Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1914)
- Article
- Das Erfurter Judenbuch
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 36)
- Language
- German
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— 37 — Bl. IT Senewel et Löser 1 de Dornburg XXIIII taln. David de Arnstete VIII taln. dedit. Sara de Dornburg2 et Moyses sororius eiusz VIII taln. dedit. Libecke de Merseburg X taln. dedit. Meyger et Gerson, fratres, de Nornberg, dant V taln. dederunt V taln. de curia zu der Hemelpforten.4 Meyger de Nornberg de domo, quam Loser habet, X taln.5 Communitas Judeorum dederunt VI mar. de scola et IUI mar. de frigido balneo et XVI taln. de domo quondam Loseri de Legenicz.* 1 et Loser auf der folgenden Zeile. 2 Offenbar irrig für Nornberg, vgl. Bl. 22' und 27. 3 et bis eiics auf der nächsten Zeile nachgetragen. 4 Hemelpforten über der Zeile. Kirchhoff, S. 291 identifiziert es mit dem Hause „zum Falkensteinu (Michaelisstrasse nr. 44), doch stammt nach gütiger Auskunft des Herrn Prof. Overmann-Erfurt der heutige Bau aus dem 19. Jahrhundert. Am 30. Juli 1370 wurde dieses ehemals Heinrich von Mannestete gehörige Haus von Meyer, seiner Frau Golde, seinem Bruder Gerson und dessen Sohn Susman dem Eate für 250 Pfund Erf. Pfennige und einen jährlichen Zins von 10 Pfund zum unbeschränkten Besitz für ihre Lebenszeit abgekauft. Nach ihrem Tode sollte es wieder an den Rat fallen. (Erf. Ukb. II nr. 650). Jaraczewsky S. 36 und Beyer a, a. O schreiben, Miiwitz, Familienbuch Bl. 1012 (Ms. i. Erf. St. A.) folgend, fehlerhaft Seide und Soldin statt Golde, vgl. hierzu in diesem Buche Bl. 39. 5 Durchstrichen. 6 Die Eintragsstelle im Judenbuche Bl. 9' — Nachbarschaft von Schule und Bad — lässt vermuten, dass dieses Haus schon vor 1349 Gemeindezwecken diente. Loser von Liegnitz liess es auf seine Kosten instand setzen, mietete es 1367 auf Lebenszeit mit allen Rechten (Bl. 14) und überliess es 1370 der Gemeinde, nachdem er selber in die frühere Wohnung des Meister Libermann übergesiedelt war, die er gleichfalls ad tempora vite erwarb (Bl. 16,16', 17'). Von nun an zinst die Gemeinde von ihm als der „domus quondam Loseri de Legenicz" (Bl. 17') oder domus olim Losers dePolen66 (BL 27, 30, 34') 1372—80. Der Zins ist derselbe, den schon Loser selbst zahlte (Bl. 14), nämlich 16 tal. Es sind darum auch Loser von Liegnitz und Loser von Polen eine Person, was ausser dem Ausgeführten noch aus folgendem hervorgeht: 1. der Hauszins beträgt bei beiden Judennamen dauernd 12 tal. 2. der eine Hausnachbar bleibt ständig der gleiche (Schalim von Brunow, Bl. 39' dessen Sohn Ebrusch), 3. das amtliche Juden Verzeichnis der Gemeindevorsteher von 1389 enthält nur einen der beiden Namen (Loser von Polen, Bl. 46). Ob die schlesischen Lande damals noch in Thüringen als polnisch empfunden wurden oder ob Liegnitz nur die Durchgangsstelle für diesen Mann war, kann auf Grund dieser Angaben nicht entschieden werden. Das Haus fehlt im nächsten Register von 1383 unter den (allerdings durchstrichenen) Gemeindezinsen BL 42. Yon 1386 ab (Bl. 44 zuerst) erscheint als ständiger Posten unter ihnen wieder der Zins von 16 tal. für das Tanzhaus oder domus tripudialis, in dem wir also die instandgesetzte frühere domus, vielleicht die ehemalige domus tripudialis der 2. Judensiedlung vor 1349, erblicken dürfen. Auch Kirchhoff (Erfurt i. 13. Jahrhundert S. 148 Anm. 25) vermutet auf Grund anderer topographischer Erwägungen das gleiche hohe Alter für dieses Gebäude.