Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 1 (1909)
- Article
- Akten-Inventar der israelitischen Religionsgemeinde Offenbach a. M.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2821022-2821023-2821064--0082-2821153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Anlagen, I. Die "Vorgeschichte der israeL Gemeinde zu Offexibaeh. Als Geburtsurkunde der israeL Gemeinde in Offenbach sind die Statuten von 1707 (B IV 2) anzusehen. Sie sind der erste Ausdruck eines dauernden, geschlossenen und organisierten Gemeindebestandes. Die Einzelsiedlung von Juden in Offenbach reicht aber wesentlich weiter zurück. Ihr ältestes Zeugnis ist die Bitte eines Lazarus Judt an den Grafen Wolff Heinrich, ihn, nachdem er bereits unter seinem Vater Wolff Ernst fünf Jahre in Offenbach in Schutz gestanden, aber ,,wegen des Krigs Volcks nit zu Hauß vor Ihn Sicher Pleiben Können, Sonder mich ander werdts bei andere Juden hin undt her vf gehaltten", wiederum als Roßkamm in Offenbach in Schutz zu nehmen. Die Bitte ist undatiert, die gräfliche Resolution: ,,der Jud soll 30 Rtl. Einzugsgeld und jährlich soviel Schutzgeld zahlen" vom 1. August 1628.2) Also ist Lazarus Judt bereits 1623 nach Offenbach gekommen. Das zweite Zeugnis der Judensiedelung in Offenbach ist 65 Jahre jünger. Am 24. April 1693 gestattet Graf Johann Philipp von Isenburg und Büdingen den aus Osthofen bei Worms vertriebenen Juden Daniel und Adam unter dreijährigem Schutz die Niederlassung in Offenbach, verbietet ihnen aber, zum Schutze der in Offenbach bereits wohnenden Juden, den Handelsbetrieb.2) Also hatten sich in der Zwischenzeit die Judensiedelungen vermehrt und es entstehen die Fragen: Beginnt mit Lazarus Judt die ununterbrochene Ansiedlung? Läßt sich ihr geschichtlicher Anlaß erkennen? Wie kam es am Anfange des 18. Jahrhunderts zur Konstituierung der Gemeinde? So wenig sich auf diese Fragen eine bestimmte Antwort geben läßt, so deutlich wird doch für alle drei das allgemeine Bild ihrer geschichtlichen Bedingungen und Zusammenhänge. Auf isenburgschem Gebiet sind je ein Jude in Geinsheim schon für ungefähr 15893), in Weißenau für 16094) bezeugt; in Weißenau sechs Juden für 1628. Der Zuzug erfolgte 1614 durch flüchtende Frankfurter Juden während des Fettmilchschen Aufstandes. x) Akten des Fürstl. isenbiirgschen Archivs zu Birstein (vgl. S. 65) Nr. 3905.) 2) A. a. O. Nr. 3915. 3) Im Jahre 1629 stellt Moses Jndt vor, daß „mein Vatter vff die 40 Jahr vnd ich nunmehr als zu Geinssheim gezogen vnd geboren, vff die 18 Jahr lang vnter E. Gr. vielgeliebten Herrn Vatter in gen. schuz vnd schirm gewohnet" (a. a. O. Nr. 3905). 4) Im Jahre 1629 nennt sich Nathan Judt zu Weißenau „der älteste Jud so unter E. G. vielgeliebten Herrn Vatter vff 25 Jahr gewohnet" (a. a. O. Nr. 3905).