Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Professor Salomon Kalischer
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
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seinem Tode segensreich gewirkt. Von seinem Vorgänger Philippson hatte er gewissermaßen als Vermächtnis die Aufgabe überkommen, den Bund zu einer öffentlich rechtlichen Vertretung des deutschen Judentums auszugestalten, und alle seine Bestrebungen waren auf dieses Ziel gerichtet. Als die Weimarer Verfassung durch Artikel 137 die Möglichkeit gab, eine öffentlich rechtliche Gesamtorganisation des deutschen Judentums zu schaffen, hat er sofort mit größter Tatkraft alle Schritte in die Wege geleitet, die der Verwirklichung dieses hohen Zieles dienen konnten. Das Ergebnis war der denkwürdige Gemeindetag vom 2 3. Januar 1921. Zum ersten Male in der neuern Geschichte des Judentums fanden sich alle sonst sich heftig befehdende Richtungen in dem Wunsche zusammen, ein Werk der Einheit zustande zu bringen, das den Fortbestand des deutschen Judentums sichern sollte. Das große Einigungswerk gelang. Für Kalischer bedeutete dies den Höhepunkt und die Krönung seines Wirkens. Umso größer war sein Schmerz, als sich bei der Fortführung der Arbeiten Schwierigkeiten herausstellten, und namentlich partikularistische Strömungen sich vordrängten. Die Gesamtorganisation mußte zurückgestellt werden, bis der Aufbau der Landesverbände vollendet war. Die Enttäuschung über diese Wendung der Dinge hat Kalischer schwer verwinden können, aber mit gesundem Optimismus hat er den Gedanken festgehalten, daß das Endziel nur eine Einigung gemäß den Beschlüssen des Gemeindetages vom 21. 1. 21. sein dürfe. Und in der Tat ist die Reichsorganisation auf dem Marsch und die Beschlüsse des Gemeindetages werden ihre Grundlage bilden müssen. Zu dem Gesamtarchiv ist Kalischer schon vor seinem Eintritt in den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund dadurch in Beziehungen getreten, daß er als Vertreter der jüdischen Gemeinde Berlins in das Kuratorium delegiert wurde. Nach dem Tode Philippsons wurde ihm der Vorsitz im Kuratorium übertragen. Das Institut über die Nöte der Kriegs- und Inflationszeit hinaus zu erhalten, war im wesentlichen das Verdienst Kalischers. Die Wurzeln seiner Kraft, mit der Kalischer bis ins Greisenall er hinein wissenschaftlich und gemeinnützig wirken konnte, ruhten in einem wahrhaft harmonischen Familienleben. Waren ihm auch hier schwere Schicksalsschläge nicht erspart geblieben, so hatte er das Glück, in seiner Tochter eine verständnisvolle Genossin zu haben, die in seinem Hause alle Geschicke mit ihm teile. Und unvergeßlich wird für alle Teilnehmer bei der Abschiednahme von dem Verstorbenen die ergreifende Todtenklage seines Sohnes bleiben. Ul