Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Der Oberlandesälteste Jacob Moses
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 21)
- Language
- German
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selbst diese Ablehnung ehrenvoll; denn das Generaldirektorium führte aus, daß von der allgemeinen Verordnung keine Ausnahme gemacht werden könne, „dafern Sr. Königlichen Majestät nicht aus höchsteigener Bewegung und Gnade in Rücksicht auf seine Rechtschaffenheit, welche beständig in allen Vorfällen an ihm erfunden worden und weshalb Höchstdieselben ihn mit einem Generalschutzprivilegio begnadet haben, daßelbe auf Königsberg in Preußen wiederherzustellen geruhen jsolten,\ Ohne eine Entschädigung dafür anzunehmen, 1 diente Moses als Oberlandesältester 17 Jahre lang dem Staate und seinen Glaubensgenossen. Daneben ging sein humanitäres Wirken, sein Liebeswerk an jedem in Not befindlichen, sei es Jude, sei es Christ, einher. Zahlreiche Familien verdankten ihm Rettung aus Kummer und Bedrängnis, Witwen und Waisen war er hilfreicher Annehmer und Vormund. Sein Streben, Gutes zu tun, führte ihn dazu, nicht über sich zu sehen, um andere zu beneiden oder ihnen in Wohlleben oder Ehrgeiz gleich zu tun, sondern unter sich zu schauen, um Not und Elend zu lindern. Er selber lebte in „häuslicher Eingeschränktheit", während er ein Drittel seines Vermögens für andere opferte. „Eine Reihe der menschenfreundlichsten, edelsten, ganz um ihrer selbst willen ohne allen Anspruch auf Belohnung oder Lob und nicht selten mit den bedeutendsten Aufopferungen ausgeübten Handlungen und häuslichen Tugenden bezeichnet seinen Lebensweg". In treuer Pflichterfüllung und in liebevollem Wirken (Gemiluth Cheßed) fand er seine Zufriep denheit, in der Anerkennung seitens der Behörden sein Glück. Alte ehrenden Zeügnisse, die ihm von diesen ausgestellt wurden, alle Dankschreiben, besonders wenn sie ihm von nicht jüdischer Seite ziugingen, hob er sorgfältig auf, um seine Kinder und Nachkommen anzuspornen, in des Vaters und Ahnen Fußstapfen zu treten. Im 69. Lebensjahre bat Jacob infolge seines Alters um Entlassung aus dem Amte. In seinem Gesuche, dem er verschiedene Zeugnisse beilegte, gab er „das Resultat einer getreuen Prüfung seinerr J) Das Gleiche war bei Moses Lewin Gumperts und Veitel Ephraim der Fall gewesen. Dagegen hatte Marcus Magnus, wie Jacob Moses in seinem Abschiedsgesuche hervorhebt, eine Entschädigung aus der Kgl. Schatulle und von der Judenschaf t ei» jährliches Gehalt vom 3oo Tl. bezogen. Daß Moses von den ihm seitens der Gemeinde 1780 gestifteten Fonds von 1000 Tl. persönlich Gebrauch machte, ist wenig wahrscheinlich. Er hätte sonst im Abschiedsgesuch darauf hingewiesen. Die weitere Quellenerschließung wird vielleicht ergeben, zu welchem wohltätigen Zwecke er die Zinsen bestimmte. Die Wiedergabe des Protokolls bei Geiger II, 145 ist ungenau. 3 33