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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-12-15 · 24 (15.12.1937) · p. Seite 425

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
24 (15.12.1937)
Date
1937-12-15
Page
Seite 425 (sequence 1)
Language
German
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Ausgabe _Er für den Verband der Kiiltnsgeineiiideii in Bayern und die Kultusgemeinden München* Augsburg, Bamberg, Würzburg Aasgabe A : Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis RM. -.60 im Vierteljahr, RM.-2.40 für das Jahr - Ausgabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im -Vierteljahr, RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 75665, Postscheck München 3987 / Anzeigennach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragtendes Reichsministers für -Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der. geistig und. kulturell tä-' tigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIII. Jahrgang München, Ü5. Dezember 1937 Jfr.>4 Inhalt: „Halacha und Aggada" — Die Geschichte der Juden in Ulm während des Mittelalters — „Schtuss" — Die Erziehungsstätte New Herrlingen — Aus der Pfalz — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüdischer Turnu. Sportverein München e.V. „Jtus" — Geschäftliches — Jüd. Kulturbund . in Bayern, Ortsgruppe München — Bekanntmachungen der Isiv Kultusgemeinde München: Bekanntmachung betreff Erhebung eines Kirchgeldes für*das Rechnungsjahr 1937/38 — Personalia; — Kalendarium und Gebetszeiten — Mitteilungen des Jüdischen Lehrer Vereins für Bayern. . : . „Halacha und Aggada" Von Nah um Norbert Glatzer N. R. Glatzer, Geschichte der talmudischen Zeit. 8°, ' 178 Seiten. RM. 2.50. Berlin, Schocken-Verlag 1937. Die jüdische Geschichte vom Verluste des jüdischen Staates im Jahre 70 bis zum Abschluß der Talmud-Redaktion um das Jahr 50fr ist bis jetzt" kaum durchsichtig gemacht worden. Es gehört dazu eine vollkommene Beherrschung der spätantiken Geschichte, insbesondere der Rolle und des>*5chicksals. des Zweistromlandes in diesen Jahrhunderten, die auf den Sturz der Partherhe.rrschaft (226) folgen. N a h u m G1 a t - zer'hat in einem der besten Stücke der reichen Schockenbücherei auf 180 Seiten «den-Versuch gemacht, der Geschichte der talmudischen Zeit -näherzukommen. Er hat eine nützliche Vorarbeit zur näheren historischen Erfassung der Epoche geleistet. Der Talmud ist m'Zeiten eines kaum entwirrbaren Völker-Chaos und in . den unsäglichen Kriegsstürmen der ausgehenden Antike in seine heutige Form gebracht worden; er besteht aus einer bunten Fülle von Teilen,-, die den verschiedensten Epochen und Weltanschauungen entstammen. Wir bringen im Nachstehenden (als Leseprobe) einen kurzen Abschnitt über „Halacha und Aggada" aus dem neuen Glatzer'schen Buch, das zu den wichtigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre zur jüdischen Geschichte gehört, schon weil es deutlich macht, daß wir »noch in den Anfängen der Geschichtskenntnrs der erwähnten *Zeitpefiode (70^-500 nach: Ghr.) stehen. Uber den Talmud selbst, seine Entstehung und Zusammensetzung, vor allem über den. darin waltenden „Geist", sein Recht, seine Moral und seinen Glauben, zu handeln,, lag außerhalb der Aufgabe, die sich der Verfasser gestellf'hat. D.Red. "'"'••... _; . . ' : ■ * ..';•' _ Der geistigen Kultur, wie sie in den. Lehrhäusern der talmudischen Zeit gepflegt wurde, lag die Bibel zugrunde. Dazu kam, aus bereits vorher gegebenen Elementen entwickelt, ohne Anlehnung an die geistigen Güter der Umwelt,- die Halacha zur Ausreifung; sie allein ist.die Form, in der nach tälmudischer Auffassung .die* Forderung der Bibel verwirklicht werden kann. Die Halacha hatte die geschichtliche Aufgabe,, den biblischen Glauben auf der einen Seite vor Verflüchtigung und-Abgleiten in die Mystik,-auf der andern vor Dogmatisierung zu bewahren. Ihren „ewigen Erkenntnissen", ihrer „Metaphysik" entspricht eine „irdische Aufgabe": das Leben in eine Ordnung.zu bringen, welche „die Erfüllung, des Willens des himmlischen <Va-. ters", wie er sich in der Tora kundgibt, gewährleistet. Es geht darum, alle noch „gesetzlos", ungeordnet, ungestaltet gebliebenen Teile des Lebens zu formen, die „unausgewerteteri-* Stücke der Schrift für das Dasein unter dem,.„Willen Gottes-* zu aktualisieren. Die Halacha ist somit der Versuch, der Stunde des Einzelnen, dem Jahr der Gemeinde, dem Leben des Volkes Form und Gestalt zu geben. Die metaphysischen Voraussetzungen eines solchen Lebens werden in der Halacha nicht ber handelt; sie sind als gegeben betrachtet. Auf sie, auf die absolute Forderung, das ewige Ziel hinzuweisen, ist die. .Aufgabe der Aggada, die, nicht nur als literarische Gestalt, der Halacha gegenübersteht und sie ergänzt.1 Halacha und Aggade bezeichnen die beiden Seiten der talmudischen Kultur: das. eine bewährt sich am andern. Und vor allem: Die Aggada ist das ständig begleitende", dem Leben als Ganzheit gerecht.werdende korrektiv der notwendig dem Alltag und der-Einzelforderung der „Kleinarbeit" zugewandten und verpflichteten Halacha. „Einer erwirbt sich seine Seligkeit durch Mühe seines ganzen Lebens, der andere erwirbt sie sich in einer Stunde":2 das ist der korrigierende Eingriff der Aggada in die Halacha. - Solange man sich dessen bewußt war, daß es „besser ist, ein Buchsta&eaus der Tora geht verloren, wenn nur die Tora (als ehi:Ganr zes) in Israel nicht vergessen wird",3 und .daß „eine* Sünde, uni Gottes Willen" besser ist als „ein Gebot, das nicht um Gottes Willen" erfüllt wird,4 konnte das Gesetz nicht erstarr env.bljeb die Halacha-ein lebendiger Organismus* - •> : :r 1 Vgl. Bialiks großen Aufsatz „Halacha und Äggadä".,-tt~ 2 b. Awoda sara 10 b. — 3 b. Temura 14 b. — * b. Nasir 23 b.

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