Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4 lieber Reformen im Judcnthumc. Befriedigung hintan, und ist mit der äußern Verfeinerung der innere Lebcnsäther ihr entschwunden? Es eilt die Zeit mit Riesenschritten, wohin? nach dem Kreislauf der Dinge und nach vielen Anzeichen vielleicht wieder dem Rückschritt zu; das Judenthum, das hinausgcsandt wurde um für die ewige Wahrheit zu kämpfen, kann sich nicht mit dem Rückschritt befreunden: ihm ist für alle Zeiten die Aufgabe geworden, in Licht und Erkenntniß zu wandeln: hier der vermessenen Selbstvergötterung des Verstandes, dort dem schwermüthigcn, das Licht des Göttlichen verdunkelnden Bigotismus so wie den Geist niederdrückenden Dogmen zu widerstehen; was das Judenthum den vergangenen Zeiten, das soll es noch der Gegenwart sein, und wird es auch der Zukunft bleiben: die Abwehr nach beiden Seiten hin, gegen Unglauben und gegen den das Licht des Geistes trübenden Aberglauben. „Heilig zu Gott" ist die Aufschrift, die das Judenthum an seiner Stirne trägt, darum ist es unvergänglich in den Bestrebungen der vergänglichen Zeit, deren wilder Taumel es nicht erschüttern kann; „heilig zu Gott" darum scheuet es den Fortschritt nicht, ist sich bewußt, daß durch Klarheit und Einsicht sein eigentlicher Werth stets mehr erkannt werde. Erhaltung und Fortschritt, dieses ist die Aufgabe der Gegenwart; können wir die Schwierigkeit einer befriedigenden Lösung verkennen? Wo wird der Jncidenzpunkt gefunden werden, wo sollen die beiden scheinbaren Gegensätze sich begegnen? Welcher Ausgangspunkt soll für die Bewegung gewählt werden, und welchen Widerstand soll sie finden? Wie dem Gemüthe seine Ruhe sichern, daß es nicht in innerer Zerrissenheit und erstarrt von bangen Zweifeln vergebens den wärmenden Strahl des Glaubens suche, wie dem Verstände sein Recht ertheilen, durch ihn in die dunkelen Vorstellungen des Gemüthes Klarheit bringen, daß es auch das Licht ertragen lerne, und im Aufgeben selbst an Werth und Dauer des Besitzes gewinne? Es sollen die widerstrebendsten Elemente, die so selten in ein richtiges Gleichgewicht zu bringen sind, vereinigt werden; hier wiegt das Gemüth, dort der Verstand vor; Mancher lebt ganz im Glauben, will, daß demselben Alles unterthan sei, betrachtet die Verhältnisse, die sich ihm nicht schmiegen, als Anomalien, Jenem ist die Gegenwart, die Zeit allein maßgebende Norm, er mißt nach ihren Begriffen Hohes und Heiliges; es nehmen endlich die Forderungen eine verschiedene Gestaltung nach den verschiedenen Eindrücken der Erziehung und der Gewohnheit an, und nicht minder nach den Schwächen und Vorurtheilen: darum muß denn auch der Ausgleich um so schwieriger erscheinen, trifft jeden Versuch, der auf