Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 2 (Februar 1846)
- Date
- 1846-02-01
- Page
- Seite 44 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Zur Geschichte Mischer Zutziirde in der pyrevälschen Halbinsel rc. Herrschten etwa in den letzten. dreiJahrhUstderjen jn den christlichen Ländern Europa's im Allgemeinen Ändere Begriffe über das Verhältniß zu Richtchristen, als in der Türkeiüber dasVerhältnißzuNichtmoslemen? Fragen wir die Inquisition und den dreißigjährigen Krieg. — Haben etwa die Selim und Soliman in Ungarn Arger gehaust, als die Armeen des allerheiligsten Königs Ludwig's XIV. in Deutschland und Holland? — Würden etwa die Zustände derTürkeigebessert sein, wenn es der christliche Staat Rußland unter, seinen Scepter brächte, und auf beliebte Weise die griechische Kirche darin ausbreitete? Nicht viel; vielleicht eben so sehr, als sie sich verschlechtert, da das Scepter aus der Hand der entnervten Byzantinerkaiser in die der Sultane überging. — Gibt es in Europa moslemische oder christliche Lander, welche den Juden, der von einem Sturm an die Küste geworfen wird, von der nackten Klippe, die er in der Todesangst umfaßt hat, in das Gefängniß hinein- oder in das Meer hinausstößt? — Aber es gibt kein moslemisches, sondern ein echt katholisches und ein echt protestantisches. Auch die nächste Gegenwart selbst, die vielbewegte, regt denjenigen, der außerhalb dieser Bewegungen sich ein unbefangenes Urtheil wahres zu mannigfachen Betrachtungen an. Wird doch fortwährend über Fragen verhandelt, die man eigentlich für längst beantwortet und abgethan halten sollte. Glaubensfreiheit, Gewissensfreiheit, sie eristirten in manchen Ländern nur für den, der die Macht in Händen hatte, und es war nichtzu schwer, diesen Zustand für einen recht- und vernunftgemäßen zu halten. Plötzlich — wer hätte dieß gedacht, als vor wenigen Jahren über die Verhältnisse der Juden in mehreren deutschen Kammern verhandelt wurde — plötzlich richtet sich die Schärfe des Glaubenszwanges gegen diejenigen selbst, die einst so bereit für Unterdrückung Andersglaubender, weil sie anders glauben; gewesen, und wie ist mit einem Male der ganze Kreis der dahin gehörigen Anschauungen — vielleicht auch nur bis wieder über Juden gesprochen wird — verändert. Roch hat man ja, nicht einmal bestimmt, wie viele Deutsch-Katholiken oder protestantische Lichtfreunde in einer jeden Stadt wohnen dürfen, wie viele heirathe» dürfen, zu welchem Lebensberufe sie Neigung haben dürfen u. s. w., und schon ist über Glaubensfreiheit so viel Schönes und Erhabenes gesagt worden, beinahe so viel, als man Feindliches und Gehässiges gegen Juden gesagt — und das ist bekanntlich sehr viel. Frei im vollen Sinne des.Wortes kann nur derjenige sein, der Andern Freiheit zu gewähren vermag; wer den Glauben, ein rein Geistiges, an den Besitz materieller Macht knüpft, müßte wewentgstens den Muth haben, die Consequenzrn seines Verfahrens, auch wenn sie ihn selbst treffen, anzuerkennen, freilich mehr Muth, als dazu