Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Professor Salomon Kalischer
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mehr hat er in viel beachteten Aufsätzen in Fachzeitschriften niedergelegt. Er gehörte zu den ersten Vorkämpfern der elektromagnetischen Theorie des Lichts in Deutschland. Vor allem müssen Kalischer seine Bestrebungen, die naturwissenschaftlichen Leistungen Goethes der gebildeten Welt näher zu bringen, als hohes Verdienst um die deutsche Kultur angerechnet werden. Hierhin gehört die Herausgabe ■der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes in der großen Hempelschen Ausgabe, sein „Goethe als Naturforscher" in Bielschowskys .„Goethe" und die von ihm besorgte Ausgabe der Goetheschen Farbenlehre in der großen Weimarer Sophienausgabe. Berühmt ist namentlich seine Fehde, die er schon in jungen Jahren mit Du Bois- Reymond gehabt und ihn zu einer damals Aufsehen erregenden Abhandlung: „Goethe als Naturforscher und Herr Du Bois-Reymond als ^ein Kritiker, eine Antikritik" veranlaßt hat Aber getreu seinen Ahnen und im Geiste seines Elternhauses nahm Kalischer vor allem Anteil an den Problem des Judentums. Zahlreich sind seine feingeschliffenen und gedankenreichen Artikel «ber jüdische Fragen, wie sie nach Zeit und Gelegenheit in jüdischen Wochen- und Monatsschriften erschienen sind. Am bekanntesten ist seine Abhandlung: „Die Wertschätzung der Arbeit in Bibel und Talmud" (in der Festschrift zu Hermann Cohens 70-ten Geburtstag). Vor allem war sein ganzes öffentliches Wirken, zu dem er durch seine rednerische Begabung hervorragend prädestiniert war, dem Dienste des Judentums geweiht. Er war viele Jahre Repräsentant in der Berliner Synagogengemeinde und führendes Mitglied der liberalen Fraktion. Mit ganz besonderer Liebe hat er sich bis zum letzten Augenblick als Vorstandsmitglied der Synagoge Fasanenstraße, deren Ritus seiner liberalen Auffassung entsprach, betätigt. Als zunehmende JCränklichkeit Martin Philippson zwang, das Präsidium des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes niederzulegen, richteten sich aller Augen auf Salomon Kalischer. Kein anderer erschien wie er geeignet, die Führung des Bundes zu übernehmen, Kalischer stand damals bereits im 67. Lebensjahre, einem Alter, wo andere Männer sich von öffentlichen Ämtern zurückzuziehen pflegen, war aber geistig und körperlich noch so frisch wie ein Fünfziger. Was ihn bewog, dem Rufe Folge zu leisten, hat er bei der Übernahme des Präsidiums am i3. Oktober 1912 mit dem Spruche unserer Weisen ausgeführt: „Es liegt dir nicht ob, das Werk zu vollenden, aber du hast auch nicht die Freiheit, dich ihm zu entziehen." Als geschäftsführender Vorsitzender des D. I. G. B. hat er bis zu 110