Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 1 (20.04.1924)
- Date
- 1924-04-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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mm* Tri&ütte Das politische Körnige iti Londöti. thi zusfetitfteiiharige mit '4.4t Äehdferung rfer Situation in England und in dör zionistischen Politik hat sich in London ein politisches Komitee unserer Partei unter dem Vorsitze des Genossen Kaplanski konsü tuiert. Das Komitee hat bereits in einigen Sitzungen verschiedene aktuelle Fragen behandelt. Wahlen in Tel-Awiw. (Die Wahlen in die Stadtverwaltung «ergaben für die Arbeileriiste rund 43 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Damit verfugt die Arbeiterschaft als größte Fraktion im Stadtrat über 41 Mandate. Chawer. Blumenfeld wurde zum 2. Vorsitzenden des Stadtrates gewählt Reform des Steuersystems, Aufnahme gewisser öffentlicher Arbeiten, soziale Wohnungspolilik sind die Hauptforderungen der Arbeilerfraktion. Laut Beschluß wurde auch ein Vertreter der sechzig arabischea Familien, die Groß-Tel-Awiw bewohnen, in den Stadtrat kooptiert Die Konferenz der Bauarbeiter in Palästina. Vom 4. bis 10. Adar fand in Jerusalem die Konferenz der Bauarbeiter Paliistinas statt. Aus dem Rechenschaftsbericht ist zu ersehen, daß von der Zeit der Gründung des „Büros für öffentliche Arbeiten" bis zur Konferenz folgende Arbeiten zur Ausführung übernommen wurden: 1. Oeffentliehe Arbeiten: a) Chausseen im Auftrage der Palästina-Regierung für 184.000 engl. Pfund; b) Eisenbahnlinien für 15.000 Pfund Straßen und Erdarbeiten in Tel-Awiw, Chaifa, Jerusalem, Tiberias 78.000 Pfund; c) Drainage und Wege in den landwirtschaftliehen Siedlungen 52.000 Pfund,, insgesamt für 329.000 Pfund. 2. Bauarbeiten: a) für die Palästina-Regierung 24.000 Pfund; b) neue Siedlungen und. Einzelhäuser 192.000 Pfund; c) Fabriken, Anstalten, Magazine26.000 Pfund; d) Gebäude und landwirtschaftliche Siedlungen 70.000, insgesamt 312.000 Pfund. Auf der' Tagung wurde dem Merkas das Vertrauen ausgedrückt, ein' Organisationsstatut, sowie eine Reihe von Beschlüssen über die Stellung der Organisation zur organisierten Arbeitergruppe, zu Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern angenommen. Auch gewisse Resolutionen über die Arbeitslosigkeit wurden gefaßt. Die Form des Ueberganges des „Misrad Awodath Ziburijoth" in „Solei Baneh" wurde >bestätigt. Konzert neuer jüdtecher Musik. Am 23. März veranstaltete unsert Arbeiterheim „Boroehiow" im kleinen Konzertnause ein Konzert neuer jüdl? scher Musik. Das' zahlreich vörsammelie Pübifkütt!MÄ' liier Kompositionen jüdischer Musik zu hören, die zum erstenmale in Wien aufgeführt, wurden, Sämtliche Vorführungen würden mit brausendem Applaus von den .Äöhörern aufgenommen. Besonderen Beifall haben Herr: Sttttschewsky für das virtuos gespielte Gellosolo, (Elfc Eli) und Frl. Schwarz für ihren temperamentvollen, mit heller; klingender Stimme gesungenen Perete-Lieder, vertont von Müllner, geernlet. Auch dem KilnsteTquärtett Kolischnaß Herrn Prof. Polacsek wurde reichlich Beifall gespendet Die künstlerische Leitung des Konzertes hatte Herr- Dimitrowski, dem auch volle Anerkennung für die Waht des Programms und der Kräfte gebührt. Vergnügt und (zufrieden verließ das Publikum den Saal mit dem Wunsche einer raschen Wiederholung. Schachsektion „Borochow", Dank der mühsamen Arbeit, dank dem richtigen Verständnis, das die Organisationsleitung entgegenbrachte und dank der kräftigen Unterstützung seitens des Arbeiter-Schachklubs, hat sich eine kleine, lose Gruppe zu einer ansehnlichen Sektion emporgearbeitet. Der ständige Zuwachs neuer Kräfte hat es ermöglicht, in der diesjährigen Spielsaison alle Wettkämpiie - um die Meisterschaft größtenteils mit Erfolg auszulichten. Die« Sektion verfügt derzeit über eine beträchtliche Anzahl bewährter Spieler, die selbst den überlegensten Gegnern gegenüber ihren Mann stellen. Zu erwähnen sei, daß von den bisnun abgehaltenen 9 Meisterschaftswettspielen 53 Punkte erzielt wurden. Unter den Besiegten befinden sich altbewährte Klubs (mitunter Spieler einer höheren Klasse und Kandidaten um die Meisterschaft). Sonntag, den 13. April, fand als Abschluß der Saison der Wettkampf gegen Hakoah statt. Im Rahmen der Sektion durchgeführte Turniere haben die Qualifikation der Mitglieder festgestellt und ihren Spieleifer angeregt. Zur Vertiefung der theoretischen Kenntnisse des Schachspiels werden regelmäßig jeden Montag Kurse unter Leitung der Schachmeister vom Arbeiter-Schachklub geführt. Spieltage und Mitgliederaufnahme jeden Montag, Mittwoch und Freitag abends. Reiche Scliachliteratur steht den Mitgliedern zur Verfügung. F. Die Bibliothek-Woche der Arbeiterbibliothek „B. Borochow". Werte Genossen und' Freunde! Seite 4 Der Abgeordnete von Whitecheapel, Verkehrsmmi- '-ater Gosling, der die Konferenz persönlich begrüßt hat,: wurde mit lebhaftam Beifall aufgenommen; Die Minister Shm'well imd Toms Shaw haben für ihre Abwesenheit um Entschuldigung gebeten. Henderson und Wegdwood>, wie auch der Führer der jüdischen Arbeiter Amerikas, Max Pein, haben die Konferenz schriftlich begrüßt. : Die. Aktion wird sicherlich von großem Erfolg begleitet sein. Die Hitachdut und das Komitee für das arbeitende Palästina in Wien. Seit Monaten bemühen wir uns in Wien, ein Komitee für dae arbeitende Palästina zu schaffen. Die Zeirej-Ziob und der Hechalutz haben ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit erklärt. Die Hitachdut, die sonst den Mund voll nimmt mit ihrer Tätigkeit für Palästina, sabotiert (die Konstituierung des Komitees. Um die Bildung des Komitees zvl erleichtern, haben wir nimmehr die Initiative dem llechalutÄ überlassen. Es sind nun wieder Wochen müßig verstrichen. Wir fordern die sofortige Konstituierung des Komitees. Der Hechalutz möge sich seiner Verantwortung bewußt sein! Aus Palästina. Die Liquidierung der Arbeitslosigkeit Nach den neuesten Berichten aus Palästina gewinnt *s den Anschein, daß die Arbeitslosigkeit der letzten Monate in den nächsten Wochen überwunden sein wird!. In letzter Zeit wurden hunderte Arbeiter von dien Städten In die Kolonien überführt, auch neue Möglichkeiten von öffentlichen Arbeiten zeigen sich, die wiedjer eine Anzahl jüdischer Arbeiter beschäftigen können. Die wichtigste Chance aber, tausende Arbeiter einzustellen, bietet der neue Landwirtschaftszweig des Landes, der Tabakbau. In den letzten zwei Jahrein wurden in Palästina Versuche im Tabakbau gemacht, die sehr gut gelangen. Der Tabakbau ist jetzt sein* populär, man redet vom „Tabakfieber"; alle Kolonien und. Städite werfen sich' auf den Tabakbau, södaß die Gefahr einer Ueberproduktion entsteht, für die der Absatzmarkt fehlt. Jedenfalls ist schon der Absatz von über einer Million Kilogramm gesichert. Die größere Hälfte davon beziehen die zwei Firmen „Maspera" und die türkischfranzösische „Regie Ottomane", über eine Vierleimillion Kilogramm bestellte eine deutsch-jüdische Firma in Galiläa. Gegenwärtig werden noch Unterhandlungen über den Ankauf eines weiteren Quantums von einer halben Million Kilogramm geführt. Es sei bemerkt, daß der Tabakbau auch) noch nach der Hauptsaison ungefähr die, Hälfte aller Arbeitskräfte durch einige Monate hindurch beschäftigt. Zwischen der Hisladruth und der Vereinigung der galiläischen Kolonisten wurde eine Vereinbarung getroffen, laut .welcher bei 2000 Arbeiter zum Tabakbau in Galiläa verwendet werden sollen. Neue Arbeitszweige. Kalkprodnlitloii. In Haifa hat vor-ungefähr einem fahre eine kleine Gruppe einen Versuch damit unler- .njommen. Ungeachtet des Mangels moderner technischer Einrichtungen und eines ausreichenden Marktes gelang ■Mer Versuch, Die Gruppe arbeitete sich in dem neuen, Arbeitszweig ein. Einstweilen arbeiten 10—12 Arbeiter ständig, einen großen Teil dies gewonnenen Kailkes kauft das Amt für öffentliche Arbeilen (Misr. L'aw. Zib.), aber "auch private Unternehmer kaufen immer häufiger bei dier Ginuppe. Immerhin konsumiert noch der jüdische Markt in Haifa allein dreimal so viel Kalk als die Kwuzah erzeugen kann. Mit der Zeit wird die Kalkproduktion in Haifa sowohl wie an anderen, Orilen eine schöne Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigen. Fischerei. In Athlita hat sich eine Gruppe von 12 Mann niedergelassen, die sich der Fischerei widmet. Die Kwuzah kann schon jetzt auf einen großen Erfolg hinweisen, der sich daraus erklärt, daß sie den Fischfang nicht nur wie die arabischen Fischer an der Rüste, sondern auch auf offenem Meer betreibt. Dabei ist es ihr geglückt, auch solche Gattungen von, Fischen, die bisher in Palästina unbekannt oder doch selten 'waren, zu fangen. Untergaliläa schafft Arbeit für 600 bis 800 Arbeiter. Von den Vertretern der landwirtschaftlichen Arbeiterzentrale und der Kolonien wurden die nötigen Vorbereitungen für die Unterbringung neuer 600 bis 800 Arbeiter in Untergaliläa getroffen. 3000 Dmiam y Boden sind in der dortigen Gegend mit Tabak bepflanzt \ worden. Bis zur Ernte werden einige hundert Arbeiler für fünf Monate beschäftigt sein. Das politische Zentralkomitee der Achdut Haawoda. Die letzte Beratung unserer palästinensischen Bruderpartei beschloß, im Zusammenhangemit der neuen politischen Situation aus der Mitte der Parteileitung ein politisches Zentralkomitee, mit dem Sitze in Jerusalem, zu "konstituieren. In das politische Komitee wurden gewählt: Bloch', Ben-Gorjon, Ben-Zwi, Tabenkin, Jabneeli, Katzenelsohn und Schweiger. Die Jahresbilanz des „Hamaschbir". Der „Hamaschbir" veröffentlicht seine Bilanz für das abgelaufene Jahr. Sie schließt mit einem Reingewinn von 2021 ägyptischen Pfunden. . Die zentrale Arbeiterbibliothek. In der zentralen Arbeiterbibliothek befinden sich 33.440 Bücher. Sie hat 86 Abteilungen in allen Städten, und Kolonien Palästinas. Aus unserer Organisation. Abendkurse für jüdische Arbeiter. Am 1. April wurde das Wintersemester unserer Abendkurse für jüdische Arbeiter geschlossen. Die Beteiligung war heuer eine befriedigende. Alle Kurse (Analphabeten, Deutsch I und II, Hebräisch I und II, Jiddisch, Englisch I und II, Buchhaltung u. a.) wiesen einen größeren Besuch als im. Vorjahre auf. Lehrer und Schüler*--sind mit dem Erfolge zufrieden. Wir werden uns bemühen, auch während dos Sommers Kurse, besonders Exkursionen, zu veranstalten. Jüdische Arbeiterbibliothek Borochow; Gegründet im Dezember 1922 durch eine reichhaltige Spende des amerikanischen Peoples Relief, hat sich diese Institution im Laufe ihres Bestandes schön entwickelt. Ausgestattet mit den neuesten Werken jiddischer und fremder Literatur, bietet sie dem jüdischen Leser die beste Lektüre. Von unseren alten Klassikern Mendele, Scholem Aleichem, Perez und Asch bis zu Markisch, Lajwik und Bergelson, alles findet hier der eifrige Leser. Reichhaltig ist auch die fremde Literatur vertreten. (Tagore, Dostojewskij, Nictsche, France und andere.) Die besonders günstigen Abonnementsbedingungeiu(K 3000 Einschreibegebühr und K 2000 Monatsbeitrag), ermöglichen selbst den unbemittelten Leser den Beitritt. Mit Genugtuung verzeichnen wir, daß die Zahl der Abonnenten stets zunimmt. Die Verwaltung konnte bisher nur auf die Anschaffung von Büchern in jiddischer Sprache bedacht sein, jetzt beabsichtigt sie, dem Wunsche der Mitglieder Rechnung tragend, auch eine deutsche Abteilung, ins Leben zu rufen. Die Bibliothek ist allen jüdischen Arbeitern und Angestellten, ohne Unterschied der Partei, zugänglich. Wir forclern alle unsere Freunde auf, durch zahlreichen Beitritt and Bücherspenden, die Bibliothek zu fördern. Anmeldungen Mittwoch und Samstag von 7 bis 8 Uhr abends. Unsere jüdische Bibliothek verfügt bereits über di© wichtigsten Werke der jiddisj^en Literatur. Nun ist die Schaffung einer deutschen Abteilung unserer Bibliothek aktuell geworden, Hunderle jüdischer Arbeiter, unsere? Leser, verlangen von uns Bücher in deutscher Sprache. Wir sind verpflichtet, ihren Wunsch zu. erfüllen. Wir haben bereits Vorbereitungen getroffen, um die Eröffnung der deutschen Abteilung unserer Bibliothek ehestens ermöglichen zu können. Wir bedürfen der kräfti» gen Unterstützung unserer .Genossen und Freunde, un* dieses Vorhaben zu verwirklichen. In der Zeit vom 20. bis 26. April (Pessach) veranstalten wir eine ItibUothek-Wothe verbunden mit einer Bücher-Aus Stellung und Bücher-Lotterie. Der volle Reinertrag ist für die Bibliothek bestimmt. Werte Genossen! Jeder von Ihnen hat gewiß au*-' gelesene, entbehrliche Bücher, von welchen er keinen Gebrauch macht. Schenken Sie diese unserer Bibliothjek! Unterstützen Sie unsere Aktion, werben Sie in Ihrem Bekanntenkreise für die Ausgestaltung der Bibliothek! Die Leitung der Arbeiterbibliothek „B. Borochow**. Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation POALE ZION, Wien, iL, Blumauergasse 1|U. Die Ausstellung jiddischer und deutscher Bücher ist ab Montag, 21. bis Samstag, 26. April, täglich ab 4 Uhr* nachmittags geöffnet. Freie Besichtigung. Kein Kaufzwaaag. Wir bringen unseren Genossen und Genossinnen da,s Programm unserer 1.-Mai-Feier zur Kenntnis: I. Um halb 9 Uhr vormittags versammeln, sich alle Genossen im Arbeiterheim Borochow und schließen sich dem Zuge des II. Bezirke^ aln. Um 8 Uhr abends veiranstalten wir ini Lokale der Jüdischen Bühne eine große Akademie mit reichhaltigem Programm. — Musikalische Leitung: Professor Dimitrowski. —, Billige Karten im Pa/rteisekretariat erhältlich. Die Presse aller Landesparteien ist in unserem Sekretariate zu haben. Im Reahtsschutzbüro für jüdische Arbeiter und Angestellte (IL, Blumauergasso 1) wird jeden Mittwoch von 7 bis 9 Uhr abends amtiert. Infolge lechjiiscüiT Schwierigkeiten erschleint die erste Kummer unserer Zeilsehrilt verspätet. Die nacbaltfv Nummer erscheint am 30. April. Die Redafcltoa. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlich«*- Redakteur:'Dr. Rudolf Glanz, XVIII., Weimarerstraße 191/10. - Druck: „Adria" Wien, II., Tabörstraße 52B.