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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-12-15 · 24 (15.12.1937) · p. Seite 434

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
24 (15.12.1937)
Date
1937-12-15
Page
Seite 434 (sequence 10)
Language
German
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434 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr.24 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig f Umfelder Cmhfr tnündjm. im flarantal "nie vorbeigehen kann, ohne zu murmeln: „Markisen! Unsere Owaus Awauseinu Markisen!" : Als die große Summe eingetroffenist, wird Simon Levi nicht glücklicher. Der falsche Ehrgeiz, der ihn veranlaßt, sich nun an die angesehenen, reichen Glaubensgenossen anzuschließen, paßt nicht zu seinem Wesen. Und dann beschäftigt ihn die peinliche Frage des Maser: soll er gleich ein Zehntel vom ganzen Kapital geben oder nur jährlich den zehnten Teil der Zinsen? Hat er dann nicht seine Pflicht schon getan, indem er bei einem Fest 500 Taler den Armen gespendet und seinem Bruder zur Einlösung eines Wechsels 1000 Taler überlassen hat? Schon .hat Simon sein Gewissen durch Träume von einer großen allgemeinen Stiftung, die er als Legat hinterlassen will, beruhigt, da kommt sein Bruder Martin ohne eigene Schuld in schwere geschäftliche Not: er braucht 20 000 Taler, sonst muß er Konkurs machen, und die geplante Heirat seines Sohnes, der schon lange ein armes tüchtiges Mädchen liebt, kann nicht stattfinden. Gidel ist tieif erschüttert, als ihr Martin erzählt, daß sein Haus in Gefahr ist. Sie liebt Simon, weil er gewissermaßen sie selber und sein Leben auch ihr Leben ist. Aber die Unverheiratete fühlt für Mortehe eine ibesonidere Liebe, weil er verheiratet ist und Kinder hat, und dann weil in seinem Wesen etwas wie' ein Hauch aus einer leichteren Welt ist, ein Straihi von Poesie, Vergeblich sucht Gidel, die schon längere Zeit leidend ist. auf Simon einzuwirken, damit er die Summe hergibt. Er bleibt unerbittlich, er will sich nicht zwingen lassen, auf den Betrag zu verzichten, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem eigentlich geschuldeten Maser hat. Er versteift sich in seinen Gedanken darin, daß er seine Pflicht getan, weil er mehr als die Zinsen gegeben hat. Aber Simon Levi wird auf den rechten Weg zurückgebracht. Gidels Leiden verschlimmert sich, es muß eine Operation vorgenommen werden, und der Arzt erklärt dem Bruder vorher, wie ernst es mit der Kranken steht. Da kommt Simon zur Erkenntnis ,daß er sich versündigt hat. Während der Arzt sich schon seine Instrumente zurechtlegt, flüstert Simon der Schwester ins Ohr: „Gidel, ich sage Dir, du wirst gesund. Ich habe Maser gegeben. Dein Bruder Mortehe soll die zwanzigtausend Taler haben. Ich bin sie dem Allmächtigen schuldig, er wird gegenwärtig sein." So kann die Geschichte glücklich enden: mit der Genesung Gidels, mit Simons zurückgekehrter Seelenruhe und stillem wohltätigem Leben in seinem alten einfachen Kreis, mit der großen .vergnügten Hochzeit, bei der Mortehe, als jemand das Hoch auf die Eltern des Bräutigams ausbringen will, den Redner höflich unterbricht und1, sagt: „Ein Hoch kommt zuerst: Mein Bruder Simon geht vor. Warum sollen wir das bestreiten, was jedermann weiß? Das ist sein Werk. Die Kinder meiner Enkel werden seinen Nänreh segnen." — —; Schon als Schöpfer der -Erzählung Maser, deren psychologische Feinheit aus einer Inhaltsangabe nicht sichtbar wird, . -verdient Meier Aaron Goldschmidt, daß man an ihn erinnert.; Er war ein interessanter Mann. Das Besondere seiner Art ist, daß dieser Schriftsteller, den die nordische Literaturgeschichte wegen seiner Schilderungen aus deni dänischen Volksleben so hoch hält, auch Geist und Stimmung jüdischen Brauchs und jüdischer Überlieferung mit Liebe und dichterischer Kraft wie- . dergab. Göldschmidt war. so hübsch er auch die Wirklichkeit zu gestalten wußte, im Grunde eine romantische Natur; die Romantik beeinflußte, das .Schaffen, seiner Jugendjahre, aber, sie ließ ihn nie aus ihrem Bann. 'Goldschmidts früher größer Roman: „E i n J u d e" hat seihe" Stärke in den Kapiteln, in.;'denen diie geheimnisvolle Macht jüdischer Mären iebenidlig wird/ Begierig trinkt der Knabe, dessen Entwicklungsgang in dem Buch dargestellt ist, aus dem Born jüdischer Weisheit und Fabulierkunst er lauscht mit Spannung den Geschichten von dem .kleinen Moses und der Krone Pharaos,.vom Golem, von der hohen Kunst und der Demut des Arztes Rambäm. Nach alter Überlieferung, nach einem Midrasch, zu dem es Seiteristücke in manchen dichterischen Werken gibt, hat Goldschmidt seine wunderhübsche kurze Erzählung Raschi gestaltet, die als Probe seines Schaffens in die 1876 erschienene umfassende Ubersetzungsauswahl „Die National-Literatur der Skandinavier" aufgenommen worden ist. Der große Weise Raschi hat, als er alt geworden, den Wunsch zu wissen, mit wem er dereinst im Garten Eden an demselben Tische sitzen werde. Seinem Gebet wird Erhörung, er erfährt im Traum, daß Abraham ben Gerson, mit dem Beinamen Zadik, der in Barcelona lebt, sein zukünftiger Nachbar im-Paradies sein werde. Raschi zieht nach Barcelona; er will den Zadik sehen und stellt sich ihn als einen langbärtigen, abgemagerten, blassen Mann vor, der Tag und Nacht das Gesetz studiert, der viel gefastet und gebetet habe. Aber siehe, Abraham ben Gerson ist ein Reicher, der in einem Palast wohnt, kein Mensch der Entsagung und äußeren Frömmigkeit. Raschi glaubt, diesen Verächter des Gesetzes zur Buße und Besserung anhalten zu dürfen; Doch er erlebt *es mit, weshalb Abraham der Zaidik heißt .und sein Tischibruder in der zukünftigen Welt werden soll: die Trauung der Tochter des Reichen sojl unter dem Andrang vieler vornehmer Gäste stattfinden. Weil aber-Abraham kurz vorher hört, daß sein zukünftiger Schwiegersohn ein armes Mädchen geliebt und nur, um den Seinen zu helfen," sich zu der reichen Heirat entschlossen hat, verzichtet der Großmütige auf seinen Plan, führt die beiden Liebenden wieder zusammen und gibt dem Mädchen dieselbe Mitgift, die er seiner Tochter zugesichert hat. In seiner heiteren Art schließt Goldschmidt mit den Worten: „Es sind seitdem achthundert Jahre verflossen. Um kurze Zeit kann sich ein jeder unserer Leser selbst davon überzeugen, ob Raschi und Don Abraham wirklich zusammen im Paradiese sitzen." I Goldschmidts jüdische Erzählungen bringen noch heute Freude; sie haben außerdem durch ihre geschickte Verwendung von vielfältigem Gut' jüdischer Volkskunde einen eigenen Reiz. Auch in dramatischen Werken hat sich dieser Meister des feinen Selbstgesprächs und der lebendigen Unterhaltung natürlich versucht. Auf den jungen Menschen wirkte Hebbels Judith so stark, daß er unter diesem Kunsterlebnis an einem Judas Maccabäus arbeitete.. Später hat er mehrfach jüdische Stoffe für die Bühne gestaltet, aber seine Dramen haben nicht die Wirkung der schlichten Geschichten erreicht, in denen er jüdisches Leben vergangener Tage oder seiner eigenen Zeit'vorführte. IbrinQ* Alles _ den} tferrril] Httte-^fen ov^Äe« -huhe,»w IvAandsd lu'ntör*? „Hosen äsene GÜ^e1 lträ9er stets! e\s>wert undO^* BAMBERGER& HERTZ DIE ZUVERLÄSSIGEN KLEIDERFACHLEUTE

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