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Unsere Tribüne · 1924-06-27 · 5 (27.06.1924) · page 1

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
5 (27.06.1924)
Date
1924-06-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^r'tv V. b. b. Organ ^onmHvn^ *T troiT/i nifc •atischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien teint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wktt/it, Biwtuftsiift i/ii Bezugspreis: vierteljähr.. 6.000 K halbjähr. . . 12.000 „ Einzelne Nummer 1000 Kronen Nr. 5. Wien, 27, Juni 1924: 1. Jahrgang. TT- Die schwarze Gefahr. :Dic Kultus wählen in Polen haben, trotz der Erfolge der Zionisten und der Niederlage der Assimilantea -eine neue, nicht geringere Gefahr zutage gefördert Die schwärzeste reaktionäre Partei, die Agudah, hat in •den meisten Ortschaften beinahe die relativ größte Zahl van Stimmen auf sich vereinigt. Diese militante orthodox-religiöse Partei hat in den letzten Jahren bereits 'viel zu schaffei) gegeben. Es ist sogar in manchen Städten zu tätlichen Ausschreitangen gekommen. In der nächsten Zeit werden sich ähnliche Versuche dieser reaktionären Partei zweifellos oft wiederholen. Die progressiven jüdischen Parteien und auch die jüdischen Arbeiter haben durch ihre; Geringschätzung der Agudah zum Wachstum diesfes noch sehr gefährlichen Gegners beigetragen. Es gilt jetzt nach agressiven und zielbewußten Mitteln und "Wiegen zu suchen, um diese schwarze Gefahr zu. bannen. Wenn diese Frömmler ausi der Religion ein politisches Kampfmittel machen wollen, ist es zweifellos unzeitgemäß, in mißverstan- "dener Toleranz zu verharren und Religion und Aberglauben als unberührbare Heiligtümer zu behandeln!, Diese schwärzeste jüdisch© Reaktion hat uns, den Fehdehandschuh zugeworfen, wir müssen ihre Heraus- Jo^r^ag .-init.-.einem, mutigen Aüfklärcingskampf jer-. wiedern. itf! Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie, ider in Berlin stattgefunden hat, war der erste seit der Einigung der beiden sozialistischen Parteien, die vor bald zwei Jahren ini Nürnberg vollzogen wurde. Die Einigung war so notwendig geworden, daß heute auch bei den schärfsten Meinungsverschiedenheiten Jeder sie doch als selbstverständlich ansieht, niemand wieder an die Spaltung zu denken wagt. Denn die Lage in Deutschland ist so traurig, daß auch die einige Partei der Situation kaum gewachsen ist. Man kennzeichnet die Entwicklung von Nürnberg bis Berlin Vielleicht am besten durch die Konstatierung, daß auf die Richtlinien der Politik und Taktik der geeinigten Partei, namentlich der Parlamentsfraktion, die Einigung wenig Einfluß hatte, daß im wesentlichen die Haltung der früheren Mehrheitspartei fortgesetzt wurde. Wer •gedacht hatte, daß die Stellung der früheren Unabhängigen die Gesamtpartoi auf eine neue Bahn führen ' werde, war im Irrtum. Gewiß, die historische Idee der Unabhängigen, um mit Lasalle zu sprechenwar!ihr Verhältnis zum Kriege und nicht einjfestes! Programm in der Nachkriegszeit. Dennoch war auch später nicht mir ihre Sprache eine andere, sondern auch, wenn auch umgeschrieben, ihre Politik1; 'in ''Nü^freifg hatte 'ijian ■»aber die. künftige Politik1 nicnf'dislcuiiert;' in Berlin liat man' es und ( ^da zeigte es sich, daß' die: ajten! Gegensätze sich sehr" "gewandelt'' nabenl' 'Nicht nur,' daß bedeutende Führer der früheren Unabhängigen jetzt .'gegen die .Op^ositiun! sind, ,es ist deider-so, daßidieso wirklich mehr 'durch/ das! Gefühl der Unzufriedenheit als durch 'klare Losungen gekennzeichnet wird. Mußte ja auch z. Bi PaulLewierklären/daß .auch er\für; den Kampf um die Annahme des Sachverständigengutachtens sei., Das, was, ihn und oMe Opposition laber (bewegt, druckte er " in" 'deW Wb'rfo aus, daß er sich aber von der Annahme des Sachverstand ip^ keine Illusionen nifäche, da$ ''ttäm. ferst 'der 'K^hpf beginne. Keine'Illusionen! Auch 'dies ist ein'wichtiges Eleinentsiin proletarischen •Kam'pf.. iG^rade diedeutsche Partei war von ihnen oft nicht frei. Hoffen wir, daß die deutsche Sozialdemokratie, die die ganze reaktionäre Maffia vor sich und die kommunistische Masse hinter sich hat, ohne Illusionen den schweren Weg zu einstiger Größe, zur Macht finden wird. Im faschistischen Italien hat die Ermordung Matteotis eine tiefe Erregung hervorgerufen. Das Proletariat, das unterdrückte, der Freiheit beraubte, in jedem) Tjun geknebelte Proletariat beweint einen seiner edelsten Führer, der in diesen trostlosen Verhältnissen doch die richtigen Worte zu seinem Herzen fand, doch den Mut hatte, den Feinden entgegenzutreten, einfach dadurch, daß er ihnen die Wahrheit ins Gesicht schleuderte. Darum eben haben ihn die Stützen der Staatsmacht beseitigt. Sie wähnten wohl, daß diese Tat ebenso ohne weiteren Folgen bleiben werde, wie die vielen anderen Gewalttaten, die zuvor systematisch begangsn wurden. Aber die Mordbuben haben sich verrechnet. Die Erregung ist zu tief, die Schande zu offenjbar, als daß über die Tat zur Tagesordnung geschritten werden könnte. Der Häuptling des Fascm^mius, Mussolini hat die A)usiforschung und Bestrafung der Schuldigen ankündigen müssen. Aber noch bevor die Ausgeforschten werden gerichtet werden, ist das System1 selbst gerichtet Freilich, noch ist nicht, zu, beurteilen, wie der Faschismus als diktatorische von Staat und.- Volk aus dieser Affäre sich herausziehen wird. Wird es ihm gelingen, die Wogen der Erregung zu besänftigen? Wird er trotzdem! seine Macht unbeschränkt behaupten? Oder wird er irgendwie sich wandeln, um zu bestehen? Noch ist all dies ungewiß. Aber offenbar^ ist jetzt schon die Ruchlosigkeit dieser Bewegung, die den nationalen Idealismus zur Herrschaft zu bringen versprach und sich nun enthüllt als Bewegung, die von Mordbuben geführt wird. Mag Mussolini die Mörder von sich abschütteln, die unmittelbaren und die ►nittelbaren, die Tat, die verhindern sollte, daß die Korruption der Machthaber entdeckt werde, hat weit mehr enthüllt. .•..-..» Jüdische Durchwanderer in Wien. In den letzteh' jWochen 'sind''\\rir: in Wien Zeugen einer cliaotischen Durchwanderung aus Polen. Hauptsächlich aus ..wirtschaftlichen, ..aber zumi*Teiler auch aus politischen Gründen, ..verlassen» hunderte Juden fluchartig ihre \^olai^ätten i.und j - suchen . eip#n< Weg fais Weite. In Wien: angelangt,] sind, .sie/nic^it nur den [Schikanen der Polizei ausgesetzt, die armen Durchwanderer sind auch ohne jede Hilfe, ohne jeden Schutz. Oft müssen sife:-1 'öbaadhlbs: * und'! '-verhungert ta'gelang herumirren. Einer dieser Verzweifelten hat bereits in den Wellen 'der" Donau'!selrieni' ilLeben! ein fEhde gef macht. Und die jüdische' Bevölkerung *hät noch' immer nicht das Geringste zur Linderung der Not dieser Unglücklichen un^eniomlinen.i.,;,.;, ,,, ,.. .• j t. Wir haben im-, Arbeiterheim. Jeiue .YerSammlung der Durchwanderer eiuberufen..u^^ des G enossen Singer,j ist < ein.-, Hilfskorn^ee .für,,: die, flurohwanderer ins Leben gerufen worden. Es bleibt abzuwarten, welche Unterstützung die verschiedenen jüdischen'1 Parteien und - Institutionen ■ dieseWi! Komitee leisten werden. :!1' "''"-A!it'7 -"'^k''--"'! Es soll aber' bereits jetzt' Vermerkt werden, daß Idie Zionisten sichj 'an'geBlicll-'' 'äti's'1 'politisÖhen1 Rücksichten, von jeder Mitarbeit zu drücken gedenken, :daß dorn „Misiuchi-- aus\ dieser, Aktion Kapital für; seine Partei, .schlagen will, und ./daß die; Agucfo sich sogar erfrecht (•hatjv.die DurQhWanderey auszuplündern. Unserem Genossen-i obliegt-4i#l Eflicht, mM nur im Hilfskomitee mitzuarbeiten, sondern auch die Tätigkeit der anderen strenge zu überwachen. Chochmath-Israel. Warum hetzt die Morgenzeitung gegen den ersten Mai? Warum verstehen zionistische Bankbeamte i» der Morgenzeitung einen Streik zu gewinnen, der für die große Allgemeinheit der Lohnkämpfer nur mit größter Mühe und Entsagung zu beenden ist? Warum ist für die Morgenzeitung die österreichische Sozialdemokratie ein Werkzeug der Reaktion? {Die gewöhnlichen Auslegungsregeln der kapitalistischen Zeitungsindustrie reichen hier nicht aus. Nicht der direkte Sündenlohn des kapitalistischen Soldschreibers, nicht die Beziehungen, nicht die Chancen allein sind es, obwohl indirekt und von allem ein bischen etwas darin steckt. Aber noch ist die Liebe der Morgenzeitung nicht so hoch bezahlt, noch ist der erste Mai kein Konkurrenzunternehmen, das vor der Generalversammlung steht. Und ein Angriff auf den' Gewerkschaftskongreß allein; macht noch nicht regierungsfähig. ( Viel tiefer liegen die Ursachen. Es gibt im Kapitalismus eine gewisse Müßiggängerei, die sich den Luxus erlauben kann, von der Ausbeutung der GefüLleihrer Umwelt zu leben. Das tut nun die Morgenzeitung. Die Wiener Juden, losgerissen vom pulsierenden' Le-> ben der jüdischen Massen, hängen am Judentum mitj.^ jenem dünnen Faden, der so fein in die > zionistische»* Partei hinübergesponnen worden ist und der letzten Endes nichts anderes ist, als der letzte Rest unverfälschten jüdischen Völksgefühls. Dieses Gefühl pun exploitiert die Mörgenzeitung. Sie, die aus dem Zionismus, den Akten, neuerer, jüdischer Geschichte^ für sich' / ein Aktienpaket gemacht hat, schändet das gesunde Ge-' fühl der Juden für Volkszusamntengehörigkeit.! Die Methode der Morgenzeitung ist charakteristisch ' dafür. Nicht mit den Waffen der politischen Leiden- '• sehaft bekämpft sie (die Errungenschaften' des Soziallismus, sondern auf den vielgerühmten jüdischen 'Ver11; standi' sucht sie zu spekulieren: Denn sie kennt; feehf " genau das geheime' Laster des jüdischen Versatndeisy > die Wonrieseligkeit, sich im Besitz der größeren'^Ghoch-1! nie" : zu' spüren. Und die Spekulation gelingt. 'Man!1 ■ b faucht dem dümims ten Juden] nur zu sagen:; y,Du 'bi st» gescheiter als der Arbeiter*'/und er glaubt es wirklich; Es genügt ihm, wenn die Morgenzeitung es ihmsagt.' So wird ' der ' jüdische Verstand geschändet)' das Endergebnis jahrtausendelanger jüdischer" Geschiölite;n Und die Mörgenzeitung gehört zu: den Spektilan-'1 ten, die am Ende selber dran glauben. 'In onanistisbhe!fä . . . ., ' ' ■, . i,.. i . , { •; j .Freude 'wird das Spiel mit dem' jüdischen Verstand1' fortgesetzt," '.ihm eine Selbstbefriedigung dort' vörtäu-'' scheftd, wo nur Schwächung des gesunden' Volksgefulils' eintritt: '"ii:':'!i" ' -^m;- . ■■-■■.i -yui Denn das jüdische Volk war,|ni^ 'lebensfeän'dlibhV^ auch in' den dunkelsten Zeiten'seiner!Gesc'h'icnfe nicht. Jeder Strahl von; Freude und 'Hoffiiüng der Völker'" streifte immer' äüch^ die ' Juden; zu allen 'Zeiten^ Ünd!'' das Weltfest der Arbeit, der erste Mai, ist dem jüdisenein1 ' Volk gleich ^rstMdlich!; ';!li ■ i! 5 i; ' n-'H -^ui..,, I 'Kiffi nur .einein Volk,' das,^^si'ch weni^^ns' .eanp'n Tag lang sagt':' ,',Heute bin'icn, nie^''t-iles'cn^ter,','ßls die andern, heute will ich gleich? seih mit den'ahdfernl''!' Die großen Denker im Judentum1 haben f das verstanden und wo sie es nicht verständen'' hat'das'' ' t-. , 'i * i * -. ... . . Judentum in ihnefai- .^ä*v^rsÖdfenfIwiföBfei Karl Marx, der nicht weniger Jpjei; s jü^isphewi ^ay Pjls die Mörgenzeitung,-, .»,...., ti-»ilf, ].,()-,;,) Und so müsse»!, .i«jir; \ 4«n,;, gpejcolftnt^ '.(a,i>f den jüdischen Ve^tftnd nW' iin7m^r;!wie(Je); ^»^ggn^ten:; Eure Weisheit Israels, ist die Ma|ske> eurer Unwissenheit! hl

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