Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1914)
- Article
- Das Erfurter Judenbuch
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2821022-2821031-2821841--0759-2821873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 19 — chronik vor dem Moritztore lag,1 wird erst 1386 und 1389 eine Gemeindeabgabe von 1/2 tal. erwähnt, während vorher der sechsfache Betrag von einer Jüdin geleistet wird.2 Auch von einer in der Nähe des Brunnens3 gelegenen Baufläche eines beim Jüdensturm vernichteten Hauses wird s^ gezahlt.4 Nur beiläufig zur näheren Bestimmung anderer Häuser werden genannt: die wohl durch ihre Lage der Judengemeinde zuzuweisende Abortanlage (necessarium, gemach),5 das Backhaus (pistrinum)6 und die Frauenschule (jrouvnnschule).7 Gar keine Erwähnung findet das in den Chroniken genannte Hospital.8 Ein grosser Teil der näher bezeichneten Privathäuser wird durch seine Lage am Flusse, in einer bestimmten Strasse oder durch die Angabe des gegenwärtigen oder einstigen Eigentümers oder Mieters kenntlich gemacht.9 Von wenigen werden Hausmarken angegeben. Folgende Namen überliefert das Judenbuch: Paradies,10 Blaufuchs, grosser Keller, Krähenberg, Esel, Himmelspforte, Hollunder, Lateram(?), Kömer, Rosenkranz, schwarzes Ross,11 Schiff,12 Strauss,13 Weinrebe. Von ihnen sind jedoch nur Paradies, Himmelspforte und Schiff als ständig gebrauchte Bezeichnungen nachweisbar. 1 ante valvam Sancti Mauricii (Moniim. Erphesfurt. S. 380). 2 Bl. 44, 47' und 34, 40'. Dieser an sich schon grosse "Widerspruch wird noch durch die Angabe vergrössert, dass die 1375 erfolgte Friedhofsvergrösserung allein der Gemeinde einen neuen Census von jährlich 5 tal. auferlegte (Erf. Ukb. II nr. 763). 3 Ein solcher Brunnen wird auch für Nordhausen und Nürnberg erwähnt. In Nordhausen war der puieus Judeorum durch ein einfaches Gewölbe überdeckt (Zs. d. Harzvereins XXXIV S. 521). Für Nürnberg vgl. Stern, Die isr. Bevölkerung III S. 129 und den hier häufigen Judennamen „am Brunnen". 4 Bl. 44. 5 Bl. 66' und 67. 6 Bl. 66, 67. 7 Bl. 66. 8 So bei Hogel (Ms. im Erfurter Stadtarchiv) Bl. 203: „Zugleich stund unten, da man von Mühlhofe auf die Judenschule steigen wollte, auf den Stufen ein Judenhospital." Nichts hiermit zu tun hat das hospitale, dessen magister Bl. 34' genannt wird, da es sich um das Martinshospital handelt (vgl. die dortige Anmerkung). 9 Vgl. das Verzeichnis B IV. 10 Nicht zu verwechseln mit dem Bürgerhaus „zum Paradies", in dem 1395 Herzog Friedrich von Braunschweig Herberge nimmt (Erf. Ukb. II nr. 1075). 11 Aehnlich „roter Löwe" und „weisser Wolf" (a. a. 0. nr. 555, 817). 12 Eine curia dicta „zcume schefichen" wird schon 1317 erwähnt (a. a. 0. I nr. 595). 13 Das hospitium habitationis eines päpstlichen Nuntius heisst 1377 „czu dem strusze" (a. a. 0. II nr. 787). 2*