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Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden · 1911-01-01 · 3 (1911-1912) · p. Seite 57

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Journal
Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
Volume
3 (1911-1912)
Article
Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden
Date
1911-01-01
Page
Seite 57 (sequence 3)
Language
German
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— 57 — bau und in seiner Tätigkeit seine Ziele erreichen werde und übermittelte allen, die am Werke mithalfen, den Dank der staatlichen Archivvei waltung. Den Beschluss machte Geh. Justizrat Timendorfer als Vertretei des Vorstands der Berliner jüdischen Gemeinde, in dessen Namen er die Versicheiung gab, dass der Vorstand die materielle und ideelle Förderung des Gesamtarchivs nicht als geschehen betrachte, sondern sie stets fortsetzen werde. Er hob aus den Arbeiten des Gesamtarchivs das Moment heraus, welches jede geschichtliche Arbeit mit den grossen Forderungen des Gemeinschaftslebens verbindet und brachte damit den aus der geschichtlichen Erkenntnis fliessenden, in die Zukunft fortwirkenden Stolz des Juden auf seine Vergangenheit zum Ausdruck. Eine Führung durch das Gesamtarchiv, in welchem eine kleine Ausstellung einen Querschnitt durch die Sammlungen bot, machte den Beschluss der Feier, von der nur noch das Moment herausgehoben werden möge, dass in ihr die hochherzige Stiftung der Frau Geh. Kommerzienrat Henriette Becker von Herrn Professor Philippson zum ersten Male in Gegenwart der Stifterin öffentlich bekanntgegeben wurde. Rede des Professor Dr. M. Philippson. ,,Hochgeehrte Versammlung! Seitdem Leopold Ranke die Geschichtsforschung, zumal für die neueren Zeiten, auf die archivalische Grundlage gestellt, hat das Interesse für die Erhaltung und den Ausbau der Archive sich in allen Kreisen der gebildeten Welt wesentlich gesteigert. Nicht nur für die Kenntnis der diplomatischen Verhandlungen sowie der hervorragenden politischen, literarischen und künstlerischen Persönlichkeiten, auch für die der kulturgeschichtlichen Vorgänge und Entwickelungen haben die archivalischen Urkunden grösste Bedeutung erlangt. Ihre Ausbeutung allem gestattet es, das subjektive Element in den geschichtlichen Quellen, das die Forschung und Darstellung auf schwankende Unterlagen stellte, auf möglichst enge Grenzen zurückzudrängen und vielmehr diejenige objektiv sichere Begründung zu schaffen, die für wahrhaft wissenschaftliche Aufgaben unentbehrlich ist. Die Geschichte der Juden in Deutschland entbehrte bis vor wenigen Jahren dieses notwendigen Hilfsmittels fast ganz. Es gab kein öffentliches Depot, das ihre Aktenschätze zu ihren eigensten

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