Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- Anzeige und Prosepectus, Dezember 1843
- Date
- 1843-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 schon lange zum Bewußtsein gekommen: was dem Juden genommen und vorenthalten wird, klingt in tausend Dissonanzen des staatlichen Lebens wieder; es spiegelt dieses Schreckbild sich durch alle öffentlichen Beziehungen ab, vibrirt in sich stets erweiternden Kreisen durch Kirche und Staat, bis es zuletzt in dem stygischen Sumpfe des Fanatismus und der Unduldsamkeit, des Kasten-- Zunft- und Jnnungswesens stagnirt. Darum erstanden dem Inden Vorkämpfer, die dem Judenthume selbst nicht angehörten und in deren Absicht es nicht lag, das Judenthum zu vertheidigen, sondern das Recht der Menschheit, deren gesetzliche Beeinträchtigung, unter welcher Gestalt sie hcrvortrete und gegen wen sie ihre Waffen wende, den verderblichen Keim eines sich weit verbreitenden und das sittliche und bürgerliche Wohl der Gesellschaft bedrohenden Unrechts, in sich trägt. Denk Juden selbst liegt in dem Kampfe für sein Recht die noch höhere Ausgabe, Rechtfertigung des Judenthums gegen Angriffe von außen, ob. Diese Rechtfertigung muß auf politischem Boden verbleiben, wenn der Angriff aus der unseligen Begriffsconfusion vonKirche und Staat hervorgehet und der Synagoge Geltung abgesprochen wird, weil sie als Synagoge das christliche Element negirt, der Staat aber, als christlicher, das Recht anderer Bekenner als nicht legitim ansehen müsse. Würde diese Frage auf religiösem Gebiete auSgefochten, so müßte sie sich in einem Vernichtungskampf endigen, die Abwehr sich in Angriff umwandeln, in einen Streit auf Leben und Tod: die Synagoge müßte entweder die Principien des ihr gegenüberstehenden Christenthums als unhaltbar Nachweisen oder, so sie im Kampfe unterläge, sich als besiegt bekennen und sich selbst aufgeben. Ein solcher Kampf wäre übrigens nur erfolglos; und nicht das Licht der Wahrheit, sondern die Fackel des unauslöschlichen Religionshaffes würde sich ans seinem Schooße entzünden. " Denn wie selten gehet eine Ueberzeugung aus Religionsstreitigkeiten hervor: es bringt Jeder seine vorgefaßte Meinung, seine Vorurtheile,. seine ihm für unwiderlegbar geltenden Beweise mit; und wenn wegen einer nicht bedeutenden Differenz das abendländische Christenthum das morgenländische Reich dem Islam unterliegen ließ, wie wäre zu hoffen, daß je Kirche und Synagoge einander Rede stehen und eine sich als besiegt erklären werde! Im Mittelalter, wo der Papst Staaten verschenkte, das christliche Moment allenthalben durchbrach und jeder Institution' als Basis und Vollendung diente, mußte daher die Synagoge stillschweigend ihr hartes Loos ertragen. Ihre Göttlichkeit manifestirte sich gegen außen in dem Muthe der Ausdauer, in der Beharrlichkeit, die sie ihren Bekenncrn in einer durch viele Jahrhunderte