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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1926-01-01 · 6 (1926) · p. Seite 105

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
6 (1926)
Article
Ludwig Geiger
Date
1926-01-01
Page
Seite 105 (sequence 2)
Language
German
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schaftliche Tätigkeit erfüllte, hat sich Ludwig Geiger dieser Aufgabe hingegeben. Wenn auch seine vielseitigen Studien ihn zeitweise in ganz andere Gebiete führten, so bewahrte er doch während seiner langen wissenschaftlichen Laufbahn der Liebe zur jüdischen Geschichte die Treue. Vorwiegend hat er sich um die Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland und ihres geistigen Lebens während der letzten Jahrhunderte bemüht. Zum zweihundertjährigen Bestehen der Berliner Gemeinde verfaßte er 1871 die „Geschichte der Juden in Berlin,,5 deren zweiter Band mit seinen zahlreichen Mitteilungen aus Quellen und Urkunden ihn mitten in die archivalische Arbeit hineinführte. Diesem Aufgabenkreis hat er dauernd das Interesse bewahrt. Er verfolgte weiter das geistige Leben der Berliner Juden, wobei „die Darstellung Mendelssohns und der Seinen, die Skizzierung der Periode, in die Juden an der Fortbildung deutscher Literatur und Wissenschaft Anteil hatten, einen breiten Platz einnahmen". Zahlreiche Veröffentlichungen handschriftlichen Materials förderten die genauere Kenntnis der Persönlichkeit Moses Mendelssohns und der Bestrebungen seines Kreises, der Romantiker jüdischer Abkunft, sowie jüdischer Dichter und Gelehrter späterer Jahrzehnte. Die letzten Jahre seines Lebens widmete Geiger besonders der vielseitigen Persönlichkeit von Leopold Zunz, eine große Anzahl unbekannter Nachrichten über ihn wurde veröffentlicht und eine starke Sammlung inhaltsreicher, intimer Briefe zur Herausgabe vorbereitet. Die jüdische Geschichtsforschung ist Ludwig Geiger dafür zu unauslöschlichem Dank verpflichtet, daß er in nimmermüder Geduld und wissenschaftlicher Gründlichkeit von überall her, wo er las und arbeitete, kleine und große Bausteine zur Kulturgeschichte der Juden zusammentrug. Sie ist ihm besonders dafür verpflichtet, daß er sein Material niemals kritiklos wiedergab, sondern stets in größeren Zusammenhängen zu verarbeiten bemüht war. Besonderer Dank gebührt ihm für die vortreffliche Leitung der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland", von der leider nur 5 Bände erschienen sind (Braunschweig 1887—1892), die aber in den Studien zur Geschichte der Juden in Deutschland stets einen ehrenvollen Platz behaupten wird; abgesehen von dem reichen Inhalt an geschichtlichem Quellenmaterial, bietet sie — und das ist das besondere Verdienst des Herausgebers — eine Fülle von Nachrichten und Literaturhinweisen, die dem Forscher von unschätzbarem Werte sind. 105

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