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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1937-12-15 · 10 (15.12.1937) · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1937
Issue
10 (15.12.1937)
Date
1937-12-15
Page
Seite 20 (sequence 1)
Language
German
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Iltßtteilttnpn 9ea jüMtöjen frftmotreiti* für <tapent 1937 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. Dezember 1937 Nr. 10 Zeichen-Unterricht an der Jtid. Schule (Fortsetzung.) Von Siegfried Z i e g 1 e r (München) Verändertes V.orstellungs zeichnen. Die Formtypen als Zusammenfassungen der räumlichen Erscheinungsregeln in den einfachsten geometrischen Formen. — ihres Vorkommens — sind die Grundlage dieser Übungen, welche eine Vertiefung der Räumvorteilungen und eine Verbreiterung ihres zeichnerischen Ausdrucks zum Ziele haben. Für die Übungen ergeben sich folgende Untergruppen: Scheibe mit Einteilung. Walze mit Einteilung. Hohlwalze mit Einteilung, in Drunter- und Draufsicht.. Hieran schließen sich die ersten Versuche im Werkzeichnen an. Außerdem wird in der 8. Klasse bereits mit dem Linearzeichnen begonnen, das als Vorübung für das technische Zeichnen und vor allem für dasUragehen mit Winkel und Reißzeug dient. Als Fortsetzung unserer Schriftübungen üben wir uns iim Piakiat z e dc hnen und graphischen _Entwürfen. Hier ließen sich anregende Bastelarbeiten, wie das Bemalen von Lampenschirmpapier und Anfertigen von Beleuchtungskörpern einschieben. Im.Pensum der oberen Mädchenklassen ist das Gebiet: Schmückendes Zeichnen tomiangöbemid. Ob es sich als Vorübung um Näturstudien handelt, und das Erfassen von Blumentypen zur späteren Verwertung bei Entwürfen von Handarbeiten oder sonstigem Zierat, oder auch nur um das eindrückliche Studium dieser Naturformen und Farben zur Geschmacksbildung der Schülerinnen. Wird den Mädchen doch meistens später die Aufgabe zuteil, das eigene Heim und alles, was dazu gehört, geschmackvoll zu gestalten. Mehr als je ist ja die Frau berufen, sei es im eignen Hause oder als Kindergärtnerin und selbst im praktischen Berufe oder Erwerbsleben, den Alltag durch eine gepflegte Linie zu verschönern. Alle diese Empfindungen kann ein nach dieser Richtung orientierter Zeichenunterricht wecken. Und wie gerne werden von den Mädchen dieser Altersstufe die verschiedensten Bastel- - arbeiten gemacht, die in einer vielleicht anderen, aber anregen-- den Form zeichnerischenv Absichten Ausdruck verleihen. Zu solchen für den Schulbetrieb geeigneten Arbeiten darf man vielleicht zählen: -. ~ Scherenschnitte, Kleisterpapiere, Kartoffelstempel, Schablonenschnitt, Fensterbildchen, Glasmalereien, Lirioleumschhitt. Das Bekleben von gewöhnlichen Schachteln mit farbigen Papieren und Faltschnitten zur Verwendung als Sammelbüchsen . für die jüdische Winterhilfe. Arbeiten, von welchen-Wir eine ganze Reihe zur Ausstellung bringen konnten. — Ein besonderes Kapitel ist auch für die Mädchen die Übung in Z i e r s c h r i f t e n. Schriftübungen diuTchiziehen selbstverständlich den Zeichenmterriaht särnitflicfoer Klassen. Nirgends bewahrheitet sich das Sprichwort: „Übamig macht den Meister" mehir, als bei diesen Schriftübungen. Wir schreiben auf karriertes Papier, auf dem wir mit Bleistift einen von allen Blattseiten gleichmäßig entfernten Schriftraum festlegen. In diesen Raum setzen wir unseren Schriftsatz und ächten sehr auf eine Geschlossenheit des Schriftbildes.;Es kommt dabei niichrt naiir, aiuif die. einwandfrei geschriebenen Buchsjtabenforraen an, sondern auch auf die dazwischen liegenden Hintergründe. Diese müssen bei einem guten Schriftbild g 1 e i c h w e r t i g ..- sein. Das Standardwerk für diese Übungen dürfte das Buch von Rudolf Larisch— Unterricht in ornamentaler Schrift (erschienen Staatsdruckerei Wien 1929) sein. Vor kurzem ist ein sehr wertvolles kleines Büchlein, das Schreibbüchlein von Rudolf Koch (im Bärenreiter-Verlag zu Kassel-Wilhelmshöhe, Preis 90 Rpf.) erschienen. Als Schreibmaterial verwenden wir in der 1. Klasse (dien weichen s tiumi p - f e n. Bleistift, in den: oberen IKÜassen die RedisSeder in verschiedenen ©reiten umidi später die Breitfeder, dahin Tinte oder verecMedenSarfoige Tusche. Ähnliche Grundregeln, wie bei den verschiedenen allgemeinen Schriften haben wir auch in der hebräischen Schrift. Ein schöner Schriftsatz kann eine verhältnismäßig schwache Zeichnung in ihrem Wert 'heben. Der gute Unterricht in ornamentaler Schrift ist daher —: neben seinen praktisch verwertbaren Ergebnissen — ein rein kunstermeheriscb.es Mittel von hohem Werte. Wie oben erwähnt, wollen wir im Zeichenunterricht auf unserer Schule jüdischen Motiven besonders Ausdruck verleihen. Die Gelegenheiten hierzu sind im Laufe eines Jahres reichhaltig und immer wieder können alte Gedanken auf diese Weise schaffend neuen Ausdruck bekommen. Und wenn es nur das hebräische Schriftbild ist, das als Fensterbild uns entgegenleuchtet, oder es sich sonst um eine Bastelarbeit handelt, die Zeichnen als ein anderes Ausdlmcksim'rttel enthalt. Als eine besondere Anregung auf diesem Gebiet soll uns der Aufbau Erez Israels dienen. Wer ist in diesen Tagen nicht mit tausend Geidaniken (dorthin irgendwie verbunden! In die Aufgaben der rein methodischen Entwicklung des Zeichenunterrichts wollen wir nicht versäumen, auch sogenannte Vörstellungszeichnüngen — meist mit Motto — einzureihen. Gerade dieses Zeichnen aus der Phantasie findet in letzter Zeit reichhaltige Anwendung in den übrigen Unterrichtsfächern, .wie z. B. im deutschen Aufsatz, wo eine knappe bildende Darstellung sehr oft dem ganzen Inhalt dienlich sein kann. Und wie oft greift in der Erdkünde irgendeine klare graphische Darstellung erläuternd und deutlich aufklärend ein. Schon die Kleinsten versuchen das geschriebene Wort mit irgendeinem netten Zierleisten zu .uimnatonen, der den Heftzeilen nicht zum Schaden gereicht. In solcher Weise seinen inneren Regungen Ausdruck zu verleihen, ist oft mit «in paar Strichen leichter, klarer und origineller etwas zu saigen, als es viele Worte vermögen. Vor allein aber regt man Ibei dieser Aufgabe die kindliche Phanrtiasie außerordentlich an. Auf idüesem Wege sind oft -ganz reSzvole originelle (Blätter entstanden. Nur muß man daraulf achten, daß die Kinder groß und klar zeichnen und gezwungen werden, darüber nachzudenken, wie die darzustellenden Dinge in Wirklichkeit aussehen. Wenn es sich dabei um Blätter ohne Text handelt, dann lege man das Augenmerk darauf, daß das uns zur Verfügung stehende Format geordnet voll gezeichnet wird und daß die Zeichenfläche keine zu großen Lücken enthält, daß man also keine Angst vor dem Papier hat. . i Fortbildungsschule. Zum Schluß wäre nur ganz kurz der Zeichenunterricht an der ForfiMlidiunigsschiule zu streifen. Nachdem in den Klassen : viele Berufe in eine Abteilung zusammengelegt sirid, ist bei unserem Lehrprogramm zu berücksichtigen, daß bei den zeichnerischen Übungen jeder Schüler — so weit dies überhaupt durchführbar ist — auf seine Rechnung kommt. Wir dürfen also 'unseren 'Fortbaiidteiigsschuluiiterricht ndcM mit den* der Fachschulen vergleichen, die sich für die einzelnen Berufe spezialisieren können. Aber ein gewisser Grundstock ist für alle Berufe gleich. Vor allem das korrekte Umgehen mit dem Handwerkszeug, wie Reißschiene. Winket und Maßstab, sowie Reißzeug, Bleistift mmd Tusche. AnschiMeßend Übungen im Linearzeichnen: Das eingehende BetaidehV der (geometrischen Grundformen. Daran reihen sich technische Zeichnungen von Schnitten und Maschinenteilen an. Maßeinzeichnen und vor allem das für den Handwerker wichtige Projektionszeichnen oder Werkzeichnen. Auch im Zeichenunterricht der Fortbildungsschule ist auf SchrKtübung großer Wert zu legen. . V - Es gibtnoch ein Kapitel, das eines-besonderen Interesses ) würidfiig ist: das Tafelzeichnen. Es ist ein Gehsiet, .über das schon so viel Gutes uräd Schlechtes» geschrieben worden ist, daß ich jetzt nicht Gefahr laufen möchte, weder zu einem oder zum anderen einen Beitrag zu He- -

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