufmerksamkeil widmen unsere CTuiwerim der Tätigkeit im Hechalutz. So wird z. B. die Berliner Gruppe fast ausschließlich von unseren Chaweriin geleilet. Für den 27. und 28. September hat das Z. K. ein Treffen aller Chaweriin aus Deutschland in Jena beschlossen. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: 1. Die nächsten politischen Aufgaben. — Chawer Alfred Berger. 2. Die Arbeil in der Jugendbewegung. — Ch. Schülern Rudel. 3. Unsere Aufgaben im Hechalutz. — Ch. Sclimuel Salomen. 1. Das Komile für das arbeitende Palästina. — Chawer Neustadl. 5. Die politische und wirtschaftliche Lage in Palästina. — Oh. B. Locker. Ct. Die Luge in der Weltbewegung. — Ch. M. Neustadt. Begleitung und L'eberwachung aller derjenigen, die etwa zu uns zu dieser Konferenz herreisen könnten. Podpolkownik Bobrow.'- Spiridowilsch schreibt noch auf das Telegramm mit rotem Stift: „Man muß auch1 noch Sokulowski nachspüren." So stellt es sich heraus, daß Polizeidepartiemenl und Odessaer Ochranku über die Konferenz genügend gut informiert waren. Am 30. Dezember ist das Polizeidepartenient in der Lage, unter Nr. 15270' dem' Natsclialniik der Kiewer Och ranke y.u melden: „Die Konferenz der Organisatoren der jüdischen revolutionären Gesellschaft Poale Zion, über die wir m der Meldung vom 8. Dezember Nr. 11281 berichtet haben, war in Odessa für den 21. Dezember 1. J. angesetzt. Bei Tag, auf der ersten Sitzung der Konferenz in der Wohnung des Kaufmanns Ilersch Mendeleff Sworowski, wurden ihre Teilnehmer, insgesamt 11 Personen, verhaftet. Unter ihnen waren Delegierte aus Kiew, Charkow, Warschau, Riga, Hornel und Minsk. Der Vorsitzende der Konferenz war, wie' sich nun herausstellte, der Gehilfe des Advokaten Gepslein. Bei der Untersuchung gegen die Teilnehmer der Konferenz wurden Manuskripte über die Erage der Organisation eines jüdischen nationalen Selbstschutzes beschlagnahmt, ferner ein Bericht, der eben auf der Konferenz über die Frage, des Slbstschulzes begonnen worden war, Programmfragen für die Konferenz und chiffrierte Zetteln. Am 17. Jänner 15)05, unter Nr. 446, schickt schon das Polizeidepartenient der Kiewer „Ochranke'" eine Kopie eines. Briefes von Odessa nach Kiew vom 27. Dezember 1904: „Teurer Chawer, hier ist ein großes Unglück geschehen; am 21. überfiel man eine Versammlung unserer Chaweriin; arretiert sind Simon, Boruch (?), Benie, Josef, Jereniiah u. a. Im ganzem 14 Personen. Wieweit dies uns Gefahr bringt, weiß ich noch, nicht. Jedenfalls soll man lieber nicht mehr schreiben oder telegraphieren. Wenn es nötig seiu wird, werde ich selbst schreiben." Die arretierten 14. waren: 1. Juda Novakowski (Jeremia), 2. Jakob Leszynky, 3. Wilhelm Latzki (Bertoldi) Dr. Nachmen Syrkin gestorben. Nach Schluß der Redaktion erhalten wir aus New York die traurige Nachricht, daß Chawer Dr. Aac-hinci Syrk'ni im 64". Lebensjahre verschieden ist. Der Tor (iiesei infmcssaiiten Persönlichkeit Ivedeute! einen schweren Verlust für unsere Weltbewegung. In der nächsten Nummer werden wir noch Ii bei die Redentung Syrkins ausführlich schreiben. Aus unserer Organisation. Wichtige Aufgaben. In der letzten Sitzung unseres Organisalionskomi- 1e.es wurde über die bevorstehenden Kultuswahleii und über die Eröffnung der neuen Organisationsfäüfikeit beraten. Ha wurde besclüosscn, für Samstag den 13. d.M. eine Aussprache mit. älteren (j-enossen. zu veranstalten. Der drille Jahrgang der Abendkurse soll im Laufe des Monats Oklober eröffnet werden. Auch wurde beschlossen, an die Chawerim heranzutreten, daß sie ihren Pflichten der Weltbewegung (Veu-bandssteuer und Sehekel), wie auch der Organisation gegenüber (Presse und Organisationsstcuer), pünktlicher als bisher nachkommen sollen. Wir stehen vor wichtigen Arbeiten. Alle m ü ssen sich z u r M i ta r b ei t melde n. «■■■■■■MnBanMHBMMI Osias Goldfischer Im Kampfe gegen die tägliche Not ist wieder ein braver Genosse erlegen. Osias Goldfischer, Buchdrucker vom Berufe, stand im 26. Lebensjahre, die Angst um herannahende Not hat sein Gemüt belastet. Freitag, den 5. September, schied er auf tragische Weise aus dem Leben. Der Verstorbene hat sich allgemeiner Beliebtheit erfreut. e3$£j»3iE3i 3B|^»3tBi acs)£S(B Zahlet Uerbondssfeii&i* ein!! Gedenkst on das Abonnement! „Unserer Tribüne"! . I Entrichtet den roten Sdiekel! QfrggjlBEE- -3BtQ|53E=Sna|CDlQ (Riga), -J. Simon Dobin (Schimoni) (Charkow), 5. Molssie (i. Gepstein (Odessa), 7. David Levin (Hornel), 8. Sehl um oft Sulimann (Warschau), 9. Sch. Niger (Minsk), 10. Rem« Fiüedland (Kiew „Wiedergeburt"), U. Josef Bregmann (JKAew „Wiedergeburt"), 12. Löb Levin (Odessa), 13. .loset' Leszynsky und 11 Salmaii Meißner (Warschau). Wie wir gesehen halten, ging die Ochranke bei der Vornahme der Verhaftung ihren sicheren Weg. Schon lange vor der Konferenz wußte Stile, was für eine Konferenz, wo und wann sie stattfinden wird. Unter solchen Umständen erscheint der Weg, den wir Arrestanten gewählt' hatten, um uns aus den Händen der Verfolger zu. befreien, etwas naiv. Wir waren allei fest überzeugt, daß die Verhaftung nur eine zufällige war, und wir wollten uns als territ'orialistische Konferenz maskieren. Wie sichj nun herausstellt, hat uns auf dem Weg zu unserer Befreiung doch mehr der 9. .lämner geholfen, als unser« naive Maske, welche natürlich unter diesen Umständen niemanden zu läuschen vermochte. Indessen waren natürlich alle früheren Pläne, di* mit der geplanten Konferenz verbunden waren, zunichte geworden. Trotzdem fand die Selbstschutzkouferenz statt, ungeachtet der Verhaftung einer Anzahl ihrer Teilnehmer, die sie organisiert hatten und" auch die ganze weitere Organisa tionsarbeit hätten führen müssen. Die Gruppe radikaler Intelligenz und Führer der bürgerlichen Elemente, die zur Selbstschutzkonferenz eingeladen worden waren, einmal schon in Odessa angekommen, hatten' genug bürgerlichen Mul, sich nicht durch die Verhaftung ihrer linken Chawerim. abschrecken zu lassen, und hielten die Konlerenz ab. Freilich, zu praktischen Resultatenurici vielleicht nur wegen ihrer Zusammensetzung -*■- hat di« Konferenz nicht geführt. Die Organisation, die sie schuf, erwies sich als Totgeburt. . 'Die Verhaftung der „Vierzehn" in Odessa erregte selbstverständlich in den poale-zionistischen Kreisen ein gewaltige« Aufsehen, trotzdem rief sie keine Verwirrung hervor. (Schluß folgt.) ' Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, XVIII., Weimarerstraße 19/10. — Druck: „Adria" Wien, II., Taborstraße 52 B.