Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 12 (Dezember 1846)
- Date
- 1846-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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W i e E s s ä 11. Eine Skizze. Die Muselmanen, erzählt Sale in seiner Vorrede zum Koran, rühmen sich, daß Juden und Christen zwar viele Seelen, sie selbst aber die meisten Seelen zählen. Ein sonderbarer Ruhm und im diametralen Widerspruch mit dem Begriffe des Glaubens, dessen eigentlichstes Merkmal einfache, über Zweifel und Meinungsverschiedenheit erhabene Wahrheit sein soll! Und doch liegt auch dem Gedanken, daß Sectenthum für den innern Gehalt des Glaubens spreche, manches nicht ganz zu Verwerfende zu Grunde. Die Wahrheit, diese untheilbare unauflösliche Monas-, der innerste Punkt im Kreise der Schöpfung, der Himmel, um den sich alle Sphären bewegen, befindet sich uns, je nachdem wir gestellt sind oder uns selbst stellen, am Zenith oder am Nadir: subjektive Anschauung, Anlagen und Fähigkeiten, Wünsche und Neigungen, Einflüsse von außen und mitgebrachte Begriffe entfernen uns von ihr oder lassen sie uns verschieden auffassen. Diese verschiedene Auffassung ist noch mehr von jeder positiven Religion unzertrennbar: die Lehren sind gegeben, der Kreis verzeichne^ über die hinaus der Geist nicht gehen soll; aber er will je nach der ihm eigenthümlichen Richtung die Deutung und den Gehalt erforschen, findet und erfindet Schwierigkeiten, deren Interpretation und Ausgleichung mit seinen Begriffen ihm eine angelegentliche Beschäftigung ist: und so treten abweichende Ansichten hervor, zu denen nicht wenig auch der Umstand beiträgt, daß das Positive in Schrift niedergelegt ist und Schriftthum leicht zur Hieroglyphik wird, die zu mannichfachster Entzifferung Gelegenheit bietet. Jedenfalls ist jedoch der Meinungszwiespalt aufdem Gebiete der Religionswahrheiten der gänzlichen Bewegungslosigkeit vorzuziehen; diese ist das Zeichen des Stumpfsinnes, des beschränkten, von keiner Geistesthätigkeit gehobenen, finstern Glaubens, oder des den Glauben nicht würdigenden und ihm völlig entfremdeten Jndifferentismus. Und von dieser Frantrl, Zeitschrift I». 34