Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 2 (1910)
- Article
- Aus den Akten des Stadtarchivs zu Thorn
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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7 — auf dem Markte anwesenden Juden die Aufsicht haben sollen, bei Abwesenheit der Lissaer Ältesten dann derjenige zur Aufsicht verpflichtet sein solle, welcher die Vollmacht von der Synagoge zu Inowraclaw aufweist; also ist unter ihnen verabredet worden; deshalb ersuche und bitte ich kraft des pfalzgräflichen Gerichts und des Schutzes, der mir über die Juden zu Inowraclaw zusteht, die Behörden zu Thorn, diese Verordnung von ihnen selber ausüben und sie nicht durch andere Juden übertreten zu lassen. Geschehen auf Schloß Czemnien am 16. Juli 1783. Die Synagogenvorsteher aus Lissa oder Inowraclaw sind also auch unter den Ältesten zu verstehen, welche, in unserem Aktenstück von 1706 an, wiederholt für die Juden bei Bürgermeister und Rat intervenieren: 1706 Okt. 28: Die Ältesten der Juden bitten Bürgermeister und Rat, sie die Marktfreiheit genießen zu lassen und sie bei dem von mehr alß hundert Jahren1) bey hiesigen Jahrmärckten geübten Mützen-Handel zu schützen. (Wenn nun fast der mehrerteil der Juden durch dießen Handel ihr bißgen Brodt suchen, dahero auch ihre Mützen mit großen Unkosten . . . anhero bracht und hierüber das Burg-Graf 1. Geleite erhalten . . . ) Ähnlich 1707 Jan. 12. Gideon Fock aus Posen an Bürgermeister und Rat: Nachdem die allhie in Posen wohnenden Juden bei mir angebracht, wellcher gestallt Ihnen in der Köniegl. Stadt Thorn in ihrem handeil einigen eindrang geschehn, zu wieder ihren deswegen habenden Prievieliegien, als habe in ansehung, daß Ordres erhallten, hiesige Juden bei denen ihnen mitt recht zukommenden Freiheiten in Allem zu schüzzen, damit Sie ihreContriebution soViehl richtiger zahlen können, nicht unterlaßen wollen, Euer Edlen und Wohlersten Raht davon Nachricht zu ertheilen, nicht zweifelnde, Sie werden sollche Anstallt machen, daß die hiesige Juden bei Ihren Vorigen Prievielegien erhallten, und keine uhrsach sich ferner zu beschweren haben werden." Von besonderer Bedeutung scheint der Handel mit Kürschnerwaren gewesen zu sein. Der Woiwode Franz Sigismund Galecki verwandte sich am 11. Febr. 1707 noch besonders für die jüdischen Kürschner aus Posen und Bürgermeister und Rat umschrieben in ihrer Antwort (Febr. 14) die Handelsrechte der jüdischen Kürschner mit den Worten: *) Zeugnisse für die Anwesenheit von Juden auf dem Markt in Thorn vom Jahre 1631 an bei Lewin a.a.O.