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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-07-01 · 7 (Juli 1845) · p. Seite 270

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
7 (Juli 1845)
Date
1845-07-01
Page
Seite 270 (sequence 24)
Language
German
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270 Tagesbegebenheiten. russischen Juden schaden mit chrer Tracht sich selbst, müssen sie hierdurch Vieles von der Unduldsamkeit erfahren und im In- und Auslande Unbilden ertragen. Das Individuum hat aber, so weit sein eigenes Wohl in Frage steht und nicht das desErates damit collidirt, über sich selbst zu gebieten, und darf es nur auf moralischem, nicht auf autokratischem Wege gebessert werden. Wahrlich der russische Kaiser denkt zu groß, als daß sich in ihm Autokratie mit Despotismus, der da spricht tel est notre plaisir, identificiren sollte. Und soll auch Peter der Große gegen die Barte und die Tracht der damaligen Russen in solcher Weise verfahren haben, so dürste doch seit jener Zeit die Achtung vor dem Rechte des Individuums manchen Fortschritt gemacht haben Der verstorbene Sultan Mehemed suchte das Tabakrauchen und die lange türkische Kleidung abzuschaffen; doch obschon Autokrat und sogar mit einer starken Beimischung von Willkür, erließ er nicht strenge Verbote und Steuerauflegung, sondern fing bei seinen Großen an, entzog jenen, die diesem Wunsche sich nicht fügten, seine Gnade, und wendete sie denen zu, die sich gehorsam zeigten. Auszeichnungen für jene russischen Juden, die die alte Tracht und den Bart ablegen, würden wahrscheinlich zu demselben Ziele, wenn auch vielleicht langsamer, geführt haben und wäre hierbei das Recht—dieser Grundpfeiler des Staates und Palladium der Menschheit — unangetastet geblieben. — Wir sind überhaupt durchaus anderer Meinung als der Korrespondent und dürste vielmehr zur Ehre des hochherzigen Kaisers anzunehmen sein, daß die Ukase nicht immer als Ausstrahl der Gesinnung betrachtet werden sollen, sondern mitunter von der Nothwendigkeit ausgedrungen, und Manches sogar durch Einflüsterung der Judenfeinde, die leider, wie wir früher berichteten, in Petersburg gegen die „Hebräer"^ wach sind, entstanden sei. Denn welchen Ausstrahl wollte der Correspondent in dem Ukas, der die an der Grenze wohnenden Jüben von Haus und Höf und Heimath vertrieb, finden? * ■ * * Der Univers israelite, herausgegeben von Herrn S. Bloch in Paris, theilt folgendes Schreiben des Bey von Tunis mit: „Ruhm dem einzigen Gott! Wir, Diener Gottes (gelobt sei er), Muschir Achmet Pascha, Beh von Tunis an ... . Generalkonsul von ... * zu Tunis. Das Ziel des Gegenwärtigen (Schreibens) ist Dir wissen zu lassen, daß uns mitgetheilt worden ist, wie einige Europäer, die sich in unserer Hauptstadt aufhalten, einige tunesische und fremde Juden am Estherfest mißhandelt haben. Da wir erwageu, daß eine solche Aufführung tadelnswerth ist, so wünschen wir, daß Du Deine Schutzbefohlnen (hiervon) in Kenntniß setzest, damit dergleichen Frevel sich nicht wieder erneuen. Der 24ste des Monats Babea, der erste des Jahres 1261."

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