Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-10-01 · 10 (Oktober 1846) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
10 (Oktober 1846)
Date
1846-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744894--1324-2746296
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Eonüruction der jüdischen Gelchichte, eine SkW. Zweiter Artikel. (Vgl. Märzhest.) Die christliche Geschichtsanschauung spricht bekanntlich dem Judenthume seit dem Verluste seiner staatlichen Selbstständigkeit, der mit einem für die christliche Welt wichtigen Phänomen zusammenfiel, alle Geschichte, im höhern Sinne des Wortes, rein ab; sie gönnt ihm kaum einige Zeilen und glaubt es zum Danke verpflichtet, zu haben, wenn sie einige zersprengte Einzelnheiten seiner Geschichte an den Rand der weltgeschichtlichen Annalen, in eine magere Note verwiesen hat. Flüchtig eilt der Griffel der Weltgeschichtsschreiber über die jüdische Passionsgeschichte hinweg, als fürchteten sie das durch Syphismen eingelullte Gewissen durch die blutigen Erinnerungen aufzustören, als fürchteten sie durch ein lautes Wort die Rachegeister heraufzubeschwören. Und nun erst die rege Thätigkeit der jüdischen Geschichte, die unsterblichen Schöpfungen, die das Judenthum hinter den verrammelten Pforten des Ghetto, in der düstern Einsiedelei der Klause zu Tage gefördert, wie.sollte dieses Beachtung und Anerkennung finden? Dann ist» diese Manier, das Judenthum ins Grab zu legen, der jüdischen Geschichte den Todtenschein auszustellen, zugleich sehr bequem; man weicht dadurch der Schwierigkeit aus, die sich einer Construction der Weltgeschichte im rein christlichen Sinne entgegenthürmen würde. Um so dringlicher ergeht an uns die Aufforderung, unserer Geschichte ihr Recht zu vindiciren, ihre Lebenshaltigkeit und Unverweslichkeitdarzuthun, zu beweisen, daß der jüdischen Geschichte kein Mittelalter in dem gehässigen Sinne des Wortes nachgewiesen werden kann, daß selbst die anscheinende Erstorbenheit der jüdischen Geschichte in den mitternächtigen Tagen des Mittelalters nur ein künstlich angelegter Scheintod gewesen, um sich vor der blutdürstigen Brutalität zu retten, oder auch ein gesunder kräftigender Winterschlaf, Frankel, Zeitschrift NI. 28

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.