Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Der Oberlandesälteste Jacob Moses
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 3)
- Language
- German
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was ihm allgemeine Hochschätzung gewann. Sein Privatleben war eben so musterhaft. Eine Reihe der menschenfreundlichsten, edelsten, ganz um ihrer selbst willen ohne allen Anspruch auf Belohnung oder Lob und nicht selten mit den bedeu-. leudsten Aufopferungen von demselben ausgeübter Handlungen und häuslicher Tugenden bezeichnet seinen Lebensweg, und das vorzügliche, gnädigste Wohlwollen und Zutrauen, das derselbe von Sr. Maj. dem jetzt regierenden Könige und seinen höchstseligen Vorfahren glorreichen Andenkens sowohl als von den Königl. Dikasterien und hohen Staatsbeamten bei vielen Vorfällen zu genießen das Glück hatte, sind nicht minder vollgültige, ehrenvolle Zeugnisse seines anerkannten, musterhaften Lebenswandels. Nur wenige nahmen auch noch ein so verdientes allgemeines, inniges Bedauren mit sich ins Grab und errichteten sich ein würdigeres, bleibenderes Denkmal in dem Herzen aller rechtlichen Menschen!" Ist es nicht merkwürdig, daß in den Streitschriften, die für die Emanzipation der Juden im Ausgang des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurden, wohl auf den gelehrten Moses Mendelssohn, aber nicht auf den durch Rechtlichkeit und Menschenadel ausgezeichneten Jacob Moses hingewiesen wurde, ja daß dessen humanitäre Tätigkeit im Laufe des 19. Jahrhunderts ganz der Vergessenheit anheimfiel? Nur die öffentliche Amtsführung des Mannes ist von Ludwig Geiger mit ein paar Worten gestreift worden, indem er darauf hinwies, daß Jacob Moses „bei Hofe in großem Ansehen stand und durch Jahrzehnte lange redliche Verwaltung des Amtes eines Ältesten und Oberlandesältesten sich um die Gemeinde große Verdienste erwarb". 1 Diese Angabe hat Geiger sogar dokumentarisch belegt, aber wie so vieles andere in seiner Materialiensammlung zur Geschichte der Berliner Juden 2 eingesargt, sodaß selbst Jacob Moses Tätigkeit für seine Gemeinde der Gegenwart so gut wie unbekannt blieb. Als ich sein Ölporträt 3 1920 in die zweite Ausstellung der Kunstsammlung der Berliner jüdischen Gemeinde aufnahm, blieb das Bild des verdienstvollen Mannes völlig unbeachtet. Ich mußte die Berliner erst auf Geschichte der Juden in Berlin (1871) I,io3. 2) Geschichte II,i45. Siehe auch 11,67. Vor Geiger wird Jacob Moses erwähnt von Jolowicz, Gesch. d. Juden in Königsberg i/Pr. (1867), Sio5 (Gcncralschutzprivileg v. 26. Dez. 1786) und nach Geiger von Lewin in Monatsschrift f. Gesch. u. Wiss. d. Jdt. iQiß, S. 577-578 (Hinweis auf Kgl. Dankschreiben in den Jahrbüchern der preuß. Monarchie 1798). Wer des Hebräischen kundig ist, konnte auch bei Landshuth, Toledoth ansehe ha-schem (188/i), S. 6/j eine versteckte Notiz über Jacob Moses finden. 3) Eine Reproduktion ist diesem Aufsatze beigefügt. Das Originalbild wurde 1875 von A. E. Mossner, einem Enkel des Jacob Moses, der Berliner jüdischen Gemeinde geschenkt. 16