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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1914-01-01 · 5 (1914) · p. Seite 70

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
5 (1914)
Article
Das Erfurter Judenbuch
Date
1914-01-01
Page
Seite 70 (sequence 69)
Language
German
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— 70 — die hoibet venster langen.1 So en sulde ouch dieheyn Jude zcu Erfforte wonen, der nicht burger were, es ivere danne daz er andim Juden dinte. Hirumme so hisen unse kern der rad die parnosen2 und schusser3 der Juden daz sie uff oren eyt sulden beschrieben geben alle die Juden, die zcu Erfforte burger und burgers hint weren und die zcwelf jare alt und darobir weren* Daz gabin siebeschriben, daz dise nach geschriben Juden bürgere und burgers hint weren. 1 Schon im 4. Laterankonzil von 1215 wird als Abschliessungsmassregel eine besondere Kleidertracht für die Juden verordnet (Aronius nr. 395). Doch wurde sie im Frühmittelalter selbst in geistlichen Gebieten nicht streng beachtet. Noch 1294 gewährt der Mainzer Erzb. Gerhard II. den Erfurter Juden Befreiung von gewissen Abzeichen auf drei Jahre (Erf. Ukb. I nr. 436). Erst nach dem schwarzen Tode sieht man auf strenge Durchführung. Darauf bezügliche Statuten des Erf. Eates sind bekannt durch Kirchhoff S. 294 u. Jaraczewsky, Geschichte der Juden in Erfurt S. 37 aus Millwitz Bl. 1002 (1366 u. 1373). Seitdem König Wenzel Anfang 1386 verschiedentlich die Städte zur Beobachtung der Verordnungen über die Judentracht aufgefordert hatte, bildeten sie auf den Städtetagen den Gegenstand der Beratungen (Süssmann S. 89 Anm. 4; für Basel Ginsburger in Basler Zs. VIII S. 391). Die Stiefeln sollten an Stelle der sonst üblichen Holzschuhe (sotulares, quod vocaiur bozschuch Bibrabüchlein II nr. 174, Kirchhoff S. 102 vgl. S. 81 Anm. 180) treten; so legt wenigstens der Eisenacher Stadtschreiber einen ähnlichen Erlass aus (Stobbe S. 176). Das Tragen des Holzschuhes galt als Luxus; vgl. Güdemann Erziehungswesen d. Juden III S. 267 ff. Die obengenannten „kogeln" (in hebräischen Quellen „kappa" genannt; vgl. Berliner, A. d. Leben der deutschen Juden i. Mittelalter S. 66) waren „Kapuzen, die sich vom Rückenstück des Mantels in Form von Mützen über den Kopf ziehen liessenu (Kirchhoff S. 294). Die Mittelfigur der Abbildung in Tafel 30 des 2. Teiles des Hefner-Alteneckschen Werkes über die Trachten des christlichen Mittelalters zeigt uns einen Mann mit einer solchen zurückgeschlagenen Kogel. Zwischen ihr und ihrer sonst üblichen Tracht hatten sie die Wahl. Diesen spitzen Erfurter Judenhut hat das um 1360 geschaffene Gemälde der Kreuzigung in der Erfurter Predigerkirche (Chor, Aussenwand des Chorschrankenbaus) im Bilde festgehalten. Juden bilden hier mit ihren lichten Spitz- und Türmchenhüten einen Teii der Zuschauer (Overmann. D. älteren Kunstdenkmäler Erfurts [1912] Doppeltafel 6 u. 7 nr. 287 S. 281). Dieselbe Tracht findet sich auch in den Miniaturen einer Machsor-Handschrift der Universitätsbibliothek Leipzig (Hefner-Alteneck a. a. 0. 1. Teil Tfl. 86). Beide Hutformen auf derselben Darstellung bietet der Bilderschmuck zur Schilderung der Judenabordnung auf dem Konstanzer Konzil in der Chronik Ulrichs von Richendal. In dieser nach dem Vorbilde des Hochzeitszuges (vgl. den Trauhimmel der Abbildung) entworfenen Zeichnung haben die vorderen Personen breite Kapuzen, die Gestalten des Hintergrundes aber den bekannten Spitzhut auf (a. a. 0. 2. Teil, Tafel 23). 2 Ueber die finanzpolitische Bedeutung dieses Amtes siehe Einleitung S. 15. 3 Schusser, mit Geschoss, Steuerabgabe zusammenhängend, soviel wie Steuereinnehmer. 4 Also die nach jüdischem Gesetze volljährigen Personen. Die Grossjährigkeit tritt nach ihm bei Männern mit vollendetem 13., bei Frauen mit vollendetem 12. Lebensjahre ein. Je nachdem man nun die letzteren mit in die Erlasse bezog, werden die Altersgrenzen für die Besteuerung verschieden angegeben. Damit entfallen Kirchhoffs Einwände S. 295 Anm. 4 gegen die Ausführungen Stobbes S. 31.

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