Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 160 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Recensionen. Herr H., der vorgibt, nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zur Führerin zu nehmen, hat das rabbinische Judenthum einer ungemeinen Unwürdigkeit angeklagt; diese Anklage that zwar seinem Herzen wahrscheinlich sehr wehe; aber es mußte an den Tag kommen, und durch ihn als Rabbiner zuerst: unpr-r wpa Aber woran sollen wir erkennen, daß Herrn H. wirklich die Wahrheit leite? Dürfen wir in einer so wichtigen Angelegenheit unbedingt seiner Versicherung trauen? Es wird dem rabbinischen Judenthume, einem mehrtausendjährigen Institute, nichts Geringeres aufgebürdet, als es lehre mit Eiden sp ielen: und diese Behauptung, der die im Judenthume so hochgehaltene Heiligkeit des Eides widerspricht, sollen wir als Wahrheit hinnehmen, die so viele treffliche und edle Männer in dieser großen Zwischenzeit übersahen, und die aufzudecken erst einem aufgeklärten Rabbiner des 19. Jahrh. aufbewahrt war? Denn die Beschönigung, man greise den Juden nicht an, erkenne vielmehr, wie der heutige auch orthodoxeste Jude den Eid nach einem moralischen Gefühle halte, zeigt von bodenloser Sophistik und wie es dem Entdecker nur um eine xetitio benevolentiae zu thun war, da es ihm doch zu gefährlich scheinen mochte, es mit der ganzen Judenheit zu verderben. Einer einzelnen Lehre, die isolirt dastehet und einem Autor im Unmuthe über erlittenen Druck entfahren ist, oder in einem in den Begriffen seiner Zeit wurzelnden, und bei dem Unterdrückten und Verfolgten um so leichter zu entschuldigenden Religionshaß seinen Grund hat, kann die Moralität und Gesittung der Glaubensgenoffenschast sich leicht entwinden, gehet sie ohne Einstuß an ihr vorüber, und kann ihr nicht zum Vorwurfe gemacht werden. Aber der Eid, der so tief eingreift in die göttlichsten Gefühle, der Eid, das heiligste Bindemittel unter Menschen, die gewichtigste Erinnerung an Gott, die höchste Anrufung zur Wahrheit, an die der Richter appellirt, wenn jede weitere Erkenntniß ihn verläßt, weil er die Ehrfurcht vor dem Göttlichen in Jedermann voraussetzt: wenn mit dem Eide nach der Lehre einer Religionsgenossenschaft gespielt werden kann,, dann ist sie verworfen, dann trägt sie in sich den Keim der Jmmoralität und Unsittlichkeit, die kein edleres Gefühl, keinen moralischen Sinn in ihr aufkommen lassen kann, ist sie in ihren innersten Grundlagen entsittlicht und verderbt; und es muß, wenn diese feindliche Behauptung eine Wahrheit ist, jede Behörde den Eid der Juden zurückweisen, kann sie nicht annehmen, daß auch im orthodoxesten Juden das moralische Gefühl die Oberhand behalte, muß sie entweder dem Juden Treue und Glauben absprechen, oder jene vorgespiegelte Wahrheit als eine Denunciation verachten. (Fortsetzung folgt.) Druck der Leubner'schen Officin in Dresden.