Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Die Messiasidee >c. wohl noch lange liegen und ruhen können, Härte ihn nicht der erhabene Anblick der einsamen, gigantesten Alpenwelt wie mit einem Zauberschlage in. seiner ganzen Gewalt und Lebendigkeit erweckt und vor der Seele aufgerichtet. Die Erde ist noch lange nicht fertig! Der Sabbathabend der vollbrachten Schöpfung steht noch zu erwarten! Dort, wo die jugendliche Erde ihre Riesenkinder nackt und bloß in die Wolken emporhebt, damit sie sich mit zerschmetternden Gewittern und verzehrenden Lüften vertraut machen; wo meilenbreite Ströme, mitten im wildesten Wogengetümmel erstarrt, von den Firnen aus der Schneeregion allmälig herab in die blühenden Thäler steigen; wo ein fast ununterbrochenes Krachen und Donnern den Sturz der Lavinen bezeichnet; wo gewaltige Wasserfalle von allen Felswänden herunterbrausen — hier wird es der Mensch, wenn er es auch sonst als eine Fabel belächelte, durch den Augenschein gewahr, daß seine Erde noch lange nicht fertig, ist, und daß noch fortwährend an ihr gearbeitet wird. An jenen nackten Felsen, so starr und regungslos sie auch dem oberflächlichen Anblicke erscheinen, nagt und nagt der Zahn der Zeit, und gestaltet aus ihren Trümmern ein lebendiges Neues. Kälte und Wärme lösen sich im Dienste der Natur ab; Lüfte und Wolken dringen in die feinsten Poren, und treiben die zusammengekitteten Massen mit unwiderstehlicher Gewalt auseinander; tiefer unten leimt sich das Schorfmoos und anderes Gewächs an, und verwandelt den Felsen in eine zerreibliche Gartenerde; jetzt wäscht der Gletscherstrom Rinnen aus, und führt das allmälig zerriebene Gestein ins' Thal hinab, während der unaufhaltsam herabsteigende Gletscher mächtige Blöcke losbricht, und sie an seinem Fuße auswirft. Man sieht die ruhelosen Naturmächte arbeiten; hört, wie'sie brechen, bohren und stampfen, jene gewaltigen öden Massen zu verwandeln. Und in Was zu verwandeln? Was ist denn der Schluß all dieses Gehämmers, dieses Stoßens und Bohrens? Wir sehen auch diesen Abschluß vor uns; wir befinden uns auf diesem Resultate aller Arbeit der Naturkräfte; es ist der grünende, sonnige Weideplatz, die Alp mit ihren Sennhütten, ihren Viehheerden und frohen Men-, schenkindern! Die Erde ist nochlange nicht fertig! Jährlich, täglich, stündlich wird am Neuen gebaut; die Naturkräfte ruhen und rasten nicht, können nicht ruhen und rastön, bis das Werk vollbracht ist; bis sie das rohe Unlebendige überwunden, und dem' Menschen neues fruchtbares Erdreich erarbeitet haben. So waren sie seit dem Anbeginn in Höhen und Tiefen thätig, so sind sie es bis auf diese Stunde. Die Erde hat noch eine. Zukunft; ihre Be-