Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 3 (22.05.1914)
- Date
- 1924-05-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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II V ■■ ■■ Unsere Tribüne Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Ziön, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration:? Wien, II., Blumauergasse l/II Bezugspreis: Vierteljahr.. 6.000 K halbjähr. . . 12.000 „ Einzelne Nummer 1000 Kronen Nr. 3. Wien, 22. Mai 1924. 1. Jahrgang. Eine Provokation der Wiener Arbeiterschaft. Arbeiter blut ist auf der Wiener Ringstraße geflossen. Als die 'soz.-dem. Arbeitersdhaft ihren Protest gegen die Hakenkreuz-Justiz, die die Ermordung eines soz.-dem. Arbeiters mit 100.000 Kr. bestraft, kundgeben wollte, ist-die Wache mit blanker Waffe über sie hergefallen. Alle Ausreden der Polizeidirektionwie z. U. dte, daß sie eine Demonstration;-der Arbeiter gegen das Bundeskanzleramt verhindern wollte, sind Vorlegenheitsges lammeI. Das Polizeiaufgebot gegen die Versammlung vor dem Rathause ist, eine Provokation der Arbeiterschaft. ' i „, •. i Wenn die Herren Frank und Sedjxd der Meinung sind, daß es ihnen durch solche Mittel gelingen wird, die Wiener Arbeiterschaft einzuschüchtern, so werdein sie wohl rocht bald eines besseren belehrt, werden. Die Wiener Arbeiterschaft wird dieser Provokation kampfentschlossen entgegentreten. Die österreichische Arbeiterschaft ist stark genug, um durch ihren politischen Einfluß und durch ihre ■wirt^cihaftliche Macht den Hen-schenden zu Gemüte zu führen, .daß man sich über sie nicht hinwegsetzen kann. » Die Wahlen in Deutschland hohen die .schlirniueu Erwartungen erfüllt. Vor allem ist -tatsächlich der Sieg auf Seiten der Iteutschnationalen nicht abgeblieben. Sie, die Nachfolger der iriiheren Konservativen, die Vertreter des junkerlichen Geistee, die Feinde Äer Republik und Vorkämpfer des hohenziollerischen Eegimea sind mit ihren ca. 100 Abgeordneten in Wirklichst die stärkste Partei des Reichstages. Wie sehr das deutsche Bürgertum sich nach rechts gewendet hat, geht, wn klarsten daraus hervor, daß neben den geringen Verlusten des katholischen Zentrums und dm erhebheheren der demokratischen Partei, die deutsche Volkspartei die größten Eiabussen an Stimmen und Mandaten erlitten hat. Diese ^Partei, die Nachfolgerin der Nationalliberalen, früher *e eigentliche Vertreterin der Bourgeoisie, der noch zu leiten des Görlitaer Parteitages sogar in weiten Kreisen der damaligen Mahxheitasozialdemokratie eine aufrichtige Beziehung zur republikanischen Verfassung nicht zugebilligt •wurde, diese Partei wurde deshalb, weil sie, wenn auch war .zuweilen und auch nur mit halben Herzen den •unpolitischen Verhältnissen Rechnung tjagen wollte, von 4er Bourgeoisie als zu * leicht: gefunden und. von den Deutschfcaüonalen'.ganz auorücikgedi&igt. Angesichts dfeeex Tatsache iet es geringer TVost, daß die ausgesprochenen Anhänger 4er oatioaatao. Diktatur, die Eakenkreuzlex, nicht Kkn Triumpf erlebten, auf den sie hofften. Das deutsche Volk, insoweit, es aioht proletarisch ist, hat in den Wahlen Bich für die Politik des' aähelrasselnden Nationalismus, de» republik- und aebeitezieindiieheh« .H-ohenaollcrntxxnas, für die Reaktion entschieden. Da* Proletariat selbst hat leider auch, natürlich in ^tjpgeögipsetzter .Richtung der Politik der Verzweiflung fcu einem bedeutenden Siege verhelfen. Daß die Hakentreualer auch Axbeiteratimnien bekommen haben, kann nicht geleugnet werden, wenn deren. Zahl auch eine sehr geringe ist »Ins Gewicht fällt jedoch, daß die kommunistische fttrtei aus diesen Wahlen , als große Kassenpartei hervorgeht. Bs wäre beinahe unfaßbar, daß die deutschen Kommunisten, die ihrem Proletariat bisher nichts als Niederlagen bereitet haben, nun doch für diese ihre politischen Erfolge mit dem Siege gekrönt werden. Und doch int es begreiflich; denn große Teile der Arbeiterschaft sind nicht nur wegen der verhängnisvollen Lage Deutschlands, vsondem auch wegen der leider ziemlich oft unglücklichen Politik der deutschen Sozialdemokratie; dem Kommunismus verfallen. Hier hegt die schwerste Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie, daß sie nunmehr, nachdem sie soviel Terrain an die Kommunisten hat abgeben müssen, auf der erhaltenen Grundlage jene Politik treibt, die ihr das 'Vertrauen der Massen wiedergibt. Dies erfordert, aicht nur das Interesse des deutschen Proletariates und Volkes, sondern das internationale Interesse des Sozialismus and Friedens. Ein Schritt hiezu ist getan durch die Wahlen in Frankreich. Was man beinahe für unmöglich gehalten und kaum zu hoffen gewagt hat, ist cingetr?tep. P o i nca r e, der als so selbstverständliches Verhängnis hingenommen wurda, wie der ganze Ja-mmer der Nachkriegszeit, ist noch vor der Beseitigung dieses gestürzt. Die französischen Wahlen haben dem nationalen Block die Mehrheit genommen und damit die Regierung Poincare zur Strecke gebracht. Vielleicht kann man aus der Ferne nicht genau abwägen, inwiefeme zur Niederlage des nationalen Block seine innere und Steuerpolitik einerseits und seine Ruhr und Außenpolitik andererseits beigetragen haben. Wie dorn auch sei, mit der Niederlage des nationalen Blocks, ist ein Bollwerk der internationalen Reaktion, mit dem Verschwinden Poinca-re?' ein Hauptstörenfried der internationalen Verständigung hinweggeräumt. Gewiß werden nicht gleich die pazifistischen ...Baume in den^Hammel wn^hse^^ulfca gewiß ist es'sehine.rzlieh .ciaP. während Frankreich den; extremen Nationalismus ii> die Versenkung schickt, Deutschland ihn auf den Thron hebt. Aber es ist trotz allem Grund zum fräudigen und erleichterten Aufatmen. Der Sieg der Linken wurde nur dadurch ermöglicht, daß die Sozialisten mit den Radikalen für dit Wahlen einen Block geschlossen hatten. Die sozialistische Partei hat hiebei ca. 100 Mandate erlangt und sie darf auf ihren Sieg mit Recht stolz sein. Dies umsomehr, als rxichzeitig — in jeder Beziehung entgegengesetzt zu Deutschland — ihr Erfolg ein Erstarken gegenüber der kommunistischen Partei ist. Freilich liegt hier auch eint* schwere Prüfung für die französischen Sozialisten. Denn sie haben den Sieg nicht ganz aus eigener Kraft errungen und ihre Aufgabe ist es, nun, was sie nicht allein erwarben, selbst zu erhalten. Die französische Partei kann mit umso größerer Zuversicht an diese Aufgabe schreiten, als sie nicht nur dank dem Wahlbündnis Mandate, sondern a'jch dank ihrer Haltung namentlich in den Arbeiterbezirken, mit. Ausnahme von; Paris, erheblich au Stimmen gegenüber den KoTOmuniaten gewonnen hat. Für unsere Presse, Genwmiund,Freunde! „Unsere Xribü^'4 ^t.übet^ mit Freude begrüßt worden. Die Genossen unserer Organisation, wie auch, die JBiuderparteien, der anderen Lander, erachten das Er^heiiaeß unseres Blattes für sehr notwendig. .Sollen wir aber all den* Anforderungen, die an uns herantreten, entsprechen, müssen wir unser Kampforganausgestalten. Wir fordern Euch daher auf: 1. Abonnieret „Unsere Tribüne" und werbet in eurem Bekanntenkreiso lweitere Abonnenten, 2. Traget nach Kräften zw Schaffung eines Preasefondes bei. Wenn ihr uns eure Unterstützung nicht versagen werdet, werden wir wohl bald in der Lage seift „Unsere Tribüne" üu einem würdigen Vorkämpfer unseres Gedankens auszugestalten, Genossen gedenket unserer Presse J Der Verrat der Wiener Zionisten. Der Wahlrechtsraub in der Kultusgemeinde. Wie haben die Herren Zionisten einst die Demokratie in Schutz genommen! Gegen Sowjet-Ungarn und gegöfc Sowjet-Rußland haben ,sk> im Namen der Demokratie form-,, liehe Bannflüche geschleudert. Gegen das Wahlrecht ixi den National rat. daß das progressivste in der Welt ist>, haben sie, weil ihre Partei keine Aussicht ein Mandat zu erreichen hatte, im Namen der Demokratie geschrieben und darob die Sozialdemokraten bescliimpft. Wie haben diese' Herren gegen die Mehrheit in der . Kultusgemeinde die Demokratie in Schutz genommen! Allerdings bevor es dm Herren Plaschkcs, Stricker and Friedmann gegönnt war in die Knltuastube einzuziehen. Immer und überall haben sich die Herren Zionisten mit ,Stiicker an dar Spitze, als die Freiheitskämpfer, ala die Ritter der Demokratie gebürdet. Nun 4st e.s dein Herren durch ilme Prinzipienlosigkeit, durch den Verrat ihres eigenen Prograuimes, gelungen, /au* Macht in der Kultuisstube zu gelangen. Und zusehend; liat isich ihr demokratisches Antlitz bis zur Unkenntlichkeit verändert. Herr Di*. Plasohkes ist einer der ärgsten Scharfmar cher gegen die Beamten und Angestellten der, Kultusgeuieinde geworden, Herr Dr. Friedmann desgleichen. Die Nichtjüdischnätionaleu haben sich in Bescheidenheit zurückgezogen und wenn es gilt, Angestellten notwendige Zuwendungen abzuzwicken, besorgen es die Herren Zionisten mit Hilfe des riihmlichst bekannten Heran Generalsekretärs Fuchsgelb, der als Freamaurer seinen, Hehkerdienst den armen Angestellten gegenüber zurr vollen Zufriedenheit der •■•■Herrn' Zionisten versieht. ' , . - "•. . So schauen die Herreu die' stets von den sozialen Ideen der Bibel faseln, im Lichte der Wirklichkeit ausv Was sie aber vor einiger Zeit in' der Kultusgemeinde verbrochen haben, setzt ihrem bisherigen Wirken vollende; die Krouo auf. \ Sie pflegten sonst zu jammern, daß' ein. so kleiner Teil der jüdischen Bevölkerung Wiens für die Kultusgemeinde Interesse bekundet und Steuer abführt. Nun hat sich in, den letzten zwei Jahren die Zahl der Kultusateuerzahler bedeutend vergrößert. Was tiux nun diese Herren? Statt sich dessen zu freuen, daß weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung Interesse für die Kultusgemeinde gewonnen haben, schließe!*, sie die neuen Steuerzahler vom Wahlrecht aus. E,s wird wohl kaum eine Institution in C^terreich und auch im Auslände ,zu finden sein, in welcher den Steuerzahlern verwehrt sein soll, über die Verwendung und Verwaltung ihrer Gelder miteuent^heiden. Dos. haben aber die Herren dar israelischen Kultusgemeinde in Wi»m zustande gebracht-,, indem sie dem Steuerzahlern, der letzten zwei Jahre da» Wahlrecht entzogen haben,,- Und wenn die Herren Zicoisbe». zu behaupten wagen, daß dieser Wohlrechtasraub gegen, ihron.. Willen beschlossen wurde, entgegnen wir ihnen offen ins Gesicht, daß sie lügen. Ohne ihre Zustimmung, gegen ihren Willen könnte dieser Wahlrecht sraub nioh t^zun^ . Beschlüsse erhoben werden, Di« Herren Zioni- Bten sind es, die die Schmach dea Rückschrittes auf ein« jüdisch« Institution wälzen, sie selbst stoßen die neuen Steuerzahler vor dem Kopf. Sie scheuen die Entscheidung der Wähler, sie vermögen nicht den Geist zu bannen, den sie selbst gerufen haben.. Sollten sich aber die Herren Striekel* und Plaechk*» .vi sier an die jüdischen Wähler heranwagen und Demokrat»» heucheln versuchen, so.werden wir ihnen den schmählichen Verrat an der Demokratie, an der steuerzahlendda jüdischen Bevölkej«uag ins Gesicht schleudern. Samstag» 24. Mal 1924, halb 9 Uhr abends, in der Restauration Sternbadi, XX. GauBplatz 13 PROTEST-VERSAMMLUNG gegen den Wahlredltsraub des Kultus Vorstandes an den Mitgliedern der Kultusgemeinde. tUablverelnlgung für soziale Wlrfsdiaft in der Hultusgemeinde.