Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 10 (Oktober 1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 392 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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392 Zur Sagen- und Legendenkunde re. wird dieser oft nur aus der sonstwoher bekannten Eigenthümlichkcit des jüdischen Geistes zu ermitteln sein, noch öfter umgekehrt zur Charakteristik des Letzteren manches interessante Material darbieten. Ein anderer nicht unwichtiger Vortheil erwächst der jüdischen Literaturgeschichte durch die Nachweisung des fremden Stoffes für did Bestimmung der Abfassungszeit anonymer oder pseudepigraphischer Werke *). Als Beleg für die Verwendung dieser Forschungen auf anderen Gebieten führen wir nur dieß Eine an, daß das Verständniß des Korans ohne Kenntniß der jüdischen Legenden unmöglich ist, und selbst nach den verdienstlichen Leistungen auf diesem Gebiete noch manchen interessanten Aufschluß zu erwarten hat**). Bei der aus dem bisher Gesagten ersichtlichen Masse des Stoffes und Mannichfaltigkeit der Quellen und Literaturformen laßt sich über die Form der jüdischen Sagenbearbeitung kaum etwas Allgemeines aufstellen. Nur durch Geist und Richtung bieten die Sagen in den Werken der Halacha, im frühern und spätern Midrasch, im schlichten Gebete und in den Ritualpoesien (Pijutim) in der Bearbeitung arabischer, romanischer, derüscher Elemente u. s. w. etwas Gemeinschaftliches. Und so ist es uns auch nicht möglich, hier Form und Styl der jüdischen Sage überhaupt allgemein zu charakterisiren. — Wir sprachen bereits über den Hauptunterschied der mündlich sich fortpflanzenden, spater nach verschiedenen Rücksichten gesammelten und der aus schriftstellerischem Bewußtsein mit oder ohne Aufwand der Kunstform hervorgegangenen Sage. Form und Styl der letzteren hangen außer allem andern Einflüsse des Ursprungs, der Zeit, der Sprache natürlich von der Individualität des Verfassers ab; die der ersteren, dem eigentlichen Mid rasch hauptsächlich avgehörenden, dürften etwa durch folgende Grundzüge sich charakterisiren. Die mündliche Fortpflanzung, die Durchkreuzung der verschiedenartigsten Materien in der schriftlichen Sammlung schließen eine höhere kunstvolle Anlage, poetische Einheit, Ebenmaß und Gliederung mehr oder weniger aus. Die Färbung ist mitunter grell, in's Seltsame und Wunderbare bis zur Uebertreibung sich verlierend, oft ausmalend bis in die kleinste Nüance, selten matt und blaß. Der Ton ist gewöhnlich naiv und lebendig, oft witzig scherzhaft und spielend, oft sinnig und geheimnißvoll, nicht selten von Gedankenschwung zeugend. Der A u s - *) Siehe Zunz g. V. S. 123. Ltbl. 1841. S. 143. Ueber Saadja s. Dukes, Beiträge u. s. w. S. 81. **) Mehr hierüber in einer besonderen Abhandlung: Ueber das Verhaltniß der muhamcdanischrn Legende zur jüdischen.